Columbus
27.01.2013 | 18:52 21

Sind wir nicht alle ein bisschen wie...?

Brüder&Schwestern Thomas Mann empfand einst,1938, zu ästhetisch stiller Stunde und wohl ausformuliert, Hitler als Bruder. Er ahnte das Anstößige daran. - Wir sind daher nicht allein!

Sind wir nicht alle ein bisschen wie...?“

 Mit solch´ unverfänglicher Rhetorik beginnt meist eine Argumentation, die sich zunehmender Beliebtheit erfreut. Vielleicht liegt es am allzu häufigen Genuss diverser Talkshows, mit ihrem regelmäßig doch nur aufgesetzten Problembewusstsein.

 Ein bisschen wie der einzig wahre Rauchkringel mit Geist, a.D, ein wenig wie die Physikerin, als Kanzlerin, ganz vom Ende her gedacht, einer wie der Kinski, nun ein Lustmolch und Raufbold, der Aguirres Zorn im richtigen Leben schon vorweg brutalisierte oder die Bühne und die Szenerie mit dem Leben wahllos und heillos verwechselte. Wie, ja wie der alltägliche Adolf mit dem Bärtchen gar. Was Jauch nicht weiß, zumindest nicht von seiner Cue card ablesen kann, das ist nicht. Es kömmt nur auf dieses wärmende Gefühl an, mit dem Beckmann und den drei Frauen, wenigstens einmal die Woche, an vorderster Front der Hechelthemen, ein bisschen psychologisieren zu dürfen.

 Was bedeutet zum Beispiel die Veröffentlichung, -wohlgemerkt, nicht die Aufarbeitung-, einer unter Umständen schrecklichen und eventuell verbrecherischen Familiengeschichte, wenn jener mit dem sich die Öffentlichkeit nun obsessiv beschäftigt, mausetot ist und der Inhalt der Unerhörtheiten an den Glaubwürdigkeiten der Personen hängt, die ihn familiär überlebt haben? Eine solche Geschichte in der Öffentlichkeit, für mich und für dich, für sie und für ihn, für uns und alle „aufbereitet“, ist am Ende nicht mehr als eine Suhle, in der badet, wer tatsächlich glaubt es sei ein Duftbad. Danach können plötzlich alle für ein paar Tage böse Seelen riechen, sogar die eigene. Dieses Moschusextrakt für Moralisierer und Hausfrauenpsychologinnen, es wird elektronisch übermittelt: Nun sind alle irgendwie ein bisschen wie, ....Haarmann, Brüderchen Lüstling und Schwesterchen Notgeil.

Vielleicht ist es aber einfach nur die Sehnsucht, sich einmal wenigstens, in einer Person und einer Sache nicht geirrt zu haben, die Sicherheit der größten Zuschauerzahl und der populärsten Meinung im Rücken, ein wenig für die eigene Einstellung übernehmen zu können: „Ich habe es ja immer gesagt, gedacht, gewusst. Siehstewohl!“

 

Bruder Hitler“

 In den etwas gebildeteren Kreisen und den langsam zusammenschrumpelnden Turmgesellschaften des Landes, nehmen Diskussionen zum gleichen Thema häufig ihren Ausgang bei einem 1938 geschriebenen, letztlich doch sehr kurz geratenen Essay Thomas Manns, „Bruder Hitler - Ein Pamphlet“, der verspätet, 1939, unter diesem, seinem endgültigen Titel, in Leopold Schwarzschilds Zeitung „Das Neue-Tagebuch“ erschien (1). Zur gleichen Zeit schrieb Mann, das muss gesagt werden, um zu wissen was ihn antrieb, an „Lotte in Weimar“, einem seiner schlechteren Werke, das so voller Ironie, gar Witz und Leichtigkeit funkelnd, unzeitgemäß daher kommt, auch wenn das halbamtlich, von einem anderen Papst, ganz anders gesehen wird. Immerhin geht es da um Genies, das Geniale, sogar ums Genitale, beziehungsweise um die Diminutivformen davon.

 Das schlechte Papier und die schlichte Grafik des „Neuen Tage-Buchs“, Ausdruck der Not in finsterer Zeit, adelt noch in der Abbildung, was eigentlich eine hoffnungslose und zutiefst unkritische, völlig realitätsblinde, freischwebende Assoziation Thomas Manns genannt werden müsste (http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Thomas_Mann_Bruder_Hitler_1939.jpg&filetimestamp=20120410155218 ).

 Damals befand sich das geistige Deutschland entweder im Exil, war im KZ gelandet oder eben schon tot. Ein Rest harrte, weitestgehend stumm, im Reich auf einer inneren, möglichst sicheren, Emigrationsstelle. Ein weiterer Teil machte, trotz einiger Bauchschmerzen, beim Dritten Reich mit. Wenn es ging, nur mit spitzen Fingern und solange das einigermaßen Erfolg hatte, kaum je darüber hinaus. - Letzteres ist eine durchgängige Konstante jeder gutbürgerlichen und vor allem öffentlichen Aktivität, nämlich rechtzeitig zu wissen, wann eine Denke und ihre bösen Folgetaten sich nicht mehr weiter auszahlen und die Richtung dringlich gewechselt werden muss.

 Thomas Mann hatte 1938 immer noch nicht allzu viel verstanden, trotz der laufenden Informationen aus erster und nächster Hand, die ihm seine kreative und in diesen Dingen viel bewusstere Familie, Erika, Klaus, Heinrich lieferte, die ihm auch seine zahlreichen Bewunderer aus der intellektuellen Welt zutrugen. Täglich kam die Post und nicht nur eine Zeitung nach Küsnacht. Treue Mitarbeiterinnen und ergebene Mitarbeiter sorgten für die Aufbereitung des Weltwissens im Hause Mann. Ihm aber, wurde sein Bild vom mehrfach beschädigten und aus pathologischer Frustration vielhassenden Mann Hitler, dieser nicht akzeptierten und nicht angekommenen, gescheiterten „Künstlernatur“, zum „interessanten“ Verwandten, sei es auch nur für eine neue Tagebuchbetrachtung auf ein paar gefüllten Blättern Papiers. - Mehr ist es glücklicherweise auch nicht geworden!

 Die Entstehung des Textes und seines Titels verrät viel über die Irrungen und Wirrungen, die Intellektuelle, vor allem solche des Mann-Typs, überhaupt Bürgerliche, die 1938/1939 immer noch mit dem Unterschied von Zivilisation und Kultur rangen, erfassen konnte. Zunächst sollte der Text „Der Bruder. Tagebuchblätter.“ betitelt sein. Das ging nicht, schon allein wegen der sofortigen Assoziation, Thomas und Heinrich Mann, und wegen der versteckten Drohung mit einer Fortsetzung. Die sich rasch weiter entfaltende Gewaltpolitik des Dritten Reiches, ließ zudem Tagebuchseiten zum Nationalsozialismus und zu Deutschland ewig verspätet erscheinen.

 Wo aber brachte unser Bürgergenie die paar Zeilen unter? Im Männermagazin „Esquire“, das seit 1933 Amerika erfreute und so manchen Text berühmter Schriftsteller druckte. Da spielte die Assoziation und die feine Verästelung der Literaturwelt Europas und Deutschlands, das Schicksal der Emigration, die Wucht der nationalsozialistischen und faschistischen Machtübernahmen, keine allzu große Rolle. Der Eindruck des goldenen und ordentlichen Dekorums der Nazis und Faschisten wirkte noch tief und reichlich olympisch, weil die Oberfläche der Bilder immer mehr beeindruckt, als alle geheimen Berichte aus diesem seltsamen Reich der untergehenden Sonne, die zumeist von Kommunisten und Sozialisten stammten.

 Unter dem Titel „>>That man is my brother<<, and if genius is madness tempered with discretion, this sly sadist and plotter of revenge is a genius,...“, druckte „Esquire“, was Bermann-Fischer, notgedrungen in Stockholm, 1938 nicht ausliefern wollte und daran auch gut tat.

Allenfalls „peinlich“ sei die Verwandtschaft, aber besser als Haß, „aufrichtiger, heiterer und produktiver“, sei „das Sich-wieder-Erkennen“. Die Kopfzeilen der amerikanischen Übersetzung verstärken diesen Eindruck der Peinlichkeit noch, den die vielen Zuschreibungen und die für Mann selbst, eher kurzfristige Entdeckung einer gewissen künstlerischen Brüderlichkeit und Seelenverwandtschaft, bei vorsichtigen Lesern erzeugen. Hier ist Mann weder der Autor des Doktor Faustus, noch ein Analyst der Absichten und Urgründe des Nationalsozialismus. Letztlich gestattete er sich einen ästhetisch-intellektuellen Vorbeimarsch am Phänomen, der sich weder aus der Biographie des seltsamen Bruders für einen Augenblick, noch aus der eigenen Biographie wirklich ergibt.

 

Die Bereitschaft zur Selbstvereinigung mit dem Hassenswerten

 Mir „Ironie“ und „Interesse“ möchte Mann der „Katastrophe“ Europas entgegen treten. „Es ist mit dem Interesse ein selbstdisziplinierter Trieb, es sind humoristisch-asketische Ansätze zum Wiedererkennen, zur Identifikation, zum Solidaritätsbekenntnis verbunden, die ich dem Haß als moralisch überlegen empfinde.“ - Gut geschrieben, denke ich. Aber es fehlt jenes Moment, das aus dem bloßen Interesse eine unbedingte Notwendigkeit macht. Es fehlt jegliches Maß, angesichts der realen Brutalität des Dritten Reiches. Thomas Mann braucht den Bruder Hitler recht eigentlich nur für sich und seine Anschauung des Künstlers und der gescheiterten Künstlerexistenz. Das Politische geht ihm völlig ab und so verkleinert er, mehr ungewollt als tatsächlich erdacht, die vernunftmäßigen Gründe gegen Hitler Widerstand zu leisten zu einer Petitesse.

 „Ich will trotzdem die Augen nicht davor schließen, denn nochmals: besser, aufrichtiger, heiterer und produktiver als der Haß ist das Sichwieder-Erkennen, die Bereitschaft zur Selbstvereinigung mit dem Haßenswerten, möge sie auch die moralische Gefahr mit sich bringen, das Neinsagen zu verlernen. Mir ist nicht bange deswegen und übrigens ist Moral, sofern sie die Spontaneität und Unschuld des Lebens beeinträchtigt, nicht unbedingt Sache des Künstlers.“ - Nicht unbedingt Sache des Künstlers, möchte man gegen Manns Setzung ins Feld führen, aber eben nur „nicht unbedingt“, solange es auf die Moral nicht ankommt! Wer möchte aber behaupten, 1938 und 1939 sei es darauf nicht angekommen? Die fehlende Moral entsteht aus jener Beharrlichkeit, mit der auf die „Unschuld des Lebens“ gepocht wird.

Fehlende Moral, die hier so nonchalant als Haltung anempfohlen wird, verhöhnt alle jene, die zu genau gleicher Zeit, unter Umständen sogar mit ihrem Leben, entschieden dagegen sind ihre Seelenverwandtschaft mit Hitler zu analysieren, die dafür das ganz Andere, den Widerstand betreiben.

 Für Mann reichte es, Hitler nicht etwa als gegenüberstehendes Subjekt zu sehen, sondern als kleine Wiederspiegelung eines eigenen, tatsächlich nur angenommenen Seeleanteils. Hitler ist der freigewordene, fleischgewordene, losgelassene Teil dessen, was aus dem Bürger Thomas Mann geworden wäre, hätte ihm jemand den Beruf des Schriftstellers verwehrt oder wäre er als mediokrer Schreiber gescheitert. - Nein, das hat keine Wahrheit, jeder erkennt das heute. Die Worte sind so gewählt, dass sie für Rückschlüsse auf Thomas Mann als Person und Schriftsteller gar keine Kraft haben. Gleiches gilt aber auch umgekehrt, für die unmögliche und vor allem unmäßige Projektion Manns auf die Person Hitlers.

 In dieser Projektion entwickelt er gar die Assoziation, der gewaltsame Anschluss Österreichs (1938) an das Deutsche Reich, sei letztlich und tiefgründig eine Art zielstrebiger Kampf des kleinen Schnäuzers gegen den Begründer der Psychoanalyse, Sigmund Freud, seinen, in den Augen Manns, treffsichersten Interpreten. Das ist zwar sehr wohl irgendwie ästhetisch und kreativ bis in die letzte Haarspitze, dem an die Decke hochkräuselnden Rauch einer wohlschmeckenden Maria Mancini (2) nachgedacht, aber eben auch nur das.

 Tatsächlich sind psychoanalytische Deutungen Hitlers, gemessen an der Zahl der Abhandlungen zu diesem Mann Hitler, eher rar. Psychoanalytische Auslegungen in Thomas Manns Werk bleiben ebenso selten, -auch wenn das verbreitet nicht geglaubt wird-, sieht man einmal von den Mühen ab, die er sich um die Personage und die Handlung der Josephs-Tetralogie machte.

 Psychoanalytiker wussten immer schon, dass es sich beim Nationalsozialismus nicht um die individuelle Pathologie des Führers handelte und im Sozialen der Begriff des Pathologischen letztlich völlig leer bleiben muss, wenn ganze Nationen, nur scheinbar einem Willen unterworfen, handeln. Hitlers Macht speiste sich aus den Interessen und Ansichten, den tiefen Emotionen eines ganzen Volkes, die sich mit ihm als Person verbinden konnten, weil er sie nun einmal repräsentierte und das auch allzu gut wusste. Da hilft politisches, soziales und historisches Denken, aber kaum die individuelle Analyse einer vorgeblichen Bohèmeseele, die nur ihren persönlichkeitsgemäßen Wirkort irgendwie verpasst hätte, die, -mit dem Landschaftsnamen ist da gut spielen- , harmlos in der Provinz, im ewigen Kellerparterre oder in der Mansarde bleibt.

 Brecht und seine Schreibwerkstatt, Rudolf Olden der Jurist und politische Journalist, Karl Kraus der Verstummte, Klaus und Erika Mann, die Kinder des Nobelpreisträgers, Alfred Döblin, wie Thomas Mann, ehemals Mitglied der preußischen Akademie und Heinrich, der wahrhaftige Bruder, sie wussten mehr vom schwarzen Mann an der Spitze der Braunen. D.h., sie wussten, dass der junge Mann Hitler, so hätte Erik Erikson später geschrieben, wenn es ihm nicht um Luther gegangen wäre, nicht das System und seine weit verbreitete Ideologie erklärt (Näheres dazu und überhaupt zur verbreiteten Überdeutung, beleuchtet facettenreich, Marcel Atze, Unser Hitler, Göttingen (Wallstein), 2003).

 In Manns Wohnheimat, der Schweiz, veröffentlichte der Jurist und Journalist Konrad Heiden, Chefredakteur bei Schwarzschilds Pariser Exilzeitung „Das neue Tage-Buch“, seine zweibändige Hitler-Biographie, nachdem er als einer der ersten Pressemenschen Deutschlands, jahrelang und systematisch die Nationalsozialisten beobachtet und analysiert hatte. Dazu lagen auflagenstarke Bücher aus dem Rowohlt-Verlag und später aus dem Europa-Verlag in Zürich vor, der auch die beiden Bände, „Adolf Hitler, Das Zeitalter der Verantwortungslosigkeit“ (1936) und „Adolf Hitler. Eine Biographie. Ein Mann gegen Europa“ (1937) druckte.

 Genützt hat der Klarblick, ohne jede falsche Suche nach Seelenverwandtschaften, allen diesen Durchblickern wenig. Nur eine gewisse, manches Mal auch sehr ästhetische Wissensferne, die bürgerliche Konzentration auf das Eigene und Eigentliche, sichert wahrhaftig Weltruhm und Überleben. Das widerständige Engagement mit Seele, Leib und Leben, es kostet halt immer zuviel davon und dergleichen ist ureigentlich unbürgerlich.

 Es ist nicht so, dass Thomas Mann das leicht möpselnde und irgendwie Wirklichkeitsferne seiner Jonglage mit Begriffen wie „Verhunzung“, „Genie“, „Künstlertum“ nicht erkannt hätte. -

Aber die Solidarität, das Wiedererkennen sind Ausdruck einer Selbstverachtung der Kunst, welche denn doch zuletzt nicht ganz beim Worte genommen sein möchte.“ - Jede These zum bösen und katastrophischen „Genie“ Hitler, wird mit reichlichen Worten des Zweifels abgepolstert. Ein Verfahren, das schon seit der Debatte um die „Betrachtungen eines Unpolitischen“ bei ihm bekannt ist. Vorher und vor allem nachher, hat er durchaus anders und treffender über Hitler und das Nazi-Reich geredet und geschrieben.

 Allein, Mann beharrt hier auf seiner Sicht, als handele es sich beim Gegenstand seiner Betrachtungen um das angemessene Objekt eines beiläufigen Kunsturteils, das er sich schon in „jungen Jahren“, anlässlich seines einzigen Theaterstücks, -eher einer Gedankennovelle in Dramenform-, »Fiorenza«, gebildet habe. Hitler bleibt für ihn der gescheiterte Künstler der sein Metier aufgab, um sich im fachfremden Politikerberuf an jenen zu rächen, die ihm einst den künstlerischen Zugang zur Gesellschaft verwehrten. Nun bestimmte er, was noch Gesellschaft war und noch dazu gehören durfe.

 Mann bleibt bei diesem Blick mit dem Künstlerauge, weil er sein Anschauen zur Kunst machen möchte, so, wie er es mit seinem Ansehen, zur Nichtkunst, zur Aufhebung jeder Möglichkeit von Kunst, hätte erklären können, das aber partout nicht wollte. - Ja, unser Bruder Thomas Mann, er sagte am Anfang und Ende von allem, 1939, was wir Kleinmänner und Kleinfrauen uns so denken, wenn wir nicht viel denken: „Hätt´ der Adolf Schicklgruber doch nur ein paar Bilder und Postkarten mehr verkauft, wäre er gar Kunstakademiker geworden, wäre er nicht kriegszerüttet im Sanatorium zu Pasewalk gelandet, von wo aus sich eine Reihe an hysterischen Ferndiagnosen, einige waren schlicht gut erfunden, erstunken und erlogen, an seine Biografie anhefteten. Hätte er nicht die traumatische Erweckung verspürt, die er sich selbst andichtete und dann auch noch völlig ernst mit ihr gemacht,..., er wäre immer noch unser Bruder.“ - Ich sehe, auf wie viele „hätte nicht“ und „hätte“ ich mich da einlassen müsste.

 Hitler ist und war nie ein Bruder, gar unser Bruder, weder im Geiste, noch in der Realität, und er wird es auch nie mehr werden, nicht in Teilen, nicht mit einem Fitzelchen seiner Seele. - Das ist schon eine Generationenfrage. Hitler bleibt Geschichte und die Zeit der Nazis ein Geschehen, aus dem, mit natürlich wachsendem Abstand, immer mehr zu lernen möglich wird, wenn es nicht gerade um Kunst und Krankheit geht.

 Juden vergasen, die Opposition in den Grunewald fahren und über den Haufen schießen lassen, Bücher verbrennen, einen Weltkrieg anzetteln und noch reichlich weitere Kleinigkeiten dieser Art, das schaffen weder Künstler, noch Narren, noch sonstwie Kranke. Das gelingt nur kerngesunden, tatwilligen, motivierten und effizient planenden Bürgern und ihren Kleinformen, die sich von allem etwas versprechen, unter Umständen auch vom größtmöglichen Verbrechen. Das sind durchaus Leute, die sich an einem Tag vom „Fliegenden Holländer“ enthusiasmieren lassen und am nächsten Tag den Befehl zum Angriff geben, woraufhin viele gesund und tatkräftig dreinschauende Landsleute, „Jawohll!“ und „Gott mit uns!“ brüllen, dann vorstürmen und sich erst von schicksalsfrühen Wintern und weiteren widrigen Umständen der realen, der widerständigen Welt stoppen lassen, weil sie immer Ziele haben.

 

Das Web als Treff der vielen Voyeure auf den billigeren Plätzen

 Wenn also wir Brüder und Schwestern hinter unseren Firewall-Gardinen stehen und vorn, von den hochauflösenden Bildschirmen ruft es stolz, winkt es uns an, nackt oder angezogen gleichermaßen obszön, „Glotzt nur, aber bitte auf mich!“, wenn alle sprechen und schreiben, wie ihnen der Schnabel gerade gewachsen ist und alle Alles sagen, welchen Sinn hätte dann, wären wir nun tatsächlich alle irgendwie ein wenig Brüder und Schwestern Hitlers, Seelenverwandte des absolut bösartigen Verhaltens, in seiner milden Abschwächung, alltägliche Beleidiger, Ausschnittglotzer und lüstern Redende, SexistInnen, Schamlose, Betrüger, Falschredner und Falschparker, Verbrecher im Kleinen und Großen, jede Rede von der politischen Korrektheit? Es passte doch gar nicht zu uns, die wir doch alle ein bisschen sind, wie...!

 P.c. ist nicht die Politik und nicht das Leben, nicht Kultur und nicht das Wesentliche, obwohl für ihre Herstellung so viel Zeit verdaddelt wird. Was mich zunehmend daran stört, das ist der rein taktische Umgang mit der Kenntnis von Fettnäpfchen und wirklich miesen Taten.

Slut-Walkerinnen beanspruchen tatsächlich, dass man sich im Alltag mit ihrem Auftreten einverstanden erklärt, weil sie so sein mögen wie sie sind. Geschäftskunden und Vertreterrunden betrachten die Begutachtung und Nutzung des „Frischfleischs“ aus den Randzonen der EU als ihr gutes Recht, schon eingepreist in Verträge und Abschlüsse. Passend zur Höhe der Boni, der Provisionen, der Verkaufsabschlüsse, sind die „Waren“ mit differenzierenden Farbbändchen ausgestattet. - Hier gibt es die Lebensmittelampel schon. Eine Reporterin betrachtet ihre wichtigen Informationen als reine Spielmarken, die man zu passender Gelegenheit, -es wird gerade über jemanden in anderen Zusammenhängen viel geredet-, aber nicht bei der einzig richtigen Gelegenheit, auf den medialen Roulettetisch wirft. Chefredakteure begründen ihre Auswahl mit einer offenkundig doch eher zeitlich begrenzten und diffusen Informationsabsicht über einen Politiker als übergriffigen Lüstling, der auch sonst viel anstößt.

 Die Entlarvung eines mutmaßlichen und nun erstmals aufgefallen Sexisten auf politischem Posten beschäftigt die Republik mehr, als die routinierte Obszönität des fast freien Marktes an SexsklavInnen, die nach Art einer seltsamen "Reise nach Jerusalem" durch die deutschen Lande geschickt werden, bis sie sprichwörtlich „verbraucht“ sind. Dieser Markt ist in den letzten Jahren nicht geschrumpft, sondern legt Zuwachsraten hin, von denen andere Branchen nur träumen können. Die Profite aus dem nun anerkannten Gewerbe, sind für das Topmanagement, also jene die auch ´mal einem Versicherungskonzern behilflich sein können oder für VW sorgen, so gut, dass das Geld reicht, aus ihnen bald ehrbare Bürger zu machen. Die spenden auch einmal etwas, unter Umständen sogar für SOLWODI und das regionale Frauenhaus. Kiezgrößen und ihre Kunden zählen in Deutschland, das wurmt.

 Christoph Leusch

1) Der Text aus dem Neuen Tage-Buch und aus dem Esquire die englische Fassung, dazu eine russische Übersetzung ( http://larvatus.livejournal.com/291296.html ).

2) Maria Mancini, das ist „La Flor de Maria Mancini“, angeblich Thomas Manns Lieblings-Zigarrenmarke.

 

 

Kommentare (21)

janto ban 27.01.2013 | 19:56

|| Wenn also wir Brüder und Schwestern hinter unseren Firewall-Gardinen stehen und vorn, von den hochauflösenden Bildschirmen ruft es stolz, winkt es uns an, nackt oder angezogen gleichermaßen obszön, „Glotzt nur, aber bitte auf mich!“, wenn alle sprechen und schreiben, wie ihnen der Schnabel gerade gewachsen ist und alle Alles sagen, welchen Sinn hätte dann, wären wir nun tatsächlich alle irgendwie ein wenig Brüder und Schwestern Hitlers, Seelenverwandte des absolut bösartigen Verhaltens, in seiner milden Abschwächung, alltägliche Beleidiger, Ausschnittglotzer und lüstern Redende, SexistInnen, Schamlose, Betrüger, Falschredner und Falschparker, Verbrecher im Kleinen und Großen, jede Rede von der politischen Korrektheit? ||

Das scheint mir der Schlüsselsatz zu sein - und ich bin dabei, ihn zu entschlüsseln. Derweil wollte ich anmerken, dass die Mengenangabe "ein bisschen" vielleicht nichts ist, womit der Apotheker eine gute Salbe quackt.

Keynes soll mal gesagt haben, dass wir auf lange Sicht alle tot sind. Vielleicht ist da was dran...

seriousguy47 27.01.2013 | 20:10

Der Text erkundet ja umfänglich das "Wir sind doch alle kleine Sünderlein". Entweder habe ich es überlesen - bin nur drüber geflogen - oder es fehlt ein kleiner Teil des Phänomens: die schmierige Umarmung von "Unschuldigen" durch die "Täter". Die gewalttätige Vereinnahmung Unbeteiligter durch Täter.

Mir stieß das auf, nachedem der neolioberale Zauber in die Weltfinanzkrise gemündet war. Da waren wir plötzlich im Grunde doch alle "gierig", Sozialdarwinisten. "Psychologen" hatten schon lange davor alle Nächstenliebe/ Solidarität als im Kern "egoistisch" entlarvt, oder die Tatsache, dass der "Ehrliche oft der Dumme" ist auf die allumfassende Nützlichkeit des Lügens zurück geführt.

Wer sich da nicht getroffen fühlte, durfte sich dessen gewiss sein, dass mit ihm etwas nicht stimmte. Letzlich war es aber  nur eine Selbstentlastung der Schuldigen. Und wenn jeder Unschuldige erst einmal glaubt, er selbst könne auch Dreck am Stecken haben, wird er erst gar nicht versuchen, die Täter zu stellen. Er könnte sich ja abgrundtief blamieren und plötzlich ohne Hosen dastehen.

Und "Bruder Hitler" scheint mir einer feigen Selbstwahrnehmung von Menschen zu entspringen, denen ein Selbstwertgefühl nie gestattet wurde und die deshalb schon immer vorsorglich meinen, sie seien wohl schon auch "böse".

In sofern scheint es mir ein typisch deutsches Gefühl zu sein, das sich bis heute z.B.  dahin gehend fortsetzt, dass man es konsequent vermeidet, hinzusehen, wo es unter "Hitler" kleine Helden gab. Das besorgt ersatzweise das Ausland für uns.

Auch dies ein schöner gemeinsamer Abwehrnenner, auf dem sich alle treffen können. Die (Mit)Täter müssen nicht sehen, dass es vielleicht auch anders hätte gehen können. Die Unbeteiligten müssen die (Mit)Täter nicht stellen. Und alles hat seine Ruh.

Eine andere Variante des Phänomens scheint mir jene zynische Reaktion auf Empörung zu sein, die da sagt: Mein Gott, was regst du dich auf! Das ist doch kalter Kaffee/ halt der Kapitalismus/ war doch schon immer so/ so ist halt die Welt.... Auch dies ein probates Mittel, sich nicht engagieren zu müssen, kein Risiko eingehen zu müssen.....und am Ende kann man ja im Falle eines Falles immer noch  zerknirscht einräumen: bin halt "Bruder Hitler". Und gut is.

Apropos "Bruder Hitler".

Ian Kershaw:

Trotz aller abstoßenden Züge ist es aber undenkbar, dass die deutsche Gesellschaft vor dem Ersten Weltkrieg einen Hitler hervorgebracht hätte. Ohne den Krieg und seine Konsequenzen für Deutschland wäre der Aufstieg eines Wirtshaus-Demagogen, der nationale Erlösung versprach, unvorstellbar gewesen.

Erst in der umfassenden Krise von Staat, Gesellschaft und kulturellen Werten, die Deutschland in den katastrophalen Jahren der Wirtschaftskrise von 1930 bis 1932 ergriff, schienen Hitlers Versprechen - nationale Erlösung durch Erneuerung von Kraft und Einheit sowie durch rücksichtslose Vernichtung all jener, die sich in den Weg stellten - für immer mehr Deutsche einen Sinn zu ergeben.

1932 waren es über 13 Millionen. Wie häufig hervorgehoben, war das nicht viel mehr als ein Drittel der Wählerschaft. Selbst im März 1933, als Hitler bereits Reichskanzler war, entschied sich nicht einmal jeder zweite Wähler, seine Stimme der NSDAP zu geben. Trotz bösartiger Angriffe auf die Linke während des Wahlkampfs konnten Kommunisten und Sozialdemokraten zusammen immer noch fast ein Drittel der Stimmen erringen......

Zwischen 1933 und dem Vorabend des Krieges 1939 schien es genau dies zu sein, was Hitler nach Ansicht der meisten Deutschen geschafft hatte. Sebastian Haffner hat es so formuliert: Hitler habe damals "die große Mehrheit der Mehrheit" für sich gewonnen, "die 1933 noch gegen ihn gestimmt hatte".

Noch lange danach riefen sich viele dieser Menschen wieder ins Gedächtnis, was sie als die "guten Jahre" des Dritten Reiches empfanden: Es gab wieder Arbeit, die Wirtschaft blühte wie nie seit 1914, man war wieder stolz, ein Deutscher zu sein, und verspürte ein ganz neues Gefühl der Einigkeit.....

Die Gründe für die Zustimmung zu Hitler waren vielfältig: die Wiederbelebung der Wirtschaft und das Ende der Massenarbeitslosigkeit; das Ende der Entehrung durch nationale Erniedrigung; die Rückgewinnung von Gebieten, von denen man weithin meinte, sie seien Deutschland zu Unrecht durch den Versailler Vertrag weggenommen worden. Hinzu kam die Empfindung, dass Einigkeit und Zielstrebigkeit der Nation wiederhergestellt waren.

Die Unterstützung für Hitler umfasste aber auch die Unterdrückung von Minderheiten und die Ziele (wenn auch nicht immer die Methoden) der Rassenpolitik.“

Brauchts also nix Psycho. Geht auch ohne. Halt a bissle komplizierter.

oi2503 27.01.2013 | 21:52

Thomas hat es nicht gerafft. Ja und? Er hat seine dunklen Anteile projiziert? Ja und? Muss jemand, nur weil er "Weltliterat" ist, für alles herhalten? Warum? Die Ableitung von Mann zu Frau Kinski und zu Brüderle gelingt trotz - oder wegen- vieler Worte nicht.

Lies - wenn nicht schon geschehen, wovon ich ausgehe - "Hitlers Wien" von Brigitte Hamann. Dann wird einiges klarer.

Nebenbemerkung. Du solltest dich entscheiden, ob „sich das geistige Deutschland entweder im Exil (befand, Oi), war im KZ gelandet oder eben schon tot (1938! Oi). Ein Rest harrte, weitestgehend stumm, im Reich auf einer inneren, möglichst sicheren, Emigrationsstelle. Ein weiterer Teil machte, trotz einiger Bauchschmerzen, beim Dritten Reich mit. Wenn es ging, nur mit spitzen Fingern und solange das einigermaßen Erfolg hatte, kaum je darüber hinaus.“

Oder ob Hitlers Macht sich „speiste sich aus den Interessen und Ansichten, den tiefen Emotionen eines ganzen Volkes, die sich mit ihm als Person verbinden konnten, weil er sie nun einmal repräsentierte und das auch allzu gut wusste.“

Columbus 28.01.2013 | 16:42

Nein OI,

Wie schon im Beitrag geschrieben, geht es mir gar nicht darum, Thomas Mann als Person und Künstler, jawohl, das ist er vollkommen, abzuwerten. - Vielmehr ist "Bruder Hitler" Ausdruck einer Selbstverachtung und in seiner Weiterung, weil der Bezug auf  diesen Text mittlerweile floskelhaft verwendet wird, ist auch gehörig viel Selbstverachtung darin, sich brüderlich und schwesterlich mit einem Mordbuben zu denken und sei es auch nur in künstlerischer Absicht.

Hier gilt, was z. B. Jean Jaurès oder Alfred Grosser häufiger einmal in ihren Werken formuliert haben, woran es damals auch bei zahlreichen Intellektuellen sichtbar fehlte: Der Glaube daran, dass es gut ist eine Moral zu haben und sie in den entscheidenden Momenten auch zu verteidigen, gegen die Abwesenheit von Moral, macht sie erst wirkungsvoll!

Dem banalen oder absoluten Bösen, auch im Alltag, unter und mit Alltagmenschen, dem täglichen Glitsch und Klump, kann man nur widerstehen, wenn man Prinzipien hat und auch bereit ist, sie auch zu verteidigen. Das beinhaltet auch, das Problem gegensätzlicher oder unterschiedlicher Moralvorstellungen nicht dadurch zu lösen, dass man die Anderen mit der ganz anderen Moral auslöscht, vertreibt, verbrennt, usw....  

Die "Wissenden" , wie z.B. Konrad Heiden, wie Olden, sie hatten eine begründete Moral, die übrigens auch Thomas Mann später deutlich erkennt und anerkennt, dann zu ihr findet. Nur ausgerechnet 1938/1939 nicht.

Es ist fast so, als wollte uns der "Zauberer" auf einen Abgrund zuführen, in dem dann tatsächlich über poltitische Korrektheiten nach Tageslaune, Gefühlen der Frustration und Anerkennung, des Status des eigenen Selbstbildes und der Fremdbilder diskutiert wird.

Auch darum ist das Essay Manns so schamlos, zumal es unterstellt, diese Haltung sei Teil der Künstlernatur, gar Teil dessen, was den Künstler, in Weiterung das "Genie", ausmacht, bzw. mit bestimmt. 

Der Bezug zu den aktuellen P.c.-Debatten ist recht einfach. Wer keine Moral hat oder anerkennt, kann schwerlich noch ernsthaft über aktuelle Korrektheiten diskutieren. Das ist dann eher zu einer Macht- oder Modefrage verkommen.  Darum ging es mir.

Beste Grüße

Christoph Leusch

 

Columbus 28.01.2013 | 17:02

Tja, irgendwann muss man sich ´mal entscheiden, Abghoul.

Entweder hat man eine Moral, die ist dann auch diskutabel, oder es gibt keine, dann kann man auch keine P.c.-Debatten führen.

Beim großen Zauberer des deutschen Romans kommt noch diese halbseidene Haltung hinzu, es sei Teil der Künstlernatur und -Seele,  ein wenig freigestellt von Moralität zu sein, damit die Kunst keinen Schaden nimmt und auch nicht die Künstlerseele.

Ich habe hier nichts zur paradigmatisch noch trickreicheren Haltung Gottfried Benns oder Ernst Jüngers geschrieben, das wären noch einmal mindestens 2 x 20.000 Zeichen.

Weiter

Christoph Leusch

 

Columbus 28.01.2013 | 17:32

Dem Zitat aus Kershaw mag ich nichts hinzufügen, Seriousguy.

Er ist übrigens einer der Historiker, der sich auch psychoanalytischer Ansichten zur Erklärung der Person Hitlers bedient, es aber nicht übertreibt. Wie schon geschrieben. Außer einigen, eher vulgären psychologischen Versuchen, Hitler sei der zu kurz gekommene Emporkömmling, hier eben mit Thomas Mann, der gescheiterte Künstler, sind solche Analysen meist blass geblieben.

Ein weiteres Feld wäre, nun einmal genauer aufzuzeigen, was Sozialpsychologie, Soziologie und Analyse zu kollektiven psycholgischen Phänomenen zu sagen haben. Derzeit haben wir ja einen bekannten und anerkannten Sozialpsychologen, Harald Welser, der sich genau damit beschäftigte und immer noch lesenswert ist, was Broch, Canetti, , Le Bon, Freud,  Manès Sperber und  Wilhelm Reich dazu schrieben.

Ein ganz aktuelles Feld, angesichts der "Etntäuschung" um den arabischen Frühling und die völlig festgefahrene Situation in Palästina und Israel, ist ja, wie es eigentlich möglich ist, im Rahmen einer beständigen P.c.-Diskussion den je Anderen die Moral abzusprechen.

Beste Grüße und Dank für die Ergänzung

Christoph Leusch

elisRea 29.01.2013 | 13:57

"Hitlers Macht speiste sich aus den Interessen und Ansichten, den tiefen Emotionen eines ganzen Volkes, die sich mit ihm als Person verbinden konnten, weil er sie nun einmal repräsentierte und das auch allzu gut wusste."

(Fettformatierung von mir.)

Nicht zu vergessen: Hitlers Macht speiste sich u.a. aus folgendem Futter:

- Kirdorf zahlte zwischen 1930 und 1933 600000-700000 Reichsmark an die NSDAP,

- Flick und Vögler förderten die Partei ab 1932,

- Sir Henry Deterding, der herr des Shell -Konzerns, schon ab 1930,

- Hugenberg ließ Hitler von den ihm zufließenden politischen Geldern der großen Industriekonzerne jährlich etwa 1/5 zukommen,

- Schacht knüpfte für Hitler verbindungen zur Kommerz- und Privatbank sowie zur Deutschen Bank,

- Thyssen war schon vor 1923 mit der NSDAP verbunden,

- IG-Farben ..... usw.

Aus: A. Hillgruber, Die Auflösung der Weimarer Republik, Hannover 1960, S.29

"Außer diesen viuer Italien benachbarten ländern hat sich ein großes Land in der letzten Zeit starke Sympathien beim ganzen italienischen Volk erworben: ich spreche von Deutschland."

Aus: Mussolinis Mailänder Rede vom 1. Nov. 1936, Internationale Politik im 20. Jhdt., a.a.O., bd.1, S.104

"... er und die Mitglieder der englischen regierung [wären] davon durchdrungen, dass der Führer nicht nur in Deutschland selbst Großes geleistet habe, sondern dass er auch durch die vernichtung des Kommunismus im eigenen Lande diesem den Weg nach Westeuropa versperrt habe und dass daher mit Recht Deutschland als Bollwerk des Westens gegen den Bolschewismus angesehen werden könne. ..."

Zit. nach: Akten zur Deutschen Auswärtigen Politik, SerieD, bd.2 Nr. 31 Anlage

"Es ist unverrückbar, dass wir die Volkstumsgrenze um 500km herausschieben, dass wir hier [im Osten] siedeln. es ist unverrückbar, dass wir ein germanisches Reich gründen werden..., so dass wir unsere Blutbasis ... vermehren... Denn unsere Enkel und Urenkel hätten den nächsten krieg verloren, der sicher kommen wird... wenn nicht die Luftwaffe im Osten ... stehen würde."

Himmler vor den Reichs- und Gauleitern der NSDAP am 3.Aug. 1944 in Posen, zitiert nach: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, 1/1953, S.357f

Wenn man seinen Blick zu sehr auf Hitler fokusiert, verliert man schnell andere  Verbrecher aus dem Auge.

Die Frage ist, hätte es ohne einen Herrn Hitler das Dritte Reich mit seinen Verbrechen nicht gegeben?

Columbus 29.01.2013 | 14:48

Das ist doch was, Herr Kuntz. Die Natur ist identisch mit dem, was der Begriff Gott ausdrückt. Na, dann gibt es zumindest für sie, mich, die Tiere und Pflanzen die Chance auf eine Seele (;-)). Die Frage bleibt, muss sie einen verbrecherischen, mörderischen, planend andere Seelen auslöschenden Inhalt oder Teil, oder gar Kern haben, die gute Seele? Wären wir also ein bisschen wie,....

Dawei

Christoph Leusch

 

Columbus 29.01.2013 | 15:10

Abghoul, dazu fällt mir noch ein, passend zum Thema. Kann es Moral aus dem Ich oder Selbst heraus überhaupt geben? Das wäre eine Art Eigenmoral, die sich selbst Grenzen setzt und sich, weil das ja stimmt, wir übertreten Moralvorstellungen und Gesetze, sogar die eigenen, selbst für die Verletzung der Regeln, wie auch immer, bestraft.  

Die braune Ideologie predigte:  1. Das (deutsche)Volk trage, verkörpere kollektiv den Kern der Moral. "Du bist nichts, dein Volk ist alles!" Dann aber auch, 2. Selbst in diesem Volk gibt es Idealtypen, die der Zucht dienen und biologisch, wie geistig überlegen sind. Für sie gilt eine andere, eine Art Sondermoral. Sie werden z.B. gepaart, dürfen  töten, dürfen rauben, unterdrücken und ausbeuten, bzw. sollten das einmal, als neue Herrenschicht im Osten. 3. Paradigmatisch in Hitlers Testament, in den vielen Nerobefehlen, im Verhalten der Goebbels und vieler anderer Nazis: Wenn wir scheitern, dann ist nicht nur unsere Existenz nichts, sondern alle müssen mit untergehen, auch die Volksgenossen des auserwählten Volkes. 4. Die Paradoxie: Selbst im Scheitern verpflichtet der Diktator seine Nachfolger und Gläubigen, die Rassegesetze einzuhalten (Hitlers Testament), obwohl sich doch sein auserwähltes Volk als nicht stark genug erwiesen hat.

  Beste Grüße

Christoph Leusch

 

Konfuzikuntz 29.01.2013 | 17:20

Das ist doch was, Herr Kuntz. Die Natur ist identisch mit dem, was der Begriff Gott ausdrückt.

Das wäre Pantheismus. Ein Panentheist sieht AUCH die Natur als Teil der göttlichen Welt an, die aber sehr viel mehr ist als die Natur. Für mich ist auch ein Marienkäfer - Geist. :)  Alles Facetten des eigentlichen Seins, des grenzenlosen Geistes, des "ungeschaffenen" Kerns Gottes... In diesem Denken wäre Ihre Seele - da bin wahrscheinlich "naturalistischer" als Sie es Ahnen - nichts was "Ihnen" gehört, sondern gar nichts anderes als das Bewusstsein des Gottesfacette Columbus für ihr eigenes Dasein, das im Kern Gottes, sprich "außerhalb" der Natur und des Universums beheimatet ist. Ich halte das übrigens für ernsthaft wahr und habe infolgedessen auch gar kein Problem damit, "Seele" in Gehirnzuständen zu sehen etc. pp.

Am Ende des "Untergangs" freut sich der Führer auf die ewige Ruhe.  Der richtige Teufel kennt Gott. Man denke an Mephisto...

Columbus 30.01.2013 | 22:56

Nach meiner Überzeugung geht das nicht. Es gibt keine autonome Moral, auch wenn das manche Intellektuelle, in der Folge einer falschen Nietzsche-Rezeption glaubten (glauben?). Es gibt auch keine spezielle autonome Künstlermoral und keine Freistellung aus Erkenntnisgründen. - Wer das glaubt, kommt in Schwierigkeiten, erzeugt aber noch mehr Schwierigkeiten für Brüder und Schwestern.

Das wäre nun ein Thema für sich und bräuchte viele Zeilen. Nietzsche käme aber mehrfach vor. -Eine Frage der Zeit.

Beste Grüße

Christoph Leusch