Stimmengewirr

Multikulti Kommt so ein Schülermagazin daher und fängt ganz von vorn an mit dem Dialog der Religionen und Kulturen: Heute erscheint Q-rage, die „Schule ohne Rassismus"-Zeitschrift

Ja na klar, alles schon gehört. Was für eine Bereicherung es eigentlich ist, dass auf deutschem Boden nicht mehr nur Deutschstämmige herumlaufen, sondern die ganze Welt sich trifft. Dass der Multikulti-Begriff verbrannt/klischiert/überholt ist. Dass die Thilo-Sarrazin-Sache durch ist. Im übrigen haben wir und unser Innenminister es jetzt mit Terror zu tun, das ist ernster. Und doch. Kommt da so ein Schülermagazin daher und fängt ganz von vorn an: Wie ist das, zusammenzuleben und so unterschiedlich erzogen zu sein? Welche Vorstellungen von Sex und Liebe haben Jugendliche denn eigentlich, wenn sie christlich, jesidisch, jüdisch oder muslimisch sind?

Q-rage, Deutschlands größte überregionale Schülerzeitung von „Schule ohne Rassismus – Aktion Courage“ liegt heute in einer Auflage von 750.000 Stück vielen anderen Printorganen bei und in vielen Schulen aus. Keine große Sache eigentlich, auf zwölf Seiten lassen sich rund zwanzig Jugendliche darüber aus, was sie beschäftigt, vom „ich liebe dich“ sagen bis zur Frage, wie Türkinnen das Verhältnis deutscher Frauen zur Körperbehaarung verändert haben könnten. Repräsentanten der Religionen werden befragt, wie sie zu Mann, Frau und Gleichberechtigung stehen, und im Kontext des jugendlichen Stimmengewirrs beginnen selbst altbekannte Stellungnahmen ambivalent zu schillern: „Frauen und Männer sind im Islam gleichwertig. Lediglich die Rechte und Pflichten können manchmal variieren“, gibt Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime, zu Protokoll. Über Beziehungen sagt Zelal, mit jesidisch-türkischen Eltern: „Bei uns kann eine Beziehung, die schon angekündigt wurde, auch einmal schiefgehen. Dann hat man eben die zweite. Bei der dritten ist man aber definitiv eine Schlampe.“

Manchmal ist es so, dass nichts Neues gesagt wird, es aber eben doch darauf ankommt, wer es wie und wo sagt. Was übrigens für den ganzen Multikulti-Diskurs gilt. Huch, jetzt steht das Wort da doch.

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Ihre Freitag-Redaktion

16:30 26.11.2010
Geschrieben von

Ulrike Winkelmann

Ressortleiterin Politik
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Ausgabe 39/2020

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