Andrew Hankinson
Ausgabe 1617 | 17.05.2017 | 06:00 34

Papa braucht Mama

Selbstporträt Andrew Hankinson hat studiert und eine eigene Familie mit drei Kindern gegründet. Heute ist er 36 – und noch immer auf das Geld seiner Mutter angewiesen. Kein Einzelfall

Sieben Jahre ist es her, da schrieb ich für den Guardian ein Feature über die Ungerechtigkeit zwischen den Generationen – über unerschwinglichen Wohnraum, teure Bildung, miese Jobs und das Menetekel der Altersarmut, das jungen Leuten wie mir konstant im Nacken sitzt. Meine Thesen und Behauptungen wurden unter anderem im irischen Parlament zitiert und von verschiedenen Schriftsteller-Kollegen aufgegriffen, der Text bescherte mir Einladungen zu Radio- und TV-Sendungen, wo ich über das Thema diskutieren sollte. Nun, da die Wirtschaft sich allerorten zu erholen scheint, wurde ich gebeten, ein Update zu schreiben: Wie sieht es für die jüngere Generation heute, im Jahr 2017, aus?

Blicken wir aber erst noch einmal zurück in das Jahr 2010: Etwa acht Monate nachdem ich besagten Text geschrieben hatte, setzte ich alles auf eine Karte. Meine schwangere Frau und ich zogen von London zurück in den Nordosten des Landes, in die Nähe unserer Familien. Meine Frau hatte dort einen Job in Aussicht, ich begann, ein Buch zu schreiben. Dort oben, in Newcastle, konnten wir uns immerhin eine Wohnung leisten, die für Menschen ebenso bewohnbar war wie für Mäuse und Pilze.

Meine Frau brachte unser Kind zur Welt. Sie hätte gern ein bescheidenes Haus für unsere kleine Familie gekauft. Aber daran war mit unseren Einkommen nicht zu denken. Als Freiberufler fand ich an drei Tagen die Woche Zeit, zu arbeiten, den Rest widmete ich der Kinderbetreuung, die meine Frau und ich uns teilten. So kam ich auf ein Jahreseinkommen von sage und schreibe rund 6.000 Pfund Sterling, was etwas über 7.000 Euro entspricht. Immerhin schrieb ich an einem Buch, das einmal etwas mehr einbringen sollte. Aber das überzeugte die Bank nicht. „Sehr geehrter Kredit-Mensch, bitte leihen Sie mir Geld, ich bin schon bei Kapitel 6.“

Meiner Mutter war klar, dass wir zu kämpfen hatten. Sie bot mir immer wieder Geld an, aber ich lehnte jedes Mal ab, denn ich wollte nicht einer von denen sein. Eines Tages ging ich mit meinem Sohn in die öffentliche Bibliothek, um ihm etwas über freche Enten vorzulesen, als mein Telefon klingelte. Schon wieder war es meine Mutter: „Andrew, ich kann dir 500 Pfund geben“, sagte sie. Erst lehnte ich erneut ab. Aber dann wiederholte sie ihr Angebot – und das war es dann: Ich wollte „Ja, okay“ sagen, aber ich konnte nicht, weil ich in Tränen ausbrach. Mitten in der Bibliothek. Wie ein Bekloppter. Mein Sohn sah mich verwundert an. Ich hatte zuvor schon mal geweint, weil ich kein Geld hatte. Aber dieses Mal weinte ich nicht aus Verzweiflung oder Stress, sondern weil meine Panik sich auf einen Schlag in Dankbarkeit und Erleichterung verwandelt hatte: Meine Mutter liebte mich und würde sich um mich kümmern. Ich war 32 Jahre alt.

Meine Mutter hatte mir in der Vergangenheit bereits genug Geld angeboten, um die Anzahlung für ein kleines Haus leisten zu können. Ich hatte immer abgelehnt. Aber nachdem ich nun einmal „Ja“ gesagt hatte, fiel es mir nicht mehr schwer. Ich dachte an Bekannte mit wohlhabenderen Eltern, denen bei der Anzahlung ebenfalls geholfen worden war. Es schien normal. Also fragte ich meine Mutter, ob das Angebot noch immer stand. Sie gab uns umgerechnet 14.000 Euro, plus weitere 2.300, um die Schulden meiner überzogenen Kreditkarte abzubezahlen. Meine Frau und ich konnten die Bank schließlich doch noch überreden, und so kauften wir uns für rund 175.000 Euro ein Haus in einem kleinbürgerlichen Vorort von Newcastle.

Kurz nach dem Einzug brachte meine Frau unser zweites Kind zur Welt, und ich bekam einen Job bei einem Magazin, arbeitete dort vier Tage die Woche, mit einem freien Tag für die Kinderbetreuung. Es war ein richtiger Job, bezahlte Arbeit. Allerdings verdiente ich damit im Jahr nur 20.000 Pfund, nicht einmal 25.000 Euro. Je öfter ich über meine Zukunft nachdachte, desto klarer wurde mir, dass mehr Geld in ihr vorkommen sollte. Musste! Ein befreundeter Universitätsdozent riet mir zum Aufsatteln – zu einem Lehramtsstudium, Lehrkräfte werden schließlich immer gebraucht. Ich befolgte seinen Rat und schrieb mich für ein Master-Studium ein.

Der Brexit als Kampfansage

Mittlerweile war mein Buch erschienen. Es verkaufte sich ganz gut. Den Redakteuren einiger Magazine gefiel es und sie fragten mich, ob ich für sie schreiben wolle. Aber ich musste alle jene Anfragen ablehnen – ich hatte ja einen festen Job bei einem anderen Blatt, ich durfte und konnte nicht. Außerdem studierte ich zusätzlich noch, das war Mehrbelastung genug. Nachdem ich meinen Master gemacht hatte, hängte ich den schlecht bezahlten Job an den Nagel und konzentrierte mich erst einmal wieder aufs Bücherschreiben.

Es ist nicht leicht, wie man das bei einem Schriftsteller auch nicht anders erwarten würde. Aber immerhin: Seither musste ich mir nichts mehr von meiner Mutter leihen. Das heißt: Eigentlich musste ich nicht mehr. Bis letzte Woche, wo ich sie doch noch einmal um umgerechnet 2.500 Euro bitten musste, wegen der Steuern, die ich als Freiberufler abzuführen hatte. Mittlerweile hat meine Frau noch ein Kind bekommen. Das muss man sich mal vorstellen: noch mehr Kindergeld! Ja, genau: Zu der Sorte gehören wir. Wir verließen das kleine Haus und zogen um, in ein größeres in einer weniger schicken Gegend. Insgesamt ist das alles großartig, ganz großartig. Außer dass ich selbst nichts getan habe, um irgendetwas davon zu verdienen. Ich hatte einfach nur die richtige Mutter.

„Mit dem Brexit haben die Alten den Jungen den Krieg erklärt, und die Jungen sollten reagieren, indem sie ihnen den Mittelfinger zeigen“, hat der Ökonom Danny Blanchflower vor einigen Monaten gesagt. Jetzt rief ich ihn an, denn er ist einer von denjenigen, mit denen ich schon 2010 gesprochen hatte. Damals prophezeite er eine „verlorene Generation“, nicht nur für Großbritannien. Eine große Gruppe junger Erwachsener, deren Leben von Arbeitslosigkeit oder von lächerlich geringen Einkommen geprägt sei. Bevor wir uns nun wieder trafen, las ich Statistiken. Diese sagen, dass das Jammertal durchschritten sei, jedenfalls in England: Die Jugendarbeitslosigkeit liegt jetzt bei zwölf Prozent, so niedrig wie seit 2004 nicht mehr. Unterdessen nahm die Zahl der Selbstständigen stark zu. Und: Die Leute gehen wieder einkaufen!

Juhu – möchte man da fast rufen. Nur leider haben viele, die in den schönen Shopping-Passagen arbeiten, keine richtigen Verträge. Und viele besonders gut ausgebildete junge Leute haben ihre Arbeitslosigkeit gegen einen miesen Job in der Gig-Economy eingetauscht, als billige Dienstleister für die Online-Branche. Michael Sanders, Mitglied des Finanzausschusses, sprach Anfang des Jahres von einer massiven Ausbreitung „irregulärer Beschäftigungsverhältnisse“. Wörtlich sagte er: „Manche bevorzugen flexible Arbeitsstrukturen oder versuchen, mit einer Selbstständigkeit beruflich Fuß zu fassen oder noch einmal einen Neuanfang zu machen.“ Es sei aber zu bedenken, „dass diese weniger sicheren Arbeitsformen im Durchschnitt auch schlechter bezahlt sind“.

Tatsächlich arbeitet etwa die Hälfte aller britischen Hochschulabsolventen in Jobs, für die sie überqualifiziert sind. Ohnehin stagnieren die Reallöhne. Millionen junger Leute versuchen, den Berg der Austerität zu erklimmen – nur um irgendwann zu merken, dass es sich gar nicht um einen Berg handelt, sondern um eine dieser Tretmühlen, die in Fitness-Studios stehen und aus denen sie niemals wieder herauskommen werden. Man arbeitet, man zahlt Steuern, leistet seinen Beitrag zur Gesellschaft. Das Problem besteht nur darin, dass man in diesen neuen Jobs nicht genug verdient, um damit das Leben eines souveränen Erwachsenen zu führen. Sie bieten keinerlei Aufstiegsmöglichkeiten oder Sicherheiten.

Als ich 2010 über die Generationen-Ungerechtigkeit schrieb, interviewte ich auch den Journalisten Martin Bright, der die Creative Society gegründet hat, eine Organisation, die jungen Leuten helfen will, Arbeit in der Kreativwirtschaft zu finden. Damals klang er recht optimistisch. Nun, sieben Jahre später, sagt er: „Mittlerweile lautet die politische Botschaft, das Problem mit der Arbeitslosigkeit sei beseitigt. Deshalb ist es heute sogar noch schwerer, arbeitslos zu sein.“ Während die allgemeinen Wirtschaftsdaten sich erholten, haben sich die Bedingungen für Arbeitslose verschärft. „Heute geht man im Grunde zum Arbeitsamt, um sanktioniert zu werden. Dieser ganze Prozess ist so unangenehm, dass man alles andere lieber täte.“ Und er fährt fort: „Äußerst beunruhigend ist das Ausmaß an psychischen Erkrankungen, das wir beobachten.“ Aha. Hunderttausende empfindlicher Sensibelchen sind da herangewachsen! Deprimiert von ihren miesen Jobs, dem Mangel an Gestaltungsmöglichkeiten und trüben Zukunftsaussichten. Was für eine verschrobene Generation! Nicht wahr?

Bright sagt: „Um als menschliches Wesen zu überleben, braucht man ein Gefühl von Identität.“ Diese Identität bezog man früher aus seiner Rolle im Berufs- und Familienleben. „Aber heutzutage sind viele junge Erwachsene dazu verdammt, ewig darauf zu warten, etwas oder jemand zu sein.“ Mein Freund Tom ist so einer. 25 Jahre ist er jung, und völlig niedergeschlagen, weil er seit einer ganzen Weile schon einfach keinen Job findet, gar nichts. „Es ist leichter, diejenigen Freunde aufzuzählen, die keine Probleme mit Angstzuständen und Depressionen haben, als die anderen“, sagt Tom. Das erinnert mich an eine Phase vor gut zehn Jahren, in der auch ich keine Hoffnung hatte. Ich lag oft wach in meinem Bett und fantasierte davon, einfach in den Wald zu gehen und mich dort hinzulegen, bis alles aufhört.

Nachdem meine Mutter mir all das Geld gegeben hatte, fühlte ich mich ihr gegenüber schuldig. Jenes Schuldgefühl nimmt merklich ab, seit ich herausfand, dass sie Abertausende von Pfund gespart hat, einschließlich einer Abfindung, die sie bei ihrer Entlassung aus einem Normalarbeitsverhältnis bei einer Bank bekam. Nun arbeitet sie in Teilzeit beim Kaufhaus Marks & Spencer; außerdem erhält sie schon ihre staatliche Rente sowie Zahlungen aus einer privaten Altersversicherung. Als Seniorin bekommt sie zudem jährlich rund 230 Euro Zuschüsse für Heizöl und ein kostenloses Busticket – das sie nicht nutzt, da sie sich einen BMW leisten kann. Sie kann noch von all den alten sozialen Spielregeln profitieren, die für uns nicht mehr gelten.

Das monatliche Einkommen meiner 66-jährigen Mutter – noch mal: einer Rentnerin! – ist also deutlich höher als das ihres berufstätigen Sohnes von Mitte 30, Vater von drei Kindern. Sie muss auch kein Studiendarlehen zurückzahlen, denn Bildung und Ausbildung waren für ihre Generation noch kostenlos; ihr Haus ist schon seit Jahrzehnten abbezahlt, und zu ihrem Vergnügen bestellt sie kistenweise Wein in Onlineshops und meldet sich bei Facebook manchmal überraschend mit Grüßen von irgendeinem italienischen See.

Wer hat wen reingelegt?

Ganz ernsthaft frage ich: Sollten soziale Extras nicht auch denjenigen zugutekommen, die noch keine Ersparnisse anhäufen konnten und die gezwungen sind, in eine Arbeitswelt einzutreten, in der es immer weniger gut bezahlte Langzeitarbeitsplätze gibt? Auch wenn sie so gut ausgebildet sind, wenn sie an der Schule und den Unis so viel geleistet haben wie noch keine Generation vor ihnen? Hier wäre ein Anfang: Gebt Selbstständigen unter 35 Freikarten für den ÖPNV. Gewährt jedem von ihnen ein Startkapital von vielleicht 500 Euro, damit sie Werbung für das eigene Ich-Unternehmertum machen können: „Hallo, hier bin ich, ab jetzt kann man mich buchen!“ Wenn jemand eine Weiterbildung macht, um seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen, lasst ihn diese als Geschäftsausgaben deklarieren. Reduziert die Sozialversicherungsbeiträge dieser Leute. Zahlt auch Selbstständigen das volle Elterngeld und reduziert den Anteil, den man von seinem Studienkredit zurückzahlen muss.

Ökonom Blanchflower geht sogar noch weiter: „Ich finde, die Jungen sollten fordern: ,Gebt jedem jungen Menschen, der sich ein Haus kaufen will, 100.000 Pfund und kürzt die Renten dafür um 50 Prozent.̒ Das klingt radikal, aber das solltet ihr Jungen machen. Sagt einfach: ,Ihr habt uns reingelegt, jetzt legen wir euch rein.‘“ Meiner Mutter gegenüber würde ich das nicht erwähnen. Ich glaube auch nicht, dass es funktionieren würde, Rentnern zu drohen. Es muss andersherum laufen: Wir Jüngeren sollten wählen, in Parteien eintreten, Abgeordnete werden. Wir sollten nach der Macht greifen, und zwar jetzt.

Andrew Hankinson hat diesen Text als Gastautor für den Guardian verfasst

Übersetzung: Holger Hutt

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 16/17.

Kommentare (34)

Michaela 21.05.2017 | 08:51

.... schon das zweite Haus,..... möchte wohl gerne auch von irgendwelchen italienischen Seen aus - twittern, sich "instagrammen", "facebooken"......., hat wohl noch keinen BMW (wie schrecklich!)..... oh Du armer, konditionierter Mensch, was würdest Du ändern - wärst Du an der Macht? Sein Buch handelt von einem zutiefst unglücklichen Menschen, der im Knast saß, der wirklich ganz Unten war, der aus Wut Amok lief, der über Viele Tage das Ziel einer Menschenjagd war und am Ende in die Enge getrieben sich selber getötet hat - das war sein bisher größter ökonomischer Erfolg, dieses Elend für sein Einkommen zu instrumentalisieren. Das Buch ist lesenswert, doch Hankinson ist nicht nur ein guter Erzähler, bzw. Journalist, er ist vor allem auch ein exemplarisch getrimmter, sich nach Kaufkraft sehnender Funktionsmensch, der das wundervoll hier aufzeigt - Wann hab ich endlich MEIN Haus, MEIN Auto, MEIN Vergnügungsbudget.......etc. etc. etc. .............. sein Hirn lechzt danach, seinen Intellekt sucht er zu vermieten, so gut wie irgend möglich - damit zählt er zu den 99,9% im Stall und vielleicht ist er klug genug, es ins Farmhaus zu schaffen, dort wo alles ein bisschen "schöner" und "luxuriöser" ist - ja - am Ende träumt er gar von der Macht - sprich er wäre gerne Farmer, statt Vieh.

gelse 21.05.2017 | 10:13

>>Gebt jedem jungen Menschen, der sich ein Haus kaufen will, 100.000 Pfund…<<
Wieviel Grundstücke und Häuser werden gebraucht, wenn jeder junge Mensch ein Haus besitzen will? 2 Milliarden, 3 Milliarden? 300 Billionen Pfund?

Scherz beiseite, also nur jeder junge Mensch in Grossbritannien. Auch ein paar Millionen, über den Daumen gepeilt 16 Mio. Macht 160 000 000 000 0 Pfund. Für 16 Mio. Grundstücke, um die Insel fast vollständig mit Einfamlienhäuslein zuzubauen.

Noch mal Scherz beiseite. Gemeint sind natürlich nur Mittelschichtsabkömmlinge, denen der kapitalistische Wind schärfer ins Gesicht bläst als ihren Eltern.

denkzone8 21.05.2017 | 10:54

muß man erst so berühmt und gut-bezahlt sein wie

mark knopfler, sting, hank marvin oder eric burdon

(alles: geordies)

um für sich und seine brut einen kredit für einen

haus-kauf in newcastle zu ergattern?

die zunahme prekärer ausbeutungs-verhältnisse

läßt den kreis kredit-würdiger schrumpfen.

kinder-haben ist ein wettbewerbs-nachteil,

ausbildung und weiterbildungs-bereitschaft

ist kein plus mehr in der waag-schale.

wohn-regionen erweisen sich als finanzielle

no-go-areas.

häme gegen menschen, die nicht der arbeiter-und bauern-klasse zugehören, sollten sich alle verbieten, die an system-änderungen

auf mehrheits-basis interessiert sind.

in diesem sinne wünsche ich dem scherz-beiseite-räumen:

endlich erfolg.

Barbara 21.05.2017 | 11:01

Mein Mitleid hält sich in Grenzen. Es ist mir durchaus bewusst, in welcher Lage sich ein Teil der heutigen Jugend befindet. Aber ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass dieser hier den Schuss noch nicht gehört hat, da wird einfach mal ein Haus gekauft, da wird ein Job aufgegeben, um Bücher zu schreiben, obwohl man ja eigentlich Lehrer werden wollte und ständig ist Mama (oder Papa) im Hintergrund und gibt Geld. Vielleicht sollte sich der Autor mal etwas mit den Realitäten beschäftigen und nicht ein Kind nach dem anderen machen, bei den Präkariaten rümpft man die Nase, wenn die so viele Kinder machen, und hier, wo ich doch davon ausgehen könnte, dass hier schon mal die Aufklärung stattgefunden hat, da schert man sich einen Dreck drum. Außerdem wäre es auch gut, politisch zu handeln, statt zu jammern. Es ist schwer, ohne Frage und es tut mir auch leid, aber dieser hier hat mein Mitleid nicht.

gelse 21.05.2017 | 11:27

>>...häme gegen menschen, die nicht der arbeiter-und bauern-klasse zugehören, sollten sich alle verbieten, die an system-änderungen

auf mehrheits-basis interessiert sind.<<
Na ja, der Artikel zeigt wie schwierig es mit der Mehrheitsbasis ist: Die 100 000 Pfund fürs Häuslein fein müssen ja irgendwo herkommen. Auf keinen Fall von der herrschenden Besitzerklasse, denn der möchte man sich ja andienen.
Also von denen, deren Eltern auch nie ein Haus besassen. Am Besten per Mehrwertsteuer und weiterer Kürzung der Armutsrente.
Mit dieser Blase können sich Garnichtsbesitzende nicht solidarisieren: Sie würden sich ins eigene Fleisch schneiden.

Michaela 21.05.2017 | 11:46

Tja, ich lebe nicht in ein Höhle, sondern in einem verlassenem Gehöft. Der Salon der für alle Menschen darstellbar wäre, er ist in der Tat ein ansprechender, nur mich kotzt es an, sich im Salon zu räkeln, während vor der Türe die Massen krepieren! Solange die Türen nur geöffnet werden, so man zu einem anbiederndem Sklaven mutiert, kann mir die Bequemlichkeit gestohlen bleiben. Genau das ist die Entscheidung, vor die sich hierzulande noch die meisten gestellt sehen, doch keine Bange, es werden immer mehr, denen diese Entscheidung erspart bleibt, für die bleiben die Türen auch geschlossen, wenn sie sich Arme und Beine abschneiden und mit ihren Hirnen auf Silbertabletten hausieren gehen - sie sind schlicht überflüssig! Doch jeder der die Entscheidung für den Salon trifft, der sollte sich dessen gewahr werden, es könnte auch ihm passieren, dass er einen Arschtritt erhält, den im Salon selbst, ist das Aufenthaltsrecht nur sehr, sehr wenigen vollkommen gesichert. Die Entscheidung sich freiwillig von der Türe fern zu halten, sie wird leider mit der Sucht nach Steinzeit verwechselt - ein beliebtes Bild bei den feigen Massen, die sich selbst belügen müssen, um ihre willige Würdelosigkeit ertragen zu können.

denkzone8 21.05.2017 | 11:49

ihre auslassungen sind leider keine aus-rutscher,

sie scheinen mir symptomatisch für koalitions-unfähige,

die sich als links mißverstehen:

das geld fürs häuschen wird durch verschuldung und zins-

zahlungen erbracht.

der herrschenden besitzer-klasse dienen sich ca.90 prozent

der menschen an, die nicht beim staat buckeln

oder unter welchen bedingungen auch immer :

ihre arbeit zu markte tragen.

janto ban 21.05.2017 | 15:28

Plädiert der Beitrag nun für 'jung gegen alt' oder für 'jung mit alt'..?

Kenne ich. Und meine Mutter kennt es auch. Janto, sagt sie ab und zu zu mir, ich darf den jungen Kerlen, die als Leiharbeiter zu uns kommen, gar nicht erzählen, was ich verdiene. Wenn sie hört, was die die Stunde bekommen, fragt sie sich, wie die damit klarkommen wollen, sagt sie.

Und das frage ich mich auch. Und ich will auch nicht hören, was meine Mutter nach 25 Jahren in einem metallverarbeitenden Unternehmen mit produktionshelferischer Arbeit je Stunde verdient. Da träume ich von. Und von Rente leicht oberhalb des sog. Existenzminimums. Aber das kann ich wohl vergessen.

12 €/h bekomme ich im Moment. Da träumen viele andere von. Aber Mutti sagt, ich verkaufe mich unter Wert. Die hat mehr Panik davor, dass ich im Alter nicht klarkomme, als ich. Ohne Kinder, die mich im Alter unterstützen könnten. ??? Hääh..?! So herum war das doch mal. Muss lange her sein...

Sägerei 21.05.2017 | 20:33

Wir können nicht alle davon leben, uns gegenseitig die Haare zu schneiden, Bunte Bilder und schrille Töne um die Ohren zu hauen oder uns gegenseitig unsere Bücher zu präsentieren. Jedenfalls nicht unter diesem Regime. Sozialer Frieden wird erst wieder einkehren wenn der Kommunismus gesiegt hat oder wenn wir allesamt wieder um unser täglich Brot kämpfen müssen. Das eine schließt das andere eben nicht aus. Die Verhausschweinung des Menschen müsste entweder aktiv durch ihre Opfer gestaltet oder beseitigt werden. Aber dieses Herumlamentieren ziemt sich nicht für so junge Männer wie Andrew.

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Ehemaliger Nutzer 21.05.2017 | 20:35

@barbara

Volle zustimmung zu "Mein Mitleid hält sich in Grenzen."

Die Wirtschaft sucht händeringend nach willigen jungen Leuten. An den Hochschulen kommen die Unternehmen zum "Vortanzen", um junge Leute für sich zu gewinnen.

Wer halbwegs gut ausgebildet ist, hat oft die Qual der Wahl.

Das Geheule und der Ruf nach Muttern ist daher aus meiner Perspektive unangebracht.

Wenn man nicht arbeitswillig ist, darf man sich auch nicht wundern, dass der Geldbeutel leer bleibt.

Eine "Mitschuld" an dieser Situation haben Eltern wie ich, die ihre Kinder zu sehr in Watte gehüllt haben.

denkzone8 21.05.2017 | 20:55

um halbwegs-gut-ausgebildete tanzt kein personal-chef.

es gilt die devise: leiste was, ohne ansprüche zu stellen.

wer willig ist, anderen gegenüber auf gehalts-teile zu verzichten,

darf sich als könig auf dem arbeits-markt fühlen.

ob sie ihre kinder in watte oder stahl-wolle gehüllt haben:

wenige sind gut präpariert auf die fräsenden wirk-zeuge

der vor-findlichen wirtschaft, die auf spänen programmiert sind.

miauxx 21.05.2017 | 21:17

Ich schätze die Offenherzigkeit des Autors. Natürlich fragt man sich, wie einer mit 6000 Pfund Jahreseinkommen - wenn es gut läuft - auf die Idee kommen kann, sich ein Haus zu kaufen und dieses nach und nach mit Kindern zu füllen, während er sich doch gleichermaßen Sorgen um's eigene Alter macht.

Aber nein, nicht jeder soll und kann ein Eigenheim haben. Dabei wird es ja immer härter - die fetten Jahren sind wohl auch in Europa vorbei. Man lese hier nebenan auch nur den Bericht aus Spanien.

C. K. Dexter Haven 22.05.2017 | 17:49

Beim vorletzten Absatz des Textes schwindet meit Mitleid auch ein wenig, denn wenn es sich Menschen nach einem langen Arbeitsleben leisten können, Fotos von itanlienischen Seen bei FB zu posten, oder so unglaublichen 'Luxus' wie Wein, na dann: schön für sie! Wieso bekrittelt man sowas?

Schön, dass die Antwort darauf gleich im darauffolgenden letzten Absatz erfolgt. Und es ist (sorry: mal wieder) jemand aus der Ökonomie, der hier entweder keinen Schimmer hat von realen Machtverhältnissen und Kausalitäten durcheinander bringt, oder einfach nur Müll erzählt. Die "Älteren haben die Jüngeren reingelegt?" Das ist genau die Sozialneidsrhetorik, mit der man Menschen aufwiegelt und von den eigentlichen Verursachern (Arbeitgeber und Politik) ablenkt.

Haben 'die Alten' etwa gefordert: "Bezahlt die jüngeren Generationen viel schlechter als uns! Wenn auch Dreißigjährige Urlaub an italienischen Seen machen können, macht uns unser Wohlstand keinen Spaß!"?

Nein. Arbeitgeber, in allen möglichen Branchen, in Europa und den USA, wollen im Großen und Ganzen keine Löhne mehr zahlen, die den Menschen eine solide Existenz ermöglichen. Und das immer gerne mit dem Verweiß auf den angeblich gefährdeten wirtschaftlichen Erfolg und die gnadenlose Konkurrenz aus Fernost. Und sie lachen sich schlapp, wenn ein Ökonom behauptet, der Konflikt verlaufe zwischen jung und alt.

John St.Clair 22.05.2017 | 19:16

Bis zum letzte Absatz dachte ich noch, dass endlich endlich einer mal die kritische Intelligenz aufbringt und die Frage stellt was denn so hinter den Kulissen unserer neoliberalen Lügendemokratie so läuft, wenn bei vervierfachtem BIP die Lohnempfänger so drastsich unverschämt um ihren Anteil betrogen werden, dass nur noch ein Haufen weinerlicher Versager herauskommt. Und dann verkauft er im letzten Absatz mit dem vor Dummheit und Niedertracht stinkenden Fressneid auf die Alten allen Ernstes den widerlichsten divide et impera Propagandatrick der Neoliberalen als "Lösung."

Nein, bei soviel selbstgerechter Niedertracht und Feigheit vor der räuberischen Kapitalklasse geht es ihm noch immer viel zu gut. Da muss erstmals Wühlen in derMülltone her, bis wieder klares Nachdenken über klare Interessengegensätze einsetzt.

Magda 22.05.2017 | 19:51

Ich musste mich da erst mal durchkämpfen. Eigentlich habe ich das mehr so als Information über prekäre Arbeitsverhältnisse, Lebensstile und den Alltag von jungen Leuten gelesen. Es ist eine harte Durchwurstelei, das wird deutlich. Der Umgang mit Mieten, Wohnen und Hausbau ist in jedem Lande auch unterschiedlich.

Dass es zwischen den Generationen ungerecht zugeht, das wird sicherlich nicht nur für Großbritannien diskutiert. In Griechenland leben Kinder allerdings auch von den Eltern, deren Renten gerade wieder gekürzt werden.

Mit Umverteilungsparolen ist das aber nicht gelöst, sondern eher mit der Forderung nach besseren Arbeitsbedingungen.

Und das ist ja auch im letzten Absatz so resümiert.

Magda 22.05.2017 | 19:53

Und dann verkauft er im letzten Absatz mit dem vor Dummheit und Niedertracht stinkenden Fressneid auf die Alten allen Ernstes den widerlichsten divide et impera Propagandatrick der Neoliberalen als "Lösung."

Ich glaube, dass tut der Autor nicht. Es wird auch immer zu schnell gelesen und manche Ironie nicht gesehen. Ich zitiere darum nochmal den letzten Absatz:

Ich glaube auch nicht, dass es funktionieren würde, Rentnern zu drohen. Es muss andersherum laufen: Wir Jüngeren sollten wählen, in Parteien eintreten, Abgeordnete werden. Wir sollten nach der Macht greifen, und zwar jetzt.

Magda 22.05.2017 | 20:04

Es ist immer toll, Gelse, wie Sie die Leute so gewerkschaftsmäßig anfeuern. Links sein ist so schön, von der gemütlichen Couch aus, was?

Haben Sie in der Gewerkschaft immer gekämpft oder nicht auch ein bisschen gekungelt, nein?

http://genuss-ist-notwehr.de/?p=3113

Hier schreibt ein Kollege sehr ernüchtert auch über die Gewerkschaften.

Ziemliche Heuchelei und ärgerlich, Sie manchmal zu lesen. Die eigene Klientel im Blick ansonsten wohlfeile Parolen für den Rest.

na64 23.05.2017 | 08:49

In Parteien eintreten!?. Nein danke.
Rumjammern!?. Nein.
Warum meint man, wir sind alle Verlierer!?.

Für Parteien und andere die scheinbar auf der Verlierestraße zu finden sind. Falsche Selbsteinschätzung.

Wie erziehe ich ein Bewusstsein, welches suggeriert das die Maximen aus der Vergangenheit noch Wertigkeit als gewohnte Glaubensblase einer Entstehungsgeschichte als Operation Wundrland, immer noch in dieser heutigen Zeit das Arbeiten der Parteien und Ihren Interessen bestimmt, was eigentlich nicht mehr in der heutigen Zeit von den Bürgern gelebt werden kann, da sich die Arbeitswelt und Ihre sozialen Werte sich im kapitalistischen Sinn, sich aus diesem Wunderland Optimismus Bewusstsein entfremdet und entfernt hat!?.
Was ist sozial an uns selbst. an unserem Umgang mit Wertigkeitsoptimierung!?.
Was ist Umweltbewusst an dem Umgang mit unserer Umwelt und mit uns selbst!?.
Diese Fragen werde ich nicht beantworten, da es keine Gerechtigkeit in unserem bewusst lebenden System von Arbeit und seine Verkörperung in immer neue Ungleicheitsmodelle und dessen Ungerechtigkeit erstrebt werden soll, da es sonst keinen Fortschritt an Wachstum geben kann. Wir denken so und handeln auch dementsprechend. Wer was anderes erzählt verkauft eine Mogelpackung.
Das Thema Arbeit in einer Arbeiterpartei besteht scheinbar nur aus dem erarbeiten von eigenen Ansichten, um alte Linien im glaube an das operierte Wunderland aus den 50zigern als Mogelpackung für ein immer treues und blindes Vertrauen an gewohnter Motivation des sozialen Aufstiegs für Alle verkaufen zu können und keiner der Parteiangehörigen Gläubiger merkt, dass dies eine Weltfremde Darstellung der wirklichen Realität entspricht.
Die Wähler sind mit Ihrem Bewusstsein ganz woanders, mit: Wenn kann ich in meinem Arbeitsplatzumfeld zerhackstückeln, damit ich meinen Arbeitsplatz noch behalten kann. Anregungen für diese Vitale Aggressivität bekommt man im Fußballstadion.
Ich liebe es wenn Parteien nur noch Dialoge aus dem Sport benutzen, oder sind es die Medien die mit Absicht solche Dialoge provozieren um Dummheit in Form von Einfallslosigkeit präsentieren zu können. Wenn so was zustande kommt, dann hat sich auch das Bewusstsein in den Parteien über Sauerstoffmangel und ausbleibender körperlicher, wie geistiger Bewegung selbst erstickt. Die Wertigkeit der Parteien und Ihrer "politischen" Arbeit wird dadurch nebensächlich und lächerlich, durch das verkörpern von Menschen mit geringer kreativer und geistiger Beweglichkeit fernab von der Konformität. Nicht die Konformität bringt den gewünschten geistigen kreativen Fortschritt für ein Erfolgsbewusstsein auf dem wir alle schwimmen wollen, sondern der Blick auf die Verhältnisse im Bereich Infrastruktur Arbeit und Verkehr, wo ganz neue Denkmodelle gefordert werden.
Oh, nein. Bitte nicht das, wir als Partei wollen die Wahl gewinnen und brauchen ein Programm das die Demenz der Bürger unterstützt.
Aber Hallo. Im Fußballstadion trägt man dann die Demenz zu gruppierten Kriegszonenspiel und versucht das geistige Vakuum, welches durch die Infrastruktur Arbeit und Verkehr erzeugt wurde wieder Sauerstoff zu zuführen, für eine Reanimation der Urmotivation über Arbeit macht Frei.
So welche Partei wählen Sie jetzt dann!?.
Eigentlich kann man gar keine Partei wählen, da jede Partei eine Mogelpackung darstellt und die Interessen die der Bürger hat nicht darin vorkommen.
Warum gibt es dann keine neuen Parteien die ein neues kultiviertes Niveau kreieren wollen!?.
Die besten Ideen entstehen in einem eingeengten Zwang (fremd erzeugter einengender Zwang) aus dem man sich befreien möchte und als zweite Option Ideen die man so nebenbei, ohne das man an Ihnen richtig ernsthaft (ernsthaft erzeugt selbst verursachter einengender Zwang) arbeitet. Am besten ist es aber im Lernmodus zu arbeiten, da man dadurch Fehler machen darf und diese Fehler bringen die neuen Ideen. Wie Kinder, die lernen auch über Fehler bei Ihrer Erziehung zu Ihrem Zukunftsmodell an Vorstellung, wie Ihr Leben, wenn Sie mal groß sind sein soll.
Wie soll jetzt die Infrastruktur Arbeit und Verkehr in 10 Jahren sein!?.
Das ist eine Frage an der die ganze Welt denken und arbeiten sollte. Fehler sind dabei erwünscht, denn die bringen die wirklich guten Ideen.

poor on ruhr 23.05.2017 | 13:45

Hier eine gescheite Position zu entwickeln faellt mir schwer. Ich kann Vieles von dem Geschriebenen gut verstehen,-zu einem gewissen Teil auch aus eigener Erfahrung. Finde die Argumente der Kritiker/innen aber auch nicht vollkommen aus der Luft gegriffen. Ein besseres Leben fuer sich und die Seinen zu wuenschen ist legitim. Der Rest der Welt sollte dabei nicht vergessen werden. Ich habe mich zeitlebens eigentlich immer nur nach diesem ganz normalen Leben, dass alle haben, gesehnt . Das hat nie so richtig geklappt. Sicher fielen da auch Fehlentscheidungen wie etwa falsche Studiumswahl rein, die dann auf einen Markt traf, der mangelnde Stromlinienfoermigkeit meistens gnadenlos aussortiert. Was mich linkem Denken naeher gebracht hat, war der Aerger darueber, war meine Wahrnehmung darueber wie ich mich als solcher Mensch vom System ungerecht behandelt fuehlte. Heute ist mir natuerlich klar, dass es auf der Welt noch viele weit schlimmere Ungerechtigkeiten gibt. Mit der Altersarmut habe ich mich im Gedanken schon arrangiert in der Hoffnung dass es irgendwie schon gehen wird und dass man nahe an den 60ern irgendwie seinen Weg schon zu Ende schafft bis dann das unendliche Nichsein kommt. Auch Hartz IV verliert seinen Schrecken. Das ist eben das System,aber wenn Frau von der Leyen bei denen mit 45 Beitragsjahren von denen spricht, die alles richtig gemacht haben, mag sie formal recht haben, aber gefuehlt ist es ein Schlag ins Gesicht fuer Jahrzehnte Leben mit vielen Einschraenkungen. Ich war nie auf jemanden neidisch, aber wenn ich auf der Zeche geblieben waere, haette ich wahrscheinlich schon 10 Jahre Rente und haette vorher einen vom Steuerzahler hochsubventionierten Arbeitsplatz besetzt und einen ueberholten fossilen Brennstoff Produzent. So kann die "Richtigkeit" des Systems dann auch aussehen. Denke aber, dass es noch Teile gibt, in denen das System noch funktioniert.

pleifel 23.05.2017 | 14:47

"Die Wirtschaft sucht händeringend nach willigen jungen Leuten.", die dann eher keine Festanstellung bekommen sollen und von gutem Gehalt ganz zu schweigen. Hier werden doch glatt die Ursachen vertauscht! (Wenn nicht ausgebildet wird - sollen das andere machen oder gezielte Abwerbung im Ausland -, dann wird es auch in gewissen branchen Mangel geben).

Aber wenn man sich ihren Text genauer anschaut, z.B. den noch: "Wenn man nicht arbeitswillig ist, (...), so hat die neoliberale Lehre bei Ihnen offensichtlich gefruchtet.

Was ich an Andrew Hankinson kritisieren würde, wäre zuerst einmal seine lockere Einstellung zum Nachwuchs unter diesen prekären Bedingungen. Zudem ist dann ein Haus einfach außer Reichweite. Also der Situation (für mich) nicht adäquat.

Die Lösung kann nur eine übergreifende zwischen den Generationen sein: was die Arbeitsbedingungen betrifft und die Umverteilung. Jegliches gegeneinander ausspielen ist kurzsichtig und im Interesse bestehender Verhältnisse. Und wer davon profitiert, ist ja häufiges Thema in der FC.

poor on ruhr 23.05.2017 | 15:36

@POOR ON RUHR Mir ist noch wichtig zu bemerken , dass mir Klar ist, dass es nichts bringt in der persoenlichen Vergangenheit zu wuehlen. Man sollte immer nach vorne schauen. Es geht nur darum, dass die Erfahrungen mit dem System mit einem was machen. Das ist ja bei allen Menschen so und jeder verarbeitet seine Erfahrungen anders. Ich habe mich immer gefreut wenn Menschen, die ich kenne Erfolg hatten oder haben. Ich kann aber gut verstehen wenn der Autor des Blogs sich jetzt auch politisch beteiligen will, um ein besseres Leben zu haben. Es waere schoen wenn er und seine Mitstreiter/innen mehr Verteilungsgerechtigkeit erreichen koennten. Richtig gerecht wird es aber erst wenn diese weltweit erreicht wuerde. Mir ist klar, dass das Utopie ist, aber Gerechtigkeit kann doch nur funktionieren, wenn sie fuer alle gilt.

pleifel 23.05.2017 | 16:26

Werter @Poor on Ruhr,
sehr gerne gelesen; da kann ich mich gut hineinversetzen, zudem "meine" Frau aus dem Ruhrpott kommt: da wird direktemang gesagt, was Sache ist!

"Heute ist mir natuerlich klar, dass es auf der Welt noch viele weit schlimmere Ungerechtigkeiten gibt."
Das hört man normalerweise von jenen, die Hartz IV für richtig halten und die Armuts- und Reichtumsentwicklung in Deutschland verharmlosen (sie natürlich nicht!). "Wir" sollten uns um das nahe liegende bemühen und nicht gleich die Welt retten wollen (wenngleich heute auch vieles miteinander verbunden ist).

"Das ist eben das System, aber wenn Frau von der Leyen bei denen mit 45 Beitragsjahren von denen spricht, die alles richtig gemacht haben, mag sie formal recht haben, (...)" und genau das ist die Dreistigkeit gewisser Schichten in Deutschland, die trotz besseren Wissens die Chuzpe besitzen, von 45 Beitragsjahren zu sprechen, die nur von einer Minderheit erreicht wird und zukünftig zur aussterbenden Spezies gehören dürfte.

Ich möchte es nicht gleich Schicksal nennen, aber wenn nicht in der richtigen Zeit am richtigen Ort geboren, dann hilft eigenes Bemühen oft nicht hin, um sich aus diesen Verhältnissen herauszukämpfen. Auch das zählt zur Arroganz der Wohlhabenden.

Hartz IV verliert für viele eben nicht seinen Schrecken, solange Behördenmitarbeiter mehr oder weniger nach Gusto die betreffenden einbestellen können und je nachdem wie die drauf sind, die Gesetzeslage anwenden oder auch nicht, dazu häufig noch falsch und die Sanktionierten sind ständig im Hintertreffen, da zuerst gekürzt wird, ob richtig oder falsch kommt dann ggf. Monate später heraus und auch nur, wenn anwaltlich unterstützt oder selbst fit in der Sache. Da ließe sich noch viel zu sagen, dürfte aber hier bekannt sein.

Ihnen alles Gute

John St.Clair 23.05.2017 | 21:07

Haben Sie auch Argumente? Wenn so ein borniertes Ideologieopfer erstmals mit deutschen Rentnern zusammen im Müll gewühlt hat, kommt vielleicht eine intuitive Erkenntnis von der unglaublichen Schande, dass die Alten nach einem harten Arbeitsleben von diesem widerwärtigen neoliberalen System so mies behandelt werden. Stephane Hessel ist so lange gültig, bis die neoliberale Pest weg ist.