Kathrina Edinger

Freie Journalistin und Historikerin. Schwerpunkte im Bereich Gesellschaft, Jugend, Migration, Zeit- und Kulturgeschichte, v.a. in TV/Film und Hörfunk
Schreiber 0 Leser 1
Kathrina Edinger
RE: Der brave Soldat und die Zivilgesellschaft | 31.03.2015 | 13:33

Wenn Sie nach meiner Motivation fragen: Ich hatte eine ähnliche Auffassung wie Sie, bis ich einen kritischen Beitrag über Rekrutierung von Minderjährigen durch die Bundeswehr und über die zum Teil absurde Selbstvermarktung gemacht habe (ich bin folglich keine Medienberaterin). In diesem Zusammenhang ist mir klar geworden, wie wenig die Solaten bei diesem Image repräsentiert werden und wie sehr es sie selber stört, dass sie als "Durchschnittsbürger", als ganz "normale Menschen", die eben mal zufällig im Afganistan-Einsatz waren, dargestellt wurden. Dass dieses Image nicht nur die Bevölkerung in die Irre führt, sondern auch ein Problem für das Selbstverständnis der Soldaten und ihrer Integration in ihrem sozialen Umfeld darstellt. Ich plädiere hier also nicht in erster Linie für Solidarität für Soldaten, sondern vielmehr für einen ehrliches Soldaten-Bild, das vielleicht in einem zweiten Schritt zu reflektierterer gesellschaftlicher Akzeptanz oder eben auch Ablehnung führt.

RE: Der brave Soldat und die Zivilgesellschaft | 31.03.2015 | 12:41

Ich akzeptiere Ihre Meinung und kann Sie im Grunde ja gut nachvollziehen. Dennoch denke ich, dass eine Differenzierung zwischen dem "Arbeitgeber", seinem Auftrag und der gesellschaftlichen Bewertung des "Arbeitnehmers" ein Gedanke wert ist. Und ja "pars pro toto" in Ehren - ich befürchte so einfach ist das nicht.

RE: Der brave Soldat und die Zivilgesellschaft | 31.03.2015 | 12:27

Selbstverständlich. Ich teile nunmal kaum Erfahrungen, Freundschaften o.ä. mit Soldaten oder Soldatinnen. Das Unbekannte, vor allem wenn es mit solchen Macht- und Gewaltinstrumenten ausgestattet ist wie die Bundeswehr, sollte uns suspekt sein. Allerdings steht der einzelne Soldat nunmal nicht als Teil für das Ganze.

RE: Der brave Soldat und die Zivilgesellschaft | 31.03.2015 | 12:10

Danke für Ihren Kommentar. Zunächst einmal möchte ich gar nicht werten, aus welchen Gründen sich jemand für eine Karriere bei der Bundeswehr entscheidet. Das wäre Inhalt eines anderen Beitrags. Es geht mir auch nicht darum den "Dienst an der Waffe" moralisch zu bewerten. Aber zu Ihrer Frage:

"Ich bin mir nicht sicher, was Sie wirklich mit ihrem Beitrag bezwecken wollen. Solidarität für Veteranen? Solange wir nicht in einen Krieg verwickelt sind, wo Soldaten tatsächlich im Sinne des ursprünglichen Verteidigungsauftrags ihren Dienst tun, solange sollte sich auch nichts ändern."

Das sehe ich leider anders. Den einzelnen Soldat als verantwortlichen Stellvertreter für den (nicht) tatsächlichen Verteidigungsauftrag zu belasten ist schlichtweg zu einfach. Kritik an Politik? Ja, gerne. Skepsis gegenüber Entscheidungen des Verteidigungsministeriums/Militärführung? Ja. Aber der einzelne Soldat steht lediglich in der Verantwortung für sein professionelles und moralisches Handeln. Wie übrigens jeder andere Mensch auch.

RE: Was an Armut in Deutschland wirklich arm ist | 21.02.2015 | 14:17

Tatsächlich kann man ich mich auch nicht davon frei machen zu schlucken, wenn jemand sehr heruntergekommen ist und einfach nicht mehr unseren Hygienevorstellungen entspricht. Oft habe ich auch nur aufgrund des Äußeren angenommen, dass die Person verwirrt/alkoholisiert ist - und war dann über Offenheit und Klarheit überrascht. Fakt ist, dass Arme, vor allem Obdachlose, optisch aus "der Norm" fallen - das muss man ja nicht ignorieren. Allerdings sollte man vielleicht mit der entsprechenden Weitsicht, dass dies Oberflächlichkeiten sind, seine eigenen Befindlichkeiten hinten anstellen. Das hat für mich weder was mit Christlichkeit noch mit Minga (nicht Minka ;) ) zu tun, sondern mit in der Gesellschaft leider sehr weit verbreiteten Berührungsängsten zu tun. Die es übrigens meiner Meinung nach gegenüber alten und behinderten Menschen genauso gibt.

RE: Was an Armut in Deutschland wirklich arm ist | 21.02.2015 | 10:20

Vielen Dank für das Feedback. Ein offensiveres Bettelverhalten konnte ich in München bisher nicht beobachten (was aber nicht heißt, dass sich da nicht dennoch etwas verändert). Ich sehe meistens Menschen, die so unauffällig wie möglich bleiben, unsichtbar sind, weil sie nicht angesehen werden. Zum letzten Abschnitt: Die Fotos sind an einem Tag vor 10 Jahren entstanden. Zu meinem Bedauern habe ich in den folgenden Tagen, Wochen, Monaten, Jahren nicht versucht Kontakt zu halten. Die Namen der Personen wusste ich, weil ich mich mit ihnen unterhielt. Aber ich habe sie vergessen, weil ich die Menschen auf den Bildern auch aus den Augen verloren habe. Heute tut mir das einfach leid.