Einfach ist das nicht.

Entwicklungspolitik Wie Entwicklungsländer durch sich selbst und durch andere blockiert werden.
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Entwicklungsländer sind Staaten, die in Afrika oder Südamerika liegen. Sie sind nicht besonders reich und die Menschen haben Hunger. Man hat sich deshalb gedacht, dass man ihnen Geld gibt, dass sich dort eine Wirtschaft entwickelt, die Menschen Arbeit finden und sich dann etwas zu essen kaufen können.
Doch so einfach ist das nicht.
Während Industriestaaten und Schwellenländer von der Liberalisierung der Märkte in der Globalisierung profitiert haben, investieren transnationale Unternehmen selten in die Wirtschaft der Entwicklungsländer. Denn diese haben oft strukturelle, politische und ökonomische Defizite.
Betrachtet man Nigeria als Beispiel, kann man viele Probleme erkennen: Das Land ist gespalten in Christen und Muslime, was große gesellschaftliche und innenpolitische Spannungen mit sich bringt. Obwohl Nigeria über große Erdölvorkommen verfügt, ist es nicht in der Lage, eine eigene Wirtschaft aufzubauen. Transnationale Unternehmen sind aktiv, tragen aber wenig zur Verbesserung der Situation bei, sie beuten das Land eher aus. Die Ölexporte steigen rasant, aber die Armut und Unterentwicklung bleibt. Die Bevölkerung hat keine Chance, davon zu profitieren, da die Politiker korrupt sind, keine echte Demokratie herrscht und Menschenrechte nicht geachtet werden. Die wahren Herrscher sind hier de facto Ölgiganten wie Shell oder Agip.
Diese Probleme wurden erkannt. Entwicklungshilfe, oft in Form von Krediten, wird, vor allem von westlichen Organisationen, zunehmend an politische Bedingungen geknüpft, was den Entwicklungsländern missfällt. Chinas Politik ist eine andere. Die Kommunistische Partei tangieren die politischen und sozialen Zustände der Staaten nur peripher. Das gefällt den Herrschern der Entwicklungsländer. Sie bieten den Chinesen Zugang zu Ressourcen oder Land und erhalten im Gegenzug Infrastruktur oder Kredite, ohne, dass sie politische Maßnahmen zu befürchten haben. So vergab China bereits 2009 und 2010 mehr Kredite an Entwicklungsländer als die Weltbank.
Die Zustände in den Entwicklungsländern bleiben allerdings die Gleichen. Das dramatische dabei ist, dass auch westliche Kredite kaum positive Auswirkungen haben. Denn die Kredite, die die Entwicklungsländer bisher aufgenommen haben, werden verzinst und müssen nach einigen Jahren getilgt werden.Durch nachteilige politische Strukturen wie z.B. eine "Bad Governance" werden die Kredite nicht erfolgreich eingesetzt.
Betrachtet man z.B. die Schulden von Sierra Leone, scheinen diese nicht sehr hoch zu sein. Die Schuldenquote Deutschlands liegt 2013 mit 82% auf Platz 27 im weltweiten Vergleich. Platz 1 ist Japan mit 245%, die USA belegen mit 112% den 11. Platz. Sierra Leone liegt mit seinen 34% Prozent Schulden pro Bruttoinlandsprodukt abgeschlagen auf dem 112. Platz. Es scheint also alles gut zu sein.Doch das Problem liegt nicht allein an den Gesamtschulden, sondern hier ist der Schuldendienst das größere Problem. Sierra Leone benötigte 2001 knapp 75% seiner Exporteinnahmen zur Tilgung und Zinszahlung.
Die Entwicklungsländer sind durch die über die Jahre aufgenommenen Kredite überfordert. Sie benötigen Kredite und Spenden eher zur Rückzahlung alter Kredite. Somit fehlt das Geld für tatsächliche Entwicklungspolitik, ein weiterer Teil des Geldes findet seinen Weg in die Hände der Mächtigen. Die Politik Chinas kann den Herrschenden nur recht sein: Das Land knebelt sich nicht selbst durch Verträge und Tilgungen, sondern bekommt die Hilfe bedingungslos. Im Gegenzug verlieren sie ihre Ressourcen, die das Land sowieso nicht hätte nutze können. Doch auch hier finden sich keine Möglichkeiten zum Aufschwung der eigenen Wirtschaft. Die Chinesen arbeiten in den gepachteten Gebieten selbst und stellen keine Einwohner des Landes ein, wie das zumindest bei westlichen Unternehmen im Ausland der Fall ist. Gleichzeitig überschwemmen sie die afrikanischen Märkte mit Waren zu Dumpingpreisen, was wettbewerbshindernd ist und die eigene Industrie vernichtet, sofern überhaupt Industrie vorhanden ist.
Die Entwicklungsländer sind gebunden. Egal, ob an den Westen oder an China. Das verhindert einen tatsächlichen Wandel. Der Westen sollte Entwicklungshilfe nicht zur Verbesserung der eigenen finanziellen Situation nutzen. Die Staaten brauchen eine bessere Infrastruktur, Demokratie und Bildung. Sie sollten das auch tatsächlich bekommen. Doch so einfach ist das nicht.

Absätze wurden mir nicht gestattet, das tut mir leid.

23:11 18.11.2013
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Geschrieben von

Pascal Schneider

Student Soziologie und Politikwissenschaften in Frankfurt.
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Pascal Schneider

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