Deutsch-italienische Freundschaft

Tatort: Sonntagabend Im Münchner Tatort "Um jeden Preis" macht man sich jetzt den Spaß, Assistenten aus dem europäischen Ländern durchzuprobieren. Und wie letzte Woche zwielichtig: Sarbacher

Große Woche für den Schauspieler Thomas Sarbacher, der den Hattrick an diesem Sonntag perfekt gemacht hat: Nach dem Auftritt im Lena-Odenthal-Jubiläums-Tatort letzten Sonntag und der Rolle im Immobilienbetrugsschocker Über den Tod hinaus am vergangenen Montag im ZDF freuen wir uns nun auch im Münchner Tatort Um jeden Preis über ein Wiedersehen mit dem beliebten Schauspieler.

Zuständig ist er auch hier fürs Fiese: Nach Mörder avant und après la lettre und Immobilienhai spielt Sarbacher diesmal einen Gewerkschaftsführer mit Ambitionen, einen Hoffnungsträger und Karrieristen zugleich. Wie immer, stöhnt es in uns, verhandelt der Tatort das, was seit zwei Jahren in der Zeitung steht: Obama und Idealismus, Standortmarketing und Bestechung. Das Totschlagargument, mit dem Sarbacher als Leo Greedinger seinen Aufstieg vorantreibt, sind namentlich nicht näher gekennzeichnete 5.000 Arbeitsplätze in Ingolstadt.

Nun ist auch hier ein Mord passiert, ein Selbstmord allerdings, wobei das Irren der Kommissare Batic (Miroslav Nemec) und Leitmayr (Udo Wachtveitl) etwas an Reiz einbüßt durch den Umstand, dass der Zuschauer neben dem Vater von Greedinger als einziger weiß, was wirklich geschah. Tot ist ein junger Journalist, der gut aussah und schwul war und außerdem ein Investigativreporter. Die hatten wir uns ja immer vorgestellt in den wechselnden Masken von Günter Wallraff beziehungsweise in schlechtem Pflegezustand, zerzaust und Zigarette rauchend – denn die Investigativrecherche ist kein Society-Event. Egal, Rainer Truss (Nikolaus Benda) überrascht nicht nur phänotypisch, auch die Möglichkeiten seiner Arbeit sind uns aus der Wirklichkeit nicht bekannt: Das Blatt, in dem er brisante Stories veröffentlicht, wegen derer sogar ein Mord an ihm wahrscheinlich scheint, werden von einem Verlag herausgegeben, der sein Geld mit Computer-Zeitschriften und Testberichten macht – es sieht eher aus wie ein liebenswertes Minderheitenmagazin im Selbstverlag, was etwas irritierend ist, insofern eine Sauerei des Obamas unter den Gewerkschaftsführern im richtigen Leben selbst die "Blöd"-Zeitung (Kommissar Stöver aka Manfred Krug) interessieren sollte.

Der Fall, trotzdem – und das nervt nun schon ein wenig – Batic und Leitmayr getrennt ermitteln, weil Batic Leo aus Kindertagen kennt, in denen sie gemeinsam um die Wette gerannt sind oder Leos Familie bei Baticens in Jugoslawien Urlaub gemacht hat (Das würde unsere auch mal interessieren, ob die Vita, die der Tatort im Laufe der Jahre seinem Kommissar angedichtet hat, mittlerweile nicht bersten müsste vor Widersprüchen, die der Kommissar seiner Fälle zuliebe angeblich erlebt hat) – der Fall also ist nach einer Stunde gelöst. Danach setzt ein absurd anmutendes Nachspiel ein, dass sich erklärt, indem es den listigen Leo erklärt: als gnadenlosen Karrieristen, der sich für öffentlichkeitswirksame Inszenierungen sogar ins eigene Fleisch schneidet aka schießt.

Was uns dann aber einnimmt für diesen Tatort, trotz der doofen Rückblenden, sind die beiden beliebten Kommissare. Zudem, das wird jetzt wohl ein Running Gag, Assistent Carlo (wer mochte ihn nicht?), nachdem er zuletzt von einer Schweizer Kollegin (Sabine Timoteo) vertreten worden war, nun von dem italienischen Hospitanten Luca Panini (Leonardo Nigro) ersetzt wird. So kommt die europäische Idee zu ihrem Recht in der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Rundfunkanstalten und der Zuschauer hat seinen Spaß: Denn gespielt wird auf recht originelle, ja aufgeklärte Weise mit den Klischees der so genannten jeweiligen Mentalitäten beziehungsweise dem Gegenteil davon. Außerdem sagt Panini so schön: "Feste Platte von Trusse", wenn es um die Festplatt von Truss geht.

WOLLEN WIR WIEDER SEHEN: Panini.

WOLLEN WIR NICHT MEHR SEHEN: Dass ewig nicht geklärt wird, wer nun von der Todesnachricht des Journalisten auf Leos Handy wusste - gerade im Zeitalter der Vorratsdatenspeicherung.

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Geschrieben von

Matthias Dell

Filmverantwortlicher

Matthias Dell

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