Unzensierte Informationen aus dem Knast

Lichtblick Die Zeitung braucht Spenden zur Anschaffung von neuer Technik. Spendenkonto: Lichtblick Deutsche Bank IBAN: DE 67 1007 0848 0170 4667 00BIC (Swift): DEUTDEDB110
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Auf der Titelseite ist ein Mülleimer abgebildet mit der Aufschrift „Die Müllprofis der JVA Tegel“. Damit wird in der aktuellen Ausgabe der Gefangenenzeitung Lichtblick ein Bericht über die mangelnden Kontrolle einer Stiftung, die für die Ausbildung von Gefängnisinsass*innen zuständig ist, beworben.

Aussagekräftige Cover und eine kritische Berichterstattung gehören zu den Markenzeichen des Lichtblick, der mit dem Zusatz „unzensierte Gefangenenzeitung seit 1968“ wirbt. Lichtblick-Redakteur Andreas Bach stellt im Gespräch klar, dass bei den anderen Gefängniszeitungen eine Person aus der Gefängnisleitung im Impressum als presserechtlich verantwortlich aufgeführt wird. Das ist beim Lichtblick anders. „Bei uns stand von Gründung an ein Gefangener im Impressum. "Unsere Zeitung wird nur von Gefangenen produziert und nur sie bestimmen die Inhalte“, betont Bach. Es war kein Zufall, dass die Zeitung 1968 gegründet wurde, in dem Jahr, das für einen gesellschaftlichen Aufbruch auf allen Ebenen steht. Da brauchte es auch keinen Impuls von Außen. Auch in Gefängnissen, Heimen und anderen staatlichen Institutionen kämpften Insass*innen für ihre Rechte und gründeten Zeitungen, um sich besser Gehör zu verschaffen.

Viele der damals gegründeten Medien sind längst Geschichte. Doch der Lichtblick hat auch nach mehr als 50 Jahren noch ca. 7500 Abonnent*innen für die Druckausgabe. Dazu kommen noch eimal rund 12000 Menschen, die die Zeitung Online lesen. Das Erfolgsrezept der Zeitung besteht für Andreas Bach darin, dass es eine kleine, gründlich arbeitende Redaktion gibt. Die legt die Schwerpunktthemen fest und fragt die Autor*innen an. „Grundsätzlich können alle Gefangenen Autor*in des Lichtblicks werden. Allerdings wird in der Redaktion schon auf den Schreibstil geachtet. „Wenn jemand nur aus der Ich-Perspektive schreibt und der Text nur auf eine Person bezogen ist, dann ist nicht für die Veröffentlichung geeignet.“

Aktuell gehört die Lichtblick-Redaktion zu den wenigen, die schon im Gefängnis Zugang zum Internet haben. In den nächsten Monaten soll die digitale Welt allerdings in sehr begrenzter Form in den Berliner Gefängnisalltag Einzug halten. Bach setzt sich dafür ein, dass der Lichtblick zu den Seiten gehört, die dann auch online im Gefängnis gelesen werden können. Dass eine Zeitung, in der Gefangene unzensiert berichten, können, weiterhin gebraucht wird, zeigte sich auch bei der Vorbereitung der nächsten Lichtblick-Ausgabe, die Anfang September erscheinen soll. Da soll es im Vorfeld der Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus um die Frage gehen, wie sich die Parteien zu Rechten der Gefangenen positionieren. Alle im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien mit Ausnahme der AfD wurden von der Lichtblick-Redaktion angeschrieben. „Ausgerechnet die SPD ließ die Anfrage unbeantwortet“, wundert sich Andreas Bach. Auch Themen wie Tariflohn für Gefangene, die im im Knast arbeiten und deren Einbeziehung in die Rentenversicherung sind Themen im Lichtblick. Vor einigen Jahren wurden diese Forderungen öffentlich diskutiert, weil die damals in der JVA Tegel gegründete Gefangenengewerkschaft Druck machte. Die von ihr herausgegebene Zeitung Outbreak ist allerdings nur dreimal erschienen. Der Lichtblick hingegen will weitermachen.

Für die Kosten des Vertriebs und des Versands kommt die Gefängnisverwaltung auf. Für die Erneuerung der Technik ist die Redaktion verantwortlich. Sie benötigt dringend neue Rechner. „Die Anschaffung würde unser Spendenbudget sprengen und aufgrund eines Crash, sind wir nun nach 15 Jahren auf neue Rechner angewiesen“, schildert Redakteur Andreas Bach die Dringlichkeit. Das Angaben zum Spendenkonto finden sich im Vorwort.

Peter Nowak

14:41 02.09.2021
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