Respektloser Umgang mit Leserreportern

Hamburger Wochenblatt »Der Mohr kann gehen«
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Die Frist war knapp! Nach einer Welle der Empörung über die bevorstehende Schließung des Leserreporter-Portals beim Hamburger Wochenblatt zog der Verlag gestern (30.10.) die Reißleine und verlängerte die Frist zur Sicherung der Daten von ursprünglich nur 5 Tagen auf nun immerhin 14 Tage - bis 9. November 2017. Danach soll das Portal wie angekündigt offline gehen. Sämtliche Beiträge sind im Internet dann nicht mehr zu finden, sondern nur noch via "ftp" herunterladbar. Für Viele - der besonders langjährigen Leserreporter - ist die Abschaltung des Portals ein harter Schlag. Nicht Wenige waren über Jahre mit Leib und Seele dabei und lieferten dem Verlag kostenlosen Content in Form von Texten und Bildern. Gehen müssen sie nun trotzdem. Eine Begründung wurde nicht genannt.

http://www.hamburger-wochenblatt.de/langenhorn/lokales/in-eigener-sache-d44256.html#comment4927

Gründe der Abschaltung weiterhin unklar

Auch sind die Gründe der Abschaltung zur Stunde unklar. Auf Nachfragen hierzu reagiert der Verlag nicht. Eine Antwort gab es - trotz mehrere Gesprächsversuche nicht. Um so rätselhafter bleibt das Motiv der Abschaltung. Kann es nur am Geld liegen?

Es ist kein Geheimnis, dass der Dienstleister "Gogol-Publishing", einen vierstelligen monatlichen Beitrag zur Betreuung der IT aufruft. Ein paar tausend Euro, die sich der Verlag nicht leisten kann?

Kein Geld für Technik trotz Milliarden-Umsätze?

FUNKE MEDIEN - denen das Hamburger Wochenblatt gehört, ist ein Milliarden-Konzern und in zahlreichen Werbetexten berühmt sich das Hamburger Wochenblatt als - Zitat: "seit mehr als 40 Jahren. Auflagen- und reichweitenstärkste Wochenzeitungskombination mit mehr als 1 Mio. Auflage in 24 Lokalausgaben".

https://de.wikipedia.org/wiki/Funke_Mediengruppe

Auch die Online-Ausgabe - www.hamburger-wochenblatt.de - die im großen Maße durch freiwillige Hobby-Autoren - sogenannte Leserreporter - mit kostenlosem Content seit Jahren versorgt wird, erfreute sich bis zuletzt regem Zulauf. So sind selbst Nachts meist noch gut 1000 Gäste online und lesen das, was unter anderem AUCH die Leserreporter tagsüber dort veröffentlicht haben.

Werbung satt auf dem Portal

Zudem ist das Portal vollgestopft mit Werbung und tagsüber verdreifacht sich die Zahl der Leser. Das lässt sich nach dem Einloggen gut sehen, weshalb die Frage lauten muss, WARUM ein so gut laufendes Online-Portal abgeschaltet wird? Gab es Anweisungen seitens der Politik, das Portal mundtot zu machen? Wegen ein paar kritischer Äußerungen zum G20?

Langjährige Autoren des Leserreporter-Portals kennen den Pressekodex sehr genau und schreiben bewußt nichts, was nicht auch stehen bleiben darf. Manche Beiträge sind streckenweise zwar "unbequem" aber das ist die Wahrheit sehr häufig, zumal der Verlag aber auch dementiert. Zitat aus seiner Ergänzung vom 31.10.: "Es geht bei der Schließung des Leserreporterportals nicht darum, Leserreporter zu zensieren, oder die Arbeit der Leserreporter in Frage zu stellen oder ähnliches." - Zitat Ende.

Quelle hier: http://www.hamburger-wochenblatt.de/langenhorn/lokales/in-eigener-sache-d44256.html

Der Verlag schreibt darin aber auch nicht, WARUM das Portal trotzdem geschlossen werden muss. Bleiben im Grunde ja nur wirtschaftliche Interessen, weil das Portal nicht genügend Profit abwirft? Deshalb muss es weg?

Rätselraten um Motive

Den Leserreportern steht sicherlich nicht zu, die Sparpolitik eines Milliardenkonzerns zu diktieren, aber ihnen steht allemal zu, ihren Content retten zu wollen und nur das wurde dieser Tage gefordert.

\\\ FÜR DEN ERHALT DER LESERBEITRÄGE DES HAMBURGER WOCHENBLATTS /// hieß es in einer Verlautbarung und es ging dabei um das zugänglich lassen der Online-Beiträge übers Internet, ohne dass die meist über Jahre gewachsenen Verlinkungen zerstört werden. Dies nämlich wäre der Fall, sollte das Portal vom Netz gehen. Selbst Google würde dann nicht einen einzigen Beitrag des Hamburger-Wochenblatts mehr finden, als hätte es diese Beiträge nie gegeben. Und da hilft auch kein Bereitstellen via "ftp" - wie angeboten.

Welche Möglichkeiten zur Lösung des Problems gibt es noch?

Online-Archivierung gefordert

Zwei Vorschläge zur Lösung des Problems wurden dem Verlag dann gemacht und die kosten nicht die Welt. Die Einrichtung eines Online-Archivs beispielsweise. Nichts Neues kommt mehr hinzu - aber das Alte bleibt unverändert so stehen wie es ist - und kann so für Recherche-Zwecke im Internet weiter genutzt werden.

Selbst eine Kostenbeteiligung seitens der Leserreporter wurde dem Verlag angeboten, falls FUNKE MEDIEN die 50 Euro im Jahr nicht ausgeben mag, um die jahrelange Arbeit vieler beherzter Leserreporter zu schützen - respektive online zu halten. Viel mehr nämlich kostet ein einfaches Webhosting heutzutage nicht. Es muss - in dem Fall - ja kein eigener Server sein - wenn es lediglich um das "Einfrieren" der Inhalte geht.

Rückmeldung steht noch aus

Einer Rückmeldung, ob diese Vorschläge für den Verlag annehmbar sind, gibt es zur Stunde noch nicht. Aber die Zeit scheint gekommen, dass der Verlag darüber redet.

"Tun Sie es aus Respekt vor der Arbeit all der Menschen, die Ihnen über Jahre treue (kostenlose) Dienste erwiesen haben" - wurde dem Verlag als Antwort auf seine Fristverlängerung geschrieben. Ob das was bringt - abwarten.

"Danke an Protestler"

Zahlreiche Freunde der Hobby-Autoren hatten sich dem Protest gegen die Schließung angeschlossen und ihren Unmut über den kurzfristigen Rauswurf per Mail und Anruf Luft gemacht. Auch weil die Leserreporter ja nicht mal Geld kosten. Entsprechend groß war die Welle der Entrüstung, ohne die das Portal heute - wie eigentlich vorgesehen - zum 31.10 wohl bereits vom Netz wäre. Zwischen Vorankündigung und gewollter Schließung lagen nur 5 Tage. Diese Frist ist mindestens mal fraglich.

Klassische Medien gefordert

Die klassischen Medien sind aufgerufen sich an der Recherche der Hintergründe der Abschaltung des Portals zu beteiligen. Ob vielleicht doch ein Politiker wieder mal "Gott" spielen wollte und das Presserecht aushebelt? Oder sind es profane wirtschaftliche Interessen, die zur Schließung führten? So oder so, peinlich wäre Beides.

Max Bryan

31.10.2017

23:53 31.10.2017
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Max Bryan

Blogger & Bürgerreporter | Gesellschaft & Soziales
Max Bryan

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