Spaziergang zwischen Gärten und Gedanken

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Heute nahm ich den Weg durch die Kleingartenanlage, die Pankow und Weißensee verbindet. Ich genoss den klarer gewordenen Blick auf die Parzellen mit ihren Lauben und Bungalows und blickte auf jene, die so emsig und fleißig ihr kleines Land bebauen und gegen die böse Welt verteidigen. Mir ganz fremd. Mein Verhältnis zu Pflanzenzucht und Blumenpassion ist gebrochen. Damit ich mit dieser Eigenschaft nicht so barbarisch dastehe, grüble ich auf dem großen Hauptweg nach moralischen Argumenten für diese Idiosynkrasie. Begann nicht alle gepriesene Kultivierung, das Urbar- und Nützlichmachen der Erde mit einem barbarischen Akt, nämlich der Inbesitznahme der zu kultivierenden Flächen und der blutigen Verteidigung gegen andere, die vielleicht gleiche Absichten hegen?


Nun gut, das ist ein zu weites Feld für den sonntäglichen Blick auf Kleingartenbeete, weshalb ich von diesen Überlegungen abkam. So im Weitergehen aber kam mir mein Haupteinwand gegen das gros der Gärtner und Pflanzenzüchter sowie Gärtnerinnen und Pflanzenzüchterinnen in den Sinn. Der ist mit ganzanderen Erfahrungen verbunden, die man bei fast allen Liebhabern schöner Bepflanzung und kulturvoller Beete machen kann.


So schritt ich einmal mit einer Freundin, die ihre Naturliebe in einem ihr zugewiesenen Kleingartenareal auslebte, durch ihr Reich. Wir plauderten. Aber jedes Gespräch, jeder Diskurs wurden jäh unterbrochen – was sage ich – durchschnitten wurden sie durch ein plötzliches Stillstehen, dem ein ausgestreckter Finger folgte, welcher auf ein besonders schönes Exemplar von „Ich weiß nicht was“ folgte. Furchtbar. Das ist ja eine rhetorische Bewaffnung, dieses ständige Verweisen auf Gottes eigene Natur, der man – natürlich in großer Virtuosität – fantastische Exemplare abgetrotzt hat. Was soll man dem entgegensetzen?. Man ist machtlos, man will ja auch nicht zu ruppig sein oder der Ästhetik und allem Schönen abgeneigt. Die Freude am Diskurs wird getrübt durch die erzwungene Aufmerksamkeit für die schöne Dolde an diesem oder jenem Strauche oder im liebevoll bearbeiteten Beet. Was ist ein halbwegs gelungener Gedankengang gegen eine schöne – manchmal auch – nahrhafte Pflanze, gegen eine Blume oder ein ganzes Ensemble von selbigem? Nichts. Das ist ungerecht. Ich bestreite nicht, dass ich meinen Hang zum Reden jetzt ein bisschen ins Diskursive und Wissensreiche aufgebrezelt habe, aber das machen die Gartenfreunde auch, in dem sie jedes Küchenkraut aufwändig thematisieren statt es still zu schneiden und an die Speise zu geben.


Also: Wenn mein Sinn für die Natur sich regt, dann gehe ich um die Ecke, bin in fünf Minuten imPankower Schlosspark mit seinen weiten, schönen Anlagen, freue mich, dass da noch andere Leute sind und dass die Bäume ein Riesengewölbe über dem Hauptweg bilden. Und wenn ich davon genug habe – gehe ich wieder heim. So war das auch heute.

12:52 09.08.2009
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Geschrieben von

Magda

Es gibt gute und schlechte Gewohnheiten. Die FC ist eine schlechte, die ich - noch nicht - überwunden habe.
Magda

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