In den Chiemgauer Alpen

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Alles ist friedlich oberhalb des Dorfes, malerisch gelegen zwischen Bergen in den Chiemgauer Alpen. Am Fuß der Berge immer wieder Bauernhöfe, einer hübscher und gepflegter, als der andere – und Kuhglocken. Auf dem Gipfel Gaststädten bei denen man für das Essen und die Aussicht auch gerne mal etwas tiefer in die Tasche greift – und Ruhe, Unendlichkeit. Und das Gefühl, ein Nichts zu sein beim Blick auf die umliegenden von Schnee bedeckten Berge, wie sie da stehen und immer standen – majestätisch und stark.

Wer hier kein Auto hat, der kommt nicht weit, außer vielleicht gedanklich. Doch wie weit fliegen sie, die Gedanken der Einwohner im schönen und beschaulichen – oder einfach bayrischen –Örtchen? Reichen sie bis in die nächste Stadt oder gar über das eigene Bundesland hinaus?

Nur zwei Tage in einer Hütte oberhalb des Ortes und ich fühle mich entspannt. Einige hundert Meter vor mir die wenigen Häuser der Ortschaft, dahinter bewaldete Berge und ein paar Schneefelder auf den Gipfeln. Alles ist ruhig, so ruhig. Zu hören sind nur die Vögel, das Plätschern des Bächchens und manchmal entfernt ein paar Kuhglocken. Ich könnte hier nicht leben, würde mich eingesperrt fühlen zwischen all den hohen Bergen und den wenigen Menschen – in meinen Gedanken, obwohl sie doch in dieser Stille unendliche Kreise ziehen könnten. Doch vielleicht würden sie mit der Zeit nicht weiter kommen, als bis zum nächsten Berg, um dort dagegen zu stoßen und schlussendlich wieder den Rückweg anzutreten.

Alles hier ist Idylle. Ich sehe die Berge und denke an „Herr der Ringe“. Die Landschaft ist so unbeschreiblich schön und mächtig, dass es schwer fällt, Worte zu finden, die ihr gerecht würden. Und die Menschen? Sie sind nett; und trotzdem fühle ich mich, als käme ich von einem anderen Stern, als sie. Würde ich hier leben, ich würde es wahrscheinlich irgendwann nicht mehr aushalten, egal, in welche Richtung ich schaue, immer Berge um mich zu haben – immer wieder anzustoßen und nie den Blick in die Weite und Ferne zu haben sondern nur bis zum nächsten Gipfel. Doch um ein paar Tage zu entspannen, um die Ruhe und die Landschaft zu genießen, dafür scheint mir Weniges so passend, wie die kleine Hütte oberhalb des Ortes in den Chiemgauer Alpen.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Myriam Schäfer

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