Kampf um das historische Bewußtsein

150 Jahre Pariser Kommune Durchaus nicht nur aus historischen Gründen hat eine Gruppe von Menschen aus der außerparlamentarischen Linken diese Ausstellung erstellt.
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"Das Volk braucht nicht seinen Vertretern dafür zu danken, dass sie ihre Pflicht getan haben.“ Das ist nicht etwa ein Kommentar zu den aktuellen Wahlen. Es ist ein Zitat aus „Le Proletaire – Organ für soziale Forderungen“ vom 19. Mai 1871. Es war eine von Arbeiter*nnen mit revolutionärem Anspruch gegründete Zeitung, die in der kurzen Zeit der Pariser Kommune gegründet wurde. Sie wurde in der besetzten Pariser Kirche St. Ambroise produziert. Das 150 Jahre alte Zitat prangt auf einer der über ein Dutzend Tafeln der Ausstellung „150 Jahre Pariser Kommune“, die noch bis zum 19. September im Jugendwiderstandsmuseum in Friedrichshain zu sehen ist. Peter Nowak fragte Andreas vom AK 150 Jahre Pariser Kommune, warum sich Linke heute noch mit der Pariser Kommune befassen sollten.


1.) Wie kam die Idee, eine Ausstellung zum 150 Jahre Pariser Kommune zu
machen?

Wir sind linke Aktivist*innen aus verschiedenen politischen
Zusammenhängen. Für uns ist die Pariser Kommune wichtiger Teil linker
Geschichte, der zu erinnern lohnt. Wir sind keine Historiker*innen oder
professionelle Ausstellungsmacher*innen. Wir wollen uns unsere linke
Geschichte selbst erarbeiten und unseren Blick darauf einem möglichst
breiten Publikum nahe bringen. Denn wir wollen nicht, dass die
Herrschenden uns zweimal schlagen. Einmal auf der Straße und einmal
durch die Vernichtung des geschichtlichen Bewusstseins. Wir sind die
Erb*innen der Pariser Kommune.

2.) Ist es eine historische Aussetzung oder seht Ihr aktuelle Bezüge?

Die Ausstellung zeigt die Geschichte der Kommune. Auf 15 Tafeln erzählen
wir die Geschichte der Pariser Kommune anhand für uns wichtigen
Aspekten. Dies reicht von der sozialen und politischen Lage und den
daraus resultierenden Klassenkämpfen im Frankreich des 19. Jahrhunderts
bis über Einzelaspekte während der Kommunezeit wie politische
Organisierung, sozialpolitische Ansätze, Ausländer*innen in der Kommune
oder die Rolle der Frauen und einiges mehr.

Aktuell bleibt für uns der Kampf gegen kapitalistische Ausbeutung und
Unterdrückung. Die Geschichte der Pariser Kommune ist ein Funke in der
Geschichte um Befreiung von Kapital, Patriarchat und Rassismus – sucht
ihn und organisiert euch.

3.) Ihr plant auch eine Veranstaltung unter der Überschrift" Von der
Kommune nach Syrien". Wo seht Ihr den Bezug dazu? -

„Wir sind nichts weniger als die Pariser Commune“ sagte Omar Aziz 2012,
ein Jahr nach dem Ausbruch der Revolution in Syrien. Die Arabellion
hatte scheinbar ein Fenster geöffnet, in dem revolutionäre Wege
plötzlich als Möglichkeit erschienen. In Syrien bildeten sich Räte wie
in der Pariser Kommune aber durch die militärischen
Auseinandersetzungen, die dann folgten, wurde der Prozess erschwert z.T.
verunmöglicht.

4.) Warum habt Ihr keine Veranstaltung zum Thema von der Pariser Kommune
zur Oktoberrevolution? Schließlich haben sich doch die Bolschweki sehr
ausführlich mit der Pariser Kommune befasst und Lenin hat im Schnee
getanzt, nachdem die Sowjetmacht einen Tag länger als die Pariser
Kommune Bestand hatte?

Priorität hat die Darstellung der Pariser Kommune in einfachen Worten.
Die Veranstaltungen werden von uns oder den Orten je nach Interesse und
Kapazität erbracht. Die Rezeptionsgeschichte der Pariser Kommune wurde
bei unserer Auftaktveranstaltung mit dem Historiker Florian Grams am
28.8. in der Refo-Kirche mit vorgestellt. Der Einfluss der Pariser
Kommune auf Lenin und die Oktoberrevolution konnte dabei, auf Grund der
umfangreichen Rezeptionsgeschichte, allerdings nur gestreift werden.

5. Wo wird die Ausstellung noch zu sehen sein?
Die Ausstellung wird ja aber an 8 Orten in Berlin und Brandenburg
gezeigt, weitere kommen gerade hinzu. Wir freuen uns über Leute, die
weitere Veranstaltungen zu für sie wichtigen und interessanten Aspekten
der Pariser Kommune anbieten.

Interview: Peter Nowak




Die Ausstellung „150 Jahre Pariser Kommune“ ist noch bis zum 15. September von Montag bis Freitag von 10 bis 18 im Jugendwiderstandsmuseum in der Rigaer Straße 9/10 in Berlin-Friedrichshain zu sehen. Und am 17. und 18. September kann sie im Potsdamer Kino Thalia in der Rudolf-Breitscheid-Straße 18-22 Uhr besucht werden. „Von der Pariser Kommune nach Syrien“ heißt eine Veranstaltung am 23. September um 19 Uhr im „Museum des Kapitalismus“ in der Köpenicker Straße 172 mit der Wissenschaftlerin Almut Birken und Sophie Bischoff von der Initiative "Adopt a revolution“.

Weitere Informationen über die Ausstellung 150 Jahre Pariser Kommune finden sich hier:

https://pariserkommune.noblogs.org

02:39 15.09.2021
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
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