Nein, Du kannst das nicht

SPD-Parteitag Warum es wahrlich misogyn ist auf Andrea Nahles als Frau zu verweisen
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Obacht, hier schreibt ein Mann. Das nur vorweg. Für mich ist es aber mehr als ungerecht, dass Männer in irgendeinem Feld angeblich alleinige Ausübungshoheit haben. Dies gilt konsequent auch für die Felder Inkompetenz, mangelnde Persönlichkeit, zuwenig Charisma und schlichte intellektuelle Überforderung - auch wenn Horst Seehofer und die beiden großen Alexanders Dobrindt und Gauland uns dies glauben machen wollen.

Nein, ich meine das auch eine Frau das Recht hat, mit vernünftigen Argumenten völlig jenseits der Geschlechterolle für ein Amt für ungeeignet gehalten zu werden. Damit bin ich bei Andrea Nahles - nicht bei Katharina Barley, nicht bei Manuela Schwesig und auch nicht bei der künstlich als "Herausforderin aus dem hohen Norden" kleingemachten Simone Lange. Um es nochmals ausdrücklich zu sagen: Mit diesem Text ist ausdrücklich und ausschließlich Andrea Nahles gemeint - alle anderen wären, qua Person, qua Charisma oder qua fachlicher Qualifikation schlicht geeigneter oder tragbarer um den Parteivorsitz zu übernehmen. So.

Warum es "die Andrea" nicht werden darf

Andrea Nahles kommt aus einem kleine Ort in Rheinland-Pfalz. Malu Dreyer auch. Ist ihnen schonmal aufgefallen, dass dies bei Andrea Nahles durchaus zu bemerken ist, bei Malu Dreyer jedoch nicht - und diese ist immerhin Landesmutter? Während Dreyer auch auf Bundesebene sachlich, freundlich und mit natürlicher Souveränität auftritt, schimmert bei Andrea Nahles immer die Ortsvereinsvorsitzende durch. Bollerig, beleidigt, infantil in der Wortwahl und im Auftreten. Was als Emotionalität gefeiert wird, wie auf dem letzten Parteitag vor der leidigen GroKo, ist in Wirklichkeit nicht und niemals besser als das bayrische Bierzeltgeblöke der CSU oder das sächsische AfD-Gefasel. Es ist Politik jenseits der Sache, eine Politik des vermeintlichen Gefühls und auch eine solche Politik ist möglich jenseits von Plumpsformulierungen und Bätschiaffekten.

Andrea Nahles ist aber nicht nur infantil im Habitus, sondern steht jenseits aller vermeintlichen Ortvereiensmeierlichkeit für die Agenda 2010. Sie hätte als Arbeitsministerin im Kabinett Merkel III vier Jahre Zeit gehabt um die Zumutungen für die Schwächsten der Gesellschaft abzuschaffen - nichts ist passiert. Der Mindestlohn ist statt zu einem Erfolgsmodell zu einem bürokratischen Monster geworden und wird trotzdem hunderttausendfach mit trickreichen Arbeitsmodellen wie Scheinselbstständigkeiten und ähnlichen Konstruktionen unterlaufen. Wer soll Andrea Nahles glauben, dass Sie sich wirklich für Gaby und Werner, seit 50 Jahren im SPD-Ortsverein Dumpfelhausen an der Brunz, 1x Erster und 1x Aufstockarbeitsmarkt einsetzt?

Willy Brandt, Helmut Schmidt, Oskar Lafontaine

Klar. Sind alles Männer. Aber ist das wirklich das Problem? Nein. Diese Männer haben sachlich und dennoch emotional argumentiert, mit durchaus unterschiedlichem Erfolg. Keiner dieser Männer ist an spezifisch männlichen Eigenschaften gescheitert - nimmt man den etwas unterkühlt agierenden, seligen Helmut mal im Nato-Doppelbeschluss aus den er bei weitem zu arrogant kommunizierte. Stattdessen hatten diese Politiker eine gewählte Sprache, einen mehr oder weniger klaren Kurs und vor allem noch eigene Ideen, eigene Gestaltungsvorschläge. Neue Russlandpolitik? Wie positioniert sich Deutschland nach dem Wegfall der USA als ernstzunehmender diplomatischer Verhandlungspartner? Wie die Probleme Afrikas, des Nahen Ostens angehen? Mit Frau Nahles? Sind diese Bretter nicht - völlig geschlechtsneutral, verdammt noch mal, nicht etwas zu dick für jemanden der Pippi-Langstrumpf-Lieder grottenfalsch im Parlament kräht?

Damit das hier eine konstruktive Kritik wird: Wer sollte stattdessen den SPD-Chefposten übernehmen? Simone Lange wäre ein Neuanfang, aber nicht die endgültige Antwort. Diese liegt wahrscheinlich bei den Jusos, allerdings ist Hansdampf-Kevin mit seinen 28 Jahren noch ein wenig zu jung für eine solche Aufgabe, zumindest aus der Sicht derselben Bier- und Bratwurstfraktion die auch in Bonn für die Groko gestimmt hat. Übrigens noch so eine Sache, die die Andrea ganz doll hingekriegt hat.

Nein, es werden junge und unverbrauchte Leute sein - oder es wird die SPD nicht mehr geben. Wenn Andrea Nahles wirklich Parteichefin wird und so ihre zutiefst miefige Funktionärsagenda durchsetzt - die niemals, niemals, nielmals dadurch besser wird oder jemals war weil sie eine Frau ist - dann wird die Fünf-Prozent-Hürde ein echtes Problem. Wir haben hier übrigens noch nicht von Scholzomat gesprochen. Warum ist dieser schöne Spitznahme eigentlich weg?

Lasst junge Leute ran. Die sind die Zukunft, nicht die Strickjackenträger beim Ortsvereinstreff im "Knallgrünen Huhn". Schafft digitale Partizipation statt Bätschi-Reden im Bundestag. Sprecht einfach, deutlich, direkt. Nur so kann es gehen. Nicht mit Andrea. Wort zum Sonntag - peace out.

09:22 20.04.2018
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