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Assange, Kopf und Herz von WikiLeaks, wandert vorerst in eine Gefängniszelle. Seine Hacker nicht. Die hauen erst recht weiter in ihre Tastaturen und lassen die Online-Muckies spielen. Neueste Meisterleistung der Netz-Aktivisten: eine Retourkutsche, die gerade vor Weihnachten für Aufhorchen sorgt. Bei Mastercard® ging plötzlich nicht mehr alles wie gewohnt.

Wir erinnern uns: Der Diplomaten-Daten-Skandal hatte weltweit die Gemüter bewegt. Manche fanden es lustig, manche banal, andere wieder mehr als brisant. Wie dem auch sei: Mastercard, nach Amex der Ur-US-Kreditkartenkonzern schlechthin, reagierte bockig und stoppte kurzerhand alle Überweisungen von Spenden an WikiLeaks. Ein – gelinde gesagt – denkwürdiger Vorgang. Anmaßend ist das. Eine besondere Form von Zensur ja wohl auch. Pluralistische Kundenorientierung sieht jedenfalls anders aus.

Die Reaktion aus dem Gegenlager fiel nicht minder deutlich aus: Sowohl der internationale Webauftritt mastercard.com als auch die deutsche Website des Unternehmens wurden erst einmal kalt gestellt. Der Beweis ist geführt: Man kann das System mit eigenen Mitteln schlagen.

Und nun sind viele Güter neu abzuwägen. Muss investigativer Journalismus irgendwo Halt machen? Und wenn ja, wo? Wie blöde darf Streng Geheimes formuliert sein? Wann ist eine Information gestohlen? Sind Politiker überhaupt noch „beleidigbar“? Dürfen Anbieter einer Grundversorgung bestimmte Kundengruppen ausgrenzen? Zeugt es von gutem Geschmack, wenn jemand ein Staatsoberhaupt mit einer Bratpfanne vergleicht? Das wird eine Weile dauern. Inzwischen freue ich mich auf den nächsten WikiLaugh. Denn der ist sicher schon in Arbeit.

17:31 08.12.2010
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Geschrieben von

cu, t.

tobias sckaer
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cu, t.

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