Die Rückkehr des Ajatollah Chomeini

Von Pappe Ihr Nationalheld ist tot, aber ein wichtiges Ereignis macht seine Anwesenheit dringend erforderlich. Was tun? Die Iraner haben eine erstaunliche Antwort gefunden

Sie wissen, wie das ist: Sie wollen an ein wichtiges Ereignis aus der Landesgeschichte erinnern, aber der nationale Held, dessen sie gedenken, ist tot. Zudem genießt er ein so hohes Ansehen, dass es respektlos wäre, ihn durch einen Schauspieler zu ersetzen.

Was kann man da machen? Nun, wenn Sie die iranische Armee sind und es bei dem feierlichen Anlass um die Rückkehr Ajatollah Chomeinis aus dem Exil geht, ist die Sache eigentlich recht einfach: Sie ersetzen den Obersten Führer a.D. einfach durch einen gewaltigen Papp-Aufsteller und lassen ihn, getragen von zwei Soldaten, auf der Startbahn eines Flugplatzes auf- und abmarschieren. Fertig.

Aber warum sollte man es damit bewenden lassen? Die Iraner jedenfalls taten das nicht. Wie es sich bei so einem solch zukunftsträchtigen Anlass geziemt, nahm der Papp-Ajatollah gleich auch noch die Ehrengarde ab, bevor er ohne Reibungsverlust gegen eine kleinere Inkarnation des Revolutionsführers ausgetauscht wurde, der dann in einem Jeep entschwand.

Papp-Ajatollah auf dem Mond

Das Ganze mag absurd anmuten, aber es zeigt die Bedeutung, die die Iraner Chomeinis Rückkehr in den Iran beimessen. Die iranische Revolution begann 1977 und der Schah wurde Ende 1978 gestürzt, aber erst die Rückkehr Chomeinis am ersten Februar 1979 unter dem Jubel von Millionen Iranern verleiht der Revolution ihre religiöse Dimension und führte zur Gründung der Islamischen Republik.

Aber zurück zu dem Papp-Aufsteller. Im Laufe der vergangenen Woche ist ihm das gleiche Schicksal widerfahren wie wahrscheinlich jedem belustigenden Bild eines Diktators, das im Internet landet. Soll heißen: Internet-User, dwelche die Kunst des Foto-Shopping beherrschen, haben den Papp-Ajatollah und seine zwei Begleiter auf Bilder montiert, die die Mondlandung, die Amtseinführung Ronald Reagans, die jüngste königliche Hochzeit, das WM-Finale von 2006, die Teheran-Konferenz von 1943 oder den Platz des himmlischen Friedens zeigen. Was noch fehlt, ist eine Signierstunde bei Salman Rushdie, aber auch darauf dürfte uns das Netz nicht allzu lange warten lassen.

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Übersetzung: Holger Hutt
Geschrieben von

Patrick Kingsley | The Guardian

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