Popkontext
09.07.2013 | 12:47 48

Greenbutts - Zigarettenfilter, die gammeln

Umwelt Über Umweltschädigung durch synthetische Zigarettenfilter wird selten nachgedacht. Dabei sind sie ein Riesenproblem. Jetzt gibt es eine Alternative

Greenbutts - Zigarettenfilter, die gammeln

Foto: Joel Saget/ AFP/ Getty Images

Gängige synthetische Zigarettenfilter bestehen aus Celluloseacetat-Flocken, die mit Triacetin verklebt werden. Wirft man sie weg, braucht es 10 – 15 Jahre, ehe sie sich zersetzen. Nach Schätzungen werden jährlich 4.5 Trillionen Zigarettenfilter weltweit weggeworfen, an einigen Orten machen sie mehr als ein Drittel des Mülls im öffentlichen Raum aus. Zudem gelangen die giftigen Rückstände ins Wasser, und die herkömmlichen Filter schädigen Vögel und Meerestiere auch dadurch, dass diese die Reste für Nahrung halten.

Screenshot Website Green Butts

Screenshot Website Green Butts

 

Ein kalifornischer Hersteller hat jetzt “grüne Kippen” auf den Markt gebracht. Sie machen zwar das Rauchen an sich nicht gesünder, aber zumindest schonen sie die Umwelt. Sie bestehen aus natürlichen Materialien wie Flachs, Hanf und Baumwolle. Als Kleber dient eine natürliche Stärke. Nach Herstellerangaben zersetzen sich diese Filter innerhalb eines Monats nach der Entsorgung. Sie enthalten sogar Samen, der nach dem Wegwerfen aufgehen kann. Sie sollen ab 2014 für Filterzigaretten und zum Selberdrehen angeboten werden. Es werden noch Investor/innen und Mitstreiter/innen gesucht.

Website

P.S. Übrigens gibt es auch Strandaschenbecher, so dass man die Kippen zumindest sammeln kann und nicht einfach in der Umwelt entsorgt.

 Update: OCB bietet seit ca. einem Jahr auch biologisch abbaubare Filter an, die aus Öko-Zellulose sind. Leider sagen sie auf ihrer Seite nichts zur weiteren Behandlung (Aufbereitung / Verklebung) und zur Zerfallsdauer.

Zuerst erschienen auf Plan-Alternative.de

(Das ist eine neue Seite, die ich gerade aufbaue - Bitte um Beachtung)

Kommentare (48)

vallepoth 09.07.2013 | 15:42

Schade das der Freitag so etwas veröffentlicht. Herumliegende Zigarettenfilter sind ein Ärgernis. Es ist ebenfalls richtig das es lange dauern kann bis sie zersetzt sind. Was nicht stimmt ist, dass es sich bei Zigarettenfiltern um synthetische Fasern handelt, Celluloseacetat, ist mit Essigsäure derivatisierte Cellulose, welche i. d. R. aus Holz aber auch Baumwolle usw. gewonnen wird. Celluloseacetat wird als biologisch abbaubar angesehen. Das die Filter am Sandstrand lange halten ist nun wirklich nicht verwunderlich....

sh. auch hier: http://link.springer.com/article/10.1007%2Fs10924-010-0258-0

 

Der Kommentar wurde versteckt
Popkontext 09.07.2013 | 16:44

Wo vergleiche ich Äpfel mit Birnen? Bitte erklären Sie das. Und Öko-Cellulose ist Cellulose, deren Rohstoff aus nachhaltigem Anbau kommt. Das bezog sich auf die OCB-Filter. Da wurde zumindest an eine Seite gedacht. Bei den Greenbutts wird mit anderem, ebenfalls nachhaltige angebautem Material gearbeitet, aber auch über die Verarbeitung und den Abbau nachgedacht. Was bei OCB nicht weiter angegeben ist. Und der Vergleich mit der herkömmlichen Herstellung, bei der weder das Rohmaterial, noch die Verarbeitung noch die Entsorgung ökolofisch nachhaltig ist, ist völlig angebracht - womit sonst?

Und selbst wenn ein Stück Holz auch lange am Strand liegt, ist das kein Argument für herkömmliche Filter. Es wird das nicht versehentlich von Tieren gefressen, weil sie da wissen, dass es keine geeignete Nahrung für sie ist, und es enthält auch keine Giftstoffe, die so in die Umwelt gelangen, tut also niemandem etwas, im Gegensatz zu den Filtern.

vallepoth 09.07.2013 | 17:21

Die Herstellung von Faserstoffen ist gar nicht so schlimm wie Sie hier suggerieren, auch die Verklebung von Celluloseacetat mit einem Triglycerid (z.B. ganz natürlich in Olivenöl), scheint mir ökologisch betrachtet recht umproblematisch. Ich wiederhole mich hier, aber auch herkömmliche Filter aus Celluloseacetat werden biologisch abgebaut und zerfallen nach Abspaltung der Essigsäuregruppe, die ist ganz bestimmt auch in den Kohlenhydraten von Hanf, Flachs und Baumwolle drin, in die Bestandteile der Cellulose (Glucose).

Mir ist die gesamte Problematik schon aus rein fachlichem Interesse seit längerem Bekannt und OCB waren nicht die ersten die ein derartiges Produkt angeboten haben. Die von Ihnen angepriesenen Filter werden ebenfalls länger als 30 Tage am Strand liegen. Auch Greenbutts äußern sich hier vage in Bezug auf  herkömmliche Filter "can take up to 15 years". 

Wenn ich jetzt schon dabei bin würde ich doch gerne wissen, wie die Abbauprodukte von konventionellen Filtern das Trinkwasser schädigen?

Was ich Ihnen gerne lasse ist der nachhaltige Anbau der Rohstoffe, obwohl man auch hier ein Fass aufmachen könnte, Baumwolle z. B. ist in dieser Hinsicht gar nicht so toll.

Und ich muss Ihnen  nochmal widersprechen, nur weil etwas chemisch aufbereitet wird ist es noch lange nicht umweltschädlich.

Popkontext 09.07.2013 | 18:23

 

Sie wollen jetzt bitte nicht behaupten, dass die Behandlung mit Aceton und Triacetin nicht weiter tragisch und schon fast umweltfreundlich ist? Wenn Sie beruflich damit zu tun haben, sollten sie das noch besser wissen als gebildete Laien – da müsste ich Sie also fast der bewussten Lüge bezichtigen, wenn Sie vom Fach sind und so etwas sagen.

 

Ob sie nun nicht glauben wollen, dass die Öko-Dinger so schnell verrotten und die anderen nicht ist ist noch kein Beleg dafür, dass das nicht der Fall ist – sondern schlichtweg Ihre Behauptung. Und selbst wenn die herkömmlichen Filter doch schneller vergammeln und die anderen unter bestimmten Umständen länger – bei einem Unterschied zwischen angegebenem einen Monat und mehreren Jahren ist wohl doch klar, was zu bevorzugen ist?

 

Und auch was Sie zu nachhaltigem Anbau andeuten lässt mich fragen, worauf Sie mit der ganzen Diskussion hinauswollen. Mein Eindruck ist, dass Sie gern wollen, dass alles beim Alten bleibt. Welche Motivation sie haben, wissen Sie vielleicht am Besten. Sachliche, substantielle Kritik an Innovationen, mit der diese nochmal auf den Prüfstand gestellt werden, sieht jedenfalls anders aus.

 

J.Taylor 09.07.2013 | 18:27

Gute Idee. Besser wäre es, man verkauft Zigaretten als Pflaster, natürlich biologisch abbaubar und aus mit Hand gezupter und geklöppelter Faser, die nach Gebrauch als Stickstoffdünger in die Dritte Welt exportiert werden können. Gut wären vielleicht auch Zigaretten aus der Sprühflasche, wenn diese aus genoppten Bioplastik mit eingebauter Kompostierungsautomatik auf den Markt gebracht würden. Der Phantasie wachsen zu diesem Thema viele Flügel, wenn man nicht vorzeitig an Lungenkrebs stirbt.

J.Taylor 09.07.2013 | 22:42

... da ich von der Insel komme, war das natürlich nicht ganz so streng und ernst gemeint, wie es sich auf deutsch liest.

Guardian ist tatsächlich eine empfehlendwerte Zeitung, die selbst in einem BBC-Sketch aus den 80er Jahren ( Who reads the papers ? siehe Youtube) passabel abgeschnitten hat und nicht erst seit der Arbeit mit Mr Snowden ein Profil besitzt. Der Freitag ist, wenn ich recht informiert bin, ähnlich (grob ausgedrückt) im Anspruch.

Popkontext 10.07.2013 | 16:14

Ja, wie gesagt ist es dann auch eine Frage nicht nur des nachhaltig angebauten Ausgangsmaterials, sondern auch der Verarbeitung. Dazu muss ich mich mal mehr schlau machen. Und British American Tobacco behauptet sogar, dass ihre herkömmlich hergestellten Filter sich innerhalb von 1-3 Monaten zersetzen würden. Das sagt noch nichts über die freigestzten Giftstoffe, aber allein aufgrund der Herstellung kann ich das nicht glauben. Ich werde deshalb mal ein Experiment mit den OCB-Filtern, Lucky Strike-Filtern und welchen, die ich einfach irgendwo finde machen, wie sie sich unter unterschiedlichen Bedingungen zersetzen. Vielleicht schicken mir die Greenbutts-Leute auch mal einen Prototyp.

Popkontext 10.07.2013 | 20:18

Hier noch einmal ein klare Aussage zur biologischen Abbaubarkeit des Kunststoffs Celluloseacetat: "Durch die chemische Modifikation der Zellulose zu Zelluloseacetat ist die Faser nicht mehr als Nahrungsgrundlage für Mikroorganismen verwendbar. Daher ist Acetat beständig gegenüber Schimmel, Pilz- oder Bakterienbefall, damit schwer biologisch abbaubar. Die Lichtbeständigkeit ist gut, und dank der Unempfindlichkeit gegenüber Mikroorganismen ist Acetat auch gegenüber Witterungseinflüssen gut geschützt."

Mit Stärke kann man dagegen Biokunststoffe herstellen, die tatsächlich biologisch abbaubar sind - nicht erst nach Jahrzehnten des Zerfalls.

Popkontext 10.07.2013 | 20:31

Und was ich in dem Kontext auch nich wichtig finde: Es nutzt nichts, wenn sich das nur bei einigen umweltbewußten wohlhabenden Westlern durchsetzt. Diese Cellulosacetatsache muss ganz weg - da hat nichts mit Olivenöl zu tun, wie der Herr oben suggeriert. Es muss eine Produktionsweise gefunden werden, die andere Verfahren auf Stärkebasis und anderer Verabeitung in Massenherstellung so günstig macht, dass es weltweit attraktiv wird. Außerdem halte ich bei Umweltschutz sehr viel von staatlicher Regulierung, wenn es eine sinnvolle (d.h. auch kostengünstige) Alternative gibt.

J.Taylor 11.07.2013 | 09:11

.... oder eine Kooperation mit Menschen eingehen, die so organisiert und strukturiert sind wie Sie.

Wenn über eine kommunikative Vernetzung gesprochen wird, endet das oft bei dem Werbeunternehmen Facebook. Es wird verkannt, dass Facebook nichts weiter ist als ein Generator für Leads, also für qualifizierte Adressen für den Verkauf von Produkten und Dienstleistungen. Die Vernetzung der Kommunikation ist eine originäre Aufgabe der Journalisten und der Verlage. Ob man dazu viel Geld benötigt, denke ich eher nicht. Es ist eine Frage des gegenseitigen Nutzens.

vallepoth 11.07.2013 | 10:29

Das ist nun wirklich bemerkenswert, der chemie.de Artikel basiert ja laut Quellenangabe (ganz klein unten) auf dem zugehörigen Wikipediaartikel, da steht aber was anderes, im zugehörigen Einzelnachweis steht es genauso. Ich verweise hierzu nochmal auf den Artikel von Puls2011 in dem bereits einleitend auf die langezeit geltende Fehleinschätzung eingegangen wird. Grund hierfür war eine falsche Beständigkeitsprüfung. Problematisch ist ja gegenüber der reinen Cellulose die Acetylgruppe, die Cellulasen (Enzym) am Abbau hindert. Diese Seitengruppe wird jedoch von Esterasen (Enzym) entfernt und dann gehts los mit dem Kettenabbau.

Mit der Stärke ist das ja auch so ne Sache. Um Ihren Vorwurf mir gegenüber umzudrehen, hier steht auch ein starkes Interesse der Stärke- und Zuckelobby im Vordergrund. Allerdings ein gutes Beispiel um die missverständliche Verwendung des Begriffs der biologischen Abbaubarkeit zu verdeutlichen. Ich zitiere Wikipedia: Die Bezeichnung biologisch abbaubar inkludiert keinen Zeitfaktor.

Da Sie unsere es ja nicht erwähnen, möchte ich es hier noch tun. Das weitaus größere Problem mit falscher Entsorgung von Zigarettenfiltern ist deren Inhalt (nach dem Rauchen) das Vorkommen unbenutzter Zigarettenfilter, scheint wie weiter oben verwiesen auch problematisch, aber aus dem Bauchgefühl würde ich sagen bis auf die zwei drei Filter die ein Selberdreher im Jahr verliert, dürfte da nicht viel rumkommen.

Quelle liefere ich gerne nach.

Popkontext 11.07.2013 | 12:45

 

Ja sehen Sie, ich liefere Ihnen gleich eine Quelle für die Aussage, und zwar nicht aus so einer irgendwelchen Hedgefonds, die bekanntlich allein der Profit und nicht die Wahrheit interessiert, gehörenden Wissenschaftszeitung  (mehr dazu hier), sondern einer Diplomarbeit.

 

Und ich sehe noch immer kein Ziel in Ihrer Argumentation außer dass Sie den Status Quo mit allen Mitteln beibehalten wollen. Dabei ist der ohne Frage sehr problematisch – deshalb suchen ja Leute nach besseren Lösungen. Gerade weil die herkömmlichen Zigarettenfilter auch nicht benutzt Gifte absondern (was auch in dem von Ihnen zitierten Artikel steht, den Sie mir privat zugesandt haben ), und durch die lange Verfallszeit auch mehr Tiere durch versehentliches Fressen der Kippen geschädigt werden, ist es dringend notwendig, dass die Kippen so schnell wie möglich verrotten. Da spielt es doch überhaupt keine Rolle, ob der Kunststoff Celluloseacetat nach Jahren in irgendwelche Bestandteile zerfällt, die doch wieder von Mikroorganismen verarbeitet werden können. Warum reiten Sie denn darauf rum?

 

Und ihr „Argument“ mit der Stärke ist doch wohl nicht ernst gemeint? Stärke ist offenbar deutlich besser biologisch abbaubar, da braucht die Zuckerindustrie gar keine Lügen aufzutischen wie es die Tabakindustrie seit Jahrzehnten nachweislich tut. Und einen Beleg für die pure Behauptung bringen Sie, wie nicht anders zu erwarten, natürlich nicht.

 


Auch ihr letztes „Argument“ ist keins. Unbenutzte Filter sind nachgewiesen giftig – aber sie werden durch das Rauchen ja nicht ungiftiger – so kommt das Gift des Tabaks (das auch Greenbutts natürlich nicht verhindern kann) nur noch dazu. So weit kann jedes Kind logisch denken. Ihre Argumentation ist von vorn bis hinten einfach haltlos.

 

 

 

Popkontext 11.07.2013 | 13:40

Ich kann Ihnen da nicht folgen. Ich bin z.B. Idealistin und deshalb auch sehr arm. Und kann viele Sachen trotzdem nicht leisten, die ich gern machen würde, weil ich weder Zeit noch Geld dafür habe. Ein Zeitungsverlag muss wirtschaftlich arbeiten. Gerade in der aktuellen Umbruchsphase sind da also auch Grenzen gesetzt. Und Facebook kann man durchaus auch sinnvoll nutzen - ohne Facebook (und Twitter und G+) hätte ich schätzungsweise nur halb so viele  Leser/innen auf meinen Seiten.

J.Taylor 11.07.2013 | 14:04

... seltsam, da haben Sie mich wirklich falsch verstanden. Wenn ich den Tenor Ihrer Antwort richtig verstanden habe, war es nicht notwendig zu erklären, dass Sie eine Idealistin sind, denn davon bin ich ausgegangen.

Ich habe auch nicht sagen wollen, dass Facebook grundsätzlich untauglich ist. Was ich dagegen zum Ausdruck bringen wollte, war, dass Facebook für das, was an Information und Journalismus möglich ist, nur ein kleiner Teil sein kann.

Zeitungsverlage suchen gerade nach einem Geschäftsmodell, das ist auf der ganzen Welt zu beobachten. Das findet sich aber nicht, wenn man versucht, das bestehende Geschäftsmodell 1:1 auf "neue Medien" umzusetzen, sprich mehrheitlich werbefinanziert zu arbeiten (zumindest ist mir kein eindeutig erfolgreiches Beispiel aus dem Stand bekannt).

Momentan ist die Realität wohl ein Hybrid aus Unterfinanzierung und Altruismus. Es bedarf neuer Ideen, die über die Nutzung der bestehenden Kanäle hinausgeht. In diese Richtung wollte ich sprechen, was mir wohl nicht ganz gelungen ist. Sorry!

vallepoth 11.07.2013 | 14:04

Die Problematik mit den vielen Journals in der Hand von Wissenschaftskonzernen ist mir bekannt und ich halte diese Situation ebenfalls für alles andere als Optimal. Unhaltbar finde ich jedoch auch Ihrer damit einhergehenden pauschalen verunglimpfung aller Wissenschaftler die in diesen Journals veröffentlichen. Wenn Ihnen nun als letztes Argument bleibt, mir die Verwendung unzureichender Quellen vorzuwerfen, dann überlasse ich Ihnen gerne hier das Feld und beende diese Diskussion für mich. Eine Diplomarbeit gilt nach wiss. Grundsätzen nicht als Verwertbare Quelle, genauso wenig wie Wikipediabeiträge und Unternehmenshomepages.

Einen schönen Tag noch

Popkontext 11.07.2013 | 14:09

Nein, ich habe mich auch nicht persönlich angegriffen gefühlt, ich wollte nur zum ausdruck bringen, dass das alles nicht so einfach ist und dass da ein ganz grundsätzliches Umdenken auch auf ökonimischer Ebene notwendig ist, um wirklich wieder guten Journalismus machen zu können. Wir versuchen das aus unterschiedlichen Perspektiven ja schon - von der Bildzeitung mit Profit- und Meinungsbeeinflussungsinteressen bis zu engagierten Journalist/innen, die oft in bitterer Armut leben und versuchen, andere Wege zu finden.

J.Taylor 11.07.2013 | 14:24

Den Versuch der BILD-ZEITUNG habe ich mit einem Schmunzeln wahrgenommen, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass Leute Geld für eine Zeitung ausgeben, die man auf dem Klo liest.

Vermutlich, so sehe ich das, wird sich engagierter Journalismus und Qualität nur in der Form einer Stiftung umsetzen lassen. Ein Stiftungsmodell (gemeint ist in meiner Vorstellung etwas, was ich als Social Trust bezeichnen würde) könnte, wenn man es mit einer operativen Komponente ergänzt, auch wirtschaftlich agieren.

Nach meiner Auffassung wäre DER FREITAG, betrachtet man die Wurzeln der Herkunft des Verlages, prädestiniert für ein solches Modell.

J.Taylor 11.07.2013 | 16:58

Beim Guardian waren sich alle einig. Das klingt einfach, ist es aber nicht. Es kommt etwas hinzu, was man beim Blick von außen nicht sieht, denn in UK organisieren die Menschen sogar Fährverbindungen, Läden, Infrastruktur und mehr selbst. Es gibt eine Tradition solche Probleme praxisorientiert zu lösen.

Journalisten (m/f) in Deutschland schreiben zwar viel über Solidarität, Selbstorganisation und regionale Lösungsansätze bei anderen, für sich selbst scheinen sie den Bedarf nicht wahrhaben zu wollen.

J.Taylor 11.07.2013 | 19:18

Es gibt die Stiftung (ich glaube Scott Foundation heisst die), damit die Unabhängigkeit der Zeitung gewährleistet bleibt. Daneben gibt es ganz generell gesellschaftliche Bemühungen ehrenamtliche, nicht-bezahlbare oder prekäre Arbeit in reguläre Arbeitsverhältnisse zu überführen. Das ist das, was Sie interessieren dürfte. Entstanden ist das in UK aus der Lage, dass es nicht den Wohlfahrtsstaat gibt, wie es ihn in Deutschland gibt, bedingt auch dadurch, dass wir uns nur sehr ungern vom Staat etwas vorschreiben lassen, eine Tugend, die sich in den letzten Jahren leider verändert hat. Diese Regelungen sind meist nicht 1:1 auf Deutschland übertragbar, weil in UK die Arbeitnehmer es nicht als Tabubruch empfinden, einen Teil des unternehmerischen Risikos mitzutragen. Das auszuführen würde mir Spaß machen, leider aber die physikalische Größe des Schriftfeldes sprengen. Im Rahmen meiner Arbeit in Deutschland habe einen Verein in Berlin entdeckt, der sich mit dieser Vorgehensweise intensiv beschäftigt und Vorträge in Potsdam anbietet. Die heißen, wenn ich mich recht erinnere, Technet Berlin (oder so ähnlich). 

Popkontext 12.07.2013 | 09:53

Siehst du das bei Lebensmitteln, die geöffnet - oder entsprechend länger auch ungeöffnet - auch verbraucht werden müssen, auch als Nachteil an, den man mit Giftstoffen bzw. umwelt- und naturschädigenden beseitigen sollte (was ja leider teilweise schon gemacht wird)? Findest du es dann für deinen Luxus, dass die Dinger zwei Jahre im Schrank liegen können, dann akzeptabel, wie der Status Quo ist, weil du die Probleme ja nicht siehst, solange du keine entsprechenden Dokus siehst und irgendwer schon im Zweifel steuerbezahlt den Strand reinigt?

Popkontext 14.07.2013 | 00:48

Hmm, das ist wieder so ein klassischer Fall, wo "glauben" oder "sich vorstellen  können" völlig irrelavant sind. Das sind einfache Fakten udn logische Zusammenhänge und Schlussfolgerungen. Punkt 1) auch Greenbutts enthalten nach dem Rauchen die gefilterten Tabakgifte und sind damit schädlich. Auch wenn sie nur zwei Monate statt 15 Jahre gammeln sind sie Müll und sicher auch nicht gesund für Tiere und sondern auch die Tabakgifte ab. Punkt 2) herkömmliche Filter brauchen extrem deutlich länger zum Verfall / Zersetzung und zudem sondern sie auch noch zusätzlich zu den Filterrückständen eigene Gifte aus der Herstellung ab. Fazit bzw. logischer Schluss (was übrigens auch von OCB und Greenbutts betont wird): Filter ordentlich im Müll entsorgen ist die beste Lösung. Wenn das nicht passiert, sind Greenbutts jedoch die deutlich bessere Variante, weil deutlich weniger Gefahr für Tiere durch den schnelleren Verfall und weniger Gift, und generell weniger Gift in die Umwelt. Das ist doch ganz klar. Und außerdem ist der Vergleich mit den Kaffefiltern auch logisch - die Dinger werden bei entsprechender Lagerung sicher einige Monate auch geöffnet benutzbar sein. Und auch Tabak ist ja nicht unbegrenzt haltbar, wenn sich das Gelegenheitsrauchen einer Packung nicht über Jahrzehnte hinwegstreckt also alles im grünen Bereich. Im wörtlichen Sinne, wenn auch Tabak und Zigarettenpapier so naturbelassen wie möglich sind.