Betonspecht

Kommentar Demnächst startet der letzte Flieger von Berlin-Tempelhof gen Westen. Mit ihm und dem alten Flugplatz verschwindet ein Stück Frontstadt, für die ...

Demnächst startet der letzte Flieger von Berlin-Tempelhof gen Westen. Mit ihm und dem alten Flugplatz verschwindet ein Stück Frontstadt, für die keine Partei so überzeugend stand wie die Westberliner CDU. Diese Partei und ihr Landeschef Ingo Schmitt wissen bis heute, dass der Feind links steht und die eigenen Reihen möglichst immun zu halten sind gegen metropolitane Infekte: Einwanderer, Subkulturen und lottrige Lebensstile. Daran hat auch Friedbert Pflüger, die 2006 eigens eingeflogene Erneuerungshoffnung, nichts ändern können. Vom verpatzten Start bei der letzten Berlin-Wahl bis hin zur glücklosen Pro-Tempelhof-Kampagne: Alles hätten die Westberliner Bezirksfürsten wohl hingenommen, vielleicht sogar die Palastrevolution, bei der sich der Fraktionsvorsitzende Pflüger nun auch den Landesvorsitz sichern will; nicht jedoch dessen Versuch, den Mauerspecht zu geben und die gepflegten Vorurteile gegenüber grünen und anderen Vögel umzupflügen. In der Frontstadt-Union ist "Jamaica" noch so fern wie vor 20 Jahren, als man durch Luft- und Betonkorridore reiste. Demnächst startet der letzte Flieger von Tempelhof gen Westen. Vielleicht sitzt Pflüger ja drin.

Liebe Leserin, lieber Leser,

dieser Artikel ist für Sie kostenlos.
Unabhängiger und kritischer Journalismus braucht aber auch in diesen Zeiten Unterstützung. Wir freuen uns daher, wenn Sie den Freitag hier abonnieren oder 3 Ausgaben gratis testen. Dafür bedanken wir uns schon jetzt bei Ihnen!

Ihre Freitag-Redaktion

Kommentare