Unterwegs in Kasachstan: Dem drittrussischsten Land der Erde

Reportage Mit Russland teilen sie die Sprache und die längste ununterbrochene Landgrenze weltweit, im Januar schlugen russische Soldaten hier einen Aufstand nieder. Wie blicken die Kasachen auf den Ukraine-Krieg?
Exklusiv für Abonnent:innen | Ausgabe 39/2022

Am ersten Morgen meiner ersten Kasachstanreise ließ der Zug die baumlose kasachische Steppe hinter sich und fuhr in lichte Birkenhaine ein. Sibirien rückte näher. Ich war in Nordkasachstan, der mehrheitlich von ethnischen Russen bewohnten Region des – sprachlich gesehen – drittrussischsten Landes der Welt nach Belarus. Scharfmacher aus Russland reklamieren manchmal auch Nordkasachstan als „russische Erde“, die heimzuholen sei.

Schon der Zug Karaganda – Omsk war vollrussisch. Meine Reisegenossen zerflossen in Nostalgie über die Schönheit sibirischer Städte in den Siebzigerjahren. Ohne den Krieg direkt anzusprechen, schimpfte die Alte auf „Bandera-Ukrainer, die jeden dritten Weißrussen umbrachten“, der Alte lobte die

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