Generation Nackenhauch

Nachkriegsgeneration Warum uns ältere Mitbürger beim Bäcker so dicht auf den Fersen sind
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Ein junger Blogkollege beschwerte sich über seine Mitmenschen am Ferienort. Er wollte eine Lanze für die Jugend brechen. Er habe noch nie erlebt, dass sich ein Jugendlicher absichtlich vordrängelt, dafür immer wieder alte Mitmenschen, die sich mit einer Gemütsruhe seitlich in die Schlange schleichen, die ihm unheimlich sind. Welche Generation ist das? Warum machen die das? Und wann hat es sich umgedreht, dass die Alten plötzlich keinen Anstand mehr haben und man vor der Jugend den Hut ziehen muss, weil die immer so nett sind?

Ach? Kein Thema finde ich:
Ich habe ebensolche Erfahrungen. Es gibt bei uns eine Bevölkerungsgruppe, die kurz nach dem Krieg geboren so sparsam leben musste, dass man zu viert an einem Tisch saß und sonntags von einem einzigen Hering abbiß, der an einem Faden unter der Lampe hing. Der Duft des Hering füllte den Raum und somit die Herzen der lieben Kleinen. Für die damals am Tisch sitzenden Kinder waren diese Erlebnisse derart elementar, dass seit dem die bloße Anwesenheit von Drogen schon eine Art Nahrungsmittel darstellt. Wenn sie sich Einkaufsschlangen nähern, erzeugt die Atemluft der Wartenden das Signal, dass es hier etwas zu holen gibt. Die Einnahme der Atemluft Fremder erzeilt eine drogenähnliche Wirkung. Sie erlangen scheinbar ein Wohlgefühl, als ob sie zur Stellgruppe dazugehören würden, so wie die, die bereits schon zuvor dort standen. So manifestiert sich eine fortwährende Verfolgung des Glücks durch das Finden von Nähe und Gemeinschaft! Bei den Ossis nannte man das gehässig "Wartekollektiv". Aber was sagt man nun dazu?

Es ist dies die Generation Nackenhauch. Es sind die, die immer hinter Dir sind, wenn Du die Nase dorthin hebst, wo die Kartoffeln liegen, die Verfolger aus den Startjahren des bundesdeutschen Nachkriegswohlstands.

[Anmerkung: Auffallende Zufälligkeiten sind rein geschichtlich aufzufassen. Es sind keine Einzelpersonen gemeint, schon gar nicht aus der Nachbarschaft, denn die hatten immer genug Geld. Es handelt sich auch nur um eine Bevölkerungsgruppe um die 55-75 Jahre, es könnte sich bei entsprechenden Voraussetzungen auch ohne Weiteres um jede andere Altersgruppe handeln.]

01:22 27.06.2012
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Geschrieben von

manstruator

Der Dummheit hat die Natur keine Grenzen gesetzt - sie ist menschlich.
manstruator

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