Mit der Fackel im dunklen Tunnel gefesselt

Satire zum Thema Ausweglosigkeit/Dilemma
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Wenn das Licht meiner Fackel im Takt der Windstöße in diesem stockfinsteren Tunnel gelblich zuckt, wie eine giftige Schlange, fühle ich mich schlecht und unwohl an diesem stillen Ort, der so finster vor mir liegt, wie ein Sarg welcher unter der Erde ruht.
Noch reichen meine Kräfte aus, um diesem ellenlangen und verzweigtem Tunnelsystem Paroli bieten zu können, so spendet meine mickrige Fackel aber nur wenig Licht, so dass ich den Boden in diesem Tunnel kaum erkennen kann und ich aufpassen muss, wo ich hintrete, um mir nicht alle Knochen zu brechen, so dass ich mich dann in einem Krankenhaus wieder finde, wo mir dann die Knochen ordentlich schmerzen werden, womöglich die ganze Nacht durch, gemildert aber durch diverse Schmerzmittel, die mir dort wohl intravenös zugeführt werden würden.
Den unangenehmen Gedanken an eine Krankenhauseinweisung verwarf ich jedoch recht schnell wieder, so musste ich mich wohl oder übel mit diesem angstmachenden Tunnel befassen, der in eine stoische Finsternis eingehüllt ist, so dass sich diese vor mir wie eine unsichtbare Wand aufbaut, so wie ein heruntergelassener Rollladen.
Aber meine Fackel ist in der Zwischenzeit bereits bis zur Hälfte heruntergebrannt und ihr Lichtschein scheint mir geringer zu sein, als vor kurzer Zeit noch, doch eine zweite habe ich nicht zur Verfügung und muss mich mit dieser leider begnügen. Da es sich um eine Wachsfackel handelt und sie bis knapp über die Hälfte abgebrannt ist wird sie vermutlich noch ungefähr eine Stunde brennen wird, so dass ich dann dem stockfinsteren Tunnel ausgeliefert bin, welches keine gute Aussicht ist. Egal – ich muss hier irgendwie raus, selbst wenn das Feuer der Fackel erloschen ist, muss ich meinen Weg durch den Tunnel konsequent weiter verfolgen und hoffentlich den Ausgang des Tunnels bald auch finden werde. So irre ich mit dieser Fackel, die ich feste in meiner rechten Hand halte, hektisch durch den dunklen Tunnel, ohne aber den Ausgang des Tunnels finden zu können. Als dann die Fackel tatsächlich erlischt, stehe ich mit zitternden Beinen in diesem finsteren Tunnel, die Orientierung dabei verlierend und weiß nicht mehr so recht, wo ich hingehen soll. Die abgebrannte Fackel habe ich dann einfach mit Wut im Bauch weggeschmissen, ohne zu wissen wohin, da es nun noch finsterer ist ohne sie, in diesem unheimlichen Tunnel. Ich taste mich dann mit den Händen entlang den Wänden dort, was in dieser Finsternis ein mühsames Unterfangen ist und ich deshalb nur langsam voran komme. Ich wollte meine Anstrengungen schon aufgeben, als ich das Stimmengewirr einiger Leute vernahm, welche immer näher kommen und ich vor Erleichterung laut zu kichern anfing, da meine Rettung nun kurz bevor steht und mir nichts mehr Schlimmes passieren konnte.

10:44 24.09.2018
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Geschrieben von

Karl Valentin

Schreiber mit einem Schuss Ironie
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