RE: Ein neuer starker Mann | 17.03.2019 | 13:54

"Dass sich das libysche Problem anders als durch militärische Gewalt lösen lässt, gilt angesichts der ungeheuren, aus der Zeit von Machthaber Gaddafi stammenden Waffenvorräten und des danach importiertem Kriegsgeräts als unrealistische Annahme."

Ich bin etwas irritiert. Hat sich die westliche Wertegemeinschaft nicht 2011 bereits für die militärische Gewalt entschieden, als sie die UN-Resolution für eine No-Fly-Zone eigenmächtig auf einen Bombenkrieg gegen die reguläre Regierung und für die Wegbereitung der ganzen dschihadistischen Gruppen ausweitete?

Ich kann mir nur denken, dass diese fortgesetzte Ignoranz gegenüber der militärischen Gewalt des Westens, wenn sie nur von den USA und NATO-Mitgliedern orchestriert ist, in der extrem tiefen Indoktrination fußt, dass jeder völkerrechtswidrige Krieg, jede völkerrechtswidrige Bombe und jede völkerrechtswidrige Drohnentötung gut und gerechtfertigt ist, wenn die entsprechenden westlichen Regierungen und deren Medien sich einig sind.

So leid es mir tut, unter dem Licht kann ich allen Staaten, die sich nicht vollkommen der westlichen Wertegemeinschaft unterwerfen und unterordnen wollen, nur raten, sich mit möglichst abschreckenden Waffen bis an die Zähne zu bewaffnen.

Gadafi wurde von den Bombern weggeputzt, weil seine Waffenanschaffungen viel zu wenig darauf trachteten, ausländische Armeen und deren Fliegerstaffeln abzuwehren bzw. Vergeltungsschläge zu ermöglichen. Womöglich hätte es schon genügt, es wie Nordkorea zu machen, glaubhaft zu machen, dass man solche Waffen hat.

Saddam ließ sich zuerst entwaffnen, dann wurde er überfallen.

Als der Kosovokrieg von US-Seite zum Testfall für die neue Rolle der NATO als Interventionsbündnis als Nachfolger des überflüssigen Verteidigungsbündnises bezeichnet wurde, war das bitterer Ernst. Eine NATO, die sich nicht zum Instrument imperialer US-Politik machen lässt, ist für die USA wertlos. Darüber sollte auch nicht hinwegtäuschen, dass der aktuelle Präsident viel versessener darauf ist, möglichst teuere US-Kriegstechnik in alle Welt und auch nach Europa zu verkaufen, als Kriege zu führen.

Der nächste US-Präsident sehr wahrscheinlich wieder ein republikanischer oder demokratischer Interventionist.

Libyen lehrt:Traut keinem Vertrag, den ein US-Präsident unterzeichnet.Bleibt auf jeden Fall wehrhaft und lasst nicht nach, immer neue und effektivere Waffen zu erfinden, die auch über Distanzen Abwehrschilde zu Lande, zu Wasser und in der Luft überwinden können.

RE: Es hat mit Rechtsstaatlichkeit nichts zu tun | 04.02.2019 | 10:17

Hier ein etwas längerer Artikel von Max Blumenthal, der sich gerne den Gegenwind des Mainstreams ins Gesicht blasen lässt, mit ein paar Hintergrundinformationen zu Juan Guaidó, der Gruppe Generation 2007, wer bezahlt und wer auch schon andernorts Umstürze versucht oder durchgeführt hat und seit einiger Zeit in Venezuela aktiv ist:https://grayzoneproject.com/2019/01/29/the-making-of-juan-guaido-how-the-us-regime-change-laboratory-created-venezuelas-coup-leader/

Google-translated:http://translate.google.de/translate?hl=de&sl=en&u=https://grayzoneproject.com/2019/01/29/the-making-of-juan-guaido-how-the-us-regime-change-laboratory-created-venezuelas-coup-leader/

RE: Dritte Kraft | 10.01.2019 | 12:51

"Schattenboxen oder Peking Oper ... Ohne die Direktinvestitionen Taiwans in Festlands-China wäre das kommunistische China ökonomisch weit zurück geblieben"

Geändert hat sich seither, dass sich die nachwachsenden Generationen auf Taiwan viel weniger als Chinesen fühlen. Die Chinesen fühlen Taiwan weiterhin als zu China gehörend. Die Umarmung der Chinesen ist so nachhaltig wie unerbittlich.

"Fünfzigerjahren"

Auch heute noch ist die USA Schutzmacht, auch wenn die diplomatischen Beziehungen zu China die zu Taiwan verunmöglichen. Aber das muss nicht so bleiben. Wieso muss man solche entscheidenden Eckpunkte immer wieder wiederholen?

RE: Dritte Kraft | 09.01.2019 | 11:45

"eigen-ständig-keit" vs. "imperial denken"

Das beherrschende Imperium, die USA, beziehen große Teile ihrer Macht von den zahlreichen Vasallen. So sind auch Imperien nicht wirklich eigenständig.

Israel ist viel zu klein, um ohne Rückendeckung der USA seine feindselige Innen- und Außenpolitik durchhalten zu können.

Seit etwa dem Ende des Zweiten Weltkriegs sind die Imperialisten dazu übergegangen, sich nicht mehr als solche erkennen zu geben. Die USA erkannte, dass sie Atombomben auf Städte werfen kann, wenn sie die Intentionen nur ausreichend mit schön klingenden Begriffen - wie "schnelleres Kriegsende" - verklammert. Die Geschichtsschreiber der Vasallen übernahmen die Betrachtung sehr gerne.

In Nordkorea, das ab 1950 noch mehr verwüstet wurde als Vietnam, kämpfte man eh gegen den Kommunismus und hatte volle Rückendeckung der gesamten geldhörigen Welt und ihren Medien.

Wie der US-Imperialismus bis heute funktionierte, wird durch Trump sichtbar, der kein Interesse an Kriegen hat und auf bspw. das "transatlantische Bündnis" pfeift. Die Transatlantiker sind ein transnationales Elitenbündnis in Politik, Medien und Wirtschaft. Der Deal ist, dass die außeramerikanischen Transatlantiker sich öffentlich neben der Großmacht sonnen dürfen und sie dafür bei der Verklammerung der US-imperialen Interessen mit Begriffen wie Demokratie, Mädchenschulen, Brunnenbohren oder allgemein Menschenrechten nach Kräften behilflich sind.

Die Bevölkerung bekommt kein Imperium mit zahlreichen Vasallen zu sehen, die die Interessen der Großmacht per Sanktionen/Sabotage/Anfeindungen/Kriegen durchsetzten, sondern eine "Wertegemeinschaft", deren Medien und Politiker alle imperialen Anmutungen konsequent mit schön klingenden Begriffen überdecken.

Alles Böse dieser Welt spielt sich nur unter der Ägide der Feinde der "Wertegemeinschaft" ab. Die Bevölkerung ist dermaßen durchtränkt mit einseitigen Weltgeschehenkommentaren, dass der soziale Urinstinkt nach Harmoniebedürfnis in der Gruppe reicht, dass jegliches kritisches Denken vor der "Wertegemeinschaft" halt macht.

Egal, wer die Kriege vom Zaun bricht, die Proxy-Dschihadisten-Armeen unterstützt, tatsächlich Menschen vergiftet etc. Es herrscht einhellige Denklähmung sobald die "Wertegemeinschaft" und ihre Heerscharen an Schönrednern in Sicht ist.

RE: Dritte Kraft | 08.01.2019 | 18:25

"imperialistisch"

Alleine das nach 1949 40 Jahre lang nicht frisch gewählte Parlament, um den demokratischen Vertretungsanspruch pro forma nicht zu verlieren, zeigt überdeutlich, wer in Sachen Taiwan trickst.

Unter der Besatzung der Japaner entwickelten sich die dortigen Lebensumstände im Turbo. Als die Japaner nach dem verlorenen Krieg gehen mussten, waren die Unterschiede zu den Festlandchinesen, die sich eigenständig entwickelt hatten, sehr groß geworden.

Der Koreakrieg der Amerikaner erzeugte nicht nur Nord- und Südkorea, sondern als Fernwirkung auch das Überleben Taiwans als Staat.

Seit die USA wegen der Ein-China-Politik die diplomatischen Beziehungen zu Tawain abgebrochen haben und nur noch wenige von Taiwan bezahlte Arme-Schlucker-Länder Taiwan diplomatisch anerkennen, tickt die Uhr für den Inselstaat etwas lauter.

Aber nach wie vor ist die USA die imperiale Schutzmacht.

Die Politik der Fünf Nein hat Taiwan und China bisher vor einer direkten Eskalation bewahrt.

So wie Gaza und das Westjordanland mit der Zeit zu Israel werden, wird Taiwan durch die zunehmenden wirtschaftlichen Beziehungen zu China wohl wieder zu einer Provinz Chinas werden. Mit Turbo falls die USA ihr Interesse verlieren oder nicht mehr wahrnehmen... können.

Ein deutliches Merkmal imperialer Effekte ist, dass alles was nicht eigenständig existieren kann, ohne die imperial wirkende Kraft vergeht.

RE: Les Misérables | 17.12.2018 | 10:42

"A U F S T E H E N"

Gutes Beispiel. Das Projekt wurde von unseren Leitmedien von Beginn an steht mit kritischen Begleitkommentaren präsentiert. Häufig im TV wurden nur kritische Stimmen präsentiert. Bspw. seien nicht einmal alle der Links-Partei mit der Bewegung "einverstanden" (ist das bei anderen Projekten so?). Die Bewegung - und Wagenknecht sowieso - wurden den rechten "Flüchtlingskrtitischen" beigestellt und ähnliches verleumderisches Zeug.

Eine politische Bewegung außerhalb der Wünsche von "Mitte"-Regierungen, (Mitte = neoliberal, also durchaus radikal) wäre relevant, also wird sie von Anfang an madig gemacht.

Was jeweils "erwünscht" ist, kann man bei jeder Tagesschau einfach dadurch ermitteln, indem man abzählt, wie viele Pro- und Contra-Stimmen zu Wort kommen dürfen. Ganz besonders lustig sind Tageschauen, wo kein präsentables Argumente für die erwünschte Richtung verfügbar war, dann wird auf bspw. ahnungslose Passanten zurückgegriffen, die entsprechend der erwünschten Richtung für oder gegen etwas sind.

"A U F W A C H E N"

Wenigstens mal "H I N G U C KE N" und an den Fingern abzählen.

RE: Les Misérables | 17.12.2018 | 10:23

"Während die Französinnen und Franzosen zeigen, wie Klassenkampf geht"

Genau das zeigen sie nicht!

Klassenkampf wäre politisch und für eine Regierung relevant.

Die Gelbwesten sind unpolitisch und Macron muss im Grunde nur ein paar gut designte Medienauftritte hinlegen, ein paar nach Einsicht klingende Worte finden und ansonsten einfach warten.

Es gibt für die Berichterstattung nicht mal einen Katalog für Forderungen.

Leichter kann es einer Regierung von Demonstrierenden kaum noch gemacht werden.

Es fehlen eigentlich nur noch die Diskussionscamps von Occupy, wo sich die Leute ordentlich gegenseitig von ihrer Smartness überzeugen können. Aber dafür sind die meisten Gelbwesten wohl nicht ausreichend intellektuell interessiert.

Dass die Gelbwesten nichts von Parteien halten, hat die Regierung sicherlich dem Wirken der französischen Leitmeiden zu verdanken, die wie auch die unsrigen nicht müde werden, alles außerhalb der vom Establishment gesetzten Diskursgrenzen, als "populistisch" oder vergleichbaren Delegitimisierungen zu brandmarken.

Die meisten Leute sind in Deutschland und Frankreich dermaßen entpolitisiert, dass sie nicht mal merken, mit welch simplen Tricks sie eingesackt und für die einfache markgerechte Verwertung einzelportioniert werden.

Man vergleiche die mediale Behandlung der Gelbwesten im Vergleich zu der von Weselsky vor ein paar Jahren, der auch in den Verkehr eingriff. Unsere Leitmedien schäumten.

Weselsky hat wirklich was erreicht.

RE: Les Misérables | 17.12.2018 | 10:04

"Wenn auf einmal 100 000 Leute die gelbe Weste anziehen, dann zeigen sie sich doch gegenseitig, dass sie gegen das für alle Untertanen gleiche Problem aufstehen"

Ich bitte Sie. Es gibt nicht mal einen Sprecher oder nur ein gemeinsames Dokument für Forderungen.

Das "gemeinsame" Problem hat Macron für die Öffentlichkeit schon dadurch entschärft, dass er die Bezinsteuererhöhung verschoben hat. Viele Medien schreiben, er hätte sie "zurückgenommen" u.Ä. Vor der Zeit von Gewerkschaften haben Arbeiter auch immer wieder mal demonstriert. Aber ohne Ausdauer. Dann hatte sich der Ärger Luft gemacht, dann ging die alltäglich Mühsal weiter.

Wie geschichtsvergessen kann man sein?

Was hat Occupy gebracht?

Mir sind eigentlich nur die Pegida-Demos bekannt, die sehr schnell zu recht deftigen Gesetzesänderungen geführt haben. Das aber nur, weil es in der Union und der seit dem letzten Bundestagswahlkampf auch offiziell sicherheitsbesorgten SPD starke Interessen in Richtung Asyl-/Flüchtlingsgesetzgebungsverschärfung gegeben hat.

Aber der neoliberale Macron hat null Interesse, die Steuerleichterungen für Reiche "zurückzunehmen".

RE: Les Misérables | 16.12.2018 | 14:09

"Das Volk wird langsam mündig und es erlernt seinen aufrechten Gang erneut (s. 1989)."

Das ist eine sympathische Idee, aber sehr unrealistisch. Wo sind die reichen/mächtigen Unterstützer der Gelbwesten? Wo deren NGOs? Macron dürfte als Präsident in den meisten Punkten der Idealvorstellung eines George Soros entsprechen. Wo sind die Signale der Regierung, dass man den Wünschen nachkommen will?

1989 gab es schon etliche Jahre praktizierte Perestroika unter Gorbatschow und keinerlei Signal, dass sich das ändern sollte. Aus Moskau kam nicht der Hauch einer Andeutung, dass man "das Volk" polizeilich/militärisch von der Straße haben wollte. Die DDR-Regierung war regelrecht geplättet.

Macron hat die Steuererleichterungen für Reiche komplett intakt gehalten und macht nicht den Anschein eines Versuchs, die zu thematisieren. Die Benzinsteuer ist bisher nur für ein Jahr aufgeschoben. Auch unsere Leitmedien tun so, als wäre Macron über Nacht zum Wohltäter der Unter- und Mittelschicht mutiert und als habe er die so "wichtigen Reformen" nun ad acta gelegt. Hat er aber natürlich nicht. Selbst das Geld das der Staat tatsächlich geben will, werden nicht die Reichen geben, sondern in einem Jahr die Gelbwesten mit der dann fälligen Benzinsteuererhöhung.

Ähnlich wurden in Deutschland die Stromkleinverbraucher von der EEG-Konstruktion der SPD/Grünen hinter die Fichte gelockt. Die Kohle- und Atomsubventionen wurden immer bestens vor dem Volk versteckt. Beim EEG wurden die Kosten ausdrücklich auf die schmalsten Schulten geladen.

Die Gelbwesten können bestenfalls auf duldende Freundlichkeit der Leitmedien rechnen, so lange sie sich so neoliberal-kompatibel apolitisch zeigen und nicht den Hauch einer Organisation bilden bzw. hinter sich haben.

Es wird vielleicht noch ein/zwei Wochenenden dauern, dann sind die Gelbwesten so sehr verzwergt wie ihr politisches Bewusstsein. Das können die Leitmedien, die Medien der Milliardäre, mit Leichtigkeit abwarten.

RE: Dem Hungertod ausgeliefert | 16.12.2018 | 13:34

Zieht man das Schaubild "Die Logik Imperialer Kriege" von Swiss Propaganda Research zu Rate, dann befindet sich der Jemen auf einer bis fast zum Ende geraden Schaubildlinie von1 Ist das Land bereits ein Klientelstaat? → Ja2 Ist die Regierung akzeptabel? → Ja3 Risiko, den Klientelstaat zu verlieren? → Ja4 Problem militärischer Art? → Ja. Militärische Unterstützung5 Kann sich die Regierung noch halten? → Nein. Militärische Hilfe (wenn politisch möglich).

Die militärische Hilfe kommt größtenteils über den US-Vasallen Saudi Arabien und auch die VAE zustande. Die USA tankt aber die Bomber in der Luft auf, weil die Attacken von Saudi Arabien aus sonst nicht möglich wären, und hilft bei der See-Blockade und verschiedener Kriegslogistik.

Wenn das Imperium unter Trump nicht sehr viel unimperialistischer geworden ist - was ich zu Anfang der Präsidentschaft noch hoffte, was aber wegen des Mehr-als-genug-Ärgers, den die US-Interventionisten-Plage, gebildet aus dem Washingtoner Establishments (Demokraten, Republikaner, Geheimdiensten und Leitmedien) für Trump veranstalten, nicht realisieren konnte - dann wird der Krieg weitergehen, bis die Hutis ihre letzten Reserven aufgebraucht haben. Sie werden wohl aber auch eine Kriegswirtschaft installieren, die ihre Bodenmacht aufrechterhält und den Widerstand dauern lässt.

Wenn der Artikel in Deutschland geschrieben worden wäre, würde sicher noch die Bewertung Hadis, als der "international anerkannte Präsident/Regierung" zulesen sein, weil die deutschen Transatlantiker die US-Interessen stets zu 120 prozentig berechtigt darstellen wollen.

Im Gardian fühlen sich die Journalisten immerhin so erwachsen, dass sie den Sturz Hadis konstatieren.

Erwähnen könnte man auch, dass Hadi von Anfang an nur für 2 Jahre Präsident sein sollte. Die sind seit Jahren abgelaufen. Dann dankte er auch mal ab, floh nach Saudi Arabien und kam dann wieder mir der SA-Armee zurück.

Ach, hätten wir in Deutschland doch wenigstens Leitmedien, die zumindest feststellen, dass Hadi gestürzt wurde, ich müsste viel weniger Qualen bei jeder Tagesschau und bei jedem DPA-Artikel mit geopolitischem Thema leiden.