Kalt erwischt

Klimaschutz RWE-Veteran Fritz Vahrenholt hat mit seinem Buch zur Verleugnung des Klimawandels den optimalen Zeitpunkt mitten im Frost gefunden. Der Inhalt ist eher platt

Klimadebatten sind in erster Linie eine Frage des Timings. Das weiß auch ein erfahrener Medienprofi wie Fritz Vahrenholt, und er hätte es mit dem Veröffentlichungstermin seines Buchs Die kalte Sonne kaum besser treffen können als jetzt: Die 444 Seiten lange Verleugnung des Klimawandels schlittert mitten in die härteste Frostphase, die das Land seit Jahren erlebt hat. Erd­erwärmung? Wo denn? Und gerade dieser Witterung wegen wird nun allenthalben über ein Pamphlet gesprochen, das Tausende Forscher aus der ganzen Welt zu Betrügern stempelt und die Berichte des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) zu Hetzschriften im Dienste eines bloß vorgetäuschten anthropogenen Klimawandels erklärt. In Wahrheit, lassen uns der für RWE tätige Ex-Umweltsenator Hamburgs und sein Ko-Autor – ein Geologe der RWE-Öl-Tochter Dea – wissen, sind an den beobachteten Veränderungen des Klimas aber fast nur die Sonne und die Ozeane schuld. Die Aktivität unseres Zentralgestirns ist demnach in den vergangenen Jahrzehnten besonders hoch gewesen, aber weil bald Ruhe einkehrt auf der Sonne, erlahmt zwangsläufig auch der Treibhauseffekt auf der Erde. So einfach ist das.

Erinnerungen an Sarrazin

Zum wissenschaftlichen Gehalt dieser platten Erklärung ist rasch alles gesagt: Der Beitrag der Sonnenaktivität auf die zu erwartende Erderwärmung wird von Forschern, die das Phänomen seit Jahren untersuchen, auf bis zu 0,1 Grad Celsius geschätzt. Ingesamt wird die globale Durchschnittstemperatur aber um bis zu drei Grad steigen, wenn die politischen Verhandlungen weiter stagnieren und das Interesse der Öffentlichkeit mit der frostbedingten Fahruntüchtigkeit ihrer motorisierten CO2-Schleudern endet – dabei sind Wetterextreme de facto eine Folge des Treibhauseffekts. Ob Bücher wie Die kalte Sonne dieses Phlegma noch befördern? Kommt darauf an: Man erinnere sich an einen anderen Ex-Senator und seine Brandschrift – gegen Integration. Auch die bediente Vorurteile mit Halbwissen. Die entfachte Debatte aber brachte das Thema wenigstens wieder auf die Agenda, und genau das sollte man sich jetzt für das Thema Klimawandel wünschen. Der bitteren Kälte zum Trotz.­

15:05 08.02.2012
Geschrieben von

Kathrin Zinkant

Dinosaurier auf der Venus
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