Nils Markwardt
Ausgabe 4715 | 15.11.2015 | 11:55 42

Die Verteidigung der Liebe

Paris Wenn eine Gesellschaft auf den Hass mit mehr Offenheit, Demokratie und Humanität antwortet, ist das nicht naiv. Sondern das Gegenteil

Die Verteidigung der Liebe

Blumen in den Einschusslöchern des Restaurant Le Carillon

Foto: Christopher Furlong/AFP/Getty Images

„Wir sind immer noch erschüttert über das, was uns getroffen hat. Aber wir geben niemals unsere Werte auf. Unsere Antwort ist: mehr Demokratie, mehr Offenheit und mehr Humanität. Aber nie Naivität. Keiner hat das besser als das AUF*-Mädchen formuliert, das von CNN interviewt wurde: 'Wenn eine Person so viel Hass zeigen kann, bedenken Sie, wie viel Liebe wir zeigen können, wenn wir alle zusammenstehen.'“ So sprach Jens Stoltenberg, der damalige norwegische Ministerpräsident, am 24. Juli 2011, zwei Tage nachdem der Rechtsextremist Anders Behring Breivik im Zentrum Oslos und auf der Insel Utøya Anschläge verübt hatte, bei denen insgesamt 77 Menschen ums Leben kamen.

Dieser Tage, nachdem über 120 Menschen bei islamistischen Terrorattacken in Paris getötet wurden, sollte man sich an Stoltenbergs Rede erinnern. Und daran, wie viel Respekt und Anerkennung die Welt dieser Reaktion damals zollte. Denn auch heute ist es das Gebot der Stunde, sich vom Hass nicht die Liebe nehmen zu lassen. Nun werden das vermutlich nicht wenige Menschen, auch fernab von AfD und Pegida, für naiv, ja vielleicht sogar für gefährlich halten. Für eine falsche Pathosformel, in der sich „Gutmenschen“ einrichten, um der buchstäblich brutalen Realität nicht ins Auge schauen zu müssen. Doch genau das Gegenteil ist der Fall.

Vorbild Norwegen

„Konfrontiert mit dem Krieg“, so sagte der französische Präsident François Hollande gestern, „muss die Nation angemessene Maßnahmen ergreifen.“ Das heißt in der Tat zum einen, dass die Demokratie sich insofern als wehrhaft erweisen muss, als dass sie ihre Bürger bestmöglich vor Gewalt und Terror zu schützen hat. Doch sie darf das wiederum nicht um jeden Preis tun. Würde beispielsweise die Überwachung der Bürger total, so wie es schrittweise gerade in Großbritannien passiert, bliebe am Ende von dem, was wir in Europa zu Recht als so schützenswert erachten, nicht mehr viel übrig. Oder in den Worten des Philosophen Karl Jaspers: „In der Freiheit ist zwar das Verderben groß, das völlige Verderben möglich. Ohne Freiheit aber ist das Verderben gewiss.“

Zum zweiten gehört zu diesen angemessenen Maßnahmen aber auch, dem Hass mit Liebe und Zusammenhalt zu antworten. So wie es Norwegen nach den Anschlägen Breiviks tat. Denn was könnte dem terroristischen Versuch, Feindschaft und Zwietracht zu säen, mehr widersprechen als dies? Dementsprechend darf Europa sich auch gerade jetzt nicht den Asylsuchenden aus Syrien und Irak verschließen, fliehen diese doch vor derselben Art barbarischer Gewalt. Reagierte man hingegen mit kollektivem Misstrauen, Furcht und Ressentiments, vollendete man - unwillentlich - nur das Werk der Terroristen. Deshalb sind Zusammenhalt, Solidarität und Liebe also auch nicht naiv, sondern die beste und wirksamste – und übrigens auch urchristliche – Antwort einer demokratischen Gesellschaft auf den Terror.

Keine Militarisierung des Denkens

Man darf den Diskurs also nicht jenen überlassen, die im Namen des Ressentiments ein Regime der Gleichen heraufbeschwören wollen, eine Gesellschaft, die ihre größte Stärke, die innere Pluralität, zugunsten einen repressiven Identitätsdenkens aufgibt. „Wenn die Logik der Identität vorherrscht“, so schreibt der französische Philosoph Alain Badiou in seinem 2009 im Original erschienenen Band Lob der Liebe, „dann ist per Definition die Liebe gefährdet.“ Denn, so Badiou weiter: „In der Liebe vertraut man zumindest dem Unterschied, anstatt ihn zu verdächtigen. In der Reaktion verdächtigt man immer den Unterschied im Namen der Identität, das ist ihre allgemeine Philosophie. Einer der praktikablen Punkte der individuellen Erfahrung, dafür, uns im Gegenteil dem Unterschied zu öffnen und dem, was er impliziert, nämlich dass die Gemeinschaft fähig ist, eine der gesamten Welt zu sein, ist nun die Verteidigung der Liebe.“

 Wie gesagt: Es mag in manchen Ohren pathetisch klingen, doch die Verteidigung der Liebe ist in der Tat die Aufgabe unseres Zeitalters. In den kommenden Tagen, Wochen und Monaten wird vielfach das freiheitliche Wertesystem beschworen werden. Es wird gesagt werden, dass wir, die Europäer, uns nicht einschüchtern lassen dürfen. Man wird es zu Recht sagen, aber diese Forderungen müssen dann eben auch ernst genommen werden. Und das heißt wiederum, dass das, was Europa so einzigartig macht, weshalb nicht zuletzt Hunderttausende hier ihre Zuflucht suchen, nämlich Frieden, Freiheit und Vielfalt, nicht durch eine Militarisierung des Denkens aufgegeben werden darf. Oder wie es der Philosoph Karl Popper 1945 in seinem Buch Die offene Gesellschaft und ihre Feinde formulierte: „Wir müssen für die Freiheit planen und nicht für die Sicherheit, wenn auch vielleicht aus keinem anderen Grund als dem, dass nur die Freiheit die Sicherheit sichern kann.“

*AUF, Arbeidaranes Ungdomsfylking, ist die Jugendorganisation der norwegischen Sozialdemokratie, die das Ziel von Breiviks Anschlag auf Utøya war.

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 47/15.

Kommentare (42)

SuzieQ 15.11.2015 | 13:12

Sign.

Hab Karl Popper gestern in nem anderen thread zitiert, würde das Satzende heute anders übersetzen

'We must plan for freedom, and not only for security, if for no other reason than only freedom can make security more secure.'

... dass nur die Freiheit Sicherheit sicherer machen kann.

(statt Sicherheit sichern kann)

oder mit Benjamin Franklin:

'Those who would give up essential liberty to purchase a little temporary safety, deserve neither liberty nor safety.'

---

Wer Sichereit wählt, wird von jenen abhängig, die ihm Sicherheit zusichern. Da es keine "letzte Sichereit" gibt, ist Sicherheit immer unsicher und vorgetäuscht.

In diesem Zusammenhang halte ich Döpfners heutige 'Meinungsäußerung' für gefährlich.

corr.: Stoltenberg sprach am 24. Juli 2011, nicht im Oktober, Gruß

schna´sel 15.11.2015 | 13:41

"Nun werden das vermutlich nicht wenige Menschen, auch fernab von AfD und Pegida, für naiv, ja vielleicht sogar für gefährlich halten. Für eine falsche Pathosformel, in der sich „Gutmenschen“ einrichten, um der buchstäblich brutalen Realität nicht ins Auge schauen zu müssen. Doch genau das Gegenteil ist der Fall."

Ihr Artikel ist der einzig richtige Kommentar zu den aktuellen Ereignissen und spricht mir voll und ganz aus dem Herzen. Aber er wird nicht gehört und noch weniger verstanden werden. Was sich im Übrigen schon in dem allerersten Kommentar zu diesem Artikel beweist, der eben doch sofort Naivität unterstellt, wo Liebe eingefordert wird. Die Liebe, um die es hier geht wird nicht nur von Pegida und Konsorten für naiv und gefährlich gehalten, sondern es ist im Gegenteil so, dass die Basis auf der sich unsere Gesellschaft konstituiert, die freie, gleichberechtigte Konkurrenz untereinander, auf dem Markt der befreiten Persönlichkeiten und deren Möglichkeiten verbindet, gar nicht mehr auf den Unterschied verzichten kann auf den Badiou hinweist. Liebe ist bestenfalls romantisch, Aufklärung geht anders. Das "divide et impera" der sozialen Ungerechtigkeit, der Trennung zwischen Arm und Reich, zwischen Macht und Ohnmacht, Gut und Böse, das die Politik und den Alltag beherrscht, hat dieses Verständnis von Liebe schon längst zugunsten einer aufgeklärten Version gegenseitiger Bedürfniserfüllung ersetzt, bestenfalls im Sinne von ritualisierter Macht und Unterwerfung. Das ist drin auch und gerade in den Köpfen der aufgeklärten Menschen. Und die Reaktionen jetzt, nachdem der erste Schock so langsam nachlässt deuten fast alle daraufhin, dass wir nicht in der Lage sein werden, die Worte der Philosophen Jaspers und Badiou in ihrer Bedeutung nachvollziehen zu können.

MaggieStone 15.11.2015 | 14:39

"Mopperkopp" wird m.E. zu Unrecht angegriffen..

Der Beitrag liest sich so, als seien Liebe, Wut, Verzweiflung Schalter, die man nach Bedarf umlegen oder durch philosophische Gedanken steuern könnte.

Ist es nicht eine menschlich nachvollziehbare und, so schwierig der Begriff auch sein mag, gesunde Reaktion nach einem solchen Gemetzel nicht mit Liebe zu reagieren - eher mit Verzweiflung?

Es geht um das Zulassen und Reflektieren, alles andere lässt diese Gefühle an anderer Stelle heraus, die Attentäter sind das beste Beispiel dafür.

rioja 15.11.2015 | 16:01

Wir müssen uns ändern, dann ändern sich auch andere. Systemisches Gesetz! Die Spirale der Gewalt reisst nur alle in den Untergang. Es gibt keine Gewinner. Es gibt nur Verlierer. We are not the champions ,we will find a lot of time for loser! Peter Scholl-Latour sprach:"Vom Fluch der bösen Tat". Der US-geführte Westen ist gescheitert. Anselm Grün spricht:"Hinter dem Bösen steckt die Verzweiflung". Wer z.B. die loser der Pariser TrabantenVorstädte mit dem Kärcher behandeln will, der unterstellt, dass es sich dabei um Ungeziefer handelt. Das Tor zur Hölle ist offen. Das Unsichtbare Komitee weiss, wovon es spricht, wenn es uns über die Kommenden Aufstände informiert. Sie sind da. Die Schöpfung hatte es für uns anders vorgesehen. Martin Buber sagt:" Die große Schuld des Menschen ist, dass er in jedem Augenblick die Umkehr tun kann und nicht tut". Alles alter Kaffee, seit 2000 Jahren dem sogenannten Christentum bekannt. Oder ist es einfach nur Thanatos, wie Freud meinte, der hier zuschlägt? Weiter so ist der sichere Untergang! Macht nichts, ging allen dekadenten Hochkulturen schon so. Da sind wir keine Ausnahme! Hauptsache die Konsumlaune zum Finale stimmt, sex sells!

SuzieQ 15.11.2015 | 16:05

Nachvollziehbar ist eine solche Reaktion. Im ersten Moment, am ersten Tag, länger je näher jemand dran ist. Es ist sicher gesünder, Gefühle, die da sind, nicht zu verdrängen. Sie können überwältigend sein.
Aber da hört es nicht auf.
Wir können bei Gefühlen keinen Schalter umlegen, wir können aber reflektieren und noch wichtiger, Schlüsse daraus ziehen.
ZB dem Hass, der Wut, der Verzweiflung, der Angst, ... , allen 'negativen' Gefühlen etwas 'Gutes' spiegeln.
In Liebe, mit Liebe. Wer das für naiv, gar gefährlich hält, hat nicht verstanden, was Liebe ist.
Hat auch gar nichts mit Romantik zu tun...

Wenn jetzt Staatsoberhäupter von Krieg sprechen, re-agieren sie statt zu agieren. Wenn die IS europäische Staaten in einen Krieg ziehen will, dann ist das die eine Seite. Dieser Handschuh muss und va darf nicht aufgehoben werden. Der Umgang damit ist die andere Seite.
Und die Liebe bei den anstehenden Entscheidungen nicht aus dem Blick verlieren, bedeutet für mich, sich zivilisiert verhalten.

schna´sel 15.11.2015 | 16:26

Es liegt mir fern, irgend jemanden anzugreifen. Das habe ich, glaube ich auch nicht getan. Dazu war auch viel zu wenig Substanz in diesem ironischen Kommentar. Ich habe lediglich geschrieben, dass diese Reaktion m.E. ein gutes Beispiel für das zu erwartende Verhalten der breiten Öffentlichkeit ist.
Ob das per se, wie Sie schreiben "menschlich nachvollziehbar" ist, oder ob und wie die Prägung gerade unserer freien Welt dazu beiträgt, das Muster dieser Reaktion, als eines unter vielen möglichen, bevorzugt nachvollziehen zu können ist sicher eine interessante Frage, die zum Kern dessen führen würde, was unsere Gesellschaft als Werte vor sich her trägt. Auch vor dem Hintergrund der Frage, inwiefern man diesen Reflex als "gesund" empfindet und als expliziten Gegensatz zu dem abgrenzen muss, was man als eigenen "kranken Beitrag" aus den Ursachen für diese schrecklichen Ereignisse aus unseren Systemen ganz einfach heraus definieren möchte. Zum Beispiel an vorhandener Perversion unserer Vorstellungen von Liebe.
Verzweiflung ist sicher eine menschliche und nachvollziehbare Reaktion, das ist wahr. Es geht mir aber auch nicht darum, die Verzweiflung nicht zulassen zu wollen. Darum geht es aber weder den zitierten Philosophen, noch in dem, was der Artikel aussagen will. Wichtig ist, glaube ich, welche Reaktion aus dieser Verzweiflung erfolgt. Jeder Mensch, jedes sogar Tier reagiert vielleicht verzweifelt, wenn es in die Enge getrieben wird. Das ist nachvollziehbar und weder gut noch böse. Aber was kommt nach der Verzweiflung, wenn wir als Menschen über diese Reflexe hinaus, bewusst oder unbewusst die Grundlagen einer Ethik für unser Handeln festlegen? Auch im Sinne einer optimalen, strategisch sinnvollen Reaktion, soweit wir dazu in der Lage sind. Oder: Was sollte danach kommen? Ich bin der Meinung, dass es ist nicht so ist, dass die offensichtlichste Reaktion, diejenige, die mit größter Wahrscheinlichkeit nachvollziehbar von den meisten Menschen zu erwarten ist, auch diejenige wäre, die auf die zugrunde liegenden Probleme wirklich angemessen reagiert. Angemessen mit Blick das, was auf dem Spiel steht, aber auch vor Hintergrund unserer eigenen Werte und Ansprüche. Dass Ihnen das ungewöhnlich vorkommt ist für mich nachvollziehbar. Genau wie die Tatsache, dass dieser Ansatz nicht von vielen sofort verstanden werden kann. Was diesen aber, gerade im Licht der zu erwartenden allgemeinen und öffentlichen Reaktionen nicht weniger wertvoll macht.

MaggieStone 15.11.2015 | 18:09

Das Wort "angreifen" war falsch gewählt, ich wollte damit weder Seiten aufziehen noch Ihnen Unsachlichkeit vorwerfen.

Zum Thema:
Dass auf Gefühl Reflexion folgen muss, sind wir uns einig. Ebenso die Ansicht, dass die Reaktion Sicherheit+Krieg kaum etwas an den Ursachen ändert.

Was ich kritisiere, ist die Vorstellung, Liebe sei etwas, für das sich ein Individuum oder eine Gesellschaft entscheiden könnten. Ich denke, niemand kann sich dafür entscheiden, entweder sie stellt sich ein oder nicht. Wenn Hollande nach einem Tag Krieg für die richtige Antwort hält, und der Autor Liebe, dann läuft das in einem gewichtigen Punkt auf dasselbe hinaus: die Verhinderung des Zustandes von Frustration/Verzweiflung ohne Rückgriff auf vorgefertige Lösungen. Als ob wir wüssten, was andere Menschen tun, wenn sie nicht lieben.

MaggieStone 15.11.2015 | 18:27

siehe mein Kommentar davor.

Ich halte nicht Liebe an sich für naiv und gefährlich (ich weiß nicht mal, was Sie meinen, wenn Sie von Liebe sprechen), sondern die in Ihrem Kommentar auftauchende Vorstellung, man könne sie, weil wichtig, spiegeln resp. nicht aus dem Blick verlieren. Das ist eine Überzeugung, die, auch das Agieren der Politik auszeichnet, nur gibt es dort eine andere Vorstellung, was getan werden muss.

Man könnte die Frage stellen, was Liebe in diesem Zusammenhang eigentlich bedeutet und was wir uns erhoffen, dass sie für uns tut. Das soll keine Ausrede, sondern der Anfang einer Diskussion sein. Einfach zu sagen, wir brauchen Liebe, ja was heißt das denn?

Human-Stupidity.com 16.11.2015 | 02:49

Das ist absolut schwachsinnig die Reaktion auf Breivik mit der auf ISIS zu vergleichen. Einen absoluten Einzeltäter der genau gegen diesen Einwanderungswahn protestiert, wenn auch auf verrückte und gewalttätige und falsche Weise. Und der auch bei seinen rechten Meinungsgenossen keine Unterstützung für seine Gewalttat findent.

Und ein Kalifat, das zigtausende Selbstmordsoldaten hat, Gebiete grösser als Deutschland beherrscht, massenweise Waffen besitzt, tausend Selbstmordattentäter nach Europa verteilt hat, Millionen Sympathisanten in Europa und der Welt hat. Das nach der Eroberung halb Syriens und Irak die vom Koran geforderter Weltherrschat mithilfe von Terror erstrebt.

Die bereits hunderte von no-go Zonen in Europa beherrscht.

Und das will man mit der gleichen Liebe besiegen wie den einzigen und alleinigen Täter Breivik.

Träumt weiter, es gibt noch 990 weitere solche Täter in Europa, sie warten nur.

denkzone8 16.11.2015 | 06:45

na, du bist ja ein schöner panik-vermeider. recht hast du,breiviks tat aus dem vergleich zu nehmen. schlimm war, daß er nicht von außen kam. das hat tief geschockt. mit deiner wilden vorher-sage wirst du aber kein bedeutender prophet: realistisch betrachtet, ist mit der bedrohung umzugehen. sie kann durch aneinander-rücken(u.a.) abgefangen werden(sagt trauma-therapeut christian lüdke).... denk an was schönes.

krümmmel 16.11.2015 | 06:53

"Wichtig ist...welche Reaktion aus dieser Verzweiflung erfolgt." Das ist der Punkt. Ob ich mich an der hellen Seite festhalten kann oder ob ich ins Dunkle falle, hat aber auch etwas mit klarer Sicht und (Willens)stärke zu tun. Und ich habe das Gefühl, gerade in solchen Zeiten ist die Entscheidung für die helle Seite eine ganz bewusste, individuelle und nicht von oben verordnungsfähig. Leider ist dieser Tage eh schon viel Angst und Wut unterwegs, der Sog ist förmlich zu spüren. Es wäre einfacher, wäre jeder einzelne in der Lage, das Ganze so zu reflektieren. Ein tagtägliches Sich-ausgeliefert-fühlen befördert das nicht gerade.

balsamico 16.11.2015 | 10:08

Teils, teils. Es ist m.E. richtig beobachtet, wenn Döpfner sagt:

Zitat:

Die meisten Demokratien suchen den Dialog, den Kompromiss und vor allem den Applaus bei der eigenen Bevölkerung. Übersehen wird dabei, dass der Kanon der eigenen Kultur und Zivilisation nicht für den Gegner gilt. Während bei uns ein angebotener Kompromiss als moralische Verpflichtung für die andere Seite empfunden wird, ebenfalls Zugeständnisse zu machen, empfinden muslimische Extremisten Kompromisse als Zeichen der Schwäche und also als Ermunterung.

Ziatende

Und wenn das so ist, dann kann man darauf nicht mit Liebe reagieren. Denn sie wird nicht angenommen. Selbst wenn wir Terroristen mit Liebe überschütten würden, würden sie es doch nur als Ausdruck unserer Schwäche begreifen und uns umso mehr zusetzen. Terroristen sind keine ungezogenen Kinder, denen man mit den Mitteln der Psychologie beikommen kann, sondern Überzeugungstäter, deren Werte wir nicht teilen und niemals teilen können. Deshalb müssen wir uns verteidigen, ob wir das gut finden oder nicht. Ich denke an eine Stelle "Der Fall" ("La Chute") von Albert Camus. Da heißt es:

Zitat:

Glauben Sie mir, Monsieur, man kann die unwahrscheinlichsten Dinge erleben. Ich habe einen Mann mit reinem Herzen gekannt, der sich weigerte, den Menschen zu misstrauen; er war ein Pazifist und Anarchist, seine unteilbare Liebe galt der gesamten Menschheit und der Tierwelt natürlich auch. Ganz fraglos eine erlesene Seele. Nun, während der letzten europäischen Glaubenskriege zog er sich aufs Land zurück. Über der Tür seines Hauses stand zu lesen: „Woher du auch kommen magst, tritt ein und sei willkommen.“ Was glauben Sie, wer dieser hochherzigen Einladung Folge leistete? Ein paar Angehörige der französischen Miliz. Sie traten ein, ohne anzuklopfen, und rissen ihm die Gedärme aus dem Leib."

Zitatende

Man störe sich im Hinblick auf die neuen Mordtaten in Frankreich nicht daran, dass es in jenem Text französische Milizionäre waren, die so handelten. Es geht einfach darum, dass einen auch die nobelste Haltung nicht dagegen schützt, von Terroristen grausam umgebracht zu werden. Und wenn es um das eigene Leben und das seiner Angehörigen geht, und um Werte, die vielleicht nicht immer halten was sie versprechen aber die jedenfalls 1000mal besser sind als als planloses Gemetzel, ist es absolut legitim, sich seiner Haut zu wehren und dem Spuk ein Ende zu machen.

Moorleiche 16.11.2015 | 11:10

Hallo Balsamico.

Es geht einfach darum, dass einen auch die nobelste Haltung nicht dagegen schützt, von Terroristen grausam umgebracht zu werden. Und wenn es um das eigene Leben und das seiner Angehörigen geht, und um Werte, die vielleicht nicht immer halten was sie versprechen aber die jedenfalls 1000mal besser sind als als planloses Gemetzel, ist es absolut legitim, sich seiner Haut zu wehren und dem Spuk ein Ende zu machen.“

Das ist sicher richtig.

Aber die Klügeren werden auch nicht auf die Idee kommen, die komplexe Situation wäre allein durch ganz viel Liebe (und Verständnis) oder Hass (und Nulltoleranz) zu lösen.

Es hat deutlich verschiedene Gründe warum sich jemand im Gazastreifen, in Afghanistan, in der Führungsspitze des IS oder als Mitglied der dritten Generation der Einwanderer in Deutschland oder Frankreich (auch das noch mal unterschiedlich) radikalisiert.

Eine kluge Antwort wird vielschichtig sein und abwägen, wen man begründet noch erreicht und wen man begründet nicht mehr erreicht.

Ich bin sehr sicher, dass man diese Gründe findet, aber wenn man umschalten kann und mehrere Handlungsoptionen hat und auch nicht selbst einpolig von Verklärung oder Hass getrieben ist, sollte das keine unlösbare Aufgabe sein.

Wir zucken zusammen, wenn wir mit den Taten des IS konfrontiert sind, ehrlich gesagt, waren frühere Kriege mitunter noch weitaus grausamer. Da sind wir auch rausgekommen.

Die nationale Politik kann da etwas leisten, zudem die internationale Koalition, die es de facto nicht gibt, weil jeder sein eigenes Süppchen kocht.

Aber Genöle bringt auch hier nix, denn einen sehr großen Teil können und müssen wir leisten, wir die Zivilgesellschaft.

Unser Versäumnis ist es, die Werte die wir da angeblich hochhalten gar nicht benennen zu können, obwohl sie wie eine Monstranz daher getragen werden.

Wenn wir, die wir hier zusammen leben, endlich mal explizieren, was wir tatsächlich in 2015 wollen und was nicht – die Basics würden ja reichen – könnte man genau das weitersagen oder sogar aufschreiben. Es geht ja nicht um die beschissenen deutschen Mittelgebirge und ich glaube auch eine Kleiderordnung würde da nachrangig werden.

Meine Idee ist, dass wir in falsch verstandener Toleranz (die zudem eher Gleichgültgkeit ist/war), niemand mit unseren Wertvorstellungen „belasten“ wollten, auch (aber nicht nur!) weil wir trainiert waren, diese selbst nicht zu kennen. Man wollte Gefallen und irgendwie kein Nazi oder Rassist sein. Das im Auge behaltend, muss man dennoch kein Law and Order Trottel werden, aber der komplette Verzicht auf Ansagen schafft nicht allumfassende Liebe und Toleranz, sondern Orientierungslosigkeit. Und in der Folge suchen sich die jungen Leute, die auch auf Provokation hin keinerlei Ansagen bekommen, eben dieselben bei denen, die weitaus weniger Hemmungen haben zu sagen, so es lang geht und was richtig und falsch ist.

schna´sel 16.11.2015 | 11:47

Ich möchte das eigentlich an dieser Stelle nicht vertiefen, weil ich glaube, weder ist dieses Forum der Ort, noch dieser Anlass um in diesem Rahmen so grundsätzliche Dinge klären zu können. Aber auch wenn Sie die "Vorstellung, Liebe sei etwas, für das sich ein Individuum oder eine Gesellschaft entscheiden könnten" kritisieren möchten, weil sie das nicht nachvollziehen können, so gehören gerade solche Vorstellungen doch zu dem, was alle zivilisierten Völker und Staaten in irgendeiner Form als Basis für ihre zivile Gesellschaft festgelegt haben. Jede Form von sozialer Gemeinschaft basiert letztlich auf dieser Liebe (caritas), die nicht nur eine Entscheidung, sondern längst weltweit Programm geworden ist. Auch wenn diese sehr erstarrt sind und häufig nicht mehr als eine Feigenblattfunktion übrig geblieben ist. Auf alle Fälle ist mit Liebe in dem Zusammenhang eben nicht die Ergriffenheit gemeint, die Sie erleben, wenn Sie Ihren Sehnsuchtspartner treffen oder anvisieren, sondern eine ganz andere Erfahrung, die in der Tat auch durch eine persönliche Enscheidung herbeigeführt werden kann. Und ich denke, dass auch Nils Markwardt sich nicht auf dieses Verständnis von Liebe bezieht wenn er das AUF-Mädchen zitiert das sich ja eben auch genau für eine bewusstre Enscheidung ausspricht mit der Aussage: 'Wenn eine Person so viel Hass zeigen kann, bedenken Sie, wie viel Liebe wir zeigen können, wenn wir alle zusammenstehen.' Damit spricht sie doch ausdrücklich nicht von dem Krieg, für den sich Hollande oder die "War in Terror" Krieger stark machen. Und deswegen läuft ihre Antwort auf die Verzweiflung auch nicht dasselbe hinaus, wie die Antwort Hollandes. Sie schreiben in einer nächsten Anwort: "Man könnte die Frage stellen, was Liebe in diesem Zusammenhang eigentlich bedeutet und was wir uns erhoffen, dass sie für uns tut." Das ist sehr richtig und auch der Schlüssel zu diesem Problem. Es gibt viele Arten zu lieben. Fleischliche oder platonische Liebe, als Reaktion auf einen anderen Menschen. Die Liebe der Eltern zu ihren Kindern und umgekehrt, die sich beide von der romantischen Liebe vollkommen unterscheiden und nicht weniger intensiv oder bedeutsam sind für einen Menschen. Für die man sich in der Regel auch nicht entscheiden kann, aber unter bestimmten Bedingungen schon. Etwa, wenn man ein Kind adoptiert, oder eine Patenschaft übernimmt. Das sind nur zwei Beispiele aus einem wirklich unendlichen Feld. Darüber hinaus gibt eben auch die Nächstenliebe oder, noch mehr gesteigert die Feindesliebe, die zu den Grundlagen unseres christlichen Abendlandes gehört oder gehören sollte. Man muss diese Art Liebe nicht unbedingt religiös auffassen, auch wenn sie in der Form eigentlich immer über das hinaus geht, was man sich für die eigene Person oder den Nachwuchs wünscht, also in gewisser Weise selbstlos ist. Oder sein sollte, wenn sie echt empfunden wird. So zu lieben ist in jedem Fall eine Befreiung, weil sie den Unterschied, von dem auch der oben zitierte Philosoph Badiou spricht aufhebt. Und was dazu kommt: Sie ist vielleeicht oft die Konsequenz aus bestimmten Erfahrungen oder Erlebnissen, die man gehabt hat. Aber sie ist auch häufig das Ergebnis einer Entscheidung für einee bestimmte Haltung der Welt und den Menschen gegenüber. "Alle Menschen werden Brüder" hat Ludwig van Beethoven komponiert und mit seiner Neunten eine gewaltige Symphonie geschaffen, die der Sehnsucht nach dieser Liebe Ausdruck verleiht. Hier noch als Anregung zur weiteren Vertiefung ein kleiner Abschnitt aus dem Online-Wörterbuch Philosophie über die Agape:

Agape

Griech. ›Liebe, Nächstenliebe‹ (lat. caritas ): zentraler Begriff in der Philosophie Plotins. Agape bezeichnet das Zufriedensein oder Sich-zufrieden-Geben mit den Dingen. Im Gegensatz zum Eros, der nach Vervollkommnung strebt, bedeutet Agape eine bewusste Entscheidung für das Geringere oder Einfache. Im christlichen Verständnis bezeichnet Agape auch die Zuwendung Gottes zum Menschen sowie umgekehrt die Selbsthingabe des Menschen an Gott und den Nächsten.

schna´sel 16.11.2015 | 11:54

"Werte, die vielleicht nicht immer halten was sie versprechen aber die jedenfalls 1000mal besser sind als als planloses Gemetzel, ist es absolut legitim, sich seiner Haut zu wehren"

Diese Haltung vergisst, dass genau diese angeblichen Werte, die Grundlage sind, auf der dieses Phänomen IS sich in der Form überhaupt entwickeln und derart radikalisieren konnte. Sie will die ganze Bigotterie, mit der einerseit der Terror als etwas bekämpft werden soll, das außerhalb von uns liegt und mit der auf der anderen Seite die gleichen Menschen, die seit 9/11 den "War on Terror" voran treiben beste Geschäfte mit dem billigen Öl der Islamisten machen und sich weigern, deren Banken zu sanktionieren nicht wahr haben. Der Aufruf, diesen Problemen mit Liebe zu begegnen bedeutet nichts weiter, als auf unsere tatsächlichen Werte zu bestehen die durch die Praxis unserer westlichen Zivilisationen de facto verraten werden. Der Spuk findet nicht zuletzt innerhalb unserer eigenen Realität statt und der radikale Islamismus ist nur eines der Symptome, die wir als eine unter vielen anderen Reaktion erleben. Reaktionen, die in anderer Form auch in der Ukraine oder in Griechenland stattfinden. Wir werden weitere erleben, die auch aus unserer eigenen Mitte heraus entstehen. Wer glaubt, Breivik war nur ein zufälliges Einzelereignis wird sich immer häufiger umschauen müssen.

Moorleiche 16.11.2015 | 12:07

"Diese Haltung vergisst, dass genau diese angeblichen Werte, die Grundlage sind, auf der dieses Phänomen IS sich in der Form überhaupt entwickeln und derart radikalisieren konnte. Sie will die ganze Bigotterie, mit der einerseit der Terror als etwas bekämpft werden soll, das außerhalb von uns liegt und mit der auf der anderen Seite die gleichen Menschen, die seit 9/11 den "War on Terror" voran treiben beste Geschäfte mit dem billigen Öl der Islamisten machen und sich weigern, deren Banken zu sanktionieren nicht wahr haben."

Kann man das so abstrahieren, dass Sie gegen die Reduzierung echter und emotional gehaltvoller Beziehungen, zugunsten rein instrumenteller und geschäftsmäßiger Beziehungen sind?

Ein Taktieren mit Nützlichkeiten und angeblichen Win-Win-Situationen als angeblich schlaueste Form dessen, wie man dem anderen begegnen kann.

Ist es das, was Sie meinen, oder verstehe ich Sie falsch?

schna´sel 16.11.2015 | 12:47

"Wo, wenn nicht hier?

Wann, wenn nicht jetzt?"

Ich glaube, das ist zu komplex und szu persönlich, als das man es hier ausdiskutieren könnte. Man kann es auch nicht dadurch vermitteln, dass man darüber schreibt, jedenfalls nicht in diesem doch eher begrenzten Rahmen. Das wollte ich sagen. Wenn ich generell der Meinung wäre, dass es nicht sinnvoll ist, sich hier zu äußern würde ich das nicht tun. Es macht Sinn. Aber eine wirkliche Begegnung und Vertiefung kann nur durch eine persönliche und auch grundsätzliche Entscheidung stattfinden. Ein öffentliches Forum, wie dieses kann m.E. nicht der Rahmen sein, in dem solche Prozesse stattfinden, es kann allenfalls dazu anregen. Das versuche ich mit meinen Beiträgen, aber nicht diese Anregung zu vertiefen, vor allem wenn sie überhaupt nicht verstanden wird. Und obwohl ich mich grundsätzlich über die Möglichkeit freue, mich an solchen Debatten beteiligen zu können geht mir das auch häufig auch sehr schnell viel zu weit. Vor allem wenn es zu diesen endlosen Disputen und/oder Erörterungen kommt, bei denen sowieso nur jeder auf seinem Standpunkt bestehen möchte. Das spare ich mir lieber und überlasse es den Leuten, sich mit ihrer Sicht selbst zurecht zu finden, auch wenn ich diese nicht teilen möchte.

"Kann man das so abstrahieren, dass Sie gegen die Reduzierung echter und emotional gehaltvoller Beziehungen, zugunsten rein instrumenteller und geschäftsmäßiger Beziehungen sind?"

Das verstehen Sie sicher nicht falsch. Wobei es mir aber nicht nur um persönliche Beziehungen geht, sondern um prinzipielle Muster und gesellschaftliche Verhältnisse, die für die Qualität unserer Beziehungen ursächlich verantwortlich sind.

balsamico 16.11.2015 | 13:28

Diese Haltung vergisst, dass genau diese angeblichen Werte, die Grundlage sind, auf der dieses Phänomen IS sich in der Form überhaupt entwickeln und derart radikalisieren konnte.

Keineswegs vergesse ich das. Aber wenn Du im Boxring stehst und sie auf die Fresse bekommst, gibt es nichts mehr zu reflektieren, und wenn Du noch so Recht damit hast. Da wehrst Du Dich oder gehst zu Boden. Dort behagt es mir nicht.

denkzone8 16.11.2015 | 13:41

wie kommt man solo in einen box-ring? ist da nich irgendwas schief gelaufen?...aber schon recht: wenn einer einem praktisch den krieg erklärt, muß man ihn entwaffnen,isolieren,ihm in den arm fallen,bevor ein gespräch möglich ist. erst dann ist raum/zeit für mögliche zugeständnisse. schlimm ist, daß wir zwar einen teil-organisierten gegner haben,aber keinen, der für alle gegnerischen spricht.

balsamico 16.11.2015 | 13:43

Eine kluge Antwort wird vielschichtig sein und abwägen, wen man begründet noch erreicht und wen man begründet nicht mehr erreicht.

Ich fürchte, dass wir dafür keine Zeit mehr haben. Es gibt m.W. vom IS auch nicht das kleinste Signal, an das Im Sinne einer friedlichen Verständigung angeknüpft werden könnte. Die wollen einfach austesten, wie weit sie auf ihre menschenverachtende Art kommen. Das geht nicht. Ich bestreite nicht, dass der Westen viel auf dem Kerbholz hat. Aber bekanntlich hat alles sein Zeit. Jetzt geht es ums Überleben und nicht darum, die Sünden der letzten 100 Jahre aufzuarbeiten.

SuzieQ 16.11.2015 | 14:30

Ich hänge die Liebe jetzt mal etwas 'tiefer', ansonsten ist das Thema wirklich sehr komplex.
Wenn die ersten gefühlten Reaktionen, die Gefühle, zB Wut, Angst, Verzweiflung, Ohnmacht, Zorn und Rache sind, dann gilt ein nächster Schritt der Besonnenheit. Oder man nennt es 'runterkommen', ganz sicher folgt nicht 'Gleiches mit Gleichem vergelten', sondern so etwas wie neutrale Übersicht (zurück)gewinnen, weil ich mit mir im Reinen bin, wenn ich in mir ruhe.

Damit gewinnt man Abstand von möglicher Überheblichkeit, von Eitelkeiten, Verletzungen und findet sich in Wohlwollen und Souveränität wieder, gelangt von der direkten Konfrontation zu einer Metaposition.
Ich sehe darin kein 'Umarmen des Feindes' sondern die Fähigkeit, sich mit Herz seiner eigenen Position zu versichern und die des Gegenübers realistisch einzuordnen.

Wenn ich erkenne, dass es darum geht, mir Angst zu machen, mich zu schocken, mir vor Augen zu führen, wie verletzlich ich bin, dann habe ich die Möglichkeit, für mich Entscheidungen zu treffen.
Liebe ist auch eine Entscheidung, so wie Hass eine ist oder auch Rache oder Gleichgültigkeit.
Gandhis Satz stimmt: es gibt keinen Weg zum Frieden, Frieden ist der Weg.
Wenn ich liebevoll bin, kann mich der Hass des anderen nicht vereinnahmen, obschon ich berührt bin von Worten und Taten, weiß ich um meine Distanz und Nähe in Liebe.

Dazu gehört auch, dass ich weiß, dass ich fühle und spüre, dass Krieg falsch ist. Und mich die Worte der Staatsoberhäupter treffen, die Krieg schon jetzt im Wort führen. Das ist falsch.
IS-Kämpfer bomben andere und sich weg, das ist falsch, ebenso wie französische, britische, amerikanische Flieger IS-Stellungen und die dort befindlichen Menschen bombardieren, es ist falsch.
Es ist zu kurz gedacht, nicht (lang) genug nachgedacht.

Was können wie tun? Beim IS die Waffen, das Geld, die freie Reisemöglichkeit etc nehmen, die Basis werden wir nicht erreichen können. Ansonsten aufmerksam sein, sorgsam und fürsorglich, mit uns selbst, unseren Nächsten, dem Leben um uns. Und Volksvertreter wählen, die im Sinne des Volkes agieren.
Ich möchte zB gefragt werden, bevor Deutschland in einen Krieg zieht, gefragt werden, bevor Deutschland Waffen liefert, gefragt werden, ob das in meinem Sinn ist, und ich möchte mein 'Nein' gehört wissen.
Und das 'Nein' der Anderen, und nicht nur gehört, sondern befolgt wissen.
Ich möchte mein Wohlwollen und meine Liebe und meine Freiheit behalten und zeigen.

Wenn ich mitbekomme, dass Muslime sich von der IS-Miliz distanzieren, finde ich es gut.
Aber nur so lange, wie sie es freiwillig machen, doch ich bekomme das Gefühl, es wird mehr und mehr von ihnen erwartet, und das geht zu weit.
Doch wenn ich verstehen will, was passiert, muss ich zuhören.
Auch und erst recht, wenn mir das Gehörte nicht gefällt, mir widerspricht.
Und Wohlwollen bewahren. Und die Liebe in mir.

Und ich bin, weiß die Göttin, keine geborene Menschenfreundin. ;o)

Moorleiche 16.11.2015 | 15:21

Hallo Schna'sel.

Wobei es mir aber nicht nur um persönliche Beziehungen geht, sondern um prinzipielle Muster und gesellschaftliche Verhältnisse, die für die Qualität unserer Beziehungen ursächlich verantwortlich sind.“

Was Sie für meinen Geschmack sehr gut machen. Aber damit sind Sie doch im Grunde bei „diesen endlosen Disputen und/oder Erörterungen“.

Ich verstehe aber vermutlich den Unterschied, den Sie meinen und danke, für die Antwort.

schna´sel 16.11.2015 | 15:27

Ihr Vergleich trifft nicht. Weil er eine Situation bemüht, in der es keine Alternative gibt, außer zuzuschlagen. Ein Vergleich, der nicht nur für die Vergangenheit nicht zutreffend war, sondern nach wie vor jede alternative oder ergänzende Problemlösung im Ansatz verneint. Dieser Vergleich enthält die Behauptung einer Situation ohne Alternativen und Sie befinden sich damit grundsätzlich in einer Gegenposition zu dem Bewustsein, für das der Artikel wirbt. Und abgesehen davon, dass all die Alternativen zum Zuschlagen auch weiterhin nicht ausgenutzt werden und brachliegen, bemühen Sie damit allenfalls die zynischen Argumente der Buchmacher, die unsere Welt schon immer auf die Arena (Ihren "Boxring") reduzieren wollten und wollen, die sie für die "Win or Loose" Bedingungen ihrer Spieltheorie missbrauchen können. Das sind diejenigen, die Ihren Boxring betreiben, die nach wie vor nicht auf das bilige Öl der Ismisten verzichten und mit ihnen Geschäfte machen und die immer mal wieder ein paar Nasen für ihre Arena brauchen um von ihrer Beteiligung an diesem dreckigen Spiel abzulenken. Und glauben Sie mir: Ich möchte auch Ihnen Ihre heile "Auge um Auge, Zahn um Zahn Welt" nicht nehmen. Lassen Sie sich in den Kampf ziehen. Plädieren Sie für die Heilmittel, die Ihnen die Profiteure dieser Clash of Cultures Inszenierung verkaufen. Solange, bis Ihnen von einer ganz anderen Seite auf die Augen gehauen wird, als erwartet. Ich werde nicht weiter versuchen, Sie an dieser Stelle mit Worten daran zu hindern.

Moorleiche 16.11.2015 | 15:27

Ich fürchte, dass wir dafür keine Zeit mehr haben. Es gibt m.W. vom IS auch nicht das kleinste Signal, an das Im Sinne einer friedlichen Verständigung angeknüpft werden könnte.“

Ich denke auch, was das angeht, kann man lange warten.

Ich bestreite nicht, dass der Westen viel auf dem Kerbholz hat.“

Ich hatte meinen Schrieb so nicht gemeint, dass wir irgendwie büßen müssten.

Ich meinte eher, dass wir die eine Fraktion in Boot holen können und müssen, durch Dialog und Annäherung und man die Hardliner dennoch bekämpfen kann.

Man braucht da auch nicht zu nervös zu werden, nur konsequenter, das würde helfen.

Offene Arme und klare Abgrenzung sind kein Widerspruch.

MaggieStone 16.11.2015 | 15:53

Ich gebe Ihnen vollkommen Recht,dass es schwer ist,den eigenen Standpunkt zu hinterfragen und man eher versucht die "Widersprüche" beim anderen zu suchen, und da spreche ich jetzt nur für mich.

Es ist nun aber so, dass nicht ich Ihnen gesagt habe, welches Thema zu komplex und zu persönlich für dieses Forum sei, sondern Sie mir. Oder irre ich mich?

Ansonsten noch ein Wort zu Ihrer Antwort auf Moorleiches Frage:

Natürlich ist es einfacher über Geopolitik, Krieg, Kapitalinteressen usw. als über so etwas Diffuses wie Gefühle zu reden (bzw. es scheint einfacher zu sein). Das sollte m.E. aber kein Grund sein, an dem Gefühls-Analphabetismus, der unsere Gesellschaft immer noch auszeichnet, festzuhalten, sondern diesen Gespräch gerade deswegen mehr Raum zu geben.

Insofern glaube ich, dass einzelne Anregungen auch in so einem Forum wertvoll sein können. Womöglich mag das über ein Buch besser funktionieren, aber wieso nicht hoffen, dass auch die Internetkultur etwas mehr Komplexität integriert anstatt sie auszulagern, ganz als ob hier irgendjemand schnell etwas entscheiden müsse/könne.

balsamico 16.11.2015 | 17:32

Ich möchte auch Ihnen Ihre heile "Auge um Auge, Zahn um Zahn Welt" nicht nehmen.

Das ist ein bisschen infam, denn mir ist die nämliche Welt durchaus zuwider (abgesehen davon, dass "Auge um Auge, Zahn um Zahn" anders zu verstehen ist, als Sie es hier gebrauchen). Aber es gibt einen Punkt, an dem auch friedlich gesinnte Menschen zur bewaffneten Gegenwehr schreiten müssen, wenn sie sich nicht selbst aufgeben wollen, und das will ich nicht. Gleichwohl bin ich kein Bellizist. Aber ich sehe leider nicht den Schimmer einer Verständigungsmöglichkeit mit dem IS.

balsamico 16.11.2015 | 17:45

Wenn ich liebevoll bin, kann mich der Hass des anderen nicht vereinnahmen,

Doch, das kann er. Der schneidet mir den Kopf ab und lässt mich vorher per Videobotschaft um Verzeihung bitten.

...obschon ich berührt bin von Worten und Taten, weiß ich um meine Distanz und Nähe in Liebe.

Leider werden Sie Ihre symphatische Haltung mit dem Leben bezahlen müssen. Denn diese Herren kennen ja kein Erbarmen, wie sie mehrfach bewiesen haben. Um mit jemandem auf friedliche Weise irgendwie zu Potte zu kommen, braucht man mindestens eine kleine gemeinsame Basis. Die sehe ich leider nicht.

SuzieQ 16.11.2015 | 18:10

Doch, das kann er. Der schneidet mir den Kopf ab und lässt mich vorher per Videobotschaft um Verzeihung bitten.

Ja, er kann den Kopf abschneiden, aber sein Hass ist nicht mein Hass. Er kann versuchen, mir meine Würde zu nehmen, und das lese ich aus jeder einzelnen IS-Tat, aber es wird ihm nicht gelingen. Ich bin dann vielleicht tot, aber ich bin auch kurz davor ohne Hass und mit Würde.

Es gibt keine gemeinsame Basis für Kommunikation. Sie wird nicht gesucht vom IS. Der IS hat den 'Stein der Dschihadisten', wenn überhaupt, ist er darüber zu 'erreichen'.

Und im Gegenzug töten ist nicht meins, und ich hoffe inständig, dass es auch nicht Deutschlands ist. Unterwandern ist mE das 'Zauberwort', und das nicht liebevoll, sondern strategisch, konsequent, effektiv und gern effizient. Von innen heraus, da müssen weise, besonnene Köpfe ran, die auch noch Herz haben ;o)

schna´sel 16.11.2015 | 18:58

"Das ist ein bisschen infam, denn mir ist die nämliche Welt durchaus zuwider (abgesehen davon, dass "Auge um Auge, Zahn um Zahn" anders zu verstehen ist, als Sie es hier gebrauchen)."

Ich glaube Ihnen das und vielleicht war es ein wenig infam. Tut mir leid. Es bleibt dabei, dass dieses Verständnis die Reaktionen und die Bedingungen der Antworten prägt, die zwischen der Selbstaufgabe und der bewaffneten Gegenwehr keinen Raum für Alternativen sehen und zulassen will. Nicht erst seit diesem Wochenende. Und das halte ich wirklich für naiv, angesichts der Konsequenzen, die dieses Verständnis uns bereits eingebrockt hat und weiter einbrocken wird. Verständnismöglichkeiten können zunächst eine Asymmetrie enthalten. Wenn ich in der Lage bin, etwas verstehen zu können, das mein Gegenüber nicht sieht bin ich grundsätzlich in der überlegenen Position. Wenn ich aus diesem Verständnis heraus auf der Ebene reagiere, die mir aufgezwungen werden soll, dann könnte es, unabhängig davon, dass ich das Recht habe, mich selbst zu verteidigen so sein, dass ich mein erweitertes Verständnis gar nicht zur Anwendung gebracht habe. Eine Verständnismöglichkeit mit den Terroristen ist an dem Punkt, an dem wir uns befinden sicher ohne weiteres nicht gegeben. Genau deswegen müssen wir uns auf das Verständnis besinnen, das den Anspruch einer Überlegenheit auch wirklich verdient. Und mit dem wir uns nebenbei auch in bester Gesellschaft der Mehrheit der zivilisierten Menschen und Muslime befinden, denen ihre eigene Spiritualität auch nichts anderes bedeutet als diese Anschauung. Ich möchte die Diskussion aber an diesem Punkt jetzt beenden. Ich kann Ihre Angst verstehen, weil ich natürlich auch davon betroffen bin. Darüber hinaus bin ich der Meinung, dass über das Recht zur Selbstverteidigung hinaus einfach viel mehr passieren muss um diesen Konflikt wirklich lösen zu können. Mehr noch: Ich bin fest davon überzeugt, das jede Lösung, die sich lediglich darum kümmert "das Schlimmste zu verhindern" nur noch Schlimmeres erzeugt. Wie nach 9/11, wie in Afghanistan, wie im Irak und wie in Syrien.

Moorleiche 16.11.2015 | 21:12

Da man inzwischen weiß, dass der Mensch ein vernünftiges und emotionales Wesen ist und beide Bereiche nicht voneinander getrennt sind und es obendrein auch noch so ist, dass diejenigen, die das wissen und leben die komplexeren Charaktere sind, finde ist die Aufforderung zu mehr Gefühl und Komplexität richtig.

Zutaten: 1 Satz, 48 Wörter. Ohne Konservierungsstoffe. Kann Spuren von Nüssen und Sellerie enthalten.

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Ehemaliger Nutzer 16.11.2015 | 23:32

Guter Beitrag!

Eigentlich mus man sich doch nur fragen in welchem emotionalen Zustand man sich befand, als sich eine Angelegenheit zum Besseren wendete und wie man drauf war, als sie sich zum Schlechteren wendete. Dann erschließt sich der Kontext förmlich von allein.

Jedenfalls, und das kann man mal ausprobieren, ist weder Wut, noch Hass, oder Verzweiflung ein guter Berater. Und in derartigen Zuständen kann man einfach keine vernünftige konstruktive Lösung für eine Angelegenheit finden. Ausprobieren, alles ausprobieren...

Und mit Liebe ist ja im Grunde milde Güte gemeint und die Entscheidung für das Konstruktive und gegen das Destruktive. Was nicht bedeutet jemanden von seiner Schuld freizusprechen und nicht zu bestrafen. Aber wenn man genauso ungnädig mit seinen Feinden ist, wie der Feind mit einem selbst, dann ist man keinen Deut besser, auch wenn man im Recht ist.

Man könnte sich auch fragen, was eigentlich das Ziel sein soll? Frieden oder Krieg bis zwar einer der Gewinner ist aber alle die Verlierer sind und sich der Frieden von allein einstellt, weil keiner mehr kämpfen kann und alles kaputt ist.

Das alles hat was mit Liebe zu tun, ob man das glaubt oder nicht... jedenfalls mit der eigenen inneren Haltung und der Frage: beherrschen meine Gefühle mich oder beherrsche ich meine Gefühle? Jedenfalls entscheidet man sich wohl kaum für kostruktive Wege, wenn das Herz voll Hass, Verzweiflung und Wut ist, oder?

pleifel 17.11.2015 | 00:54

"Ich bin dann vielleicht tot, aber ich bin auch kurz davor ohne Hass und mit Würde."

Wer so heroisch sein kann, mag es womöglich für andere tun (können). Nur, wenn ich mit diesem "Opfer" noch nicht einmal das Leben anderer retten kann? Ich bin kein Gott, um beurteilen zu können, ob meine Selbstaufopferung dann irgend einen Sinn macht, außer einem (erdachten) Ideal nachzukommen.

Es macht einen großen Unterschied aus, für sich zu sprechen oder vor der Entscheidung zu stehen, andere retten zu können. Dazu allerdings wäre dann persönliches Engagement gefragt und keine Theoriedebatte hinreichend. Die Flüchtlinge kommen zu uns, weil sie und ihre Angehörigen mit dem Tod bedroht wurden. Wenn wir das ändern wollen, reicht es wohl jetzt nicht aus, wenn wir uns allein auf die Liebe besinnen.

Wenn aber die Liebe gleichzeitig die Tür der Vernunft öffnet, um endlich gegen die wahren Ursachen des Wahnsinns vorzugehen, dann ...

balsamico 17.11.2015 | 08:47

...keinen Raum für Alternativen...

Ich stand bei den Jugoslawien-Kriegen, dem Afghanistan-Krieg, dem Irak-Krieg, bei der Libyen-Invasion und bei 9/11 und den Attentaten von Madrid und Londen, immer auf der Seite derjenigen, die Ursachen suchten und vor politischem und witschaftlichem Fehlverhalten in der eigenen Hemisphäre nicht Halt machten und für friedliche Alternativen warben. Aber wenn so gar keine Basis da ist, auf der man eine Kommunikation wenigstens versuchen könnte und "der Gegner" nichts anderes im Sinne hat, als einen zu vernichten um seinen Gottesstaat zu installieren - tut mir Leid, da ist nichts mehr. Da heißt es - wie vom Gegner selbst diktiert - nur noch: Du oder ich. Und jeder der behauptet, diesen Punkt gäbe es nicht, der macht sich etwas vor. Es gibt ihn sehr wohl.

Moorleiche 17.11.2015 | 12:54

"Aber wenn so gar keine Basis da ist, auf der man eine Kommunikation wenigstens versuchen könnte und "der Gegner" nichts anderes im Sinne hat, als einen zu vernichten um seinen Gottesstaat zu installieren - tut mir Leid, da ist nichts mehr. Da heißt es - wie vom Gegner selbst diktiert - nur noch: Du oder ich. Und jeder der behauptet, diesen Punkt gäbe es nicht, der macht sich etwas vor. Es gibt ihn sehr wohl."

Geschenkt.

Der Punkt ist: Wo kämpft und tötet man besser, wo redet man besser? Wo sollte Restriktion ansetzen, wo Integration, wo Kooperation?

Die grobe Linie scheint klar, aber leider ist jedes Detail problematisch.

Dagmar Schön 21.11.2015 | 20:25

Es gibt sie glücklicherweise, die vernünftigen Stimmen, die sich auch nach dem Anschlag in Paris nicht Kriegstreiberei betreiben. Dies sind leider nicht die Stimmen der ‚Spitzenpolitiker’ und schon gar nicht die von Präsident Hollande. Frau Merkel fällt auch in diesem Chor wieder positiv auf.

Ihr Artikel gehört auch zu den hilfreichen, richtigen Stellungnahmen, angesichts dieser Katatstrophen.
Sehr eindrücklich äußert sich Antoine Leiris, ein Radio-Journalist, der seine Frau bei dem Anschlag verlor und die Mörder auf Facebook wissen lässt:
„Ihr bekommt meinen Hass nicht......Ich weiß, dass sie uns jeden Tag begleiten wird und dass wir uns in jenem Paradies der freien Seelen wiedersehen werden, zu dem ihr niemals Zutritt erhalten werdet..“

Angesichts dieser Stimme sollten sich die Scharfmacher-Laut-Töner wie Herr Söder, in die Ecke stellen und schämen. Wie es sich für kleine Jungen gehört, wenn sie dumme Sachen sagen.
Mehr als die Terroranschläge sollte uns das Kriegsgeschrei Angst machen.

Ich würde gerne wissen: Wie viele unschuldige Frauen und Kinder wurden seit Samstag im syrischen Rakka durch die französischen Bomben getötet? Hierzu erfahren wird von unseren 'Leitmedien' gar nichts.
Sind diese Menschen weniger wert oder weniger unschuldig als die Toten In Paris? Es wird ja wohl niemand im Ernst behaupten wollen, dass mit Bomben in einer Stadt nur IS-Kämpfer getroffen werden können.

Wenn man es ‚besser’ machen möchte als diese Mörder, muss man sich schon mehr einfallen lassen, als wieder nur die militärischen Thanatos-Vollstrecker losschlagen zu lassen.

Jeder Krieg bringt in allen Menschen nur das Dunkelste zum Vorschein - wie soll daraus etwas Helles, etwa ein friedliches, lebendiges Zusammenleben, entstehen?
Erst wenn alle auf den Trümmern ihrer Existenz sitzen, von Toten umgeben, weiß man es plötzlich wieder: Krieg ist die dümmste aller Lebensweisen.

Genau aus dieser Erkenntnis sind kurz nach 1945 unser Grundgesetz und die Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte entstanden.

Aus Mord und Totschlag entsteht kein Leben, Leben und alles Lebendige entsteht nur aus Liebe. Dieses existentielle Gesetz gilt nicht nur in unseren Schlafzimmern, sondern auch in unseren Gesellschaften. Weil das manchmal erkannt wurde, wurde in Europa in lichten gesellschaftlichen Momenten die Todesstrafe abgeschafft. Immer noch ein richtiger Schritt, auch wenn Manche zur Zeit in ihrer Wut das nicht mehr erkennen können. Kriege sind kollektive Todestrafen, denn das Worum es geht ist: Töten.

Genau durch solche lichten Momente unterscheiden wir uns auch als Land von Ländern wie China und Saudi Arabien, nicht durch die Schlagkraft unserer Armeen oder der Größe unseres Bruttosozialprodukts.

SuzieQ 05.12.2015 | 19:57

Wir = Deutschland sind soo weit weg von Offenheit, Demokratie und Humanität, dass es weh tut. Weh tun müsste.

Tut es offensichtlich nicht. Die MdBs gehen nach ihrem voting 'für den Krieg' ins sogenannte verdiente Wochenende. Warum sie gut schlafen (können), weiß ich nicht. Versteh ich auch nicht.

Mein Volksvertreter hat mich verraten, der hat anscheinend nicht mal ein (eigenes) Gewissen, der Arsch!

Und dazu wohl keine Ahnung. Wie könnte er sonst locker und leicht zustimmen, unser Land in einen Krieg eintreten zu lassen? Das ist nur noch eins: pervers.

Klugheit, Weisheit und Liebe... dat jibbet hier in D nicht. Doofheit beherrscht die Aktionen. Anders kann ich es mir nicht erklären. Wobei diese Erklärung schon ein Armutszeugnis ist. Im 21. Jahrhundert wird die Steinzeit belebt.

Ich bin jetzt auf der Suche nach wenigstens einem Dorf, das am Rande und völlig gegen jeden offiziellen Kurs, Barden und Fischhändler beherbergt. Und vielleicht auch mich. Lieber da als hier! Wär ne Oase auf Zeit. Zum Durchschnaufen. Und gegen jedes Kriegsgebaren. Allemal.