Problemzonen

Sotschi Gute Gründe, schlechte Gründe: Absagen sind nicht immer Ansagen
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Problemzonen
Foto: Guido Bergmann/Bundesregierung via Getty Images

Manchmal gibt es gute Gründe, zu Hause zu bleiben. Schlechte sowieso. Derzeit wird recht häufig abgesagt. Und damit ist nicht Alice Munro gemeint, die heute in Stockholm den Literaturnobelpreis nicht persönlich entgegennehmen konnte. Die kanadische Schriftstellerin ist 82 und gesundheitlich nicht auf der Höhe - es gibt Jüngere, die da abwinken würden.

Frankreichs Kulturministerin Aurélie Filippetti hat sich heute geweigert, an der Einweihung des „Google Cultural Institute“ in Paris teilzunehmen. Sie demonstriere damit ihre Erwartungen an mehr Engagement und Transparenz, zum Beispiel beim Datenschutz, vermeldet dpa. Die Absage kam wohl recht überraschend, was ja immer den Verdacht nährt, jemand habe einfach nur vergessen, Lust zu haben. Aber wir wollen nichts unterstellen, manch ein Gewissen erwacht kurzfristig.

EU-Justizkommissarin Viviane Reding fährt aus politisch-moralischen Gründen nicht zu den Olympischen Winterspielen nach Sotschi, sie hat Probleme mit dem russischen Umgang mit Menschenrechten. Bundespräsident Joachim Gauck will auch nicht, noch weiß man nicht warum. Nach Spekulationen, es könnte sich um einen Boykott handeln, ist im Moment von „protokollarischen Gründen“ die Rede, zumindest hofft das IOC-Präsident Thomas Bach. Für Gauck wird es mehr so ein Gefühl sein.

Ob sich jemand von der Bundesregierung nicht in Sotschi blicken lässt, ist noch nicht entschieden. Hingegen wurde jetzt bekannt, dass es vor Ort “Protestzonen” geben wird. Sonderzonen für Demonstrationen. IOC-Präsident Thomas Bach begrüßt das, derzeit noch von Lausanne aus, denn: „Jeder kann seine freie Meinung äußern.“ Jetzt ist Protest also nicht mehr von Putin verboten, sondern von Putin gelenkt.

Da kann er den doch gleich selbst organisieren, Transparente verteilen, Sprechchöre dichten und so. Und der Einfachheit halber bitte auch noch “Abwesenheitszonen” einrichten, in die Politiker und Sportfunktionäre dann ganz bestimmt nicht fahren. Vor allem, wenn sie nicht sicher sind, ob sie ein Problem haben. Und womit.

(zuerst hier)

21:31 10.12.2013
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