französisches Tagebuch, das Öl

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Es ist nun heiß, richtig südfranzösisch heiß. Das heißt, mit dem Denken ist da nicht mehr viel. Claude, unser Siebenschläfer, hat sich verdünnisiert, jedenfalls ist sein Futternapf auf unserem Boden unberührt. Vielleicht kommt er ja im Herbst wieder. Unser gesellschaftliches Leben läuft auf Hochtouren, cela veut dire, un diner après un autre. Alle geben sich bei den Barbeques alle erdenkliche Mühe. Besonders unsere Engländer sind im Moment sehr darauf bedacht, die Schande, die BP ihnen weltweit gebracht hat, irgendwie auf charmant englische Weise durch bunten und schwarzen Humor auf zu fangen. Aber weder die Franzosen noch die Engländer auf diesen kleinen Barbeque-Parties haben Ängste. Die haben dann wir, die Deutschen. Wir sind diejenigen, die das Katastrophenszenarium ausmalen, das Öl, das in milllionenfacher Menge in den Golf von Mexico gepumpt wird, das Loch ist nicht gestopft, es fließt weiter und die Weltthemen bewegen sich von der schwedischen Hochzeit bis zum Fußball - Hochzeit - Fußball - Hochzeit - Fußball. Trotz der ausgezeichneten Cote de boeuf bei Graham in seinem absolut romantischen französischem Garten, wollte es mir nicht so richtig schmecken.

22:34 02.07.2010
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Novalis

lebt halb in Frankreich, halb in Deutschland, suchte die Blaue Blume, fand sie und erkannte, dass Realität Illusion ist und Illusion Realität.
Novalis

Kommentare 11

Avatar