merdeister
25.02.2013 | 06:39 113

Jakob Augstein und sein 'Autismus'

Deutungshoheit Manche sagen es, wie sie es wollen. Dumm nur, wenn andere ihnen zuhören

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied merdeister

http://dieausrufer.files.wordpress.com/2013/02/sternennebel.jpg?w=594&h=250&crop=1

Auf SPON schreibt Jakob Augstein die Kolumne ‘Im Zweifel links‘. In deren Rahmen nahm er sich kürzlich das aktuelle Buch von Herrn Schirrmacher vor. Ich glaube, es gefällt ihm nicht.

‘Im Spiel will jeder gewinnen. Das ist die Bedingung der Spieltheorie. (…) Wir alle sind Opfer einer Ideologie des Egoismus. Sie wurde für eine Welt des Krieges entwickelt und verheert heute den Frieden. Eine Ideologie der Kälte und des Autismus. Eine Ideologie von Psychopathen für Psychopathen.

Das ist die Idee des neuen Buchs von Frank Schirrmacher.’

Soweit so schlecht. Was das Buch von Herrn Schirrmacher angeht, hat JA bestimmt Recht. Vollkommen daneben liegt er in der Wahl der Worte. Kritik dazu gab es in Blogs und Foren von Menschen mit Autismus:

‘Ich denke, Herr Augstein wollte an dieser Stelle eigentlich “Herzlosigkeit” verwenden, aber da jene Menschen, die sich von seinem Text angesprochen fühlen sollten bei “Herzlosigkeit” gleich geistig auf Bildschirmschoner schalten, musste der klangvolle Begriff Autismus herhalten.’

Schreibt Mela, und wenn man “Autismus” durch “Herzlosigkeit” ersetzt, klingt der Text vielleicht weniger intellektuell, dafür stimmt die Aussage. Im Forum aspies.de veröffentlicht ein Nutzer seine Frage an Jakob Augstein:

‘Sehr geehrter Herr Augstein,
in Ihrer Kolumne schreiben sie: “Eine Ideologie der Kälte und des Autismus. Eine Ideologie von Psychopathen für Psychopathen”.
Wieder einmal wird der Begriff “Autismus” als Schimpfwort und Synonym für asoziales Verhalten benutzt. Ich bin diagnostizierter Autist und alles andere als begeistert von dieser beleidigenden und diskriminierenden Wortwahl.
Bitte nehmen Sie zur Kenntnis daß wir weder gefühllose Egozentriker noch asoziale Psychopathen sind.

Mit freundlichen Grüßen

Realname’

Der antwortet auf seiner Facebook-Seite:

‘Liebe Realname, Autismus ist hier als Chiffre für selbstbezogenes Kommunikationsunfähigkeit gemeint – nicht als Beschreibung oder Diffamierung eines klinischen Symptoms. Manchmal bemächtigt sich der Sprachgebrauch eines Wortes und löst aus dem eigentlich zugehörigen Sinnzusammenhang heraus … Das ist hier der Fall. Es tut mir Leid, wenn Sie sich da sozusagen unter die verbalen Räder gekommen fühlen. Ihr JA’

Im Forum heißt es dazu:

‘Wenn er das so sieht, warum beschimpft er dann nicht gleich seine Gegner als “Spasti”?’

Für jemanden, der mit dem Schreiben von Texten seinen Lebensunterhalt bestreitet, ist die Antwort von JA ziemlich kaltschnäuzig. Nicht der Sprachgebrauch bemächtigt sich eines Wortes, sondern der die Sprache Gebrauchende. In diesem Fall JA. Im Übrigen stimmt die Grundannahme nicht. Menschen mit Autismus sind durchaus in der Lage zu kommunizieren, sie tun es jedoch auf andere Art. Einige Kinder mit Autismus schlagen zum Beispiel andere Kinder. Das ist oft keine Aggression, sondern ein Versuch der Kontaktaufnahme und damit Kommunikation. Das ist nur ein Beispiel von vielen, in dem Menschen mit Autismus und Menschen ohne Autismus Probleme haben, sich zu verstehen. Kommunikation ist etwas Wechselseitiges, ein Journalist und Chefredakteur sollte das wissen.

Von jemandem, der professionell schreibt, sollte man erwarten, dass er in der Lage ist, dieselbe Aussage mit verschiedenen Worten treffen zu können und sich nicht eines Begriffes zu bemächtigen und 1000en Menschen vor den Kopf zu stoßen, die keine Lobby haben (oder eine sehr kleine).

Von jemandem, der sich als ‘links’ versteht, erwarte ich, die Perspektive wechseln zu können und zu versuchen, sich in die ‘Schwachen’ der Gesellschaft hineinzuversetzen: Diejenigen, denen keine Zeitung gehört, diejenigen, denen nicht das Forum einer Spiegel-Online Kolumne zur Verfügung steht, diejenigen, die durch ihr “Anderssein” weniger leicht durch den Tag kommen als JA und merdeister.

Um den Begriff ‘Autismus’ mit etwas mehr Inhalt zu füllen, kann ich JA nur sagen, dass er die Probleme, die Perspektive zu wechseln, mit vielen Menschen mit Autismus teilt. Außer natürlich denen, die sich diese Fähigkeit hart erarbeitet haben, weil sie gemerkt haben, wie wichtig diese Fähigkeit ist – zur Kommunikation.

Zum weiterlese sei auch der Text auf gedankenträger.de empfohlen (mit Dank an mh für den Hinweis).

[Bildquelle]

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (113)

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Ehemaliger Nutzer 25.02.2013 | 07:05

Da ist aber jemand zurecht der Kamm geschwollen, mein lieber Merdeister, aber ich muss dem J.A. zugute halten, ich wäre in das selbe Messer gelaufen, ein Wunder, dass ich in den letzten 2 Jahren noch keinen Blogger mit "autistischer Kommunikationsfähigkeit" beschimpft habe.

Sie haben Recht, man muss als öffentliche Person schon aufpassen, das man nicht "Schablonenhafte" Worte benutzt, ohne sich vorher genaue Gedanken zu machen.

Gruss

h.yuren 25.02.2013 | 09:44

Einige Kinder mit Autismus schlagen zum Beispiel andere Kinder. Das ist oft keine Aggression, sondern ein Versuch der Kontaktaufnahme und damit Kommunikation.

lieber merdeister, in diesem passus zeigst du, wie schwer es sein kann, eindeutig verständlich zu kommunizieren. wenn ein kind ein anderes schlägt, die interaktion als kommunikation zu bezeichnen, ist zumindest irritierend. denn wir müssen die koordinaten des verstehens in ein anderes als das gewohnte system transponieren, damit der kontext wieder einen sinn bekommt.

das ist wie mit manchen wörtern, die in zwei sprachen vorkommen, aber jeweils mit einer anderen bedeutung.

übrigens eignen sich bestimmte krankheiten und auch tiere wohl besonders zu drastischen schimpfanwürfen. vom standpunkt des normalopathen aus. oder, wie das mal hieß, vom gesunden volksempfinden her.

grüße, hy

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Ehemaliger Nutzer 25.02.2013 | 10:03

Seit wann können grobstoffliche Vulgärmaterialisten die Deutungshoheit des Begriffs "Autismus" beanspruchen?

Vermutlich ist dieser Begriff in die Medizin eingeführt worden, um die normale Armseligkeit egomaner Fetischtänze zu kaschieren!

Mit anderen Worten: ein Ablenkungsmanöver von Autisten, die ihren Autismus nicht einmal verstehen und deshalb lieber woanders entsorgen... :-)

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Ehemaliger Nutzer 25.02.2013 | 11:09

Augstein meinte mit „Autismus“ wohl den historischen Begriff, den Sigmund Freud noch benutzte. Gerade in linken Kreisen ist es chic, psychoanalytische Begriffe zu verwenden. Damals war mit „autistisch“ einfach „narzisstisch“ oder das Gegenteil von „(pro)sozial“ gemeint. Mit dem gleichnamigen Störungsbild assoziiert wurde es erst seit Asperger. Trotzdem, hätte er einfach „Narzissmus“ geschrieben, wäre das Ganze zwar immer noch leicht pathologisierend, aber weniger diskriminierend.

Columbus 25.02.2013 | 11:13

Lieber Merdeister,

Ich denke, dem Jakob Augstein hat das Buch Schirrmachers und dessen Spiegel-Essay gut gefallen und er benennt auch die Gründe dafür.

Die „Algorithmen“ schmerzen uns, denn sie kennen ja weder Gefühle, auch wenn sie sich sogar anheischig machen, Gefühlsmodelle repräsentieren zu können. Sie kennen keinen Widerstand, sondern nur das Kalkül. Sie kennen vor allem einen scheußlichen Reduktionismus.

Denn Algorithmen sind zwar grundsätzlich so zu formulieren, dass sie kleine, lernende Systeme bilden können, aber sie sind mathematisch-logisch auf die exakte Beschreibung ihrer Grenzen angewiesen, weil sie nur in beschränkten Rahmen und Umfeldern tatsächlich funktionieren.

Es gibt keinen Weltalgorithmus, nicht einmal ein Set davon. - Schirrmacher beschreibt, wie die Algorithmen „ausbrachen“ und nun, in Form sehr einförmiger Spielregeln auf uns persönlich und kollektiv einwirken. Drastisch gesprochen, werden wir selbst zu Algorithmen und wenn wir es nicht werden, durch externe und interne Gründe, durch unsere Widerständigkeit, durch Glück und Zufall, dann stehen unsere Chancen unter all´den Algorithmikern schlecht, noch Erfolge zu haben, zum Spiel überhaupt zugelassen zu werden.

Der Kontext des Augsteinschen Kolumnentextes signalisiert, er meint Autismus nicht als Vokabel für die Beschreibung einer Krankheit oder der Personen die darunter leiden. Ihm geht es hier um die verstopften Eingangskanäle für abweichende, andere und widersprechende Informationen, Emotionen und Gedanken, die sich dem Effizienz- und ökonomischen Profitmaximierungsansatz entziehen, bzw., von diesem absichtlich nicht abgebildet werden. - Wenn sie so wollen, schreibt Augstein gerade für eine Welt, in der Autisten, -nun sind die mit der klinischen Störung gemeint-, ein erfülltes und nicht nur effizientes Leben führen können, weil sie sich in Ausnahmefällen als Rechenknechte einsetzen lassen oder als ungemein konzentrationsfixierte Detailbeobachter.

Ich bringe ein Beispiel aus der Alltagsmedizin: Seit dem beginnenden Umbau der Krankenversicherung, weg von der Globalversicherung des sozialen und allgemeinen Risikos Krankheit, weg von der damit vorbehaltlos gegebenen Sicherheit, unter der Prämisse, sowohl die Versicherungsleistung selbst, als auch die medizinischen Insitutionen privatwirtschaftlich und betriebswirtschaftlich zu organisieren, müssen Patienten um ihre Rechte einen Papierkrieg führen, den sie, mangels eigener Fähigkeiten, aufgrund der einsetzenden Erschöpfung, aufgrund der wiederrum nur als Dienstleistung käuflichen Beratung (z.B. Juristen), die sie sich gar nicht leisten können, heute häufig verlieren.

Dieser Prozess erfolgte schleichend, indem Gesundheitspolitiker immer komplexere Leistungsausschlüsse und Antragsvorbedingungen einbauten, statt dem berechtigten sozialen Prinzip, ich gehe zum Arzt und erhalte die notwendige Hilfe, weiter zu seinem Recht zu verhelfen. Aber nur der Erhalt der Sicherheit, es ist die Freiheit von Furcht, Angst und Unsicherheit, ist wirklich gesellschaftsbildend und kulturbereichernd, macht differenziertes Leben möglich. - Die andere, die neue Maxime, sie ist profitabel, sonst nichts!

Was ein wenig kurz kommt, in Augsteins Kolumne, aber auch bei Frank Schirrmacher, auch wenn sie die Unbarmherzigkeit der Verkürzung des gesellschaftlichen Lebens durch den „Algorithmus“ des Marktes durchaus erwähnen, das ist dieses radikal negative Menschenbild hinter der Fassade des Systems der berechnenden ökonomischen Effizienz.

Umgekehrt schlägt eben ein altkonservativer Schreiber, Alan Posener in der Welt, Schirrmacher mit der alten Totalitarismus-Keule. Marktökonomie ist für diesen Autor die individuelle Freiheit (Sein persönliches Erleben der Selbstvrwirklichung) und er misst sie am Produktions-Output, völlig systemimanent.

Schon das Beispiel der ausufernden Kataloge der heutigen „Wunschkind“-Reproduktionsmedizin, bei gleichzeitig einer Milliarde dystrophischer Hirne und unzähliger Hungerbäuche in der Welt, -Hunger schädigt Hirn!-, spricht zwar gegen Posener, aber trotzdem ist ihm die Nazi-Stalinismus-Keule auf das Haupt des Intellektuellen Schirrmacher gerade recht.

Spieltheoretisch begriffen, sähe das so aus, dass Gesellschaft einzig gedacht wird als Schachspiel mit der Vorgabe von Handicap-Punkten für bestimmte Gruppen, aber die Figuren gar nicht als (Er)Leidende gesehen werden können. Es macht nichts, wenn Türme, Bauern und Damen fallen, wenn am Ende das Spiel gewonnen wird.

Dabei ist doch gerade das leergefegte 64er Brett, nach dem Endspiel, von einer traurigen Leere die triumphiert. Die restlichen Figuren sind aus dem Feld geschlagen, sie waren nur Mittel zum Zweck.

Auf der Erde, der Gaia, lässt sich das Spiel nach dem Endspiel nicht wieder aufstellen und die abgeräumten Menschen, nur als Figuren mit Spielpotential betrachtet und für was wertgeschätzt, sie kehren nicht mehr zurück.

Beste Grüße

Christoph Leusch

GEBE 25.02.2013 | 11:47

Ich habe, so wie der Begriff "Autismus" von J. A. verwendet worden ist, zu keinem Zeitpunkt auch nur annähernd an Autismus im Sinne einer ICD 10 Klassifikation denken müssen, sondern als dasjenige, was sich aus dem Kontext ergibt: egomane Selbstbezogenheit als Kennzeichen mangelnder Sozialkompetenz und Mitmenschlichkeit.

oi2503 25.02.2013 | 12:21

"Der Kontext des Augsteinschen Kolumnentextes signalisiert, er meint Autismus nicht als Vokabel für die Beschreibung einer Krankheit oder der Personen die darunter leiden."

Eben. Genau das ist doch der Schmutz, den Merdeister hier zurecht anprangert. Autisten sind bei Augstein dem jüngeren Vokabel für etwas anderes, für Egoismus, Kälte, Psychopathie. "Neger" dürfte ich, wenn ich mich recht erinnere auch für dich, einen "Neger" nicht mehr nennen, weil damit ja Konnotation verbunden wären; wenn aber jemand, hier Augstein, etwas, das er ablehnt mit einer Vokabel neu belegt, die eine Menschengruppe definiert: dann ist das okay? Ich bin mir ganz sicher, dass du darüber noch einmal dringend nachdenken willst.

Deine Zusammenfassung der Sicht auf den Ego-Shooter-Schirrmacher reisst es dann auch nicht mehr raus, soweit wie ich das beim drüberscrollen gesehen habe.

Columbus 25.02.2013 | 14:32

Gegen die Kritik ist doch nichts zu sagen. Aber muss sie dann im Gewand eines Universalverissses daher kommen und Augstein, der nun wirklich weder dumm, noch spracharm, noch ohne Emotionen öffentlich sichtbar ist, zum Unmenschen machen?. -Ich finde, das geht zu weit, auch angesichts der Tatsache, dass sich auf der dFC-Ebene Leute Wertungen erlauben, die jedes Maß vermissen lassen.

Neger, Mohr und Schornsteinfeger: Ich sage, es kommt auf den Kontext an. Umschreiben alter Bücher und "Aktualiserungen", nein, aber auch ein Stoppschild für Leute, die nur jede passende Gelegenheit suchen, sich über Mohren, Neger,....auszulassen.

Das alles trift aber auf unseren "Zeitungsmagnaten" und Publizisten JA wirklich nicht zu. Da ist mir dann zu viel "Hineindeutungshoheit" unterwegs, um von vollkommen falscher Wortwahl zu sprechen, zumal sich JA sogar noch entschuldigt. Beim nächsten Mal wird er wohl ein anderes Wort wählen und wieder ein anderes Wort aus seiner Tastatur stören.

Ich plädiere für Gelassenheit und das Ansparen der Erregung, im Sinne des zweitältesten von Freud her bekannten Triebmodells, für wirklich missliche Formulierungen und Absichten: Z.B. in München, z.B. durch den dortigen Polizeipräsidenten, der die Prügelattacke eines oder mehrerer Polizeibeamter auf eine gefesselte Frau als "angemessen" und" konsequent" einschätzte.

An der SPON-Kolumne Augsteins, -leider schreibt er weiterhin seine besten Sachen für den Spiegel-, ist ja sachlich nicht allzu viel auszusetzen. - Ich bin der Überzeugung, dass in solchen Angelegenheiten, wie der nun hier verhandelten, der Augstein zu den Guten gehört.

Beste Grüße

Christoph Leusch

ed2murrow 25.02.2013 | 17:03

Dass Sie zum komödiantischen Fach gehören könnten, steht spätestens seit Ihrem Blog „Der Überstaat. Der Wahn Europa“ außer Frage. Sie Scherzkeks haben den Text nämlich ausschließlich und wortwörtlich aus Rudolf Steiners „Geisteswissenschaftliche Behandlung sozialer und pädagogischer Fragen“, u.a. aus dem ersten Vortrag 1919 bezogen und ihn lediglich um ein Aphorismus von Einstein aufgewertet, damit es nicht so auffällt. Und natürlich diesbezüglich „nur“ vergessen, den Urheber und geistigen Vater dieses nationalistisch-esoterisch angehauchten Drecks zu erwähnen.

Ihr außerordentlich gespanntes Verhältnis zu Wahrheit und Einteilung der Menschen spricht für sich und bedarf an der Talsohle nicht noch weiterer Vertiefung.

GEBE 25.02.2013 | 18:05

Sehen Sie, werter ed2murrow,

was für ein intellektueller Hanswurst Sie doch sind, tritt offen zutage durch ihr Tu-quoque-Argument, welches auf meine hier durchaus bekundete Weltansicht als Anthroposoph abstellt, statt Inhaltliches zu bieten. Sie hätten ganz gewiß nicht den Mumm, in gleicher Weise, statt auf Anthroposophie, etwa auf mosaische Weltanschauung per tu quoque zu polemisieren. Und so etwas nenne ich schlicht erbärmlich, und den, der dies so hält, strack heraus einen intellektuellen Hanswurst. Wie verlogen die hier aufgemachte Diskussion doch im Grund ist, wie philisterhaft nominalistisch, zeigt Ihr Beispiel überdeutlich: einerseits wird versucht sich am „politisch korrekten Mainstreaming“ intellektuell künstlich steifzureiben, um andererseits im gleichen Zuge despektierliche Seitenhiebe zu plazieren gegen eine nicht hochfrequentierte Weltanschauung.

Das in dem verlinkten Blog Zitierzeichen stehen, haben Sie aber schon wahrgenommen, oder? Und im Übrigen ändert es nichts am Inhalt, der eben nicht in Gänze zitiert ist, wie Sie behaupten. Und daß ich mit R. Steiner hier nicht als „Aufhänger“ werbe und/oder nicht ausdrücklich vorderhand positioniere, ist solchen Vögeln – ideologischen Geiern - wie Ihnen geschuldet, die, siehe hier(!) nichts anderes im Sinne haben, als entsprechend reflexartig zu reagieren, ohne sich mit den entsprechenden Inhalten auch nur ansatzweise vertraut zu machen.

Ende der Durchsage!

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Ehemaliger Nutzer 25.02.2013 | 19:01

Im Spiel will jeder gewinnen. Das ist die Bedingung der Spieltheorie. (…)

Nein, wenn Jakob Augstein das so formuliert hat, ist das falsch. Im biologisch naturwissenschaftlichen Sinne hätte dieser Ansatz dazu geführt, dass die vorhandene Artenvielfalt sich niemals hätte entwickeln können, da schon zu sehr früher Zeit nur eine gewonnen und damit ihre Lebensgrundlagen zerstört hätte. Das Spiel (ISBN 3-492-02151-4.) von Manfred Eigen gibt hier aufschlussreiche Informationen. Bei WIKI existiert ebenfalls eine umfangreiche Darstellung woher die Spieltheorie stammt und wie sie sich entwickelt hat. Die von JA genannte Bedingung ist lediglich eine Randbedingung, eine der vielfachen aber nicht zwingenden Möglichkeiten.

Wir alle sind Opfer einer Ideologie des Egoismus. Sie wurde für eine Welt des Krieges entwickelt und verheert heute den Frieden. Eine Ideologie der Kälte und des Autismus.

Den Begriff Autismus im Zusammenhang mit einem gesellschaftlich – ideologischen System habe ich erstmalig im letzten oder vorletzten Jahr im Zusammenhang mit dem Nordkoreanischen vernommen. Wenn wir die Aktivitäten des ökonomischen Komplexes ebenfalls als eine extreme Form von Ideologie einordnen, ist der Begriff Autismus ungeeignet, eine systemische Beschreibung zu liefern. Besser erschiene mir der Begriff: selbstreferenzielles System, als Synonym für ein abgeschlossenes Denkgebäude, das – im Fall der Wallstreet und anderer Geldtempel – eine Befassung mit anderem als Geld, Kapital oder was auch immer in diesem Dunstkreis nicht zulässt und auch eine Reflexion auf außen Seiendes tunlichst vermeidet.

Eine Ideologie von Psychopathen für Psychopathen.

Insofern sind die dort Handelnden auch keine Psychopathen, sondern hoch fokussiert auf Gelderwerb- und Handel. Dass sie die Folgen ihres Handelns nicht abschätzen oder alles damit im Zusammenhang stehende ignorieren oder billigend in Kauf nehmen erlaubt vielleicht das Prädikat asozial oder kriminell, aber nicht psychopathisch.

Die Spieltheorie selbst als ein Produkt von Psychopathen einzuordnen, ist das Ergebnis eine vollkommenen Fehleinschätzung in Verbund mit bedauernswerter Unwissenheit des Autoren über eben diese Theorie.

Schachnerin 25.02.2013 | 20:33

Im Magazin der Süddeutschen stand ein Interview mit Dr. Temple Grandin, Professorin an der Colorado State University. Sie ist Autistin. Auf die Frage, ob sie ein Medikament nähme, das Autismus heilen könnte antwortete sie:

Nein. Autismus ist das, was mich ausmacht. Ich würde meine Fähigkeit, in Bildern zu denken, nicht aufgeben wollen, und es macht mir enorm viel Spaß, Probleme zu lösen. Ich habe meinen Platz gefunden.

http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/34790/2/1

ed2murrow 25.02.2013 | 20:51

Ehe ich es vergessen: Wenn Sie es tatsächlich ernst meinen mit dem Vergleich zwischen einer monotheistischen Religion (bei der die Kultur des Buches eine mehrtausendjährige Geschichte der intellektuellen Beschäftigung und ein paar kleine Nebensächlichkeiten mehr bedeutet) und dem Gewäsch eines seltsam Erweckten, dann zeigt das bestenfalls Ihre Fallhöhe. Auf Knien sind Sie dann nämlich schon.

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Ehemaliger Nutzer 25.02.2013 | 22:12

Der war gut! Stellt sich nur die Frage, ob das "Indigikind" a_sich einen schlechten Scherz erlaubt hatb_, naiv ist oder c_, der Erste und Einzige ist, der bemerdt, dass JA sich *Ironie an*sehr oft sehr kenntnisreich und geschickt ausdrückt*Ironie aus*. Doch immerhin gibt es hier ja ein paar "Experten", die aus dem "Gesamtzusammenhang" wissen, was ihre Autoritätsperson JA so, - ähhhhhh - MEINT.

merdeister 25.02.2013 | 22:40

"Seit wann können grobstoffliche Vulgärmaterialisten die Deutungshoheit des Begriffs "Autismus" beanspruchen?"

Seit sie mehr davon verstehen als feinstoffliche Leichtwassermatrosen.

"Vermutlich ist dieser Begriff in die Medizin eingeführt worden, um die normale Armseligkeit egomaner Fetischtänze zu kaschieren!"

'Vermutlich', vielleicht unterhalten Sie sich darüber mal mit einem Autisten über die seine (oder Ihre) 'Armseligkeit egomaner Fetischtänze'. Vielleicht erfahren Sie ja etwas über 'menschliches Erleben'...

merdeister 25.02.2013 | 22:52

Hallo Columbus,

ob Jakob Augstein in seinem Text Recht hat oder nicht, ob er für eine bessere Welt eintritt oder nicht, ist für mich in diesem Fall nicht relevant.

Ich schrieb es im Text und im Kommentar an TKaiser: Es geht nicht nur um die Verwendung des Begriffes sondern auch um die Unreflektiertheit der Antwort auf die Kritiker.

Ich habe JA genauso lieb wie Sie aber wenn er dummes Zeug schreibt, kann ich das ruhig mal erwähnen.

merdeister 25.02.2013 | 22:59

"Und daß ich mit R. Steiner hier nicht als „Aufhänger“ werbe und/oder nicht ausdrücklich vorderhand positioniere, ist solchen Vögeln – ideologischen Geiern - wie Ihnen geschuldet, die, siehe hier(!) nichts anderes im Sinne haben, als entsprechend reflexartig zu reagieren, ohne sich mit den entsprechenden Inhalten auch nur ansatzweise vertraut zu machen."

Reflex: "Ein Reflex ist eine unwillkürliche, rasche und gleichartige Reaktion eines Organismus auf einen bestimmten Reiz."

GEBE, finden Sie unter ihrem Beitrag einen Hinweis auf Steiner oder Anthroposophie? Oder einen Kommentar von e2m? Kreisen Ihre "ideologischen Geier" vielleicht solange, bis sie verhungert sind?

Columbus 25.02.2013 | 23:04

Magda,

Sie sind doch vom Fach. Wer macht die Üs und Teaser? Wie man aber vom rosa Anstrich zum Rosa Winkel kommt?- Wohl nur durch freie Assoziationstätigkeit. Das gehört dann in therpeutische Zusammenhänge. - Mich wundert ja immer die Seelenblindheit für den Mist, den man so tippt:

„Ob seriell monogam oder polygam - Brecht war vor allem ein Ausbeuter. Die meisten Künstler haben eine ausbeuterische Ader.“ (Magda)

Warum muss eine dFC sich so sehr mit doppelter Buchführung aufladen? Das ist doch traurig und auch ein wenig kleinlich.

Was schreibt Augstein am Ende seiner Kolumne zum rosa Thema:

"Aber im Grundgesetz steht nichts davon, dass nur Männer und Frauen die Ehe eingehen können. Hamburg will im Bundesrat beantragen, das Bürgerliche Gesetzbuch zu ändern. Wenn dort künftig festgehalten wird, dass die Ehe eine Lebensgemeinschaft zweier Menschen ist, dann genügt das vollkommen. Der Rest der Revolution entwickelt sich von selbst. Wenn Merkel es ernst meint mit der Modernisierung ihrer Union, sollte sie diesem Vorschlag zustimmen." - Besser kann Mann das nicht hinschreiben. Frau wahrscheinlich auch nicht.

Beste Grüße

Christoph Leusch

Columbus 25.02.2013 | 23:26

"Autismus ist hier als Chiffre für selbstbezogenes Kommunikationsunfähigkeit gemeint – nicht als Beschreibung oder Diffamierung eines klinischen Symptoms." (Augstein) - Das reicht doch schon. Was ist daran unreflektiert? Etwa, dass Augstein den Unterschied zwischen Syndrom und Symptom nicht kennt? - Wer kennt ihn sonst, außer Fachmenschen?

Ich finde, für so manchen dFCler wäre ein wenig Übung in Kontextsensibilität hilfreich. Danach liest sich die Zeitung und auch so manche recht verpeilte Seite im WWW, viel entspannter. Dazu wollte ich ein wenig beitragen.

Mein Hauptkritikpunkt an unserem geliebten Augstein der letzten Wochen. Er hält seine Anwesenheit und die anderer mit Rederecht, -es gilt das gesprochene Wort-, in den Talk-Shows, schon für eine Blüte der "erweiterten Demokratie". Das geht mir zu weit, bzw., dafür wäre noch ein weiter Entwicklungsweg der Formate zurückzulegen.

Ich finde gut, dass sie und z.B. e2m zumindest den öffentlichen Raum nicht wie einen Privatraum betreten. Ich denke, dass diese Differenz mehr erkämpft, bestätigt und aufrecht erhalten werden muss, damit Diskussionen und Debatten überhaupt noch produktiv bleiben.

Beste Grüße

Christoph Leusch

rose 25.02.2013 | 23:39

nicht kleinlich, sondern kleinsichtig.

Etwas so Alltägliches. Begriffe werden verschieden verwendet. Anstatt sich aufzugeilen, jemanden erwischt zu haben, soll man das machen, was man sonst im bürgerlichen Umgang macht. "Wie meinst du das?" Basta. Aber dann hätten die wichtigen Kritiker der wichtigeren Kritiker nichts zu tun. Die hier Verwendete Methode ist nichts besonderes. Man unterstellt dem Gegner eine bestimmte Interpretation eines Begriffes und baut darauf seine Verurteilung auf, hierfür wäre ausnahmsweise der von den Schmutzpolitikern anderen Schmutzpolitern vorgehaltene und missbrauchte Begriff "Demagogie" einmal korrekt verwendet.

rose 25.02.2013 | 23:51

Augstein antwortet selbst:

‘Liebe Realname, Autismus ist hier als Chiffre für selbstbezogenes Kommunikationsunfähigkeit gemeint – nicht als Beschreibung oder Diffamierung eines klinischen Symptoms. Manchmal bemächtigt sich der Sprachgebrauch eines Wortes und löst aus dem eigentlich zugehörigen Sinnzusammenhang heraus … Das ist hier der Fall. Es tut mir Leid, wenn Sie sich da sozusagen unter die verbalen Räder gekommen fühlen. Ihr JA’ "

Damit ist es erledigt. Nein ein Artikel muss her, um WAS mitzuteilen, Herr Oberlehrer?

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Ehemaliger Nutzer 27.02.2013 | 08:49

{Sie fangen wieder an zu schwafeln (wir sollten Sie doch darauf hinweisen, wenn das passiert, nicht wahr?)}

Mit dem, was Sie hier von sich geben, sollten Sie sich tatsächlich nur mit Objekten beschäftigen, die für jedes Kind sichtbar sind. Insofern ist das, was Sie als "Schwafeln" bezeichnen, nur als Kompliment zu verstehen.

Das "wir" in ihrer Botschaft sehe ich als einen tiefen Wunsch, Sie mit dieser Haltung nicht allein zu lassen. Ich befürchte allerdings, dieser Wunsch wird nur dort erfüllt werden, wo sie Lacher provozieren, die auf die dieselbe Oberfläche fokussiert sind.

anne mohnen 27.02.2013 | 18:48

Lieber Columbus,

ich stimme Ihne im Groben und ganzen zu.

Die Diskussion um das „N“ ließ schon nichts Gutes ahnen, dann die Idee aus allen Preußler-Kinderbüchern das Wort Neger zu ersetzen, puhhh: Wer die Geister rief!

Da waren Sie dann da die Gutmenschen, die Sprachhygieniker. Ob sie vor Josef Conrad, Mark Twain, Shakespeare; Salust etc. halt machen werden?

Weil das dann doch zu anstrengend ist, weil dann doch das Ausmaß nicht überblickt wird: jetzt also im Paterre angelangt – muss dieser Autismusvergleich von Augstein herhalten.

Ganz ehrlich ich frage mich, was ist der Sinn solch einer Diskussion?

In den USA hat das zu Ingroup-Bewusstsein von Minderheiten resp. Ethnozentrismus gestärkt von Afro-Amerikaner, die Hispanics, die Asiaten etc. Mit welchem Ergebnis? Ob weiß, schwarz, hispanics etc., keiner dieser Einwanderer interessiert sich für die Eingeborenen : die Roten leben immer noch in Reservaten!

Unzweifelhaft unterliegt Sprache einem Bedeutungswandel und Konventionen, die wiederum sozialer Kontrolle!!

So verwende ich das Word Neger nicht mehr, auch wenn Jean Paul Sartre es als antirassistischen Kampfbegriff benutze oder Lépold Senghor Négritude zum Programm macht und, trotz Kolonialzeit!!!, das Wort etwa in Belgien auch unter den Betroffenen nicht unter Verdacht steht, wie hierzulande.

Ja, ich pass‘ mich da an. Schon um solchen Diskussionen aus dem Weg zu gehen.

Man stelle sich vor, ich verwendete für den "stillen Ort", wie auch gaaanz früher mal in Deutschland: „Scheißhaus“ oder wie später im Rokoko doch nur das feinere „Kackhaus“, was als eleganter empfunden wurde, weil etymologisch griechisch-lateinischer Provenienz, anstatt Toilette oder OO geeinigt. Puuh, da würde ich mich schämen. So weit so gut?

Problematisch ist dann, wenn die selbsternannten Sprachreiniger auftauchen. Wie weiland in z-.B. der DDR, wo, sagt die Legende, Karl May erst verpönt, dann wieder eingeführt wurde, indem man „die Roten“ durch allerlei möglichen Krampf ersetzte.

Tja, und dann ist da noch Sprache in ihrer unterschiedlichen Bedeutung: Autismus wird also hierzulande auf ein klinisches Bild reduziert. Und weil Krankheiten und Kranke sakrosankt sind, muss das das oben genannte Ingroup-outgroup Schemas angewandt werden und Krankheit sanktioniert werden. TOLLLLLLLLLL!

Und wenn es in anderen Kulturen diese Sortierung gar nicht gibt. Was dann?

LG am

anne mohnen 28.02.2013 | 10:23

@ Hallo Merdeister,

"Empathie"?

In den Facebook-Beschwerden geht es um die Wortwahl, um Begrifflichkeiten. Die von Ihnen zitierten Texte belegen das . Und dann schreiben Sie, nachzulesen in Ihrem Text;)), mehrmals, es ginge um Wörter und Begriffe!!

Ich nehme mal an, Sie haben keinen Bock oder sind nicht in der Lage auf meine Argumente einzugehen. Das ist schade, denn Ethnozentrismus, resp. in-group-favoritism , wäre ja gerade in Bezug auf diese Thematik spannend zu diskutieren und würde dann über das Phänomen "Augstein und der shitstorm" hinausgehen.

Doch so bestätigt sich meine Vermutung, die ich bereits nach dem Überfliegen Ihres Beitrags hatte, es mal wieder um einen Aufruf: „"Vati" lass mal wieder was von Dir hören!“ So was kommt hier ja regelmäßig vor.

Wie auch immer. Jedenfalls, wenn es Ihnen um Empathie ginge, missbrauchten Sie dann den Begriff so unempathisch in Ihrer Headline???

Dass ich mich hier überhaupt zu Wort melde, liegt an dem sich breitmachenden Trend, unreflektiert über Sprachregelungen zu schwadronieren, indem Kontextualität von Sprache, Information ausgeschaltet werden. Zwecks was??

Übrigen - warum reichen eigentlich Entschuldigungen nicht mehr aus, hm?

LG am

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Ehemaliger Nutzer 01.03.2013 | 20:40

Ist es nicht so, dass die Verwirrungen und Fehlinterpretationen, die Augsteins Textbeiträge ja nicht zum ersten Mal auslösen, schlicht durch seinen grottenschlechten Schreibstil verursacht werden?
Mal ehrlich, wer würde Augsteins Texte lesen, wenn nicht der Name Augstein darunter oder darüber stehen würde? In der Regel erzählt JA nie etwas Neues, meist fasst er allgemein Bekanntes zusammen, ohne fundiertes Hintergrundwissen, ohne eigene Recherchen. Ist halt bequem, so vom Sessel aus seine Meinung in die Welt zu plärren und sich Gewiss zu sein, egal was abgesondert wird, es wird, alleine wegen des Namens AUGSTEIN, genug Idioten geben, die den Mist Lesen und bezahlen. Ist es nicht so, daß die Verwirrungen und Fehlinterpretationen, die Augsteins Textbeiträge ja nicht zum ersten Mal auslösen, schlicht seinem grottenschlechten Schreibstil zu zuschreiben sind?

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Ehemaliger Nutzer 01.03.2013 | 21:42

"Hermeneutik" … ganz großes Kino, wenn einem sonst nicht einfällt … LOL

Inhaltlich sollte man sich mit den originalen Texten, Berichten, Reportagen, Blogs auseinander setzten, nicht mit Zusammengeschriebenen, im “Reader's Digest-Stil a la Jackob Augstein. Dass er (JA) sich der Illusion hingibt, als(vorgeblich) linker Textbausteinbenutzer zum Protagonisten der Linken auf zu schwingen und so auch seine Profilsucht aus leben zu können, ist schon peinlich genug (für ihn), aber noch peinlicher ist es, wenn “Alt-Linke“ und “Ostalgiker“ (wie Sie?) auch noch auf diesen billigen Marketingtrick reinfallen.

Soubrettel 02.03.2013 | 09:06

Was ist an JA's Antwort kaltschnäuzig? Die Diskussion erinnert ein wenig an Steinbrücks Ausruf von den CLOWNS, woraufhin sich Mister Roncalli über die Diffamierung von Clowns beschwert.

Es ist vollkommen schwachsinnig zu schlussfolgern, Herr Augstein wolle hier irgendwen beleidigen. Sagte er nicht sogar, es täte ihm leid, wenn sich hier irgendjemand beleidigt fühlt? Allerdings lässt das Stichwort Indigokind in Ihrer Beschreibung (siehe MERDEISTER) darauf schliessen, dass Sie wahrscheinlich zu einer ganz bestimmten Spezies gehören, die sich nicht gerade dadurch auszeichnet, die Bälle flachzuhalten und einfach mal nicht aus jeder Sache ein Drama zu machen... schnarch...

Soubrettel 02.03.2013 | 09:07

Was ist an JA's Antwort kaltschnäuzig? Die Diskussion erinnert ein wenig an Steinbrücks Ausruf von den CLOWNS, woraufhin sich Mister Roncalli über die Diffamierung von Clowns beschwert.

Es ist vollkommen schwachsinnig zu schlussfolgern, Herr Augstein wolle hier irgendwen beleidigen. Sagte er nicht sogar, es täte ihm leid, wenn sich hier irgendjemand beleidigt fühlt? Allerdings lässt das Stichwort Indigokind in Ihrer Beschreibung (siehe MERDEISTER) darauf schliessen, dass Sie wahrscheinlich zu einer ganz bestimmten Spezies gehören, die sich nicht gerade dadurch auszeichnet, die Bälle flachzuhalten und einfach mal nicht aus jeder Sache ein Drama zu machen... schnarch...

miauxx 02.03.2013 | 15:47

"Ob Augstein womöglich gar keine klinische Diagnose gestellt hat, sondern schlicht eine Metapher verwendete?

Also ich finde die Aufregung reichlich - hysterisch. ;)"

Metapher ist möglich ... Vermutlich hat JA gar nicht weiter darüber reflektiert, dass sich als autistisch Diagnostizierte angegriffen fühlen könnten. Gefühlt häufen sich in letzter Zeit ja auch die Aufreger über solche sprachlichen Fettnäpfchen seitens Politikern, Presse, Sportmoderationen usw. Tlacuache etwa ist mit seinem Kommentar oben (der erste im thread) erfrischend ehrlich.

"Hysterie" kann ich jedoch nicht entdecken. Was JA aber zu recht anzukreiden ist, ist seine unsensible und wenig interessierte Reaktion gegenüber denen, die für sich in Anspruch nehmen dürfen, sich über ihre gefühlte Gleichsetzung mit egoistischer Asozialität zu beschweren. Wenn jemand vom Arzt Autismus bescheinigt bekommen hat, ist wohl kaum zu erwarten, dass er JA wohlwollend die Möglichkeit der Metapher einräumt. Und selbst wenn er sich einredet, JA habe bestimmt nicht wirklich an den klinischen Befund "Autismus" gedacht, wird die Sache für ihn dadurch kaum leichter werden. Hier, so denke ich, muss man einfach von einer gesteigerten Sensibilität ausgehen. Passieren kann der sprachliche Lapsus sicher einmal. Nur hätte JA dann wenigstens die Größe einer angemessenen Entschuldigung zeigen können! Und so verstehe ich auch merdeisters unaufgeregten und keinesfalls hysterischen Artikel.

Es ist aber leider auch nicht das erste Mal, dass JA, wenn netzseitig kritisiert, sehr dünnhäutig und wenig diskussionsbereit reagiert.

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Ehemaliger Nutzer 02.03.2013 | 17:04

Ich finde Augsteins Unsensibilität sehr erfrischend.

Und damit, dass das irdische Leben eine Schlacht ist muss der Mensch leben. Ich fühle mich als spirituell tickender Konservativer und bekennender Nicht-Linker auch angegriffen, wenn vom "Kampf gegen Rechts" und solchen Sachen die Rede ist als bestehe mein Denken darin, in der Ukraine jüdische Mädchen an die Wand zu stellen. Da muss man durch. :D

miauxx 02.03.2013 | 20:26

"Ich fühle mich als spirituell tickender Konservativer und bekennender Nicht-Linker auch angegriffen, wenn vom "Kampf gegen Rechts" und solchen Sachen die Rede ist als bestehe mein Denken darin, in der Ukraine jüdische Mädchen an die Wand zu stellen. Da muss man durch. :D"

Halten Sie das für einen adäquaten Vergleich? Und selbst wenn es so ist, dass Sie sich "als spirituell tickender Konservativer" vom "Kampf gegen Rechts" in eine Reihe mit SS-Mördern gestellt sehen (??), so ist es immer noch eine Anmaßung, darüber zu befinden, wie doch bitteschön andere Menschen mit Beleidigungen umzugehen haben! Geben Sie spirituell Tickender nicht vor, im Zeichen der Liebe unterwegs zu sein ...?

Geben Sie's zu: Sie wollen hier gerade nur ein bisschen Schaum aufschlagen, auf dass 'PC-Linken', 'Gleichstellungsmimosen' und 'Gerechtigkeitsfanatikern' der Kamm schwillt, oder?! :-)

oi2503 03.03.2013 | 06:27

Liebe Anne,

entschuldige bitte, dass ich so spät daherkomme, war anderswo unterwegs. Für mich ist dein Beispiel verrutscht, schief, trifft den Sachverhalt nicht. Einen "Neger" nicht mehr so nennen zu dürfen/können/sollen: Ja, auch ich gehe da den Weg der Konvention.

Nur hat Augstein ja nicht über Autisten geschrieben oder über den dazu gehörigen -ismus. Er hat Menschen, die er charakterisieren will ein Label angepappt. Und zugleich und eben auch und nebenbei, allen "Autisten", Eigenschaften angeheftet. In seiner Wortwahl sind die Menschen, die er beschreibt Psychopathen, kalt, kommunikationsunfähig, Egoisten und letztlich "kriegsgetrieben". Dies alles pappt er jedem Autisten an.

Warum nicht ein Vergleich aus der Zoologie (Pinscher, Hyänen, Ratten, Tiere)? Weil dann die Bezeichneten sich verunglimpft fühlten. So wählt er lieber eine Grupe von "Psychopathen" und "entschuldigt" sich, dass sich jemand beleidigt fühlen könnte und nicht dass er daneben gegriffen und beleidigt hat.

Sry, das alles hat mit "Negern" und Co nichts zu tun. Nach meinem Empfinden.

LG, Oi

Reinhold 03.03.2013 | 22:05

Wieso gleichgestellt? Ich verstehe den Satz als eine Aufzählung von Attributen, die er einer Ideologie zuordnet. Dabei sind die Attribute keineswegs gleichgesetzt zu verstehen. Das wäre ja völlig sinnlos etwas in einem Satz mehrfach mit dem gleichen Attribut zu beschreiben.

Autismus habe ich hier auch nur als Kurzfassung dafür gesehen, was der Begriff eben beschreibt. Wieso die Aufregung darüber? Ich sehe da keinen Vorwurf denen gegenüber, die unter Autismus nach ICD-10 leiden. Der Vorwurf ist doch hier wenn dann gegenüber denjenigen zu sehen, die NICHT unter darunter leiden und trotzdem autistisch Handeln. Denn denen kann man ja letztlich nur Absicht unterstellen. Insofern macht es durchaus Sinn diese Wortwahl zu treffen.

anne mohnen 05.03.2013 | 09:45

@ Miauxx

Das sehe ich anders, lieber Miauxx.

Wahnsinnig, schizophren, irre, idiotisch, hysterisch, narzistisch benutze ich kaum, möchte sie aber er benutzen können. Dass „idiotisch“, „blöde“ (Kraepelin), Bleuler), nazistisch, hysterisch (Freud) nicht mehr als diskriminierend Bezug auf Krankengruppen betrachtet wir, wirst Du doch einräumen, oder?

Ein Blick in leicht Verständliches, was nicht despektierlich gemeint ist, gibt Aufschluss darüber, dass der Begriff alltagssprachlich (Wittgenstein!!) auch anders benutzt wird. Und dann ist da noch „mein Problem“ mit Inbound-Gruppen!

LG am

anne mohnen 05.03.2013 | 10:23

Lieber OI2503,

wie ich schon Miauxx schrieb, gibt es einen alltagssprachlichen Umgang mit Sprache. Da werden Wörter u.U. anders benutzt. Hier könnte man nun lange über Wittgenstein reden. Der war , so wenig wie ich, weder Rassist noch hatte der was gegen Kranke.

Und dann gibt es diesen Inbound-Outbound-Thematik, sehr schön nachvollziebar in dem Artikel "Sprechtherapie". Da verwahrt die amerikanische Sängerin Angel Haze, die sicher nicht rassrassismusverdächtig ist, gegen Sexismus und spricht von "dummen niggas".

Der Schematismus Inbound-Outnound" ist durchaus im medizinischen Kontext anwendbar. Deshalb meine ich, die eine oder andere Patientengruppe sollte mal darüber nachdenken, ob sie sich in ihrem Bemühen um "Normalität" nicht selbst ein Bein stellt, wenn sie sich so auf vermeintlichn strenge medizinische Definitionen zurückzieht, sich "labelt", zumal es sich im Fall des "Autismus" ja um ein Sammelsurium handelt, um ein noch gar nicht ausdifferenziertes Krankheitsbild. Ich bin mir sogar sicher, dass das wie zu recht(!!) "Idiot" oder "blöde" (Kraepelin), mal aus den Klassifikationssystemen verschwinden wird.

LG am

miauxx 05.03.2013 | 11:15

"Dass „idiotisch“, „blöde“ (Kraepelin), Bleuler), nazistisch, hysterisch (Freud) nicht mehr als diskriminierend Bezug auf Krankengruppen betrachtet wir, wirst Du doch einräumen, oder?"

Ähh, ja. Nur sind "idiotisch", "blöde" oder "hysterisch" ja (heute) auch keine diagnostischen Bezeichnungen mehr; ergo gibt es keine so bezeichneten "Krankheitsbilder".

Anders dagegen "autistisch". Deshalb ist es nicht ganz so einfach, sich hier mit "alltagssprachlich" retten zu wollen. Es ist das gute Recht von Autisten, sich gegen eine begriffliche Gleichsetzung mit "Asozialität", "Rücksichtslosigkeit" etc. zu verwahren. Wenn sich JA, wovon ich ausgehe, nicht dessen bewusst war, dass Autisten seine Wortwahl sauer aufstossen könnte, sollte er wenigstens, darauf hingewiesen, so sozial sein, das anzuerkennen! So versucht sich JA leider nur zu verteidigen.

miauxx 05.03.2013 | 17:50

Es ist doch aber ein Unterschied, wenn Haze von "dummen Niggas" spricht bzw. rappt, als wenn ich jetzt zu ihr hingehe und sie mit "Nigga-Bitch" o.ä. anspreche - mit welchen Gedanken dazu auch immer. Diese Art der, ich sage mal, Usurpation rassistischen oder sozial deklassierenden Sprachgebrauchs, ist ja im Hip-Hop geradezu Markenzeichen geworden. Inwiefern da bei den Einzelnen noch eine Bewältigung erfahrenen Rassismus' oder anderer Herabwürdigungen eine Rolle spielt, sei mal dahin gestellt. Ich finde aber nicht, dass man, etwa mit dem Beispiel Haze, von jedem erwarten kann, dass er derart souverän und mit ironischer Schärfe mit Aspekten seines "Schicksals" umgeht - sei es erfahrenener Rassismus oder andere Diskriminierungen. Und dass Autismus doch mehr ein noch nicht so geschärfter Oberbegriff sei, ist hier eine Spitzfindigkeit. Würdest Du das so einem Autisten ins Gesicht sagen, der sich mit Augsteins Worten unwohl fühlt? Deine Argumente sind mir offengestanden zu akademisch.

anne mohnen 06.03.2013 | 08:24

@ Lieber Miauxx.

Wir reden da ein wenig aneinander vorbei.

Ich verwende das Wort „autistisch“ nicht, aber ich räume ein, dass es im Alltag benutzt wird und zwar anders konnotiert als im medizinischen Kontext. Als Beleg dafür habe ich auch noch einmal einen Link gesetzt

Wenn es nun eine neue Bewegung für mehr Sprachsensibilität gibt, die an mir vorbeigegangen sein sollte, dann wird es allerdings auch für mich schwierig: es „lähmt“ mich (die Gruppe der Querschnittsgelähmten), das „schmerzt“ mich (die schlecht versorgten, chronisch kranken Schmerzpatienten) , wie schizophren(!!) ist diese Situation denn, der/die ist nazistisch (gibt’s immer noch in der Psychoanalyse!) etc..

Was Haze anbelangt, bin ich ja auch der Meinung, dass sie sich bewusst nicht PC-mäßig verhält. Da hätte sie auf eine andere Ebene gehen müssen, oder einfach nur „sexistische Arschlöcher“ sagen können. Sie spiegelt da aber etwas und sagt: „Ihr seid schwarze Unterdrücker, ihr seid gar nicht frei, auch wenn ihr euch noch so sehr als Rapper geriert, ihr habt den Rassismus nicht überwunden.“ Das ist in der Tat etwas anderes als rumpöbeln. Ob Haze damit etwas bewirkt, glaubt bewirken zu können - bewusstseinsmäßig, sei mal dahingestellt, wie ja auch die Inbound-Outbound Theorie einen komplizierten Prozess aufdecken will, wenn es um Integration geht. Und das ist mein Punkt: Hey, ich bin autistisch und das Label gehört mir. "He, ich bin ein Depressiver, bitte streicht „Wirtschaftsdepression der 1930 Jahre". So funktioniert das nicht.

Aber lass uns hier einmal nicht einer Meinung sein, lieber Miauxx.

LG am

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Ehemaliger Nutzer 07.03.2013 | 10:33

@tlacuache

...ich wäre in das selbe Messer gelaufen, ein Wunder, dass ich in den letzten 2 Jahren noch keinen Blogger mit "autistischer Kommunikationsfähigkeit" beschimpft habe.

Was habe ich mich damals gewundert, als ich einen italienischen Text ins Deutsche zu übersetzen hatte. Dort stand nämlich, ein autista habe ein Verbrechen (ich weiß nicht mehr, welches) begangen. Wie kann ein Autist so etwas tun, fragte ich mich, das kann er doch aufgrund seiner Eigenschaften als Autist gar nicht tun. Von Zanichellis Wörterbuch mußte ich mich belehren lassen, daß autista zwar tatsächlich "Autist" bedeutet, daneben aber auch (und sehr viel häufiger) ein Autofahrer gemeint sein kann.

Ciao

Wolfram

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Ehemaliger Nutzer 07.03.2013 | 10:34

@delloc

Vermutlich ist dieser Begriff in die Medizin eingeführt worden, um die normale Armseligkeit egomaner Fetischtänze zu kaschieren!

Es hat mich anscheinend die Gnade meiner frühen Geburt davor bewahrt, im Tanzkurs egomaner Fetischtänze zu lernen. Der Letkiss (1) war damals, glaube ich, der aktuellste Tanz, den wir gelernt haben (ich nicht, ich kann trotz Tanzkurs nicht mal einen Wiener Walzer).

Ciao

Wolfram

(1) Hl. Muttergottes von Tschenstochau, was hab ich damals für 1 Angst gehabt. Der Tanzsaal - ziemlich groß, freitragend - war im ersten Stock und beim Letkiss hat der Boden jedesmal so was von dermaßen geschwungen, daß ich ihn bereits einstürzen sah.

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Ehemaliger Nutzer 07.03.2013 | 10:36

@oi2503

Nur hat Augstein ja nicht über Autisten geschrieben oder über den dazu gehörigen -ismus. Er hat Menschen, die er charakterisieren will ein Label angepappt. Und zugleich und eben auch und nebenbei, allen "Autisten", Eigenschaften angeheftet. In seiner Wortwahl sind die Menschen, die er beschreibt Psychopathen, kalt, kommunikationsunfähig, Egoisten und letztlich "kriegsgetrieben". Dies alles pappt er jedem Autisten an.

Das Phänomen ist wohlbekannt, (mehr oder weniger) wohldefinierte Fachbegriffe werden in der Alltagssprache ebenfalls verwendet, und zwar falsch. Der Grund ist meistens Ahnungslosigkeit, einer führt den Begriff ein und andere verwenden ihn dann weiter, weil sie, ebenfalls ahnungslos, den falsch verwendeten Begriff richtig (im Sinne der vom Schreiber gemeinten Bedeutung) verwenden. Ein paar Beispiele aus der Physik, da hier nicht so viel Emotion beteiligt ist:

* Stundenkilometer

* Watt pro Stunde

* Quantensprung

Ciao

Wolfram

oi2503 07.03.2013 | 12:31

„wie ich schon Miauxx schrieb, gibt es einen alltagssprachlichen Umgang mit Sprache. Da werden Wörter u.U. anders benutzt.“

Nein, ehrlich?

„Hier könnte man nun lange über Wittgenstein reden.“

Du vielleicht. Ich nicht. Hast du Wittgenstein wirklich verstanden? Kompliment.

Und weil wir so nicht weiterkommen, deine Antwort haarscharf an meinem Kommentar vorbeigeht: Würdest du Autisten als Psychopathen, kalt, kommunikationsunfähig, Egoisten und letztlich "kriegsgetrieben" bezeichnen?

anne mohnen 07.03.2013 | 15:12

"Würdest du Autisten als Psychopathen, kalt, kommunikationsunfähig, Egoisten und letztlich "kriegsgetrieben" bezeichnen?"

Nein, aber wie ich schon schrieb, wird das Wort eben auch anders benutzt. Einigen wir und also darauf, wie Wolfram schrieb - eben auch "falsch". Ansonsten habe ich meine Bedenken angemeldet.

Und ja, Wittgenstein habe ich "verstanden". Das wurde mir auch schon "attestiert" ;)

LG am

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Ehemaliger Nutzer 08.03.2013 | 09:14

@oi2503

Okay, einigen wir uns auf falsch. Ich glaube, darum ging es in dem Blog (wenn ich mich recht erinnere).

Darum hätte es gehen sollen. Tatsächlich ging es im Blogbeitrag aber um die angebliche Beleidigung von Autisten. In Wirklichkeit aber war es nur - ganz offensichtlich - falscher Sprachgebrauch.

Nicht daß falscher Sprachgebrauch eine läßliche Sünde wäre, aber im Vergleich zur böswilligen Diskriminierung ist es doch eher ein Muckenschiß.

Ciao

Wolfram

oi2503 08.03.2013 | 09:36

"Darum hätte es gehen sollen."

Wer bist du, das sagen zu können?

"Tatsächlich ging es im Blogbeitrag aber um die angebliche Beleidigung von Autisten."

Wieso Beleidigung? Und wenn schon Beleidigung wieso dann angeblich?

"Nicht daß falscher Sprachgebrauch eine läßliche Sünde wäre, aber im Vergleich zur böswilligen Diskriminierung ist es doch eher ein Muckenschiß."

Okay, einigen wir uns auf läßliche Diskriminierung.

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Ehemaliger Nutzer 09.03.2013 | 01:42

@oi2503

"Darum hätte es gehen sollen."

Wer bist du, das sagen zu können?

Ich bin der Herr dein... eh schon wissen.

"Tatsächlich ging es im Blogbeitrag aber um die angebliche Beleidigung von Autisten."

Wieso Beleidigung? Und wenn schon Beleidigung wieso dann angeblich?

Weil nach dem allgemeinen Gewimmer, das hierorts zu hören war, der arme Jakob Augstein die Autisten als ziemlich üble Leute beschimpft hat. Und angeblich ist die Beleidigung, weil es sich nur um falschen Sprachgebrauch handelt, und das ganz offensichtlich.

Ob denn immer so ein Geschiß um nichts sein muß?

"Nicht daß falscher Sprachgebrauch eine läßliche Sünde wäre, aber im Vergleich zur böswilligen Diskriminierung ist es doch eher ein Muckenschiß."

Okay, einigen wir uns auf läßliche Diskriminierung.

Läßliche Diskriminierung ist keine, sondern bloß ein Mißverständnis. Augstein hatte geschrieben: "Wir alle sind Opfer einer Ideologie des Egoismus. Sie wurde für eine Welt des Krieges entwickelt und verheert heute den Frieden. Eine Ideologie der Kälte und des Autismus. Eine Ideologie von Psychopathen für Psychopathen."

Wer immer sich die Sätze unvoreingenommen anschaut, ersieht aus dieser Formulierung, daß "Autismus" in diesem Zusammenhang gar nicht Autismus im klinischen Sinn bedeuten kann. Autismus im engeren Sinn des Wortes ist keine Ideologie, es ist eine psychische Behinderung, mit der man leben muß und kann. Autisten sind keine Narren, es sich auch keine Psychopathen. Dergleichen weiß man und wenn man es nicht weiß, kann man sich kundig machen.

Augsteins Bemerkung bezog sich also ganz offensichtlich nicht auf Autismus in dem Sinn, wie Psychiater, Neurologen und Psychologen dieses Wort verstehen.

Dergleichen Verwendung von Fachbegriffen in der Alltagssprache sind gang und gäbe, normalerweise regt sich keiner groß auf. Wenn ich eine bestimmte, widersprüchliche Denke als schizophren bezeichne, meine ich nicht Schizophrene im klinischen Sinn, wenn ich jemanden als blöd bezeichne, meine ich keinen organisch minderbegabten Menschen. Und wenn ich sage "Wie krank ist das denn?" richtet sich das nicht gegen psychisch Kranke.

Ciao

Wolfram

merdeister 09.03.2013 | 18:59

Lieber Wolfram,

genau, normal regt sich keiner auf, ich auch nicht. In diesem Fall habe ich auch nicht den Text JAs gelesen und dann nach Reaktionen von Betroffenen gesucht, sondern über Twitter die Reaktionen von Betroffenen gefunden und so den Text. Es geht nicht um die falsche Benutzung eines Wortes, das wäre in der Tat sehr albern, sondern um die Reaktion auf Kritik daran. Aber Du bist nicht der einzige, dem ich nicht in der Lage war, mein Anliegen zu vermitteln. Ich werde mich bessern.

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Ehemaliger Nutzer 11.03.2013 | 05:43

@merdeister

Es geht nicht um die falsche Benutzung eines Wortes, das wäre in der Tat sehr albern, sondern um die Reaktion auf Kritik daran.

Und was hat Augstein gemacht? Er hat den Sachverhalt klargestellt und sich entschuldigt. Gut, ich hätte mir für die Antwort wahrscheinlich ein bißchen mehr Zeit genommen, aber Augsteins Antwort (1) war auch nicht kürzer als die Beschwerde von Frau Boecker.

Ciao

Wolfram

(1) "Liebe Realname, Autismus ist hier als Chiffre für selbstbezogenes Kommunikationsunfähigkeit gemeint – nicht als Beschreibung oder Diffamierung eines klinischen Symptoms. Manchmal bemächtigt sich der Sprachgebrauch eines Wortes und löst aus dem eigentlich zugehörigen Sinnzusammenhang heraus … Das ist hier der Fall. Es tut mir Leid, wenn Sie sich da sozusagen unter die verbalen Räder gekommen fühlen. Ihr JA"