Im Fokus: München

Zur Ausstellung Ausgehend von der historischen Verbindung zwischen den beiden in unmittelbarer Nähe gelegenen Ausstellungsorten – Haus der Kunst und Kunstverein München – präsentiert Tony Cokes die neue Werkreihe „Some Munich Moments 1937–1972“
„Tony Cokes. Fragments, or just Moments“ | Installationsansicht | Haus der Kunst, 2022
„Tony Cokes. Fragments, or just Moments“ | Installationsansicht | Haus der Kunst, 2022

Foto: Maximilian Geuter

„I’m interested in the resonances, the re-habitualizations, and the echoes of that historical moment in the contemporary.“ – Tony Cokes

Seit den frühen 1990er Jahren untersucht Tony Cokes in seinem Werk den Einfluss von Medien und Popkultur auf Gesellschaften. Ausgehend von einer grundsätzlichen Kritik an der Darstellung und visuellen Ausbeutung afroamerikanischer Gemeinschaften in Film, Fernsehen, Werbung und Musikvideos hat Cokes eine einzigartige Form des Videoessays entwickelt, die repräsentative Bilder ablehnt. Seine schnell geschnittenen Filme kombinieren gefundene Textfragmente mit Popmusik, die aus diversen kulturellen Quellen und Zeiten stammt. Durch die Kombination von Wort und Gesang verändert Cokes konventionelle Wahrnehmungsformen und ermöglicht ein verändertes Nachdenken über strukturellen Rassismus, Kapitalismus, Kriegsführung und Gentrifizierung. Er verwandelt so den Akt des Lesens und Hörens in eine körperliche und gemeinschaftliche Erfahrung.

Mit „Fragments, or just Moments“ präsentiert das Haus der Kunst eine Überblicksausstellung, die ausgewählte audiovisuelle Werke aus Tony Cokes‘ drei Jahrzehnte umspannendem Œuvre zusammenführt. Situiert in der historisch verdichteten LSK-Galerie, dem ehemaligen Luftschutzkeller des Museums, skizziert die Ausstellung eine fragmentierte Chronologie des 20. und 21. Jahrhunderts, die sich von der Mitte der 1930er Jahre bis in die Gegenwart erstreckt. Die episodische Struktur entlang historischer Ereignisse entfaltet sich weniger als lineare Abfolge, sondern zeigt vielmehr die Verflechtungen und Verschiebungen der soziopolitischen Realitäten aus verschiedenen Zeiten auf, die unser kollektives Gedächtnis formen. Cokes thematisiert dabei die Rolle von Bild und Klang für ideologische Manipulation, Ausbeutung und Kriegsführung innerhalb eines kapitalistischen Systems, das grundlegend auf rassistischem Denken beruht. Die Ausstellung zeigt Cokes‘ Interesse an den Verbindungen historischer Momente sowohl untereinander als auch mit der Vergangenheit und ihrer Resonanz in unserer Gegenwart, und legt die Kontinuitäten struktureller Unterdrückung und sozialer Ungleichheit über Zeiten und Orte hinweg frei.

Anlässlich der Ausstellung erscheint eine umfassende Publikation bei DISTANZ, die die neu produzierten Textcollagen von Tony Cokes in deutscher sowie englischer Sprache zugänglich macht und die Videoessays in Form von Stills in das Format des Buches überträgt. Durch Essays der Theoretiker*innen Tina Campt und Tom Holert, Autor und Leiter des Harun Farocki Instituts, wird Some Munich Moments 1937–1972 aus transnational-historischen als auch medientheoretischen Perspektiven beleuchtet. Diesen Beiträgen vorangestellt ist eine Einführung in das kollaborative Ausstellungsprojekt von Emma Enderby und Elena Setzer (Haus der Kunst) sowie Maurin Dietrich, Gloria Hasnay und Gina Merz (Kunstverein München).

Führungen

Kuratorinnenführung durch „Tony Cokes. Fragments, or just Moments“

Termin: 28. September um 18.30 Uhr | Infos

Werke „gottbegnadeter“ Künstler im (halb-)öffentlichen Raum. Ein kunsthistorischer Stadtspaziergang

Führungsreihe in Kooperation mit dem NS-Dokumentationszentrum München

Termine: 1., 2. und 3. Oktober jeweils um 14 Uhr | Infos

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Die Ausstellung ist ein gemeinsames Projekt des Haus der Kunst und des Kunstverein München und findet in beiden Institutionen sowie im öffentlichen Stadtraum statt. Der Kauf eines Tickets ermöglicht den Eintritt in der jeweils anderen Institution kostenfrei am selben Tag.

11:55 28.07.2022

Ausstellung: Weitere Artikel


Gemeinschaftliches Projekt

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Veranstaltungsorte Für die den Kunstverein München und das Haus der Kunst umfassende Ausstellung hat Tony Cokes für „Fragments, or just Moments“ neue Arbeiten entwickelt, die sich ausgehend von historischem Quellenmaterial der Geschichte beider Institutionen annähern
„The concern of corporate design is control“

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Biografie Inhaltlicher Ausgangspunkt der Ausstellung von Tony Cokes ist die ideologisch-propagandistische Verknüpfung beider Ausstellungsorte während der NS-Zeit sowie deren kulturpolitische Rolle im Rahmen der 20. Olympischen Spiele 1972 in München
Nazi-Propaganda-Werkzeug im aktuellen Diskurs

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Netzschau Stimmen aus dem Netz: „Läuft man die Treppe zum ersten Stock des Kunstvereins München hoch, steht man vor Aufnahmen der zerbombten Stadt und hört dazu laute Techno-Beats, Bass, und das verwirrt erstmal, denn im Körper erwachen Party-Assoziationen...“

Of Lies and Liars Study 01 | Tony Cokes

Video First of a five-part series of new video artworks by Tony Cokes, conceived as sketches for a future longer work and commissioned for The Shed’s “Up Close” digital commissioning program. Set to the song “We Will Become Silhouettes” by Postal Service


Of Lies and Liars Study 02 | Tony Cokes

Video Second of a five-part series of video artworks, conceived as sketches for a future work and commissioned for The Shed’s “Up Close” digital commissioning program. Set to the songs “Babylon Makes the Rules” by Steel Pulse/ “Gangsters” by The Specials


Of Lies & Liars Study 03 | Tony Cokes

Video Third of a five-part series of video artworks by Tony Cokes, conceived as sketches for a future work and commissioned for The Shed’s “Up Close” digital commissioning program. Set to the song “Faking the Books” and “Grin and Bear” by Lali Puna.


Of Lies & Liars Study 04 | Tony Cokes

Video Fourth of a five-part series of video artworks by Tony Cokes, conceived as sketches for a future work and commissioned for The Shed’s “Up Close” digital commissioning program. Set to the song “Ghost Town” by The Specials and “Speedway” by Morrissey