Mehr Gleichberechtigung weltweit und gezielte Einwanderung fördern

Außenpolitik Außenpolitik war schon immer ihr Hobby, als Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Menschenrechte und humanitäre Hilfe hat die FDP-Abgeordnete Renata Alt ihr Hobby zum Beruf gemacht. Mehr Gleichberechtigung weltweit ist ihr Anliegen.

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Geboren im Städtchen Skalica im Nordwesten der Slowakei, heute an der Grenze zu Tschechien, wuchs Renata Alt in den „härtesten Jahren der kommunistischen Diktatur“ in der CSSR auf, wie sie Diana Scholl vom Bundesverband Deutsche Berufsförderungswerke (BFW) in der Veranstaltungsreihe „bwg sitzungswoche Sprechstunde“ in der „Ständigen Vertretung“ berichtete . Heute ist sie Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Menschenrechte und humanitäre Hilfe,

Die Eltern und Großeltern hatten den Aufstand und die blutige Niederschlagung von 1968 miterlebt und zuhause viel darüber gesprochen. Die Kinder haben sie zuhause aber gedrillt, was sie in der Schule oder bei Freunden über das Elternhaus sagen dürften. Freundinnen durfte Alt nicht mit nach Hause bringen, da zu viele Bücher in den Regalen der Eltern auf dem Index standen. Deutsch lernte sie im Privatunterricht schon mit fünf Jahren. Als Renata Alt 1989 als Studentin der Biochemie an Demonstrationen im slowakischen Bratislava teilnahm, waren ihre Eltern wegen der Erinnerung an 1968 sehr besorgt. Aber die Demos in Bratislava blieben friedlich, anders als in Prag.

Nach dem Studium zog es sie nicht in wissenschaftliche Labore, auch wenn sie schon als Schülerin sehr erfolgreich an Forschungswettbewerben teilgenommen hatte. Lieber hinaus in die weite Welt, dachte sich die junge Frau und suchte sich Arbeit in der Außenwirtschaft. Nach der „samtenen“ Revolution wurden viele alte Kader ausgemustert und sie erhielt die Chance, als Wirtschaftsattaché für die CSSR, nach der Trennung der Landesteile für die Slowakei, nach München zu gehen. Zuständig war sie dort für die Wirtschaftsbeziehungen nicht nur zu Bayern, sondern auch zu Baden-Württemberg. Dort lebt sie heute mit ihrem Mann in Kirchheim unter Teck und vertritt den äußerst wirtschaftsstarken und sehr großen Wahlkreis Nürtingen im Bundestag.

Im Jahr 2000 erwarb sie die deutsche Staatsangehörigkeit, 2009 trat sie in die FDP ein, „wegen der Freiheit“ und außenpolitischen Größen wie Hans-Dietrich Genscher. In ihrer Gemeinde engagierte sie sich im Stadtrat und organisierte bei den FDP-Frauen im Bezirk Stuttgart statt kleinen Treffen für Frauen gut besuchte Veranstaltungen für alle. Sie sitzt im Landesvorstand und seit vergangenem Jahr auch im Bundesvorstand der FDP. Seit 2017 ist sie Bundestagsabgeordnete und hat ihren Zuspruch im Wahlkreis über normales FDP-Niveau auf 13,8 Prozent der Erststimmen und 17,5 Prozent der Zweitstimmen gesteigert.

Mit dem Begriff „feministische Außenpolitik“ kann sie wenig anfangen, findet ihn sogar „überflüssig und kontraproduktiv“. „Ich bin feministisch, ohne dass ich es betone.“ Das erklärt sie aus dem gesellschaftlichen Unterschied bei der Behandlung von Frauen im kommunistischen System. Arbeitende Frauen waren selbstverständlich. Als sie das westliche Deutschland näher kennenlernte, war sie sehr erstaunt über die viel konservativere Gesellschaft. Für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf müsse in Deutschland für die Frauen noch sehr viel getan werden, das unterstreicht sie. In ihrem Team in Bundestag und Wahlkreis versuche sie, das umzusetzen. Eine Aufgabe, die vom ganzen Team fordere, Rücksicht aufeinander zu nehmen.

In der Außenpolitik sei die Förderung von Gleichberechtigung ein wichtiger Aspekt, aber mit dem Adjektiv „feministisch“ - das in den skandinavischen Ländern, die den Begriff eingeführt hatten, nicht mehr verwendet werde - solle man gleich denkende Männer nicht abschrecken, männliche Diplomaten nicht abwerten. Fachkompetenz ist für Alt in der Außenpolitik das Wichtigste.

„Deutschland modernisieren“ ist das Motto, das groß auf ihrer Website prangt. Dazu gehört für sie Gleichberechtigung und Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Dazu gehört für sie auch eine Einwanderungspolitik, die auf den Arbeitsmarkt ausgerichtet ist, wie beispielsweise in Kanada. Dazu gehöre aber auch ein schnellerer Visum-Prozess in den deutschen Botschaften und Konsulaten. Auch hier könne man sich am Beispiel Kanadas orientieren. Für ein modernes Deutschland sei dringend eine modernere Bildung und Verwaltung notwendig, mit neuen Strukturen, nicht nur mit mehr Geld. Dabei blickt sie mit Bewunderung nach Estland und hofft „sehnsüchtig“, dass in Deutschland einiges davon übernommen werde.

Alte Strukturen und Verkrustungen aufbrechen, das sei das Ziel des Dreierbündnisses der Ampel gewesen. „Wir wurden durch den Angriff auf die Ukraine dabei ausgebremst, bemühen uns aber, die Belastung für die Bevölkerung so niedrig zu halten wie möglich.“ Sie hatte vor der Energieabhängigkeit von Russland gewarnt, dabei aber kaum Zuhörer gefunden. Jetzt gelte es, auch die Abhängigkeit von China zu reduzieren, denn „der Taiwan-Konflikt steht bevor“.

Für ihren Wahlkreis Nürtingen mit seinen vielen Zulieferern für die Automobilindustrie steht die digitale Transformation der Wirtschaft ganz oben auf der Agenda, sagt sie. In der Außenpolitik seien gute Kontakte in die Länder des „globalen Südens“ und Aufbauhilfe besonders wichtig, damit die Zahl der Autokratien und Diktaturen nicht weiter zunehme. Wegen ihrer Unterstützung der Frauen im Iran steht sie inzwischen dort auf der Sanktionsliste. „Das war die Retourkutsche“, meint sie, denn sie hatte Sanktionen gegen den Iran und iranische Abgeordnete gefordert. „So läuft es in der internationalen Politik. So what?“

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Die Veranstaltungsreihe „bwg sitzungswoche – Sprechstunde“ ist eine Kooperation von bwg Berliner Wirtschaftsgespräche, sitzungswoche Unabhängiges Netzwerk für Politik, Wirtschaft und Medien, StäV Ständige Vertretung Berlin, Wöllhaf Gruppe und OSI Club mit Unterstützung von Studio Schiffbauerdamm, Landau Media und berlin bubble.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Susanne Stracke-Neumann

Susanne Stracke-Neumann ist freie Journalistin. Für die meko factory berichtet sie über Veranstaltungen.

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