Mit Maxim Gorkis „Nachtasyl“ steigt der Theaterolymp in die Unterwelt herab

Zeitgeschichte Deklassierte werden dargestellt in Maxim Gorkis Drama „Nachtasyl“. Mit großem Erfolg in Moskau. Und nur drei Wochen später, ebenso gefeiert, auch in Berlin
Exklusiv für Abonnent:innen | Ausgabe 39/2022

Ich war verabredet mit einem Freund nach einer Theateraufführung, die er sah, ich wartete vorm Hamburger Schauspielhaus. Es war Winter, und zu zeitig war ich eingetroffen. Es kam ein Zweiter. Er nahm am Boden Platz, zog einen Schuh aus, der in einer abgewetzten Aldi-Tüte verschwand. Nun war der Fuß nackt, und der Mann umwickelte ihn mit einer schmutzigen Binde. Er hängte sich etwas um den Leib, das einmal eine Strickjacke gewesen war, und pünktlich – besser als ich war er informiert, wann drinnen die Vorstellung endet – war er startklar. Die Kulturgenießer traten vom Foyer hinaus in die Nacht. Für den Mann begann die Arbeit. Er präsentierte, authentisch plus Make-up, den Zuschauern sein Leid: „Habt Erbarmen, liebe Menschen, helft!

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