Sonntäglicher Nachtrag zu einer satirischen Wutrede vom Freitag

Der kommende Krieg Joe Biden ruft in seiner Rede in Warschau offen zu regime change in Moskau auf

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"Ui. Jetzt ist schon wieder was passiert!"

Inspiriert von Präsident Bidens gestriger, etwa halbstündiger Rede, hier ein paar Überlegungen, die auch den lapidaren Titel "Das Wort zum Sonntag" tragen könnten:

«Wanderer kommst du nach Sparta, so berichte, du habest uns liegen gesehn, wie das Gesetz es befahl!»


Der Krieg, der kommt, der kommen muss (weil er irgendwo sein und herrschen muss, weil er doch ständig und stetig ist, als ein uralter Vater der Dinge).

Der Krieg, der kommen könnte, würde wohl kaum einen Stein auf dem anderen lassen. Wir müssten uns sehr anstrengen, um zu retten, was zu retten ist – an Materiellem als auch an Immateriellem.

Unsere Sprachen, das Wort, die Wahrheit sind ohnehin bereits korrumpiert – nichts und alles ist wahr und bloße Ware. Alles Existierende, die Existenz selbst ist zur Ware verkommen, mancherorts ohne jeden Selbstwert und ohne alle Würde. Wir sind uns selbst abhanden gekommen. Und daher müssen wir weichen der Erneuerung, der Reinigung, der Verheerung durch das Stahlgewitter!

Was haben wir uns nur gedacht, und was haben wir gemacht aus uns, aus unserer Welt, aus dem Geschenk des Lebens? Wo ist die Liebe hin? Und wohin die Vernunft? Wer hat sie uns geklaut?

Aber was soll mein endloses Gejammere? Was kann daran genesen? Muss nicht der Mensch zum Schluss dann doch verwesen?

«Der Krieg ist der Vater aller Dinge», ja, so heisst es schon bei Heraklit. Und ja, so ist es wohl, wenn auch nicht notwendig so. Und doch ist der Mensch kaum erfinderischer, zielstrebiger und wirkmächtiger, wie wenn es darum geht, sich gegenseitig zu vernichten. Eine gewisse Schönheit liegt in dieser Wahrheit, auch wenn sie eine morbide, eine pathetische, eingefallene und überschminkte, falsche Götzin ist.

Wissen wir noch, was eine Kriegswirtschaft ist – im Unterschied zur Friedenswirtschaft?

Meine Vermutung ist, dass wohl die Wenigsten unter den jüngeren Zeitgenossen das noch wissen.

(Und ich meine damit weniger die Umstellung von nationalstaatlich relevanter Industrie-Produktion von Konsumgütern auf Waffen und die Herstellung anderer kriegswichtiger Erzeugnisse, als vielmehr die Hauswirtschaft einzelner Familien oder anderer kleinerer oder grösserer Verbände auf Mangel-, Vorrats- und Tauschwirtschaft, auf das Horten und Bunkern von Treib- und Brennstoffen und strategischen Gütern, möglichst grosse Autarkie in der Lebensmittelversorgung bzw. bei der Bereitstellung anderer kritischer Techniken (Heilkunde, Handwerk, Reparatur, Aufbereitung und Handhabe verschiedener, wichtiger Materialien, Werkzeugnutzung, gemeinschaftliche Tugenden und Pflichten, Schutz und Hilfe in Kleingruppen; Kulturtechniken, wie die Geschichtswissenschaften, Genealogie, Religion und Spiritualität zur aktiven Zukunftsgestaltung, Informationsbeschaffung und -weitergabe … letztlich auch die Unterscheidung zwischen Wichtigem und Störungen, Essentiellem und dem bloßen Schein, Lebens- und Überlebensrelevantem und Daseinshinderlichem ... und auch -unfähigem …).

Wahrscheinlich war kaum eine Gesellschaft und kaum eine Generation so schlecht auf einen möglichen Krieg vorbereitet wie die unseren hier in Europa. Wir haben uns selbst zu Memmen-Nationen erzogen und erziehen lassen (und ich, vor allen anderen, hielt und halte das für einen Vorteil, dass wir einen neuen grossen Krieg in unserer Zeit als eine Möglichkeit selbst ausschließen könnten.). Niemand, der bei Verstande ist, würde einen solchen Allesvernichter sich wünschen oder herbei-menetekeln wollen - aber es ist doch letztlich so in unserer kranken Welt: si vis pacem, para bellum!
Und wir, worauf sind wir vorbereitet, und worauf warten wir noch ( - ausser auf die nächste Bestellung bei Amazon, die nächste Ladung Lieferando und die nächste Staffel Netflix … ;-) ?

Welche/r ‘Influencer/In’ könnte uns da wohl weiterhelfen? Und wo müssten wir eigentlich nachlesen, um überhaupt Sinn und Vernunft wiederzufinden? Doch wohl zunächst bei den Alten, die aus eigener Erfahrung, aus eigener Anschauung wussten, wovon sie redeten; etwa bei Thukydides und Euripides, bei Seneca und Mark Aurel; bei Jean Racine und François IV. de La Rochefoucauld, bei Arthur Schopenhauer, Josef von Eichendorff oder Hans J. Morgenthau, bei Ernst Jünger und Carlo Schmitt – um wieder wenigstens eine Ahnung zu bekommen davon, was es heisst, wenn sich der absolute Wille zur Macht seine Bahn bricht. Dazu scheint mir folgendes Zitat zu passen:
“In der Oberfläche der Gegenwart (wahrscheinlich jeder Gegenwart) zu leben scheint mir widerwärtig. Die menschlichen Lebensformen mit ihrer Blindheit, mit ihrer Unwissenheit, mit ihrem Unwissend-bleiben-Wollen sind völlig verächtlich. So auch das Lügengewerbe der Gesellschaft, die über irgendeinen Winkel ihre Spinnennetze ausbreitet, Fallen, in denen Beute gefangen wird; diese Fallen werden dann Gesellschaft genannt. (Ernst Fuhrmann)

Passend für einen Sonntag, möchte ich aber mit etwas Erbaulicherem enden:

Nächtlich am Busento, lispeln bei Cosenza dumpfe Lieder,

Aus den Wassern schallt es Antwort, in den Wirbeln klingt es wieder …

Und den Fluss hinauf, hinunter ziehn die Schatten tapfrer Gothen,

Die den Alarich beweinen, ihres Volkes besten Toten.

Allzu früh und fern der Heimat, mussten sie in hier begraben,

Während noch die Jugendlocken, seine Schultern blond umgaben

[...]

(August Graf von Plathen)

--

Darf ich noch einen erheiternden Nachsatz aus einem völlig unrelatierten Kontext hinzufügen? (Ich erlaube es mir - und sage dazu: Vorsicht, Realsatire. Vielleicht wollen Sie das also lieber nicht lesen!?)

In Österreich ruft der neu errichtete Verein "Apotheker ohne Grenzen" zugunsten seiner ehrenamtlichen Tätigkeiten zum zahlreichen Besuch eines Benefizkonzertes in der Wiener Hofburgkappelle (!!!) auf. Abgesehen davon, dass "Apotheker ohne Grenzen"sich für mich wie eine unverhohlene und gefährliche Drohung anhört, ist dies doch ein sonderliches Anliegen in Zeiten wie diesen. Ein alter Freund und österreichischer, zeitgenössischer Komponist ist auf diese Meldung hin nun wohl komplett verrückt geworden, denn er schreibt mir dazu: "Die Apotheken könnten ja ein klein wenig von den Testeinnahmen (25EUR pro einmal Nasenbohren) abzwacken, da würde schon was zusammenkommen. [Zwinkersmiley]."

Also, ich sage Ihnen, ich war entsetzt, als ich dies las! Wie kommt man denn nur auf solche kranken Ideen, dass die Apotheker was "abzwacken" könnten?! Schon allein das Wort "abzwacken" erscheint mir das mental-moralische Dilemma eines Österreichischen Schlawiners (ein Schelm, wer Deutsches dabei denke ...;-) widerzuspiegeln. Mein lieber alter Freund, den ich eigentlich immer als durchaus korrekten und klugen Menschen wahrgenommen hatte, ist wohl ganz offenbar nicht mehr richtig bei Trost?! Vielleicht hat er ein Alkoholproblem oder Korona-Hirnaufweichung oder gar morbus schwurbelis? Man sollte ihm jedenfalls dringend vorsorglich ein Sedativum verschreiben.

Aber es ist wahrhaftig so, dass man heutzutage verrückt sein muss, um nicht in der Klappse zu landen.

Ach, ja, dass ichs nicht wieder vergesse - Hassmails bitte an:

Dr. Thomas Erasmus Henökl, Ph.D., MMM.A. Associate Professor of Public Policy and Administration

Department for Political Science and Management | University of Agder (UiA), Kristiansand – NORWAY

@ThomasHenoekl|https://www.linkedin.com/in/thomashenoekl/|Thomas Henökl - Universitetet i Agder (uia.no)

LATEST PUBLICATION:The Quest for Stewardship in the Digital Age – EuropeNow (europenowjournal.org)

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Thomas Henökl

Associate Professor für Politikwissenschaften an der Universität von Agder, Norwegen.
Thomas Henökl

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