Fatboy Slim: Multiple Funksoul Brother

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Als ich in einem Sommer Ende der Neunziger Jahre auf Ibiza mit Freunden auf der Terrasse des Space Club herumstand, kam eine rothaarige, sommersprossige Frau im Engelskostüm auf uns zu, zog irgendeine himmlische Devotionalie aus einem Beutel, die sie uns enthusiastisch überreichte: „Hi, I'm Claire, it's my birthday today! You have to come to my party, it's at the Manumission Motel and you will need this to get in. Norman Cook will be my DJ, it will be so great!“

Wie ich erst nach meinem Urlaub bei der Lektüre eines britischen Musikmagazins erfuhr, war Claire eine Partylegende und veranstaltete seinerzeit gemeinsam mit ein paar anderen jede Woche die für Exzesse und Extravaganz bekannten Manumission Parties in Ibizas größtem Club, dem Privilige. An dem Abend hatte ich davon jedoch keine Ahnung. Nur wenige bekamen noch eine Einladung, aber das Manumission Motel war leider ziemlich weit weg und wir pleite.
Doch da war ja noch der DJ: Norman Cook. Und um diese Besonderheit zu verstehen, reisen wir schnell einmal zurück in die Achtziger Jahre, wo es die Housemartins gab, die in Deutschland bekannt wurden mit einer Version von Caravan of Love. Ich lungerte zu der Zeit mit meiner Rockabilly-Psychobilly-Mod-Peergroup herum und war froh, dass die restliche Musik der Band cool genug war, um sie ohne Imageverlust hören zu können:




Ende der Achtziger Jahre gefiel mir dann erstmals Musik mit Sprechgesang, bei der Samples verwendet wurden. Eines der liebsten Stücke war mir Dub be good to me von Beats International:






Mitte der Neunziger Jahre erschien der Titel Happiness von der Band Pizzaman. Ich glaube, dass er häufig im Radio lief. Besser in Erinnerung geblieben ist mir von Freak Power das Stück Turn On, Tune In, Cop Out, das damals mit Hilfe einer Levi's-Werbung bekannt wurde, und um das man wirklich nicht herum kam. Ich tanzte dazu auf Kölner Studentenparties, obwohl ich schon bald lieber techno- und houselastigere Musik hörte und nebenbei in einem Plattenladen arbeitete. Irgendwann gab es ein Stück, das ich eigentlich mochte: Magic Carpet Ride von den Mighty Dub Katz. Das Nervige daran war lediglich, wie die Kunden nach der Platte fragten: „Sag mal, habt ihr auch A rin tin tin?“ Aber ich weiß, dass es den DJs damals auch nicht besser erging als uns.







Und dann war plötzlich Fatboy Slim da, es gab die Musikrichtung Big Beat, Remixe ohne Ende – zum Beispiel den von Cornershops Brimful of Asha – und alle waren verrückt nach diesem Typen, der scheinbar aus dem Nichts gekommen war. Bis wir nach und nach in Erfahrung brachten, dass er, der sich eigentlich Norman Cook nannte, Mitglied all der Bands gewesen war, die ich bisher in diesem Text aufgezählt habe. Fast könnte man ja ein wenig traurig sein, dass er nicht weiter gemacht hat mit noch mehr Projekten und noch mehr Namen.

Denke ich an Fatboy Slim, muss ich unweigerlich Check it out now - The Funk Soul Brother singen, dabei selbst im Sitzen seltsame Tanzbewegungen vollführen und sein Video zu Right here, right now ist wirklich nach wie vor schön anzusehen:








Darüber hinaus hat er meinem elektronischen Lieblingsinstrument, dem Synthesizer TB 303 von Roland, mit Everybody needs a 303 eine Ode verpasst und wer mag, kann sich gerne bis ans Ende des Stückes heranwagen, um das typische Acid-Gequietsche kennenzulernen.


Hart gesotten muss man auf dem Berlin Festival auf jeden Fall sein, wenn man Fat Boy Slim dort erleben möchte, denn auftreten wird er in der Nacht von Freitag auf Samstag zwischen halb vier und halb sechs. Ich muss da allerdings hin, ich habe etwas nachzuholen:

Damals auf Ibiza haben wir unsere Devotionalie für Claires Party irgendwann einfach beiseite gelegt. Vielleicht waren wir zu vernünftig, noch den weiten Weg quer über die Insel zu fahren, vermutlich waren wir aber gar nicht mehr dazu in der Lage. Deshalb nun schnell ein Fatboy-Slim-Stück mit Jim-Morrison-Sample, das von dieser Tatsache ablenkt. MH






13:06 08.09.2010
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Das Pop-Blog

Das Freitag-Blog zur Musik. Hier schreiben Jan Jasper Kosok, Maike Hank, Daniel Windheuser, Sophia Hoffmann und Antonia Märzhäuser. In nächster Zeit vor allem für das Berlin Festival.
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