Ungereimtheiten im Fall Weisband vs. Spiegel

Medien Warum veröffentlicht die Piraten-Politikerin Marina Weisband nach ihren Vorwürfen gegen den "Spiegel" nicht die Mail mit ihren vollständigen Zitaten?
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community
Ungereimtheiten im Fall Weisband vs. Spiegel
Marina Weisband und die Presse
Foto: Carsten Koall/ AFP/ Getty Images

Zuweilen überlege ich, warum in manchen Debatten die einfachsten Fragen schlicht nicht gestellt werden. In der Diskussion um den Spiegel-Artikel zu Marina Weisbands möglichen politischen Comeback habe ich gleich zwei davon.

Die Piraten-Politikerin Marina Weisband hat schwere Vorwürfe gegen die Journalistin Merlind Theile erhoben: Weisband hätte Aussagen, die nun in einem Text über ein mögliches Comeback im Spiegel und online stehen, nicht autorisiert. Zwar habe Theile die Zitate vor Veröffentlichung per Mail geschickt, schreibt Weisband, sie habe aber keine Möglichkeit für Änderungen gehabt. Zusätzlich seien die veröffentlichten Zitate sinnentstellend aus dem Satzzusammenhang gerissen.

Theile widersprach umgehend: Weisband habe die Zitate zugeschickt bekommen und mit einer Änderung telefonisch autorisiert.

Jetzt schreiben viele Beobachter, dass Aussage gegen Aussage stehe. Schon das ist seltsam, da die Schilderungen von Theile und Weisband im wichtigsten Punkt ja übereinstimmen: Weisband lagen die Zitate vor Veröffentlichung vor.

Die Piraten-Politikerin hätte den Wortlaut also problemlos ändern oder die Zitate komplett zurücknehmen können. Warum sie dazu keine Möglichkeit gesehen haben will, ist mir unklar. Das wäre meine erste Frage.

Den größten Wert legen die Kritiker inzwischen auf den Vorwurf, dass die Zitate in den veröffentlichten Texten sinnentstellend komponiert wurden. Ob dies zutrifft, lässt sich in der Tat nur entscheiden, wenn die E-Mail Theiles an Weisband veröffentlicht wird.

Ob das allerdings geschieht, liegt in der Hand von Marina Weisband. Juristisch gesehen darf der Spiegel die Mail wohl nur veröffentlichen, wenn Weisband zustimmt. Weisband hingegen ist es natürlich jederzeit erlaubt, Zitate von sich in welcher Form auch immer zu veröffentlichen. Das würde ihren Vorwurf jedenfalls untermauern. Bisher ist das nicht geschehen. Warum dem so ist, wäre meine zweite Frage - die wohl nur Weisband selbst beantworten kann (die Anfrage an sie ist jedenfalls raus).

16:59 06.11.2012
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare 24