Keine frisierten "Umweltstudien" mehr!

Industrie-Umweltpolitik Bezahlte Mitbestimmung an Umweltstudie
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Wenige, die zum katastrophalen Stand der Umwelt und des Artensterbens ungefähr im Bilde sind, fassen sich zur politischen Herangehensweise bzw. Nicht-Herangehensweise seit Jahrzehnten an den Kopf.

Denn die Politik und deren Gremien tun so, als seien in der Sache Jahrzehnte Zeit, um flaue Maßnahmen anzusetzen. Und auch unter Ihnen, verehrte Mitforisten mag die Mehrheit sich wundern, daß es sehr viel Essentielleres als Corona und sonstige, hier bevorzugte Randthemen geben soll.

Denn ziemlich genau jetzt entscheidet sich, ob der belebte Planet sehr bald stirbt.

Wenn er stirbt, und danach sieht es ebenfalls recht genau aus, dann liegt es daran, daß sich in Bananenrepubliken nicht nur Alles kaufen läßt, sondern, daß solch grotesker Umstand nicht damit aufhört, aufgedeckt zu werden.

Es sind dann jeweils zusätzlich Eingaben zu machen, als ob es sich bei der Käuflichkeit um gesetzliches Reglement handelte, gegen welches Unterschriftensammlungen einzureichen sind.

Sind die nicht ausreichend unterzeichnet, setzt sich die Käuflichkeit in der Sache ganz selbstverständlich fort.

Käuflichkeit, die nicht nur selbstverständlich ist, sondern so billig, daß 1€-Läden dagegen ungeheur teuer sind. Eher, als ob Sie Ihre neue Einbauküche in Luxusausführung für 0,018 Euro einkauften.

So kostet Konzerne die Mitbestimmung daran, wie die DENA-Studie über den klimaneutralen Umbau der Energiewirtschaft ausfallen soll, lächerliche 35 000 Euro. Preis eines Kleinwagens um Umwelt ignorierende Politik im Wert von hunderten Milliarden Euro sicherzustellen. Dagegen wäre Ihre Einbauküche schon wieder teuer ausgefallen, denn wir reden hier von in etwa 0,0013 Euro dafür.

Und da im Discountparadies niemand mehr errötet, wenn übliches Schlaraffenland publik wird, müssen nun bis morgen noch mindestens 6000 Unterschriften zusammenkommen, um die meinersich Sie inständig bitten möchte.

Hier LobbyControls Schreiben mit dem entsprechenden Link dazu:

Liebe Freundinnen und Freunde,

vor knapp zwei Wochen deckten wir auf: Konzerne zahlen, um Einfluss auf die Klimaforschung der Deutschen Energie-Agentur DENA zu nehmen. Seither müssen sich die Verantwortlichen der Bundesagentur kritischen Fragen stellen – käufliche Wissenschaft ist nicht nur uns ein Dorn im Auge. Der öffentliche Druck hat nun dazu geführt, dass wir den DENA-Geschäftsführer Andreas Kuhlmann treffen können. Wir werden fordern, den Sponsoren-Einfluss zu beenden und die Forschung unabhängig zu finanzieren.

Um die Bedeutung unseres Anliegens zu unterstreichen, wollen wir mit möglichst vielen Unterschriften im Rücken in dieses Treffen gehen. Das Gespräch findet schon am kommenden Dienstag, den 13. April statt, und bisher haben gut 14.000 Menschen unseren Appell unterzeichnet. Unser Ziel: Kuhlmann mit mindestens 20.000 Unterschriften zu konfrontieren. Deshalb bitten wir Sie: Unterzeichnen auch Sie jetzt unseren Appell und senden Kuhlmann damit eine starke Botschaft!

Jetzt Appell für unabhängige Klimaforschung unterzeichnen

Bis zu 35.000 Euro zahlen Unternehmen wie Thyssengas und RWE, um bei der Erstellung der DENA-Studie über den klimaneutralen Umbau der Energiewirtschaft mitzubestimmen. Sie haben richtig verstanden: man kann sich ein Stimmrecht bei der Studie kaufen. Rund 80 Prozent der Studie wird dabei von Unternehmen finanziert, deren Geschäftsmodelle direkt von den Ergebnissen abhängen. Dabei ist die DENA nicht irgendeine Klitsche von zweifelhaftem Ruf, sondern eine Agentur des Bundes, die dem Wirtschaftsministerium unterstellt ist - mit entsprechend großem Einfluss auf die Klimapolitik der Bundesregierung.

Neutrale Wissenschaft in öffentlichem Interesse ist bei massivem Sponsoren-Einfluss nicht möglich. Auch bei einigen mit der Studie betrauten Wissenschaftler:innen herrscht deshalb Unbehagen, insbesondere über das aggressive Auftreten der Gas-Lobby. Einige Modellrechnungen waren intern so umstritten, dass sie bei der Veröffentlichung des Zwischenberichts in letzter Minute zurückgehalten wurden: Zu krass war die Einseitigkeit mancher Vorannahmen, auf denen offenbar die Sponsorenseite bestand. Doch damit ist das Problem nur vertagt. Was soll Vorrang haben: Klimaschutz in öffentlichem Interesse – oder der Schutz von fossilen Geschäftsmodellen? Unsere Position ist klar:

Käufliche Forschung ist schlecht fürs Klima - jetzt unterzeichnen!

Ob die DENA das Sponsorenmodell aufgibt und ihre Klimaforschung künftig öffentlich finanziert, das entscheidet letztlich die Politik. Und von dort ist Widerstand zu erwarten: Der Vorsitzende des DENA-Aufsichtsrats, Wirtschafts-Staatssekretär Thomas Bareiß (CDU), hat selbst enge Verbindungen zur Gaslobby. Auch für das autoritäre Regime in Aserbaidschan, das Gas nach Europa liefert, engagiert sich Bareiß seit Jahren. Im Bundestag gilt er als ein Teil des „Bermuda-Dreiecks“ von Politikern, die effektive Klimapolitik immer wieder ausbremsen. Den Lobby-Einfluss auf die von ihm kontrollierte DENA wird er kaum so einfach preisgeben.

Umso wichtiger ist es, die Geschäftsführung der DENA jetzt dazu zu bringen, den Rücken gerade zu machen: Für saubere Forschung, die ethischen Standards von Transparenz und Neutralität genügt. Nur dann kann sie dem öffentlichen Auftrag tatsächlich gerecht werden.

Wir gehen mit Spannung in das Gespräch mit DENA-Chef Kuhlmann. Bitte geben Sie uns Rückenwind, damit er weiß, dass viele Menschen auf unserer Seite sind.

Jetzt für Klimaforschung ohne Konzerneinfluss unterzeichnen!

Mit herzlichen Grüßen
Christina Deckwirth, LobbyControl

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Das hier wäre ein Blog, den die Freitagredaktion hervorheben und jenes Bild hineinnehmen könnte, welches LC dazu erstellt hat.

04:25 12.04.2021
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Knossos

Anonyme Konten ans Licht; für echte Volksvertretung!
Knossos

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