Das Netz wird international

Internet Die Möglichkeit nicht-lateinische Domains zu registrieren, ist eine wichtige Reform zur Internationalisierung des Netzes. Ägypten macht als arabisches Land den Anfang

Webadressen sind nun endlich auch auf Arabisch verfügbar. Das ist ein erster Schritt auf dem Weg zur Öffnung des Cyberspaces für Domains in einer Vielzahl von Schriftsprachen jenseits der lateinischen. Die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) hatte vor sechs Monaten grünes Licht für nicht-lateinische Domain-Namen gegeben. Ägypten, das bevölkerungsreichste arabische Land, kündigte am vergangenen Donnerstag als erstes Land an, Adressen unter der Domain .misr (مصر) zu eröffnen. „Misr“ ist der arabische Name für Ägypten. Kommunikationsminister Tarek Kamel zufolge sind die ersten drei Firmen, von denen die neue Domain genutzt wird, TE Data, Vodafone Data und Link Registrar. Er begrüßte den Schritt als „Meilenstein in der Geschichte des Internet“.

Von rechts nach links

Anstelle der alten Domain .eg können ägyptische Unternehmen nun das von rechts nach links in arabischen Lettern geschriebene  .misr als Ländercode für inländische Seiten verwenden. Auch Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate werden neue Codes einführen: .Al-Saudiah (السعودية) und .Emarat (مارات). Einer der ersten „internationalisierten Domain-Namen“ führt zur Seite des ägyptischen Kommunikationsministeriums. Sofern ein User auf seinem Rechner die passenden Schriften installiert hat, sollte er den Namen auf Arabisch sehen. Wenn man auf den Link klickt, hängt es vom Browser ab, was man zu sehen bekommt. „Verwirrend für uns, eine Erleichterung für die arabische Welt“, kommentierte die IT-Seite THINQ.co.uk die Neuerung.

Die Reform ist für die Internationalisierung des World Wide Web ein bedeutsamer Moment: Für die Hälfte aller User ist die lateinische Schrift nicht die Mutterschriftsprache. Ein Prozent der Inhalte des Internets sind bislang in arabischer Schrift verfasst – obwohl die 280 Millionen Muttersprachler fünf Prozent der Weltbevölkerung ausmachen – doch bislang waren diese Seiten nur unter Adressen in lateinischer Schrift zu finden, was praktische Probleme verursachte und ein Gefühl sprachlicher Diskriminierung vermittelte.

Gegen Sprachbarrieren

„Dieser große Schritt eröffnet ganz neue Horizonte für E-Services in Ägypten“, meint Kamel. „Die Anzahl der Internet-Nutzer im Land wird steigen und Internet Services haben die Möglichkeit, in ganz neue Marktsegmente einzudringen, indem sie die Sprachbarrieren beseitigen.“

In Ägypten wird der Internetzugang zunehmend günstiger und die Nutzung des Internets auf mobilen Geräten floriert. Die Regierung plant in den kommenden vier Jahren eine Milliarde Dollar in die Erweiterung des Breitbandnetzes zu investieren, um die Reichweite auf 20 Prozent der Bevölkerung zu vervierfachen.

Bloggen ist in vielen arabischen Ländern beliebt. Im Verlauf des letzten Jahrzehnts hat sich die Anzahl der arabischen User um über 2.000 Prozent erhöht. Doch die Inhalte bleiben oft hinter den Erwartungen zurück und die Ausgaben für Werbung sind verschwindend gering. Bei Microsoft und Google rangiert Arabisch unter den zehn wichtigsten Sprachen, auf die sie ihre Aufmerksamkeit konzentrieren wollen und beide Unternehmen arbeiten hart daran, den Zugang zu erweitern. Wer ein eklatantes Beispiel für den aktuellen Rückstand finden will, der muss sich nur das arabische Internetportal von Wikipedia ansehen: Es verspricht weniger Einträge als die katalanische Seite – obwohl Katalan von nur neun Millionen Menschen gesprochen wird.

Übersetzung aus dem Englischen: Christine Käppeler
16:45 10.05.2010
Geschrieben von

Ian Black/ Jemima Kiss | The Guardian

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