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START-A-REVOLUTION Es ist soweit: Das umstrittenste Game des Jahres beginnt. Besetzt die Öffentlichkeit! Holt zurück, was euch gehört! Claim your space! Show you are not afraid!
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November 2013. Selbst ein flüchtiger Blick in die Zeitungen attestiert: Es sieht nicht gut aus. Die neuesten Kriegspläne des Empire gegen die letzten verbliebenen Landstriche der Peripherie konnten gerade noch abgewendet werden; die Überproduktionskrise, die schon ganze Gesellschaften in den Ruin getrieben hat, krebst weiter durch die Verschlingungen des globalen Kapitalmarktes; und der NSA-Skandal zieht immer weitere Kreise: die jüngsten Snowden-Leaks zeigen, wie tief selbst deutsche und französische Geheimdienste in eine weltweite Überwachungsarchitektur verwickelt sind, bei der es nicht um Sicherheit, sondern um Bevölkerungskontrolle geht.

Vor gut einem Monat wurde der Tag der deutschen Einheit gefeiert – als Erinnerung daran, dass Staatsgrenzen eine künstliche Trennung zwischen Menschen sind und dass jede Trennung ihre Toten nach sich zieht. Am selben Tag ertranken 360 Geflüchtete vor der Insel Lampedusa, an den unsichtbaren Grenzzäunen im Mittelmeer. Viele von ihnen begannen ihre Flucht in Somalia, einem der Hauptziele des amerikanischen Drohnenkriegs in Afrika, bei dem auch die Bundeswehr und das Auswärtige Amt behilflich sind. Um auf ihre Notlage auf hoher See aufmerksam zu machen, zündeten die Schiffbrüchigen eine Decke an. Aber was nützt ein Feuer, wenn es niemand sehen will? In Stuttgart lief zum gleichen Zeitpunkt die Deutschlandparty ihrem Höhepunkt entgegen. Bundespräsident Gauck war so besoffen von dem nationalen Einheitstaumel, dass er lauthals forderte, das Land müsse global wieder eine stärkere Rolle spielen. Die etwa 150 Überlebenden dürften von diesem Satz (zum Glück) nichts erfahren haben, sie haben andere Probleme. Die Leichen ihrer Mitreisenden wurden nach und nach aus dem Wasser gezogen und aufgebahrt. In Lampedusa ist man mittlerweile routiniert im Umgang mit gestrandeten Flüchtlingen. Man erinnert sich noch gut an die 63 Tunesier_innen im Jahr 2011, die vor den Augen vorbei fahrender Frontex-Kapitäne auf offenem Meer verendeten. Die Grenzschutzpolizei fühlte sich nicht zuständig. Der Europarat urteilte damals, es gebe ein “Verantwortungsvakuum”.

Widerstand statt Schwarz-Rot-Gold

‘Wie viele Menschen müssen eigentlich noch umkommen, bis sich etwas ändert?’, könnte man an dieser Stelle fragen. Man könnte aber auch aufhören mit dem feigen Moralisieren und sich eingestehen, dass diese Frage ihre Antwort bereits mitliefert: Die Grenze der akzeptierten Toten ist nach oben offen – wenn man das nicht wüsste, würde man die Frage gar nicht stellen.

Feigheit ist jedoch etwas für andere, Sozialdemokrat_innen etwa, nicht für eine revolutionäre Bewegung wie wir es sind. Wir pokern hoch und gehen dann all-in. Wir rüsten so lange auf, bis wir unsere Waffen nie einsetzen müssen. Wir machen keine Kompromisse, zumindest solange nicht, wie die sterbende Ordnung das Neue zurückhält.

Einen Monat nach der nationalen Selbstbefriedigung am 03. Oktober scheint eine gute Zeit, den Widerstand auf eine neue Ebene zu heben. Das gilt übrigens auch für diejenigen, die noch ganz high sind von der staatlich verordneten Identitätsspritze. Vergesst Schwarz-Rot-Gold, das lenkt euch nur ab. Reiht euch ein in die Bewegung, denn wir unterrichten Wahrheit. Und wir verzeihen euch.

Startet die Revolution!

Bis dato beobachten wir leider noch ein gewisses “Verantwortungsvakuum” der in Deutschland lebenden Menschen, ihre Regierung zu stürzen, dem Widerstand zu frönen und eine Demokratie von unten aufzubauen. Zu viele – wenn auch in der Gesamtbetrachtung erfreulich wenige – glauben noch an einen demokratischen Kontrollmechanismus durch Partei-Wahlen. Wie kann das sein, wo wir uns doch eindeutig von den Wahlen distanziert hatten und das ganze Land zum Boykott aufriefen?

Wir haben es geahnt: Wir stehen zu weit weg vom Feuer. Taksim, Syntagma, Tahrir, Puerta del Sol – überall kracht und blutet es. Selbst die Oma greift zur Steinschleuder. Und hier? Wird die Uni geschwänzt und manchmal auch der Montag. Ansonsten sagen sich Kapital und Arbeit ‚gute Nacht‘ und treiben es hinter zugezogenen deutschen Vorhängen heftig miteinander, sobald die Lichter aus sind.

Das darf nicht so weitergehen. Denn wozu warten? Warten zu wollen ist die Geschichte von Privilegierten, die noch von der Gewalt profitieren, die an anderen Orten immer mehr Leben kostet. Warten zu wollen heißt außerdem, den Trend zu verschlafen: 540 Ausschreitungen zählt das Jahr 2009, ein Drittel davon finden in Europa statt. 2010 kommt es zu Aufständen von Arbeiter_innen auf allen Kontinenten. Insgesamt gab es im letzten Jahrzehnt mehr politische Unruhen als in den 60er-Jahren.

Es kann also getrost zum Angriff geblasen werden. Wir packen die symbolische Steinschleuder aus und erobern mit euch die diskursiven Schaltzentralen der alten Ordnung. Unsere Waffen sind die Kunst und unser schäumender Optimismus, dass das gute Leben möglich ist.

Es ist soweit: Das umstrittenste Game des Jahres beginnt. Besetzt die Öffentlichkeit! Holt zurück, was euch gehört! Claim your space! Show you are not afraid! START A REVOLUTION!

19:11 08.11.2013
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Geschrieben von

RLF

Mission: Kapitalismus aufbrechen.
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RLF

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