Embedded Journalism

Von der Front Koronator
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Ein General soll jetzt Struktur und Disziplin in die Coronabekämpfung bringen. Haben wir so was wie Kriegsrecht im Lande? Warum fühlt sich das so an?

Anfang 2003 hatte die CNN eine neue Geschäftsidee. Beim Einmarsch in den Irak wollte man mittendrin - am besten direkt von der Front aus dem Panzer heraus die Bilder in die amerikanischen Wohnzimmer senden, bei Chips und Burger. "Embedded Journalism", nannte sich das. Die Kriegsberichterstattung wurde Teil der Unterhaltungsbranche. It sells, so it`s business as usual. Während der Irakkrieg die Quoten von CNN in die Höhe schnellen liess, ermüdete sich die Kriegsberichterstattung in Syrien schleichend, um dann zuletzt in Afghanistan in Desinteresse zu münden.

Was hat das alles mit der Intensivmedizin zu tun?

Die Intensivmedizin ist derzeit der Ort, wo kein Unbefugter Zutritt hat. Selbst Angehörige werden derzeit abgewiesen wenn sie sich von ihren sterbenden Lieben verabschieden wollen. Jede Notfall Krankenhauseinweisung wird zur Odyssee. Der Platz im Heimatkrankenhaus ist bereits besetzt - aber wohin werden sie Opa oder Oma bringen und wann sehen wir uns wieder? Derartige Reportagen flimmern zurzeit täglich stundenlang über die Mattscheibe und offerieren dem verängstigtem Publikum den erschöpften Stationsarzt, der wider besseren Wissens immer noch die Mär von 10 Ungeimpften auf einen Geimpften der schweren Fälle zuordnet. Aus Gründen der Pietät appeliere ich an Journalisten die Privatsphäre der Intensivmedizin doch bitte zu respektieren.

Ist das hier ein Versuch eines gesellschaftlichen Experiments oder gar politisch motivierte Mindcontrol am Start? Gar quotengetriebener Kommerz der Öffentlich Rechtlichen? Oder einfach nur mediale Angststeuerung. Angst führt wie wir aus der Psychologie wissen, zu Flucht oder Kampf, was zu einer chronischen Überreizung der Gesellschaft führt. So hält der "Embedded Journalism" direkt von der Front (Intensivstation) die Gesellschaft auf Trab, sprich in Kriegszustand, latent, seit bald zwei Jahren.

Hinter all dem versteckt sich ein feiges Konglomerat aus Politik, Wirtschaft und Kirchen welche durch Versäumnisse und ideologische Verblendung einen systemrelevanten Komplex wie das Gesundheitswesen ruinierten. Sämtliche Investitionen in Apparate, Beatmung und Ausstattung erweist sich als totes Kapital, wenn es nicht durch den Menschen belebt wie initiiert im Auftrag der Humanität Anwendung findet. Aus ökonomischer Betrachtung muss das Gesundheitswesen insgesamt als gescheitert interpretiert werden. Die Exekutive mit der Personalplanung hat total versagt. Diese spezielle Form der Planwirtschaft wird sich als Gordischer Knoten nur schwer entzerren lassen, wahrscheinlich muss er hart durchschlagen werden.

Resümee

Ich fordere ein Ende der Scheindebatten und Hetze - was nur von den Ursachen ablenkt und bestehe auf transparente Aufarbeitung der Verantwortlichen. Ich rufe die Medien dazu auf, doch auch mal ausser "der Box" zu denken, gar schreiben. Es war doch immer die Neugier, die guten Journalismus treibt.

Das Gesundheitswesen als Kern des Sozialstaats muss sich stabilisieren, braucht ein Fundament. Nur eine Bürgerversicherung für Alle bringt genug in den Topf um im Kern ein resilientes Gesundheitswesen finanzieren zu können. Ausserdem sollte Gesundheit nicht Marktinteressen sondern der Fürsorge des Staates überlassen werden.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Chuwawa

Neugierig- skeptisch- kritischer Freigeist mit auch unbequemer Lebenserfahrung aus sozialer, gesundheitlicher wie ökonomischer Realität.
Chuwawa

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