Juliane Löffler
Ausgabe 2314 | 05.06.2014 | 06:00 11

Mit Conchita gegen die NSA

Überwachungsangriff Die NSA saugt täglich Millionen Bilder aus dem Netz. Was hilft gegen ihre Gesichtserkennungsprogramme? Camouflage Art. Und Conchita Wurst

Mit Conchita gegen die NSA

Foto: Adam Harvey/ ahprojects.com

Die bärtige Gewinnerin des Eurovision Song Contest ist womöglich noch progressiver, als wir bislang alle dachten. Conchita Wursts Bart taugt nicht nur zum Symbol gegen Homophobie, er kann auch als Kampfansage gegen die globale Überwachung durch die NSA verstanden werden. Wie jetzt durch eine weitere Snowden-Enthüllung bekannt wurde, zieht die NSA täglich Millionen Bilder zur Gesichtserkennung aus dem Netz. Ihre Facebookbilder liegen möglicherweise neben Ihrem Personalausweisfoto in kleinen Dateiordnern auf großen Servern. Urlaubsfotos können sogar mit Satellitenbildern abgeglichen werden, um festzustellen, wo sich jemand aufhält.

Die bekannten Verschleierungstricks funktionieren nicht. Abrasierte Haare etwa können das Programm Tundra Freeze, das die NSA einsetzt, nicht verwirren. Vergessen Sie außer-dem Sonnenbrillen und Schals, die Softwareentwicklung ist längst weiter. Was hilft: Bärte! Oder, etwas aufwendiger, aber auch schick: Camouflage Art. Der New Yorker Designer und Technologe Adam Harvey zeigt auf ahprojects.com eine ganze Serie von Schmink- und Haarstylingtipps, um Gesichtserkennungsprogramme auszutricksen. Etwa indem die Symmetrie des Gesichts durch gerade Linien durchkreuzt oder Merkmale wie die Nasenwurzel verdeckt werden. Im besten Fall wird ein Gesicht von der Software überhaupt nicht mehr als solches erkannt.

Camouflage Art ist allerdings merkwürdig dialektisch: Je besser ich mich damit vor Kameras tarne, umso mehr werde ich auf der Straße angeschaut (Conchita, we feel you!). Es ist aber genau diese Diskrepanz zwischen Mensch und Maschine, die uns einen kleinen Vorteil verschafft. Ist Ihnen schon aufgefallen, dass am Flughafen die Passkontrolleure auf die biometrischen Daten in ihren Computern schauen statt in die Gesichter? Ich habe neulich ein kleines Experiment gewagt und mit meiner Schwester für einen Flug die Ausweise getauscht (sie blond, ich brünett). Kein Problem. Mit Adam Harveys Schminktipps wäre das wohl anders gelaufen. Es gibt nun also zwei Möglichkeiten: hoffen, dass kein (aufmerksamer) Mensch hinter den Maschinen sitzt. Oder Haarwuchsmittel.

 

Gar nicht so schwer: Ein Make-up Tutorial gegen Gesichsterkennungsprogramme und Kameraüberwachung:

 

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 23/14.

Kommentare (11)

Hunter S.T. 05.06.2014 | 10:24

Die ganzen Bilder mit bärtigen Frauen sind weder lustig noch passend. Wenn überhaupt müssten doch Männern Frauenkleider angezogen und (falls nicht eh schon vorhanden) Vollbärte verpasst werden. Wäre zwar immer noch nicht lustig, aber wenigstens nicht ganz so daneben (meine Meinung, ich weiß über Geschmack läßt sich nicht streiten). Des Weiteren finde ich den Hype sehr scheinheilig, es geht doch offensichtlich nur um Provokation, kein Mensch findet das wirklich schön. Sonst würden sich doch echte Frauen auch Bärte wachsen lassen und der zweitplatzierte Song wäre nicht öfter verkauft worden als der erste. Na ja, das Wurst hat seinen Willen, steht im Mittelpunkt und scheffelt Kohle ohne Ende. Die eine macht sich immer nackig das andere hat'n Bart- schade dass so billige Maschen immer noch reichen um berühmt zu werden. Natürlich müssen die nächsten geldgeilen und aufmerksamkeitssüchtigen Bekloppten die Provokationsspirale ein Stück weiterdrehen, vielleicht öffentlich immer nur mit einem eingeführten Monsterdildo auftreten oder sich einen Penis mitten ins Gesicht transplantieren lassen (hoffentlich habe ich jetzt niemanden auf dumme Ideen gebracht). Wie auch immer, die Camouflage-Schminke finde ich super :)

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Ehemaliger Nutzer 05.06.2014 | 14:17

Ob ein Bart wirklich hilft? Der müsste ja dann so gewaltig und struppig sein, dass man darin nach einer Woche den Speiseplan des Lieblingsrestaurants erkennen kann - nicht gerade prickelnd.

Nun, vielleicht laufen wir ja bald alle (Mann und Frau) herum wie die Frauen in Saudi-Arabien, quasi als black-moving-object.