Wo Blut noch dicker ist

Alltagskino Harte Männer und hysterische Frauen: Im Film "The Proposition" erzählt Drehbuchautor Nick Cave die alte Kain und Abel Geschichte. Schauplatz seiner Version: Australien

Was habe ich gesehen?The Proposition (2005), Laufzeit: 104 min, Regie: John Hillcoat.

Warum habe ich es gesehen?

Mein Video-Dealer führte nicht den für diese Woche geplanten Sorcerer und so griff ich nach John Hillcoats vorletztem Film: The Proposition. Warum? Weil Hillcoat kürzlich The Road von Cormack McCarthy verfilmt hat. Nichts hat mir im letzten Jahr mehr Angst gemacht als dieses Buch. Ich bin nicht sicher, ob ich The Road sehen will. The Proposition war eine erste Annäherung. Zumindest an den Regisseur.

Worum geht es?

Sexy Outlaw-Typ im kargen Australien des 19. Jahrhunderts hat neun Tage Zeit, um seinen älteren Bruder umzulegen, damit sein jüngeren Bruder leben darf.

Im Detail: Eine Farmer-Familie wird von der berüchtigten Burns-Bande massakriert. Die Burns bestehen aus drei Brüdern: Mikey (Richard Wilson), mehr Kind als Killer; Charlie (Guy Pearce), der sexy Outlaw und Arthur (Danny Huston), der Kopf der Bande. Ein hartgesottener Sherrif, Morris Stanley (Ray Winstone), hat die ersten beiden gefasst, aber nicht jenen, den er will: Arthur. Die Dorfbewohner und auch die weißhäutige Frau des Sheriffs wollen die beiden Brüder lynchen, aber der Sheriff macht dem Mittleren ein Angebot: Finde und töte deinen älteren Bruder Arthur, dann sind du und dein weinerlicher kleiner Bruder frei. Der Bruder hat neun Tage Zeit. Bis Weihnachten. Der Hinweis auf den Heiligabend ist nicht unerheblich. Denn der Drehbuchautor – niemand anderes als der alte Barde Nick Cave – verrät uns früh, dass das hier ein moral-triefendes Stück wird von biblischer Dimension: Kain und Abel in Australien.

Wie geht’s aus?

Blut ist natürlich bei dem Langweiler Nick Cave dicker als Wasser und so reiten die beiden älteren Brüder zurück in die Stadt, um den jüngeren zu befreien. Am Ende gibt es einen blutigen Showdown zwischen Sheriff und Bruder. Einer der beiden wird sterben, aber der Sieg des anderen ist so teuer, dass es wie eine Niederlage wirkt.

Was bleibt?

Lächerlich hartgesottene Männer in grausam weiter, toter Landschaft. Dazu hysterische Frauen und politisch korrekte Hinweise auf die Ausrottung der Urbevölkerung.

Der zentrale Satz:

"I will civilize this place," sagt der Sheriff Stanley und blickt grimmig mit der Christen eigenen Härte in die sonnenverbrannte Landschaft. Minuten später sagt er: "I will civilize this land", als ob sein Hirn einen Zugriffsfehler hätte.

Was sehe ich als nächstes?

The Bechdel Test von Anita Sarkeesian

Unser Kolumnist Mikael Krogerus sieht sich jede Woche einen Film an oder auch mal eine ganze TV-Serie. Vergangene Woche: Die Unfreiwilligen, den besten schwedischen Film.

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