Wulff: Wie hältst du's mit der Religion

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Selbst Obama nennt die Nicht-Gläubigen, wenn auch etwas verquast in seiner "inaugural speech", und das in einem Land, in dem ca. 23% wissen und weitere 23% glauben, dass Jesus in den nächsten 50 Jahren wieder kommt und sie persönlich abholt.

Wulff bringt es demgegenüber nicht über die Lippen, die 32,5% Nicht-Religiösen in diesem Land auch nur zu erwähnen, statt dessen betont er die Bedeutung von 3,9% Muslimen in diesem Land, von denen niemand wirklich weiß, wie muslimisch die eigentlich alle sind.

So weit die Statistik (Zahlen von 2005). Kommen wir nun aufs Abendland zu sprechen. Vielleicht brauche ich historische Nachhilfe. Kann bitte jemand darüber aufklären, zu welchem Zeitpunkt in der einigermaßen dokumentierten Geschichte, sagen wir: nach 1500, die Religion als Organisation irgend eine positive Rolle gespielt hat bei der Durchsetzung von Menschenrechten und Demokratie gegenüber den jeweils Mächtigen? Irgend etwas gegen Zensur, Folter, Kolonialismus, Diktatur? Irgend etwas für Religionsfreiheit, Informationsfreiheit? Erst im 20.Jhh. sind die Kirchen zögernd auf Menschenrechtskurs: If you can't beat them — join them!

Man komme mir nicht damit, dass auch Christen, als Individuen, für Menschenrechte eingetreten sind. Das ist banal, insbesondere in Zeiten, als es tödlich war, kein Christ zu sein.

Unsere Werte, Herr Präsident, Menschenrechte und Demokratie, die verteidigenswert sind und erweitert werden müssen, konnten historisch nur in dem Maß realisiert werden, in dem die Sonderrechte von Religionen beschnitten wurden. Unsere Werte basieren auf der Aufklärung, auf einem wachen, kritischen Geist, der sich stets gegen religiöse Vorurteile durchsetzen musste.

Unsere Werte sind sekular!

08:48 07.10.2010
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sozenschiss | Community
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