Aufschreckung

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Nachdem 30 US-amerikanische Offiziere herausgefunden haben, dass beim Management von unter anderem in Deutschland gelagerten Atomwaffen erhebliche Sicherheitsmängel auftreten - zur Bewachung werden manchmal Wehrpflichtige mit weniger als einem Jahr Diensterfahrung eingesetzt -, hat das deutsche Parteienspektrum wie gewohnt reagiert. Alle Oppositionsparteien und etliche SPD-Politiker fordern den Abzug der Waffen. Die Unionsparteien verweisen auf das Weißbuch der Bundesregierung. In dem heißt es, auf die glaubhafte Abschreckungsfähigkeit auch nuklearer Mittel könne nicht verzichtet werden. Interessanter ist die Ebene darunter: Die Union will keinen Streit mit dem Pentagon, der die "Konsolidierung" der europäischen Lagerstätten plant; aber die Waffen haben fürs Pentagon gar keine strategische Bedeutung mehr. Ihre Bedeutung liegt eigentlich nur darin, dass sie von Terroristen gestohlen werden könnten und man das natürlich verhindern muss, aber eben nicht indem man sie abzieht. Mit anderen Worten: Man braucht sie, um den Diskurs eines "Weltkriegs gegen den Terror" aufrechterhalten zu können. Sie dienen nicht der Abschreckung, sondern der Aufschreckung.

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