Schafft das Klartextinternet ab!

Internet Schafft das Klartextinternet ab! Ein Internet das unverschlüsselt ist, das ist ein Internet ohne Geheimnisse. Ein Plädoyer für kontinuierliche Transportverschlüsselung.
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http://teleschirm.info/img/465-260-0-verschluesselungsscheibe.jpgSchafft das Klartextinternet ab! Das Internet hat von Beginn an einen entscheidenden Konstruktionsfehler. Es ist für die Kommunikation im Klartext gemacht. Der Sinn des Internet war ja ursprünglich auch die Verteilung und das freie Zugänglichmachen von Wissen und Informationen zwischen Universitäten. Also brauchte man keine Verschlüsselung - damals in den 60ern. Wenn ein Webangebot unverschlüsselt daher kommt, dann kann potenziell jeder mitlesen was da von wem abgerufen wird. Nicht nur Bankdaten oder Onlineshopping-Bezahlbereiche sollten verschlüsselt sein, nein jede einzelne Verbindung sollte verschlüsselt sein. Das macht es möglichen Schnüfflern schwerer mitzulesen. Kaufen Sie, mein verehrter Leser, eine Zeitschrift im Kiosk, dann weiß Ihr Zeitschriftenhändler, dass Sie diese gekauft haben. Der meldet es aber an niemanden weiter. Natürlich kann jeder hinter Ihnen an der Kasse sehen, dass Sie diese Zeitschrift haben, aber Sie können diese Zeitschrift auch in eine Tüte legen oder blickdicht einschlagen.

Sie würden vermutlich nicht auf die Idee kommen ein Pornoheftchen, bzw. den Playboy, mit in die Kirche zu nehmen, gleichwohl würden Sie aber vermutlich eine eigentlich sehr unverfängliche Zeitschrift, wie die Computers Technology (c’t), nicht mit zu einem Strafverfahren nehmen, in dem Sie als Beschuldigter geladen sind, wegen eines Hackingangriffs.

Sie sehen also Dinge die eigentlich nichts Schlimmes darstellen, steuern Sie im analogen Leben dennoch, da Sie ggf. einen Nachteil für sich erwarten würden. Wie ist das jetzt aber in der bunten und schnellen Onlinewelt? Achte Sie darauf wo Sie ihre Daten her bekommen oder wie Sie damit surfen? Haben Sie einen Artikel auf heise.de gelesen, in dem ein Geräte- oder Softwarehack beschrieben wird, dann kann Sie das in einen ungewollten Personenkreis einordnen. Haben Sie das Firmen WLAN benutzt oder den Rechner an ihrem Arbeitsplatz, dann kann das Konsequenzen für Sie haben. Aber auch Ihr Internetzugangsprovider kann alles mitlesen. Zumindest von der Telekom wissen wir, dass sie Daten an Sicherheitsdienste ausleiten muss. Bei Vodafone wissen wir, dass das britische Unternehmen Daten an die britischen Dienste ausleiten muss. Das kann ein Nachteil für Sie bedeuten, das Sie so vielleicht in einen Ermittlungsradius kommen, in dem Sie vielleicht lieber nicht wären.

Das Beispiel von Michael Renner ist hier nur exemplarisch. Der IT Fachmann wurde verdächtigt der Kopf des Hackerkollektivs Anonymous in Österreich zu sein. Die Folge war eine Haussuchung und intensive Durchleuchtung seines Lebens. Alles nur, weil ein Freund von ihm „The Dude“ unter einem Foto in Renners Facebook-Chronik postete. „The Dude“ war der Nickname des Anonymous Aktivisten und Renner somit verdächtig. Er war also im Internet zum falschen Zeitpunkt am falschen Orte.1) Waäre das auch mit Transportverschlüsselung passiert? Sicher. Aber es sollte ein anschauliches Beispiel für einen Nachteil aus dem Klartextinternet sein. Natürlich können auch auf Kontaktformularen so schnell Daten durch Dritte abgegriffen werden. Das ist mit einer Transportverschlüsselung nicht der Fall.

Wie sieht es denn bei Teleschirm.info und Crypto-Mac.de aus? Seit meinem Providerwechsel habe ich ein SSL Zertifikat geschaltet und das Lesen der Artikel und das Posten von Kommentaren ist durch eine SSL Verbindung gesichert.

Dieser Artikel erschien am 11.12.2014 zu erst auf meinem Blog teleschirm.info, welcher sich mit Datenschutz und Technischen Aspekten beschäftigt

20:18 15.12.2014
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Geschrieben von

Patrick Pehl

"Gern dien' ich den Freunden, doch tu' ich es leider mit Neigung / Und so wurmt es mir oft, dass ich nicht tugendhaft bin." [F. Schiller, 3.Periode]
Patrick Pehl

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