Katrin Schuster
05.01.2011 | 16:25 6

Finden, nicht ­suchen

Medientagebuch Das soziale Netzwerk Facebook sticht die Suchmaschine Google aus – aber das ist auch kein Wunder

Für die Firma Facebook hat das Jahr 2011 denkbar gut begonnen. Zu den 50 Millionen Dollar, die die russische Mail.ru Group gerade in das soziale Netzwerk investierte, gesellten sich gleich weitere 450 Millionen Dollar der US-Bank Goldman Sachs. Mail.ru, bis Herbst 2010 noch Digital Sky Technologies, hat damit seinen ­Anteil an Facebook ein weiteres Mal erhöht; erst im Frühjahr hat es den Chat-Dienst ICQ gekauft. An Zynga, dem erfolgreichsten Entwickler von ­social games, und der Schnäppchen-Plattform Groupon ist man freilich ebenfalls beteiligt. Keine Frage also, ­worum es geht: Billiger sind solche wertvollen Daten über Interessen und Vorlieben von Millionen ­Menschen nicht zu haben.

Die Investi­tion von Goldman Sachs wiegt dagegen nicht nur finanziell schwerer, sondern scheint auch ­bedeutungsträchtiger: Die US-Bank hat schon Ebay im Jahr 1998 bei dessen Börsengängen unterstützt. Am vergangenen Sonntag erhielten laut New York Times ausgewählte Goldman-Sachs-Kunden eine ­E-Mail, in der eine Beteiligung an einem „privaten Unternehmen, das über eine Kapitalsteigerung nachdenkt,“ ange­boten wurde. Dass ­damit Facebook gemeint ist, steht für die meisten außer Zweifel. Selbst vorsichtige Schätzungen gehen mittler­weile davon aus, dass Face­book, dessen Wert nach den jüngsten In­vestitionen auf 50 Milliarden Dollar geschätzt wird, spätestens im Jahr 2012 an die Börse ­gehen wird.

Knapp zehn Prozent der Weltbevölkerung

Auch das Vermögen des Facebook-Gründers und Vorstandsvorsitzenden Mark Zuckerberg hat sich auf einen Schlag verdoppelt. Damit spielt ­Zuckerberg endlich in derselben Liga wie die Google-Gründer Larry Page und Sergej Brin. Doch nicht nur die Kontoauszüge gleichen einander mittler­weile, sondern auch die Nutzerzahlen. Während manche Statistiken das soziale Netzwerk noch auf dem weltweiten Platz zwei zählen, vermelden andere, dass es Google bereits überholt habe. Je um die acht Milliarden Seitenaufrufe täglich verzeichnen die beiden Web­sites. Und etwa 600 Millionen User – oder anders gesagt: knapp zehn Prozent der Welt­bevölkerung.

Das bedeutet noch längst nicht das Ende der Suchmaschine, aber vielleicht den Anfang von ­diesem Ende. Denn auf Face­book herrscht, soviel scheint sicher, wesentlich mehr Betrieb als auf Google. Facebook schickt die Menschen ­nämlich nicht gleich ­wieder weg, ­sondern hält sie auf der ­eigenen Web­site. Foto, Video, Audio, Games, Mail: Im Grunde gibt es nichts Digitales mehr, das sich nicht auf ­Facebook erledigen ließe.

Zudem geht es längst nicht mehr um das Suchen, sondern um das Finden; ein weiteres Problem also für Google. Das World Wide Web wird größer mit jedem Tag, und dagegen können auch die intelligentesten Algorithmen nichts ausrichten. Oft genug nervt die Google-Suche nur noch, weil man nach drei, vier Ergebnisseiten immer noch nicht da angelangt ist, wo man hinwollte; weil man nur auf andere trifft, die dieselbe Frage haben; weil man bloß esoterischen Quatsch und wieder nur weitere Links findet.

Selbst die erweiterte Suche von Google kann daran wenig ändern, denn auch sie vergleicht am Ende nur Buchstaben miteinander und listet Identitäten auf. Auf Facebook dagegen muss ich nichts suchen, da kuratieren meine so genannten Freunde die Informationen für mich. Sie werden zu meinen ganz privaten Gatekeepern – und über­nehmen als solche langsam die Rolle, die bislang anderen Medien wie der Zeitung oder dem Fernsehen vor­behalten war.

Katrin Schuster ist auch auf Facebook und hat dort 132 Freunde (Stand 6. Januar 2011)

Kommentare (6)

AlexanderR 05.01.2011 | 21:24

Zur Erinnerung: Jede Suchmaschine funktioniert nach dem Prinzip "garbage in - garbage out". Wer nach Müll sucht, kommt darin um. Entscheidend für die Qualität der Suchergebnisse ist damit auch der Nutzer und die Qualität seiner Eingabe. Näheres können Sie bei jeder beliebigen Suchmaschine durch Eingabe des Suchbegriffes "Suchtechniken Internet" in Erfahrung bringen. Oder Sie fragen einen Ihrer 132 Facebook-Freunde, wie das geht.

Im Übrigen halte ich die Feststellung, sie müssten bei Facebook nicht suchen, da Ihre "privaten Gatekeeper" die für Sie nützlichen Informationen aufbereiten, für zumindest erstaunlich: Sie suggeriert, dass sich die Welt durch die Vorlieben Ihres übersichtlichen Freundeskreises abbilden liesse und Ihren gegenwärtigen und künftigen Informationsbedarf erschöpft, sozusagen alle sich Ihnen stellenden Fragen beantwortet, bevor sich diese Ihnen stellen.

Um Ihrer offensichtlichen Vorliebe für Facebook Ausdruck zu verleihen, hätte es dieses Artikels mit einem hinkenden "Vergleich" zwischen Google und Facebook nicht bedurft. Sie hätten statt dessen einfach nur schreiben können: "I like".

donda 06.01.2011 | 13:18

Was für ein grandios sinnloser Kommentar! Facebook mag ähnlich viel Geld machen wie Google, aber doch hauptsächlich weil Investoren sich eine glorreiche Zukunft vorstellen, von der nicht ausgemacht ist ob sie kommt. Google hat nicht nur vor vielen Jahren die Websuche revolutioniert, sondern kontinuierlich für technologische Innovationen gesorgt, bzw. sie klug eingekauft (Ich sage nur Goggles). Und auch wenn sie nichts technologisch neues machen, ist die Usability um Längen besser als bei der Konkurrenz (Beispiel Google Mail). Und das Ganze umsonst, mit extrem unaufdringlichen Werbeeinblendungen finanziert.

Dagegen Facebook: Eine alte Idee (im wesentlichen dasselbe wie all diese Datingwebsites), funktioniert ok, aber grausiges Interface das zudem noch ständig verschlimmbessert wird, und immer wieder Probleme mit dem Datenschutz. Zugegeben, die sind erfolgreich, auch ich hab ihnen meine Daten gegeben, aber nicht weil sie irgendwas besser machen als die anderen. Worans liegt? Ich vermute, ein bißchen Glück beim Einstieg, plus Monopoleffekte nachdem eine kritische Masse von Nutzern einmal erreicht war.

Und, finden kann man mit Facebook wohl kaum etwas. Die Idee, dass von Nutzern zusammengetragene Hinweise das Web erschließen, ist bereits vor mehreren Jahren nach vielen erfolglosen Versuchen gestorben. Im Gegenteil, nicht nur die Gegenwart sondern auch die Zukunft gehört definitiv den intelligenten Suchalgorithmen. Dass Google nicht alles allein macht, sondern man beim Eintippen der Suchanfrage auch noch ein Minimum an Gehirnschmalz einsetzen muß, ändert daran nichts.

Ich weiß nicht, sollten Einträge im Medientagebuch nicht mit einem Minimum an Medienkompetenz verbunden sein?

pachulke 07.01.2011 | 11:40

Sie schreiben: "Das World Wide Web wird größer mit jedem Tag, und dagegen können auch die intelligentesten Algorithmen nichts ausrichten. Oft genug nervt die Google-Suche nur noch, weil man nach drei, vier Ergebnisseiten immer noch nicht da angelangt ist, wo man hinwollte; weil man nur auf andere trifft, die dieselbe Frage haben; weil man bloß esoterischen Quatsch und wieder nur weitere Links findet."

Was für ein Google benutzen Sie? Mein Google hat mir nach der Eingabe der Begriffe "Katrin" "Schuster" und den beiden Buchstaben "FR" in Echtzeit alles geliefert war ich brauchte, um die Vita der Autorin nachzurecherchieren. Ich kann mich der Frage meines Vorkommentators nur anschließen: "(...)sollten Einträge im Medientagebuch nicht mit einem Minimum an Medienkompetenz verbunden sein?"

Katrin Schuster 07.01.2011 | 11:57

Darüber, dass man die Biografie einer Journalistin im Netz findet, wundern Sie sich aber nicht wirklich, oder? Zudem das meiste davon auf meiner eigenen Website steht. Ob der Beagle-Rüde Tango mir gehört (www.tz-online.de/aktuelles/muenchen/ein-katzenkiller-geht-in-kirchasch-um-68237.html) oder nicht, lässt sich allerdings immer noch nicht sicher beantworten. FB dagegen wüsste es vermutlich ... (was nicht heißt, dass ich das gutheiße)

Pipi 07.01.2011 | 17:25

Facebook in seiner Relevanz und seinem Gewicht auf eine Stufe mit Google stellen zu wollen, halte ich für einen Witz. Es frage sich jeder, der die derzeit heiße Luft um Facebook mit aufbläst, ob er nicht zugleich auch Google nutzt und das in welchem Ausmaß.
Bei den hohen finanziellen Beteiligungen an Facebook handelt es sich um Gewinnerwartungen in die Zukunft und nicht um bereits realisierte Gewinne.
Mir sind der Hype um und die hohen Erwartungen in Facebook ziemlich rätselhaft. Facebook ist in seinem Network-Zweck m.M. viel zu speziell, um in seiner Bedeutung und seinem Gewicht im Internet jemals mit einem viel allgemeineren, universellen Such-Riesen Google gleichziehen zu können.
Der Unterschied zwischen Google und Facebook ist, es gibt viel weniger Nutzer, die Google nicht nutzen als Nutzer, die Facebook nicht nutzen. Ein universelles offenes Suchgerät wie Google (ge-)brauchen (fast) alle, einen abgeschlossenen Kasten wie Facebook brauchen längst nicht alle. Fängt bereits damit an, dass der Zugang zu Google ein viel einfacherer ist. Bei Facebook muß man sich anmelden, bei Google nicht. Außerdem ist der Zweck Googles ein viel umfassenderer. Etwas suchen zu können im Internet (Web, Branchenadressen, Landkarten, Fotos, Straßenfotos, Videos, Blogs, News, Foren usw.) plus die unzähligen Tools von Google braucht fast jeder, ein Netzwerk braucht längst nicht jeder. Ich verstehe den Hype um ein schwer durchschaubares, viel schwerer zugängliches und noch recht unausgereift wirkendes Labyrinth wie Facebook überhaupt nicht. Erschwerend kommt hinzu der allgemeine internationale Fokus des Networks und die geringe Ausrichtung auf nationale Eigenheiten. Hat Facebook wie Google überhaupt schon eine nennenswerte Filiale in Deutschland?
Ich lasse mich gerade von Internetentwicklungen gerne eines besseren belehren, zumal das bei mir schon paar mal passiert ist. Aber Facebook steht, wenn es denn jemals ganz große Brötchen im Internet backen sollte, noch ziemlich am Anfang. Von Google gibt es bereits ein riesiges gewinnbringendes "Backimperium" im Netz, das ungefähr im Wochentakt neue wegweisende Anwendungen und Projekte ankündigt (wie zuletzt den Google-Kiosk oder Funkpayment per Android).

Neuland 08.01.2011 | 01:00

Wenn Wer suchet, nicht mehr findet
"Oft genug nervt die Google-Suche nur noch, weil man nach drei, vier Ergebnisseiten immer noch nicht da angelangt ist, wo man hinwollte; weil man nur auf andere trifft, die dieselbe Frage haben; weil man bloß esoterischen Quatsch und wieder nur weitere Links findet."
dann ist das praktisch unpraktisch.
Aber wenn man von den Besitzverschiebungen im Netz hört, möchte man sich Facebook auch nicht anvertrauen. Goalkeeper hin, Gatewatcher her.