Wasserstoffautos sind im Anmarsch

Wasserstoffautos Chinesische Hersteller schicken das erste Fahrzeug mit Brennstoffzelle in Serienproduktion. Deutsche Konkurrenz halten sie dabei in Schach.

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Im stärksten Lockdownmonat April gab es für Changan Automobile eine Art Neuanfang. Der chinesische Hersteller begann mit der Produktion des ersten chinesischen Wasserstoffautos. Solche stellen bisher Hyundai in Südkorea und Toyota in Japan in kleinen Auflagen her. Die Fahrzeuge aus Chongping, einer 32-Millionen-Menschen-Metropole in Westchina, werden unter dem Code: C385, erbaut. Vermarktet werden sollen sie als Changan Automobile DeebBlue. Dabei steht Changan für den viertgrößten staatlichen Autohersteller.

Sollte der Autoverkauf noch dieses zweite Halbjahr starten, ist dies vermutlich ein neuer Beginn einer nächsten chinesischen Entwicklung im Bereich zu mehr Wasserstoffmobilität. Wie Peking zu Beginn des Jahres ankündigte, werden bis zum Jahr 2025 auf den chinesischen Straßen 50.000 Autos mit Brennstoffzellen unterwegs sein. Damit dieses Ziel erreicht werden kann, unterstützt der Staat finanziell die Hersteller, welche diesen Bereich fördern.

Auf Englisch heißt die Brennstofftechnologie "Hydrogen Fuel Cell Electric Vehicle". Die Kurzform in Fachkreisen lautet FCEV. Bei FVEC gewinnt die Brennstoffzelle aus Luftsauerstoff und Wasserstoff Strom. Bislang befindet sich die Technik in einem Nischenmarkt. Etwa 17.000 FVEC wurden im letzten Jahr weltweit vermarktet. In China waren es davon etwa 1.600. Bezüglich der Wasserstoffzellen-PKWs besitzen Hyundai und Toyota einen Marktanteil von 98 %.

In diesem Markt sind westliche Autohersteller bisher kaum vertreten. Es soll jedoch noch dieses Jahr 100 Testfahrzeuge mit einer Wasserstoffform des X5 von BMW geben. Auch Audi befasst sich mit dem Thema. Wiederum wurde der Wasserstoff-SUV GLC F-Cell von Daimler wieder eingestellt. Mehr wie 3.000 Fahrzeuge gab es hiervon nicht. Stattdessen will sich Daimler mehr mit Lkws befassen.

Wasserstoffmobilität und ihre Minuspunkte

Vermutlich wird der Kaufpreis des C385 umgerechnet bei ca. 34.000 € liegen. Damit wird das Fahrzeug 12.000 Euro teuer, wie wenn es eine LFP-Batterie besäße. Damit steht fest: Ohne ausreichende Finanzunterstützung vom Staat kann das Auto nicht verkauft werden.

Volkswagens Sorgen mit einem Neuling

Die Fahrreichweite des Autos muss für mehr wie 700 km reichen. Dabei muss der Tank innerhalb von drei Minuten komplett gefüllt sein, sofern überhaupt eine Wasserstoffzelle gefunden wurde. Als Ausgleich zu diesen Problemen liegt der Verbrauch bei gerade einmal 0,65 Kilogramm je 100 Kilometer. In diesem Punkt wäre das Auto zumindest wettbewerbsfähig. Doch haben Brennstoffzellenautos überhaupt eine Chance? Das entscheiden fünf Faktoren:

  • Tankstellendichte,
  • Kaufpreis,
  • Höhe laufender Kosten,
  • Umweltfreundlichkeit des Wasserstoffes in seiner Herstellung,
  • Sicherheit beim Betreiben.

Die geringe Zahl der Wasserstofftankstellen ist zurzeit noch für die Fahrer und Fahrerinnen der Wasserstofffahrzeuge ein großes Problem. Auch in Japan ist dies noch nicht anders, obwohl die Regierung hier reichlich investiert. Denn ohne ein Tankstellennetz ist so ein Fahrzeug nur für Technik-Freaks geeignet. Sogar China setzte aus diesem Grund lange Zeit nur auf wasserstoffbetriebene Lkws. Für diese reichen Wasserstoff-Tankstellen an wichtigen Knotenpunkten, während sich für Speditionen mit viel Fuhrbetrieb eine eigene Tankstelle lohnt.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Katja Schreuder

Als Philosophiestudentin bin ich nicht nur am Weltgeschehen und internationaler Politik interessiert, sondern auch an den philosophischen Konsequenzen
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