Wachsende Einkommensungleichheit erwartet

Studie Langfristig befürchtet Leopoldina, die Nationale Akademie der Wissenschaften, in Deutschland eine größere Einkommensungleichheit durch die Corona-Pandemie.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Die Wissenschaftler weisen in einer Stellungnahme darauf hin, dass bei vielen Menschen die Einkommensverluste durch die sozialen Sicherungssysteme kurzfristig begrenzt waren. Die Krise könne jedoch langfristig auf die Verteilung und Höhe des Einkommens erhebliche Auswirkungen haben.

Mittel- und langfristig stellt das den Experten zufolge die Wirtschafts- und Sozialpolitik vor neue Herausforderungen. Bestehenden Handlungsbedarf habe sie zuvor verstärkt, biete jedoch ebenfalls Chancen. Regina R., die Leopoldina Vizepräsidentin, sagte, dass die Corona-Krise eine Gelegenheit für eine Modernisierungsinitiative von der Gesellschaft werden könne, vor allem im Bereich des staatlichen Handelns. Es sei noch nicht eindeutig, wie sich in der Pandemie die Ungleichheit im Haushaltsnettoeinkommen entwickelt habe. Minijobber seien zum Beispiel hart getroffen worden. Weil sie in der Arbeitslosenversicherung nicht versichert sind, erhalten sie kein Kurzarbeitergeld. Es könnte den Angaben zufolge eine Möglichkeit sein, in die Kurzarbeitsregelung Minijob-Beschäftigte einzubeziehen.

Allerdings äußern die Forscher an den 450-Euro-Jobs eine grundsätzliche Kritik. Es hieß, dass Minijobs für den Übergang aus der Arbeitslosigkeit als angestrebte „Brückenfunktion“ nicht sinnvoll seien, viele müssten sich zudem zusätzlich über Online Kreditangebote finanzieren . Vielmehr habe sich gezeigt, dass diese sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse zum Teil verdrängten. Daher raten die Experten dazu, Minijobs entweder ganz abzuschaffen oder wenigstens deutlich einzuschränken.

Sie sehen außerdem bei der schulischen Bildung einen Handlungsbedarf. Während der Corona-Pandemie drohten die Bildungsverluste lange nachzuwirken und bei der jungen Generation schien sich das Einkommenspotenzial zu verringern. Vor allem gelte das bei leistungsschwächeren Schülern und Schülern aus bildungsfernen Familien. Dadurch sei die Chancengleichheit noch geringer als vor der Corona-Krise. Unter anderem wird in der Stellungnahme angeregt, bei künftigen möglichen Schulschließungen jeden Tag verpflichtenden Onlineunterricht einzuführen. Auch sollen Kinder und Jugendliche, die aus benachteiligten sozialen Verhältnissen stammen, umfangreich gefördert werden.

Die Wissenschaftler empfehlen zum Beispiel den Ausbau der Digitalisierung und für Investitionen steuerliche Anreize, um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie zu überwinden. Christoph M. S., Mitglied bei Leopoldina, Präsident des RWI Essen und Sprecher der Arbeitsgruppe, sagt, dass die Menschen einen beschleunigten Strukturwandel und die Digitalisierung nicht als eine Bedrohung fürchten sollten, sondern diese vielmehr als eine Voraussetzung für eine nach Möglichkeit höherer gesamtwirtschaftlicher Produktivität anstreben. Aus der Sicht der Forscher sollten zudem auch beim staatlichen Krisenmanagement mögliche Defizite aufgearbeitet werden. Sie empfehlen daher, eine Kommission, die unabhängig und regierungsfern ist, nach dem Abklingen der Pandemie einzusetzen, welche Lösungsvorschläge erarbeiten soll.

18:03 28.07.2021
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Sandra Hirschkamp

Freudinge Grüße aus Eltingen (bei Stuttgart), ich hoffe meine Blogbeiträge finden hier Anklang.
Sandra Hirschkamp

Kommentare