Schlicht-Ästhetik der Schicki-Micki-Kultur

WEDEL-KALENDER 2014 Geschichtslose Stadtentwicklung, Planen, Bauen und Stadtentwicklung am Beispiel der "Maritimen Meile" Wedel, Schleswig- Holstein
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Dieses Aquarell (wiedergegeben im Wedel-Schulauer-Tageblatt, vom 02.08.2013)

http://www.wedel-schulauer-tageblatt.de/nachrichten/lokales/wedel/wedel/artikeldetails/article/1692/wedel-kalender-2014-leser-ideen-sind-gefragt.html

von Klaus Roth zeigt einen schönen und traurigen Kontrast:

Ein Gebäude, damit einen kleinen Teil von dem „Dorf“ Schulau, die dörflich-norddeutsche Bebauung von Bauern und Fischern, Arbeitern, die es dort einmal gab. Da war die „maritime“, besser, norddeutsche Unterelbe Tradition eines bedeutenden Fischereihafens an der Unterelbe. Später, noch Umschlagplatz für Öl und Baustoffe.

Dieses Schulau war ein Ort des Lebens und der harten und teils gefahrvollen Arbeit an und in Elbe, Marsch und Nordsee.

Diese Geschichte und Kultur Schulaus wird durch die im Bild gezeigte „Ästhetik“ der Neubauten architektonisch, stadtplanerisch negiert, verbaut, mit klobigen Kästen aus Beton, Stein und Glas.

Teures Eigentum mit Elbblick, für Schicki-Micki's mit viel Geld und wenig Geschmack und noch weniger Geschichtsbewußtsein.

Nicht von ungefähr wird die Schulauer Elb- und Küstentradition nun zur Beliebigkeit des „Maritimen“.

So wäre der „Schulauer Hafen“ beinahe zum x-beliebigen „Stadthafen“geworden. Gestalterisch wird er das auch, aber zumindest bleibt der Name.

Ehemalige Besonderheiten und Einzigartigkeit werden durch uniforme, austauschbare Einheits-Bau-Klötze ersetzt.

Bleibt die Frage, ist wenigstens etwas an diesen höchst unfiligranen Neu-Bauten „maritim“?

Das „Maritime“ an ihnen macht allein die Elbe aus, nicht ihre klotzige Schlicht-Ästhetik. Die finden wir leider genauso an Standorten, deren einzig maritimer Bezug ein paar Kilometer Entfernung zum König-Ludwig Kanal und mehr als 700 Kilometer zur nächsten Küste sind.

Die weitere Realisierung der kaum mit norddeutschen oder gar lokalen Bezügen versehenen „Maritimen Meile“ folgt gleicher planerischer Ignoranz.

Es sind Dokumente trauriger Geschichtslosigkeit und Nicht-Identität mit der eigenen Stadt, dem eigenen Lebensort.

Wedels neue Maritime-Meile-Roh-Bauten im Winter 2012

https://www.facebook.com/media/set/?set=a.439148302839616.1073741827.184448921642890&type=1

14:54 06.08.2013
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare