Da geht noch was

Fitmacher Ein Start-up will bald Kopfhörer verkaufen, die ihrem Träger Energieimpulse geben und ihn so wieder wach und leistungsfähig machen. Und was kommt dann als nächstes?
Ausgabe 50/2014

Länger, schneller, besser – wir leben in einer Gesellschaft, die von Optimierung geradezu besessen ist. Was macht man nicht alles, um die Leistungsfähigkeit zu steigern? Wenn natürliche Ressourcen nicht mehr reichen, wird eben künstlich nachgeholfen. Den klassischen Fitmacher Kaffee lösen Energydrinks ab, und immer öfter greifen Menschen zu psychoaktiven Substanzen, um wach und produktiv zu bleiben. Die neueste Errungenschaft auf diesem Gebiet kommt – wie sollte es anders sein – von einem Start-up aus dem Silicon Valley. „Thync“ heißt dessen Kopfhörer, der elektromagnetische Impulse abgibt, damit sein Träger die letzten Energiereserven nutzt und sich dabei auch noch wohlfühlt.

Das Ganze funktioniert in zwei Schritten: Erst wird das Gehirn zur Entspannung angeregt, die Elektroschocks sollen sozusagen das Feierabendbier ersetzen. Aber Herumhängen steht dann nicht auf dem Programm, im Gegenteil. Die kurze Pause dient, ähnlich wie beim Powernap, lediglich dazu, aktiv zu bleiben. Nach Aussage der amerikanischen Erfinder entfalte sich die Wirkung ähnlich wie bei Koffein. Navigiert wird alles zeitgemäß vom Smartphone aus, nach zehn Minuten Elektroteilchentanken sei man bis zu 45 Minuten wieder in Form. Wer möchte, kann auch kürzere Schübe einstellen, Stärke und Dauer der Energie sollen flexibel regulierbar sein.

Wie andere technische Geräte hat aber auch der Thync mitunter Aussetzer. Es kann passieren, dass man im ersten Stadium hängenbleibt und die Elektronen lediglich beruhigend wirken. Außerdem funktionierte die Stimulanz in Tests gerade mal bei jedem dritten Probanden.

Auf den Markt kommen sollen die Kopfhörer mit den speziellen Schwingungen im nächsten Jahr. Das Start-up denkt dabei allerdings vor allem an seine eigene Selbstoptimierung mittels Diversifizierung, zu faszinierend ist offenbar das neue System. In Zukunft möchten es die Kalifornier nicht nur zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit, sondern auch zur Behandlung von Depressionen einsetzen. Haben wir nach Kopfhörern, die mit good vibrations Kräfte mobilisieren, also bald Glücksströme auf Knopfdruck? Manchen Menschen mag das einen Traum erfüllen, doch bislang musste die Technik, die in der Medizin als Neuro-Enhancement bekannt ist, zu Recht viel Kritik einstecken. Nicht ohne Grund hat die Natur uns Grenzen gesetzt, um den Körper und nicht zuletzt die Psyche zu schützen. Schalten wir also einfach ab.

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Geschrieben von

Katharina Finke

global correspondent

Katharina Finke

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