Leere Stadien als Ausdruck der Pandemie

Fußball Eine Fußballsaison fast ohne Publikum sehen wir hoffentlich nicht wieder. Das Trauma der letzten Saison aber bleibt.

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Hätte das von den 1. FC Köln Fans wirklich irgendjemand getan? Falls der 1. FC Köln bei der Super League zu den Gründungsmitgliedern gehört hätte, Jonas Hectors Trikot verbrannt? Wären dann wirklich viele Fans zum Demonstrieren vor das leere Stadion gezogen, ebenso wie die Fans von FC Liverpool und Leeds United – aus Protest gegen eine mögliche Super League? Menschen, die mit Plakaten und Bannern protestierten? Ist damit die Planung der Super League unterbunden? Oder lag es eventuell doch an den plötzlich aufgetauchten Milliarden, welche die UEFA unter der Hand den abtrünnigen Clubs angeboten hat?

Das Stadion blieb leer und die Planung der Super League nur eine Vorstellung. Ein Fußballfan konnte sich dadurch für einen kurzen Moment der Illusion hingeben, dass doch ein Unterschied vorliegt, ob die Fans dabei sind, auch wenn diese hierzu von ihrer eigenen Mannschaft tatsächlich Abschied nehmen und das Trikot der Mannschaft verbrennen müssen. Nun ist die Einsamkeit der Fußballfans nicht mehr das leere Stadion. Vielmehr handelt es sich bei dem leeren Stadion um eine Kathedrale, welche die Fans besuchen, um sich bezüglich des Unterfangens die ganze Größe bewusst zu machen. Wenn Fans die Dämonen und Gespenster vertreiben wollen, können diese in das Spiel gar nicht genug Selbstbeschwörung, Intellektualismus und Religion bringen. In Gedanken stehen Fans vor dem Stadion und denken sich: Der 1. FC Köln steigt noch nicht ab, zumal auch zum großen Wunder vieler Online Wettanbieter. Irgendeine höhere Instanz wird dafür schon sorgen und im Zweifel ist diese höhere Instanz Jonas Hector. Es wäre alles andere einfach zu ungerecht.

Ein Bundeswehroffizier erzählte, dass er leere Fußballstadien in seiner Freizeit gerne aufsuche. Einfach, um ein wenig herunterzukommen. Mit seinem Wagen fahre er dann am Stadiontor vor, gebe sich als Bundeswehroffizier zu erkennen und von der Security werde er dann meist einfach so hereingelassen. Er zelebriere dann seine Einsamkeit. Er erinnert sich, dass das einfach so möglich wäre und er nicht einmal aus dem Fahrzeug aussteigen müsse. Das Stadion ist ein geheimnisvoller Ort, doch zugleich auch eine bedeutungslose und leere Hülle. Nun wird das Spieltag für Spieltag über den Haufen geworfen und es muss manchmal mehr sein, um zu bestehen. Hierbei wird das Stadion entweiht. Die Mannschaften laufen ein und treffen aufeinander. Das ist ein Bruch und die Verletzung von einem ungeschriebenen Gesetz. Dennoch sind die Fans dabei. Sozusagen als teilnehmende Beobachter.

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Geschrieben von

Tatjana Frank

Ich hoffe ich kann trotz meines jungen Alters (Baujahr 1992) mit meinen Beiträgen einen Mehrwert in diesem Forum erzeugen.
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