Deutsche Autoindustrie klarer Verlierer

Coronakrise Für die erfolgsverwöhnte deutsche Autoindustrie sind die Absatzeinbrüche in diesem Jahr schockierend, einziges Trostpflaster, anderen Autobauern ergeht es noch schlimmer.
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Die Corona-Pandemie hat teils enorme negative Auswirkungen auf führende deutsche Autohersteller. In der ersten Hälfte dieses Jahres machte beispielsweise VW einen Verlust von 2,4 Milliarden Euro. Ähnlich besorgniserregende Entwicklungen gab es bei den renommierten Marken BMW und Daimler. Verschärft werden diese Probleme selbstverständlich noch durch den zweiten großen Ausbruch der Pandemie, der mit einem weiteren Lockdown einhergeht. Auffällig ist die Tatsache, dass scheinbar gerade die deutschen Autoriesen hiervon besonders betroffen sind. Die Konkurrenz aus dem Ausland wie Toyota, General Motors oder Tesla kann sich in diesem Zusammenhang besser behaupten. Dies führt zu Verunsicherung und Bedrängnis aufseiten der Führungskräfte sowie auch der Angestellten.

Folgen wie notwendige Maßnahmen, um auf die vorhandenen Prozesse zu reagieren, sind beispielweise die Schließung von Werken und Fabriken sowie eine Reduzierung von Aufträgen. Exemplarisch ist hier die Aufgabe der Smart-Fabrik in Hambach durch Daimler. Ebenso die Auswahl an Modellen muss in vielen Fällen beschränkt werden. Einige Hersteller verzichten daher auf bestimmte Bestandteile ihres Sortiments. Bestimmte Posten, teilweise jedoch auch ganze Modellreihen sind betroffen: VW gibt seinen Sportsvan auf; Daimler wird höchstwahrscheinlich zu ähnlichen Maßnahmen greifen müssen. Besonders bedauerlich in diesem Zusammenhang sind jedoch die umfassenden Stellenkürzungen, die allem Anschein nach noch auf die Branche zukommen werden. Sachkundige befürchten einen drohenden Verlust von ca. 100.000 Arbeitsplätzen. Nach Sicht von Experten werden diese Schritte durch weitere ergänzt werden müssen; ein Ende der für die Automobilbranche so fatalen Entwicklungen sei nicht in Sicht. Ein Kapazitätsabbau von 5 bis 10 Prozent innerhalb der Firmen aufseiten der Hersteller wie auch der Zulieferer werde früher oder später wohl notwendig sein.

Die deutschen Hersteller stehen jedoch auch vor weiteren Hindernissen: VW plagte sich dieses Jahr im Zusammenhang mit dem neuen Elektromodell ID.3 mit Schwierigkeiten bei Serienanlauf und Bedienungssoftware. Eine bei Kunden als zu kurz empfundene Qualifikationsetappe sorgte für zusätzliche Kritik. Die Zulassungsstatistik fiel dementsprechend gering aus. Hieraus könnte man schließen, dass durchaus nicht nur die Corona-Pandemie zu dem enormen Druck geführt hat, unter dem deutsche Hersteller im Moment stehen. In den letzten Jahren und Jahrzehnten sind Innovation und der Blick in die Zukunft vernachlässigt worden. Dies betrifft insbesondere Ideen auf dem Gebiet der Elektromobilität und Batterietechnik. Womöglich ist diese Stagnation innerhalb der großen deutschen Marken ein Grund dafür, dass Firmen wie Google und Tesla drohen, an ihnen vorbeizuziehen. Zweifelsohne muss diese Diskrepanz in Nachhaltigkeit und Kreativität aufgeholt werden, sofern die geschätzten deutschen Erzeuger nicht zu reinen Produzenten herabgesetzt werden möchten. Die hiesige Branche sieht sich mit der Situation konfrontiert, neue Strategien und Methoden entwickeln und anwenden zu müssen. Anders lässt sich diese Krise nicht bewältigen, die so in gewissem Sinne den Blick auf eine Umorientierung gelenkt hat.

Eine Chance, beispielsweise auf die Sorge vieler potentieller Kunden zu reagieren, die in diesen Zeiten kein finanzielles Risiko eingehen möchten, bietet die kurze Laufzeit von Verträgen. Beispielsweise Finn spezialisiert sich auf ebensolche flexiblen Laufzeiten mit Fokus auf nachhaltige Mobilität und Zusammenarbeit mit deutschen Lieblingsherstellern wie BMW und Opel. Simpel abzuschließende Auto-Abos zu fairen Preisen könnten womöglich genau die Art revolutionärer und wegweisender Ideen sein, die der heimische Automarkt in diesen Zeiten nötig hat.

21:11 04.11.2020
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Geschrieben von

Katja Schreuder

Als Philosophiestudentin bin ich nicht nur am Weltgeschehen und internationaler Politik interessiert, sondern auch an den philosophischen Konsequenzen
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