Marlen Hobrack
24.05.2017 | 10:05 38

Bodypositiviere meinen Hintern!

Body Positivity Wir sollen über Körper sprechen. Immerzu. Wir sollen unseren Körper lieben. Warum auch nicht? Nur kaschiert das Sprechen über 'Body Positivity' echte Probleme von Frauen

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Marlen Hobrack

Bodypositiviere meinen Hintern!

Taryn Brumfitt tourt auch im Zuge ihres Films "Embrace" in Sachen Body Positivity um den Globus

Jeff Spicer/Getty Images for Leapfrog Films

Trigger-Warnung: Dieser Text enthält Spuren von Ironie, Sarkasmus und Zynismus. Wenn Sie die drei nicht unterscheiden können, lesen Sie besser nicht weiter!

Margarete Stokowski hat im Rahmen ihrer SPON-Kolumne ein kleines Manifest veröffentlicht. Ein feministisches Manifest? Durch mein Hirn fegten spontan zyklonhafte Begeisterungsstürme, die leider leider rasch abflauten. Sie ahnen es im Kontext der Überschrift dieses Textes, das Manifest dreht sich um „Body Positivity“ (nicht zu verwechseln mit Adipositas).

Falls Sie nicht wissen, was Body Positivity ist: Sie müssen, um bodypositiv zu sein, einen Körper haben und sich positiv dazu verhalten. Tägliches stundenlanges Hüftfett-Beschimpfen ist also Body Negativity. Oder so. Body Positivity dagegen soll uns, den Frauen, die Liebe zu unserem Körper lehren. Gott sei Dank gibt es einen Kinofilm, der genau das tut und hübsch bebildert, so sparen wir uns das teure Geld für Selbsthilfekurse. Über besagten Hype-Kinofilm Embrace der Australierin Taryn Brumfitt hat Heike-Melba Fendel einen köstlichen Beitrag verfasst. Ich will daher lieber über das stokowskische Manifest sprechen.

'Manifestus' bedeutet übrigens 'handgreiflich machen', ich habe das schnell mal gegoogelt. Gilt aber nicht für runde Popos, sondern eher für Forderungen. Was macht sie da handgreiflich? Die erste Emphase lautet:

1. Für mehr dicke Mädchen in Leggins!

Absolut! Vielleicht darf ich folgende Forderung hinzufügen: Mehr 80-jährige mit ledriger Selbstbräunerhaut in Leopardenstrings! Weil’s die Welt bunter macht. Was sagt die Kolumnistin außerdem?

Alter ist Erfahrung, Lachen über Alter ist Dummheit.

Social Media-Gemeinplätze für Hausfrauen. Alles, was durch solche Erkenntnisse handgreiflich gemacht wird, ist eine fatale Inhaltsleere, nicht nur der Kolumne, sondern auch des neuen feministischen Körperkults. Nur um Missverständnisse zu vermeiden: Natürlich kann man Stokowskis Text nicht „dem“ Feminismus zum Vorwurf machen, es gibt ja auch andere, gehaltvollere feministische Stimmen; und als Kulturwissenschaftlerin finde ich das Sprechen über Körper und Körperpolitiken, über Normierungszwänge und Schönheitsideale spannend. Nur schreibt Stokowski eine Kolumne für ein politisches Magazin und ist als feministische Stimme exponiert. Was bedeutet, dass sie Sendezeit, Spaltenbreite, Zeichenzahl für wichtige feministische Anliegen nutzen könnte.

Was könnte man da nicht alles thematisieren in einem – ich hab’s überschlagen – 6000 Zeichen-Text: Altersarmut von Frauen, die Situation Alleinerziehender (91 % der Alleinerziehenden sind Frauen, 40% von ihnen müssen mit einem Einkommen von unter 1300 Euro monatlich auskommen), Lohnunterschiede, gläserne Decken. Oder globale Themen wie Müttersterblichkeit, Genitalverstümmelung, Ehrenmorde, Ausbeutung von Sexarbeiterinnen, systematische Benachteiligung von Mädchen und Frauen, die Hinderung am Schulbesuch – die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Aber klar, dicke Mädchen in Leggings sind auch ein wichtiges Thema. Obendrein eines, das sich ohne große Rechercheleistung bequem abtippen und anschließend via Social Media gut vermarkten lässt.

Vielleicht fehlt mir einfach die geistige Kapazität, die Wichtigkeit des Themas zu erkennen, mag sein. Nur könnte man darüber doch auf Facebook oder Twitter sprechen. Und was bringt ein 6000 Zeichen-Text, der uns muttihaft eintrichtert, bitte in Zukunft unseren Körper etwas milder zu bewerten, während parallel 16-jährige Mädchen dem Kardashian-Clan auf Instagram folgen und mit perfektem Contouring-Maskengesicht in die Schule staksen?

Die Body Positivity Logik scheint ja zu lauten: Ist die Sache mit dem Körperbild einmal geklärt, erledigen sich alle anderen Frauenprobleme ganz von selbst. Sie wissen schon, das ist die Dichotomie von Haupt- und Nebenwiderspruch. Nur geschieht natürlich genau das Gegenteil. Weil wir wichtige Sendezeit mit dem Sprechen über Körper füllen, werden wir natürlich nie zu den systemischen Problemkernen vordringen, die sozialer, ökonomischer und politischer Natur sind. Und mit Verlaub: Gerade deswegen bekommen Stimmen wie Stokowski entsprechende Sendezeit, weil sie überhaupt nicht gefährlich sind. Nicht für chauvinistische Politik, nicht für die ökonomisch Mächtigen, nicht einmal für die Beauty Konzerne, denen die Body Positivity-Bewegung doch das Geschäft mit der weiblichen Unsicherheit verderben will. Denn wie viele der Zuschauerinnen von Embrace werden sich danach trotzdem Maskara und Antifaltenprodukte, Spanx und Diätshakes kaufen?

Stokowski durchschaut nicht das Hauptproblem, das darin besteht, dass wir dazu gezwungen werden, den Körper zum Thema zu machen, und dabei klandestin dem alten Denkschema Frau = Körper folgen. Es reicht eben nicht, untenrum frei zu, es hilft auch, obenrum befreit über den Tellerrand zu schauen und sich eventuell zu fragen, ob das Hauptproblem einer alleinerziehenden Krankenpflegerin (Griff in die Metaphernmottenkiste, schuldig!) wirklich ihre Hosengröße ist?

Fakt ist, dass eine Frau wie Taryn Brumfitt, die offenbar Zeit und Muße hat, in Sachen Body Positivity um den Globus zu reisen, vermutlich ansonsten einfach zu wenige Sorgen hat, was man ihr gönnen mag. Tue ich auch! Wenn dann aber jede feministische Stimme den für wahlweise gut oder schlecht befundenen Film kommentieren muss, dann hat „die Macht“, das, was uns da über Körper sprechen lässt, schon gewonnen. Klingt ein wenig nach Verschwörungstheorie, gebe ich schon zu.

Jedenfalls müssen die Mächtigen nicht vor uns zittern, solange wir wahlweise über unsere Pfunde oder die Bewertung unserer Pfunde oder die Positivität der Pfunde sprechen. Etwas gewonnen haben wir erst, wenn wir nicht länger über unsere schwabbeligen Ärsche sprechen. Irgendwann werden auch „die anderen“, vielleicht sogar die Stimmen in unserem Kopf - die ewig nörgelnden, überkritischen - aufgeben, weil’s nichts mehr zu holen gibt.

Deswegen zum Abschluss mein persönliches, wütend-genervtes Manifest:

1. Hört auf über Körper zu sprechen!

2. Hört auf über Körper zu sprechen!

3. Hört auf über Körper zu sprechen!

4. Hört auf über Körper zu sprechen!

5. Hört auf über Körper zu sprechen!

Ach ja, und:

6. Hört auf über Körper zu sprechen!

Und wenn euch dann gar nichts mehr einfällt, worüber es sich zu sprechen lohnt, dann lasst das Sprechen, denn nicht jeder, der sprechen darf, muss es auch tun. So, ich höre jetzt auf zu sprechen.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (38)

Moorleiche 24.05.2017 | 11:17

Dazu fällt mir ein und dabei auf, dass es immer und immer wieder heißt, Frauen würden (von Männern!?!) auf ihre Körperlichkeit reduziert, doch wenn ich dann sehe, dass viele Frauen, auch intelligentere, differenziertere, gebildetere diese Frauenmagazine lesen, in denen sie sich das, was sie angeblich so sexistisch und menschenverachtend finden (die Reduzierung der Frau auf ihren Körper), freiwillig immer und immer wieder geben – zwingt sie ja keiner, Gerüchte besagen, dass man den Quatsch sogar noch bezahlen muss – dann frage ich mich schon, was das soll.

Ich frage aber auch dann und wann Frauen. Zur Entspannung, zur Ablenkung, um runter zu kommen lese man das, heißt es dann. Angeblich wisse man, dass es eine Kunst-, Fake-, manipulierte und Traumwelt ist, die da verkauft wird, irgendwo fühlt man sich vielleicht sogar kurz aufgewertet, wenn man sieht, dass die Reichen und die Schönen im Alltag auch mal schlecht frisiert sind und vielleicht sogar Cellulite oder Fett am Bauch haben. Aber ist der Preis nicht, genau das zu fressen, wovon man dann kotzen muss? Voyeurismus, Klatsch und Tratsch, Häme und natürlich immer und immer wieder, durch die nun allerneuste Diät, die angepriesene Aussicht auf den Superbody? Und die Beteuerung, man tue das nur für sich … Wer‘s glaubt. Wobei es schlimm wäre, wenn es tatsächlich so wäre.

Ich vermute inzwischen sogar, dass der Blick von Frauen auf Frauen(körper) oft härter, kälter und entwertender ist, als der von Männern auf Frauen(körper). Männer wollen sich wenigstens noch an den sexuellen Reizen einiger Frauen erfreuen, Frauen suchen Fehler und finden die auch. Vergiftete Komplimente und die mir immer schon unverständliche Aufwertung (real oder gespielt?, ich weiß es nie) und mit Lob Überhäufung von Frauen, die wirklich eher unglücklich aussehen, wie hübsch ihre neue Frisur doch sei.

Männer suchen vermutlich eher bei anderen Männern Fehler und Schwächen, aber ich glaube, dass man da anders mit umgeht, weil es neben dem Aussehen immerhin noch den einen oder anderen Kompensationsmodus gibt, der effektiv ist: Das repräsentative Auto, das soziale Ansehen, Kohle, Intelligenz, der Alleswisser/könner, beruflicher Erfolg, Kraft, damit kann man den Waschbärbauch wieder unter Bagatelle fallen lassen. Da ist man irgendwie milder miteinander. Kurzer Gedankenausflug: Das war schon früher bei Sport – bei mir Squash – so: Männer waren im Court Konkurrenten, danach war man Kumpel, Frauen haben da viel tiefere Antipathien entwickelt. Kam mir zumindest so vor.

Dann frage ich mich immer, warum Frauen glauben, dass alle Männer auf Stangenware stehen. Lang, dünn, blond, Gummititten, Fahrradschlauchlippen, (optional: gebräunt, gepiercet, tätowiert). Dieses Pornodesign finde ich schon in Pornos zum Sterben langweilig, wer findet das denn schön? Die Männer, die darauf abfahren, würde ich als Frau nicht haben wollen, wenn ich eine wäre. Aber vielleicht steht Stangenware ja auf Stangenware. Dabei ist es doch die Individualität die wirklich immer mal wieder bezaubert, in dem Rahmen, auf den wir nun mal irgendwie auch festgelegt zu sein scheinen, was Attraktivität angeht.

Vielleicht ist das Sprechen über den eigenen Körper gar nicht so sehr das Problem, die dauernde innere Beschäftigung mit demselben könnte es eher sein. Vielleicht gibt es für Frauen einfach weniger Ausweichrollen, als für Männer. Einige Berufsmuttis scheinen sich vom Thema Attraktivität verabschiedet zu haben, aber ich habe auch da manchmal eine erschreckend harte Welt erlebt. Hier zählt die Menge. Kinderlose haben ihr Leben verfehlt, ab Minimum 2 ist mal im Club, ansonsten weiß man kaum, wovon die Rede ist. Und es geht um Kinder: 24/7/365.

Attraktiv (natürlich nur für mich), sexy Vamp, Mutti und was noch? Erfolg und hohe Intelligenz sind Attribute und Errungenschaften, bei denen ich mir nicht so sicher bin, wie anerkannt sie in der Frauenwelt tatsächlich sind. Wie ist das denn?

denkzone8 24.05.2017 | 11:59

selbst-kontrolle.

die kontrolle des leibs

schlägt die kontrolle des denkens um längen. oder?

richtig: sie wird auf vielen auf vielerlei

unterschiedliche weisen gehandhabt, individualität

zu manifestieren oder gleich-gestimmtheit.

wer rat-schläge gibt, sollte wissen,wie sie ankommen.

deshalb: dezenz bei der öffentlichen geheim-tip-weitergabe.

lebensstil-empfehlungen in medialer form:

sollten so behandelt werden wie medizinische/juristische

tips: mit hinweis auf die gefahr von fern-diagnosen und

neben-wirkungen.

ich für mein teil propagiere nur wenige minimal-invasive

operationen am körper: gelegentlich

haare schneiden, bart trimmen,nägel schneiden.

den blick in den spiegel: nur zur rechten zeit.

Lethe 24.05.2017 | 12:10

Ein schöner Text über die - gar nicht mal so - latente Schizophrenie im Feminismus.

Vielleicht besteht das Problem ja nur darin, jeden persönlichen Furz zu einem gesellschaftspolitisch relevanten Thema umdeuten zu müssen, irgendwo muss die eigene Bedeutsamkeit ja her kommen. Damit ist nicht die Verfasserin dieses Blogs gemeint, sondern die implizite Vermutung vieler feministischer Darstellungen, die unterstellten persönlichen Unsicherheiten mancher Frauen seien irgendjemand anderes Sache als deren eigene.

Letztlich bin ich immer noch der Meinung, dass nicht Männer und Frauen per se Schwierigkeiten miteinander haben, sondern dumme Menschen mit anderen dummen Menschen, wobei Dummheit nicht die Bezeichnung für fehlende Intelligenz ist, sondern für fehlende Abgeklärtheit und Reife. Und wie reif ist es, die Wirksamkeit und Bedeutsamkeit zentraler biologischer Programme, denen alle Menschen und somit auch die Frauen unterliegen, ideologisch zu bestreiten oder umdeuten zu wollen, nur um im nächsten Moment mit "feministischen Schminktipps" zu beweisen, dass es im Wesentlichen doch um Biologie geht, also um den Erfolg beim höchstwertigen erreichbaren Sexualpartner?

Warum fallen Frauen scharenweise auf Brigitte und Co rein, Männer aber nur selten auf Mens' Health?

Schminken als Überwindung der Unsicherheit bezüglich des eigenen Status, na klar. Beschäftigt euch mal in ernstzunehmender Weise eine Weile mit euch selbst, Mädels. Im Wochenend-Retreat auf der Beauty-Farm wird niemand sich selbst nahe kommen, aber vielleicht nach 10 Jahren im Kloster, es muss kein christliches sein, oder einer anderen Form innerer und äußerer Zurückgezogenheit. Wenn das nicht gewollt ist, obwohl ihr unter euch selbst leidet, dann tut auch nicht so, als ginge es um Emanzipation. Weil es in Wirklichkeit dann nur um euer Ranking im Partnermarkt geht.

Von diesen Gedanken ausgenommen sind selbstverständlich alle Frauen, die nicht unter fehlender Hochglanzpolitur leiden, sondern denen massive und manifeste Ungerechtigkeiten im eigenen Leben widerfahren.

Magda 24.05.2017 | 13:02

und als Kulturwissenschaftlerin finde ich das Sprechen über Körper und Körperpolitiken, über Normierungszwänge und Schönheitsideale spannend

Genau. Darüber gibts ja auch gute Gender Studies Angebote.

Ja, Stokowski schlägt eine nicht sehr effektive, aber höchst populäre Gegenbewegung vor - auf Kosten von dicken Mädchen - :-)) , die auch wieder am weiblichen Körper allein hängenbleibt, indem sie dreimal täglich sagt: Ich bin o.k., ich bin o.k, ich bin o.k. Oder ums Verrecken durchsetzen will, dass der Schönheitssinn keine Rolle mehr spielt, sondern Leggings politisch getragen werden.

Übrigens: Wenn ich mir einige Kabarettistinnen so ansehe: Gerburg Jahncke, Karoline Kebekus z. B. - die verhandeln alles permanent an den Unzulänglichkeiten des eigenen Körpers: die Zellulitis und das Übergewicht und dann auch noch die Wechseljahres-Biologie.

Zum Thema ältere Frauen im Leopardenfell kann ich hier was anbieten. NICHT ERSCHRECKEN , aber erheitert mich immer wieder.

Ein Netzhemd mit was drin.

Filou Sophia 24.05.2017 | 15:07

Stokowski, und was sich da an deutschem Magazinjournalismus drumherum versammelt, ist eben Boulevardfeminismus. Ich finde daher den Anspruch an sie überzogen. Hast du sie denn schon bei der taz gelesen? Ich glaube auch nicht, dass sie bei SpOn die von dir unterstellten Freiheiten genießt. Das Format der Kolumne wird schon vorher klar umrissen worden sein, was den Rahmen betrifft. Und da sich Frau Stokowski da qua ihrer taz-Kolumnen gut einpasste, war das Win-Win für beide. Du phantasierst dir hier einen Spiegel zurecht, wie es ihn nicht gibt. Gönn ihr das Geld, Feminismus ist wo- und denkt sich anders. Körperpolitiken schon seit gut 20 Jahren akademisch.

Rüdiger Heescher 24.05.2017 | 15:09

Vorab, Marlen hat völlig recht. Ich wundere mich allerdings, wieso so viele Männer hier schreiben. Ich habe mich auf Facebook extra zurück gehalten auch bei dem anderen MILF Thema vom amerikanischen Artikel, den sie auf Facebook gepostet hat, weil es einfach ein Frauending ist.

Grundätzlich stimme ich Marlen zu, weil es im Prinzip ein dichotomischer Mechanismus ist, der das ganze noch schlimmer macht. Die Aufmerksamkeit wird erst recht darauf gelegt.

Wir haben nunmal zwei Geschlechter, wobei das eine GEschlecht besser gucken kann als ... ;-) und auf der anderen seite das GEschlecht, was begehrt sein will auch in sexueller Hinsicht. So ist bei uns nunmal die Natur angelegt und da kann sich ja keiner von frei sprechen. Ausser bei älteren Männern, die hier schreiben, wo der Testosteronspiegel schon merklich nachgelassen hat. ;-)

Der Effekt, der solche bodypositiv marktschreierischen Aussagen hat ist genau der gegenteilige Effekt. Man wird es gerade nochmal betonen und hervorheben.

Es ist ein Frauending und wird auch eins bleiben, was man gesellschaftlich sicher nicht lösen wird. Und feministisch ganz sicher nicht.

Maria Franic 24.05.2017 | 16:12

Sehr ärgerlicher Beitrag. So sollte eine Autorin nicht über eine andere Autorin schreiben. Ich fand den Beitrag von Frau Stokowski erfrischend und amüsant, den obigen anmaßend, inhaltsleer und überfüssig. Ich kenne keine Frau, die nicht mit ihrem Körper hadert. Das Thema auszublenden, hilft also nicht. Frau Hobrack steht es frei, anspruchsvollere Themen zu bearbeiten. Ob sie dem wirklich gewachsen ist, wird sich zeigen. Wir brauchen keine Besserwisser, sondern Besserwacher. Jetzt sind Sie am Zug!

Gerne noch zum Abschluss mein Manifest:

Frauen, hört auf, andere Frauen respektlos zu behandeln.

Magda 24.05.2017 | 17:40

Hä? ich sehe keine Fallstricke. Was ich aber absolut empfehlen kann, sind hervorragende Beiträge zum Thema Körperlichkeit.

Hier beim ersten Suchen schon gefunden:

https://www.uni-marburg.de/genderzukunft/forschung/felder/af4

"Der Körper stellt einen zentralen Ort der Inszenierung und Organisation von Geschlechterverhältnissen dar und ist daher sowohl mit Fragen der gesellschaftlichen, politischen, ökonomischen und technologischen Gestaltung von Wirklichkeiten als auch mit Fragen der persönlichen Entwicklung, der Gestaltung von Beziehungen und der Identitätsbildung auf das Engste verzahnt. "

Das ist es, was Marlen Hobrack ja meint. Sie brauchen sich nur die Körperinszenierungen der Gegenwart anzusehen, gleich ob bei Männern oder Frauen. An den Körpern wird so viel verhandelt und behandelt. Hochspannend. Fallstricke sind das nicht, sondern Erkenntnismöglichkeiten.

Ich war vor vielen Jahren mal zu einer Ringvorlesung zum Thema. Wirklich sehr interessant.

Filou Sophia 24.05.2017 | 18:06

Z.B. die, wo sie entdeckt, dass Ivanka keine Feministin ist? Untenrum frei mal an- oder durchgelesen? Den Vortrag auf der re:pubika "Liebe organisieren" gehört? Mir ist das zu platt. Und diese Platitüdenproduktion ist das, was sich durch ihre Kolumnen zieht. Nun darf man gern sagen, das ist doch nicht schlimm. Es sind doch nur Platitüden. Stimmt auch, aber das worauf Marlen Hobrack hier abzielt oder andeutet, dass der populäre Feminismus seine Plattform zugunsten seiner Schmiegsamkeit in die bestehenden Herrschaftsverhältnisse verschenkt, das ist eben auch meine Kritik.

Rüdiger Heescher 24.05.2017 | 18:31

Frauen sind nunmal das schönere Geschlecht und das wird gehegt und gepflegt aus eigenem Antrieb, denn das Begehren lernen Frauen schon sehr früh in der Pubertät oder als Mädchen. Wie Lethe oben schrieb, wird man kaum bei Pflegeprodukten Männer begeistern können. Das bleibt eher der schwulen Zielgruppe vorbehalten und wird entsprechend auch wieder so vermarktet, weil sie keinen Erfolg haben/hatten bei hetero Männern. Ist nunmal so. Der Begehrenswunsch bei Männern läuft über eine völlig andere Schiene. Ganz sicher nicht über das Aussehen.

miauxx 24.05.2017 | 21:38

"Warum fallen Frauen scharenweise auf Brigitte und Co rein, Männer aber nur selten auf Mens' Health?"

Ist das mit den Männern empirisch erwiesen?^^ Ich wär' mir über den Abstand zur Frau da heute nicht mehr so sicher ... Immerhin verkauft scheint sich das Zeug ja zu verkaufen. An der Kasse wartend streift mein Blick immer wieder über die Magazine ... Wenn man man zum "modernen Mann" mal noch den "klassischen", pragmatisch-lösungsorientierten, hinzudenkt, müsste allerdings eine Ausgabe "Men's Health" reichen - der Inhalt ist offenbar eh immer der gleiche: Waschbrettbauch, definierte Oberarme, Rammeln. Ist zwar bei den Frauenmagazinen auch nichts anders, die Zielgruppe setzt da vermutlich noch mehr auf die immer wieder bunt illustrierte Unterhaltung.

roswitha 24.05.2017 | 21:45

Gehen Sie mal in eine Schule und sehen Sie sich die 14-bis 17-jährigen jungen Heranwachsenden männlichen Geschlechts an: Durchgestylt, gegelt ohne Ende, auf die Frisur bedacht wie früher 40-jährige Frauen, nicht willens, die Kappe abzunehmen, wenn der Haarschnitt nicht gut sitzt, Deo in der Tasche, gezupfte Augenbrauen, stylische Kleidung, Sixpack usw. Mädchen thematisieren ihr Äußeres in den Pausen ununterbrochen, Jungen nicht, aber morgens verbringen sie viel Zeit vor dem Spiegel. Vielleicht gehen wir auf andere Zeiten zu... :-)

luddisback 25.05.2017 | 10:51

mir ist das ganze gegacker ziemlich wurst, aber wenn ich diese pinke typo des EMBRACE-films auf dem foto oben sehe, bin ich mir oberflächlich arrogant sofort sicher, dass da nur das nächste ding in die rotation derer geschickt wird, die auf pinke typos wie diese programmiert sind ("frau"). das alles ist prima, frisch, rebellisch, mal was anderes als die neue diät.

Rüdiger Heescher 25.05.2017 | 13:31

Naja, das ist noch etwas anderes als über was wir hier sprechen. Eitle Gockel sind jetzt nicht das worüber wir sprechen. Das war bei mir nicht anders. Haare stylen, Augenbrauen zupfen um nicht auszusehen wie ein Neandertaler oder Theo Weigel gehört schon lange dazu. Auch Roger Moore hatte es schon vorgemacht gerade was Augenbrauen angeht.

Worum es geht sind Pflegeprodukte, wie bei Frauen. Da hatte jetzt Nivea auch wieder eine Schlappe einstecken müssen mit der neuen Tagescreme, wo man in der Werbung versucht hat das James Bond Image zu verkaufen.

Über die schwule Zielgruppe kommt die Werbung nicht hinaus.

Hier ein Buch über Gender Marketing

https://books.google.com/books?isbn=3836623749

Das Antiaging wurde für Männer versucht zu verkaufen. Das funktioniert aber nicht.

Das frisch aussehen wie bei der Niveawerbung funktioniert nicht.

Das interessiert Männer nicht wirklich.

Es bleibt bei den klassischen Dingen wie Aftershave, Duschgel und Deoroller.

roswitha 25.05.2017 | 19:12

Vereinzelte alte Gockel sind so alt wie die Hügel, darauf zielte ich mit meiner Beobachtung nicht ab. Durch jahrzehntelanges Interagieren mit Jugendlichen meine ich, einen Trend wahrzunehmen, der natürlich durch keine wissenschaftliche Untersuchung gestützt ist. Habe nach anderen außer dem von Ihnen verlinkten Forschungen zu dem Thema Ausschau gehalten; vielleicht finde ich noch Brauchbares. Ich hätte natürlich gerne Recht :-), bin aber auch bereit, mich eines Besseren belehren zu lassen.

janto ban 28.05.2017 | 12:28

|| Etwas gewonnen haben wir erst, wenn wir nicht länger über unsere schwabbeligen Ärsche sprechen. ||

Bin mir nicht sicher. Ich glaube, sprechen und nicht sprechen macht keinen Unterschied. Jedenfalls nicht den entscheidenden. Die Katastrophe spielt sich im eigenen Kopf ab.

Dass es Menschen gibt, die nicht wir selbst sind (← um es mit Sibylle Berg zu formulieren), die uns immerzu sehen/bewerten/besprechen, setzt der Katastrophe die Krone auf, sicher. Aber auch wenn sie uns nicht sähen und "besprächen", sähen wir immerzu andere, unserem eigenen (!!) Urteil nach schönere Menschen als uns selbst. Das ist die Katastroophe, die wir täglich selbst herstellen. Und ich fürchte, wir können nichts dagegen tun.

Würde ich mich potentialsexualpartnerpositiv finden, wenn ich mir selbst über den Weg lief..? Zum Beispiel im Freibad..? Das ist doch die beschissene Frage. Und hinter diesem Potential hecheln wir alle her, wenn wir mal kurz ehrlich sind. Was nichts kostet.

Ja, die Geschmäcker sind verschieden. Sehr verschieden sogar. Und das ist auch super so. Aber unseren eigenen Geschmack gibt's nur einmal. Und wenn das, was wir im Spiegel sehen, allzu stark vom eigenen Ideal/Beuteschema/Fetisch (oder gib ihm Tiernamen) abweicht, dann entsteht schon der Gap.

Es gibt Leute, die behaupten, Zufriedenheit könne man üben. Ich bin der Meinung, dass nur Zufriedenheit wirklich zufrieden macht. Ein bisschen Frieden mit sich selbst schließen, so nach dem Motto: ich habe nur diesen, einen Körper, so fuck it - das geht. Aber auch das ist eine Rationalisierungs-Maßnahme der Marke "Dickes Fell".

Der knapp unter 40-jährige Homosexuelle weiß natürlich, worüber er redet, weil er dieser Tage mal wieder unter seiner Psoriasis Vulgaris leidet. Geile Sommer-Krankheit, auf die die mittzwanziger Zehnkämpfer, die am Baggersee ihre sterblichen Luxus-Hüllen erst wassern und dann dem Wind zum Trockenblasen übereignen, total abfahren. Jedenfalls rede ich mir das ein, während ich morgens zuhause vor'm Kleiderschrank stehe und mich frage, was bei 30 Grad Hitze beschissener aussieht - meine Haut oder ein Langarm-Shirt.

Dann rappe ich - gaaanz leise - den Dieter-Hildebrandt-"Baby, du siehst-Scheiße-aus"-Dreckmist, um meinen perversen Freund, der eigenen Angaben zufolge fortdauernd auf mich steht, nicht zu wecken und denke: Yeah! Und ziehe kurz an. Gesellschaftliche Normen und Konventionen sprengen. Der entseelten Hochglanz-Gesellschaft ein dickes Dagegen! ins Poesie-Album scheißen. Wer's glaubt, wird...

...zufrieden? I don't know. Und überhaupt: Zufriedenheit. Tss. Wie unlinks ist die denn..? Also wirklich.

</sprechen>

janto ban 29.05.2017 | 20:35

Genau!

Ich hatte heute eine Vision. Von einer perfekten Welt. Das bindegewebsschwache Geschlecht lief vor Scham (resp. Angst, von schönheitschirugischen Notfallpatientinnen die Augen ausgekratzt zu bekommen) vollverhüllt durch die Weltgeschichte, während alle man of the kind ungeniert im Evaskostüm umherturnten (und sich die Schultern ihrer athletischen Seelengehäuse wund klopften vor lauter gegenseitigem Zuspruch).

Woran man mal sieht, wie heiß es heute war.