Urheber am Lagerfeuer

Urheberrecht. Patti Smith: "Wer das Copyright an seinen Arbeiten verkauft, dem gehört die eigene Kunst nicht mehr. Man gibt einen Teil von sich für Geld weg - find ich furchterregend."
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Wer in grauer Vorzeit am Lagerfeuer die besten Geschichten erzählte, war, wie anzunehmen ist, meist beliebt und geachtet. Egal, ob er mündlich überlieferte Legenden, Ausgedachtes oder selbst Erlebtes erzählte.http://u.jimdo.com/www9/o/s144791446748fbe0/img/ia84d084d2819dd60/1323453712/std/feuer-und-wasser.jpg Wer eine Geschichte an seinem Feuer als Erster erzählte, war derjenige, der sie in die Welt der Zuhörer brachte und somit war er für sie auch der eigentliche Urheber. Ein ausgeprägtes Gedächtnis und etwas Erzählkunst halfen, die jeweilige Beliebtheit zu festigen. Vermutlich gab es dafür nicht nur freundliche Aufmerksamkeit, sondern eventuell auch das größere Stück "Mammutfleisch" oder das besondere Interesse des jeweils begehrenswerten Geschlechts.

Irgendwann - etliche Jahrtausende waren so ins Land gegangen - wurde dann der Buchdruck erfunden und die Verbreitung der Geschichten ging nicht mehr unbedingt persönlich vonstatten. Die Erzähler, die manches Mal auch die Urheber der Geschichten waren, bekamen nun Geld und überließen die Verwertung ihrer Werke Anderen. Den Druckereien beziehungsweise den Verlagen. Dem Verlagsrecht folgte im September 1965 ein zusätzliches Urheberrecht. Dieses sollte die Autorenwerke schützen und war ein Teil der zukünftigen Geschäftsgrundlage. Es entwickelte sich im Laufe der Zeit eine erfolgreiche Verlagslandschaft und das deutsche Urheberrecht wurde immer mal wieder den Gegebenheiten angepasst und irgendwann 2003 nochmals novelliert.

Wer als Geschichtenerzähler etwas werden wollte, bemühte sich um Kontakt zu den Verlagen und pries seine Arbeit an. Letztendlich bestimmten allerdings die Verleger, welche Texte sowohl gewünscht, als auch vermarktungsfähig waren. Wer jedoch erst einmal akzeptiert war und zudem Verlagstreue bewies, dem winkte meist eine gesicherte finanzielle Zukunft.

Und nun ist seit einigen Jahren dieses Internet aufgetaucht und jeder, der sich bemüßigt fühlt, kann ein virtuelles Lagerfeuer entfachen und Geschichten erzählen. Alte und neue, eigene und überlieferte. Das verändert und beeinflusst logischer Weise den Verlagsmarkt. Darum geht es mutmaßlich. Und zur Unterstützung der Verlagsinteressen sollen sich möglichst alle, insbesondere die bereits vertraglich gebundenen Urheber, lauthals empören und unter den Verlagsfittichen Schutz suchen. Denn sie sind ja mehr oder weniger, überwiegend wohl monetär, von den Verlagserfolgen abhängig geworden.

Dabei sollte das Urheberrecht doch womöglich "nur" den neuen Gegebenheiten angepasst und entsprechend modifiziert werden.

Es geht hoffentlich nicht darum, ob zukünftig all die kleinen, virtuellen Lagerfeuer ausgetreten, vereinnahmt oder übernommen werden sollen, bevor sie sich allzu sehr ausbreiten.

Nachtrag:

Patti Smith: "...ich verkaufe grundsätzlich nie die Rechte an irgendwelchen meiner Arbeiten. Wer das Copyright an seinen Arbeiten verkauft, dem gehört die eigene Kunst nicht mehr[...]!"

Nachtrag2:

Geliebte Apfelbäume (von Ilja Baun, PDF zu "VG-Wort" und "Urheberrecht")

„Die Verwertungsgesellschaft hat die Einnahmen aus ihrer Tätigkeit nach festen Regeln (Verteilungsplan) aufzuteilen, die ein willkürliches Vorgehen bei der Verteilung ausschließen.” (§7 Urheberrechtswahrnehmungsgesetz)

Justitiar Sprang beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels: Man stelle sich einen Apfelbaum vor, dessen bunte Blätterpracht sich im kühlen Winde wiegt. Einen solchen Baum, meint Christian Sprang, der um ein Gleichnis nie verlegen ist, könne man sich als Sinnbild künstlerischen Schaffens denken. Sei nicht der Roman eines Autors wie ein Baum, den dieser in seinem Garten gepflanzt habe? Zunächst sei da nur die Inspiration, wie ein zartes Pflänzchen, aber wenn der Autor Talent habe und seine Idee zur vollen Blüte ausreifen lasse, erwachse daraus mit der Zeit ein literarisches Werk. Diese Schöpfung stehe unverrückbar im Garten des Autors, aber mit den Äpfeln, die der Baum trage, könne der Autor selbst gar nichts anfangen. Er benötige also einen Verleger, der diese Äpfel für ihn zum Markt trage und ihm Geld dafür gebe...

14:13 26.04.2012
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Meyko

Mein BUCH DES JAHRES 2014 "Happen" wurde durch den Nahrungsmittelkrimi "Dog Vinci" -Teufelszeug im Fleisch- ergänzt. (Homepagelink unten- Meyko 2015)
Meyko

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