Gustlik
22.03.2013 | 09:37 19

Wir sind Einmalwaschlappen

Obsoleszenz Grüne kritisieren eingebaute Schwachstellen in Elektrogeräten. Doch ein Rumlöten am System bringt keine Besserung

Wir sind Einmalwaschlappen

Einmalwaschlappen

Screenshot: MaiMed


Das Wort "Mangelwirtschaft" wird gern von Frontberichterstattern benutzt, wenn der Osten mal wieder in Blockschokolade aufgeteilt wird.

Ich habe mein erstes Fahrrad aus der Mangelwirtschaft bezogen. Es wurde aus Altteilen zusammengebaut, die auf dem Müllplatz der DDR gesucht wurden. Von Modell- oder Markentreue konnte damals noch keine Rede sein. Es wurde verbaut, was gerade passend gefunden wurde. Später kamen Einzelteile aus Altradios hinzu. Kondensatoren und Widerstände, die in Wermsdorf oder der Berliner Kastanienallee gerade nicht zu bekommen waren, wurde ausgelötet, um sie für Bastlerzwecke zu verwenden.

Das letzte Fossil aus jener Zeit scheint der Lada Niva zu sein, der seit 1976 gebaut wird und immer noch als Neuwagen zu bekommen ist.

Die Zeiten haben sich geändert. Einen Rundfunk- und Fernsehmechaniker findet man kaum noch. Die erste Kaffeemaschine für 9,99€ liegt längst im Wald, am Straßenrand oder wird verwertet.

Haben wir noch Achtung vor Geräten, vor Technik, vor Ingenieursleistungen? Scheinbar wird mehr und mehr jedes Gerät zum Einmalwaschlappen. Ein Lötkolben wird zum Museumsstück...

Die Grünfraktion hat eine Studie in Auftrag gegeben, um eingebaute Schwachstellen bei Elektrogeräten aufzudecken. Zusammen mit Murks? Nein Danke! wurde ein umfangreiches Papier veröffentlicht.

Was wir eigentlich schon wissen, dass verschiedene technische Konstruktionen in unserer Haushaltswelt unbewusst und (mehr) bewusst mangelhaft sind. Jeder Ingenieur hängt längst von Wachstums- und Umsatzzahlen ab und solle gefälligst das Teil so konstruieren, dass Nachfrage bleibt.

Man konnte es fast erwarten, dass diese Studie nur bis zum "Green New Deal" reicht. Es wird viel diskutiert, aber der Kapitalismus mit seinen Verwertungsmechanismen lässt sich nicht begrünen. Da hilft auch kein Dosenpfand.

Wer sich auf den Trampelpfad begibt, um einen Ausweg aus "geplanter Obsoleszenz" zu finden, wird schnell an die Grenzen dieser Gesellschaft stoßen.  Wachstum, Wachstum, Wachstum ist Pflicht. Gerechtigkeit bei der Aufteilung von Ressourcen, Sparsamkeit und Langlebigkeit stehen gerade nicht auf der Agenda.

Unser Land befindet sich im Endstadium der kapitalistischen Mülltrennung. In der Mangelwirtschaft gab es keine "geplante Obsoleszenz".

Kommentare (19)

Oberham 22.03.2013 | 10:45

Danke wunderbar auf den Punkt gebracht -

leider hat mich der TüV vor einigen Jahren schon von meinem Renauld Rapid getrennt - der heute noch in Bulgarien lebt und fährt (ich hab Kontakt mit dem neuen Besitzer)........

.... bei alten Autos sind sie sehr verantwortungsvoll, leider dürfen 20 jährige aber mit 400 PS Monstern die Staßen bevölkern.

Übrigens die Stereoanlage aus den 70ern - meine erste und einzige - funktioniert immer noch - und da kann man sogar noch drann basteln, fällt man den Kondensator aus - oder der e-motor des Plattenspielers gibt auf ..... (Nadeln hab ich auf Reserve....)

Gegen die Obsoleszenz anzukämpfen mach nicht nur Sinn, sondern oft auch Spaß!

Die Waschmaschine wollten sie schon vor 20 Jahren nicht mehr reparieren - inzwischen läuft sie eigenmodifiziert seit 10 Jahren strörungsfrei  - nur die Dichtungsgummis muss man ab und an mit Silikon behandeln damit sie spröde werden.

Anmerken möchte ich, dass heute die Dinge nicht mal mehr kaputt gehen müssen - die Leute kaufen sogar schon neu, nur weil die Produktzyklen qua Modellwechsel es ihnen befehlen - der gut konditionierte Konsumtrottel muss das neueste Modell in Sachen - Elektrogimmik, Mobilitätsmonstrum oder Modelabel (sorry Ladies - Mode ist wohl der beste Obsoleszenz Trigger des es überhaupt gibt - ja - manche Damen heben die Dinge auf und wissen in einigen Jahren kann man es wieder herausholen - manche stehen auch drüber.... - dafür werden die Herren immer modeaffiner - bin als Uraltjeansträger manchmal auch voll up-to-date - ....).

Es ist ein Aspekt, einer den wir alle sooooo leicht sabbotieren könnten, der unsere Irrsinnswelt ausmacht.

Gustlik 22.03.2013 | 10:59

Natürlich gibt es immer ein Interesse an neuen Dingen... Das war schon immer so. Niemand will, dass Herr Müller sein Heimkino in Flachbildschirmformat gegen ein Radio aus den 50er Jahren eintauscht, um nur noch Radio Hilversum zu hören...
Trotzdem vermissen wir, dass Menschen heute zu ihren Geräten eine "Beziehung" aufbauen. Die Taktzyklen werden immer kürzer, technisch reift kaum noch etwas aus... Man könnte auch Verschwendung dazu sagen.

fahrwax 22.03.2013 | 13:19

*****

Als bekennender Reparaturbetrieb des Kapitalismus werden die GRÜNEN nicht daran vorbei kommen uns gläubige Reparaturtrupps zur kostenlosen Waschmaschinen-Wiederherstellung ins Haus zu schicken?

Kann der Glaube auch Waschmaschinen(zwerge)berge versetzen?

Man stelle sich vor, es ist Wahlkampf und der Wähler lacht sich vor der Stimmabgabe tot.

Lukasz Szopa 22.03.2013 | 13:49

Vielleicht liegt ein Teil der Lösung im Durchwühlen der "Müllhalden" - bzw. von Altwaren-Länden etc. Dort findet man vielleicht alte Kaffeemaschinen, für die man wiederum durchaus einen Reparatur-Spezialisten (und der wiederum Teile) findet. Wobei die Grundfrage ist: Sollte man nicht die Kaffeemaschine ohnehin durch Kaffemühle & einen Kocher ersetzen?

Was Mode angeht so muss ich Teilweise - nicht nur die Frauen - verteidigen: Die RETRO-Mode hilft dem Recycling, oder? Wenn ich daran denke, wie gut ich alle Sachen hier in Berlin verkaufen könnte, die meine Mutter in den 70ern getragen hat!...

Oliver Wunder 22.03.2013 | 14:44

Vom Umsatz durch die notwendigen Ersatzneukäufe profitieren nur die Unternehmen. Gewinne entstehen also nicht durch ein gutes Produkt sondern durch Mängel in ihnen, die es schnell verschleißen lassen, den Verdacht aber nicht auf den Produzenten lenken. Inzwischen sind wir den Verschleiß gewohnt. Ein Handy ist nach zwei Jahren hoffnungslos veraltet und der Akku hält nur noch wenige Stunden. Jede:r kann dazu eine Geschichte erzählen. Natürlich ist das nicht immer so und so manche Sollbruchstelle will auch nicht zerbrechen. Toi toi toi, mein Drucker hält mir seit neun Jahren die Treue.

Verbraucher:innen fragen sich: "Woher weiß ich, welches Produkt qualitativ hochwertiger ist und länger hält?" Über den Preis wird das nicht ersichtlich . Ob Urteile von Stiftung Warentest & Co. ausreichend sind? 

Dä Krämer 22.03.2013 | 23:14

Der Akku meines Mobiltelefons hält ein halbes bis ein dreiviertel Jahr. 
Aber ich komme auch dieselbe Zeit mit 15 € Prepaid hin!

Auch mein gebrauchtes iPhone habe ich ein Viertel Jahr lang genutzt und es dann wieder verkauft. (Der Akku hielt bei wenig Nutzung fast fünf Tage, aber nur einen halben, wenn ich beispielsweise eine Navi-App nutzte). Wenn ich wieder eins brauche, werde ich mir wieder eins besorgen.

Es sind nicht immer die Hersteller, sondern auch die Konsumenten, welche immer alles zu jeder Zeit bis an die Kante nutzen wollen, die das Ding kaputt machen.

Im Übrigen gibt es durchaus hochwertige Dinge, welche natürlich auch (meistens) einen höheren Preis haben. Ich sehe das oft bei Fahrrädern von Bekannten, welche sich wundern, was da alles wie schnell kaputt geht.
Aber wenn einem schon 100 € viel für einen Fahrradkauf zu sein scheint, oder man die Sonderangebote sieht, die  fabrikneue Vehikel mit Vollfederung für wenig mehr anpreisen, dann muss der/die KonsumentIn schon fragen lassen, was er erwartet.
Ich habe bei einem Gebrauchtkauf noch eine Null drangehängt und kann bis heute nicht klagen. Voraussetzung ist allerdings entsprechende Pflege des Gerätes.

Und klar, es gibt die vergossene Elektronik und Ähnliches auch bei hochpreisigen Sachen und den Kapitalismus werde ich durch mein Verhalten nicht unbedingt revolutionieren, aber deshalb in die Opferhaltung zu gehen und die große Verschwörung der Produzenten zu vermuten, ist nicht mein Ding.

Im Übrigen kann ich mich entsinnen, dass im Sozialismus die Qualität der hergestellten Sachen auch nicht gerade als berauschend galt…

 

Oberham 23.03.2013 | 08:38

... sie werden vielleicht lachen, ich hoffe nicht zynisch, falls sie es tun - mein Rechner stammt aus dem Kontainer des Wertstoffhofes - und im Keller liegen fünf Tatstauren die alle noch funktionsfähig sind - plus Ersatzteile die bis an mein Lebensende wohl reichen dürften - ich hab das Zeug "geklaut" - den auf eine höfliche Anfrage ob ich dies und jenes mitnehmen dürfte, erhielt ich ein klares Nein - und - ich hatte keine Lust für einen Geldschein ein Ja zu bekommen.

An alle - Klauen auf einem Wertstoffhof sollte man wenn Hochbetrieb herrscht - notfalls kann man sagen, wenn einen beim "zurücktragen" einer anspricht - "ich habe es mir doch anders überlegt...... - ganz frei und offen heraus - so kommt kein Verdacht auf ..... - oder noch besser - wer Lust hat - einfach warten - den abliefernden Menschen bitten das Teil nehmen zu dürfen - wenn er es dir gibt -bevor es im Container liegt, ist es nicht einmal Diebstal - dann ist es eine ganz legale Schenkung."

Also meine Bibliothek wächst seit 10 Jahren gratis, meine Elektrogerate incl. Computer - gratis - im Grunde leiste ich einen Beitrag zur Verringerung der Umweltbelstung seitens Abfallaufkommen.

Trotzdem - ich habe kein Messiambiente - vielleicht sollte ich mal in meinem Blog eine Lebensfibel für Null-Euro-Konsum posten......

Manchmal frequentiere ich tatsächlich den Elektrosupermarkt - schau mir so die neuesten Dinge an -

ich hab einen 21 Zoll Bildschirm - (vielleicht gibts ja mal einen Flat  - doch die waren bis dato alle - für mich - irreparabel) - gestochen scharf - Augenschonend - eine Cherry-Tastatur (neu) die letzte war wirklich total ausgeleiert und - ja - die hab ich zu Grabe getragen - .............

es scheint die Menschen lieben aber inzwischen möglichst kleine Bildschirme - sie surfen lieber mit Smart-Phone - oder Tab - ist mir alles viel zu klein - und wenn ich gehe, wander, stehe - brauch ich nicht die Begleitung von elektronischen Out- und Inputapparaten - hab noch einen alten Walkman mit Radiofunktion ;-)............. - manchmal schalt ich den tatsächlich ein - doch meist steckt ein Buch im Rucksack.

Ja - wie schon hier gesagt - man soll sich nicht über die technische Entwicklung echauffieren - mag sein ich bin da zu intolerant...............

 

Oberham 23.03.2013 | 08:42

... also ich hatte in den 90ern beruflich ein Mobiltelefon, mit dem konnte man schon damals telfeonieren - soweit ich mich erinnere, wirklich gut - das Teil war etwas klobig - wobei - ich trug es nicht ständig bei mir, entweder es lag im Auto oder in der Aktentasche.

Kann man mit den neuen Mobiltelefonen Dinge, die man damals nicht hatte?

Also - ich meine jetzt in Bezug auf das Telefonieren????

(Konferenz ging auch in den 90ern....)

Vaustein 23.03.2013 | 18:49

Zweifellos gibt es Firmen, die konstruktiv ein frühes Verfallsdatum in ihre Produkte einbauen. 

Andererseits gibt es aber auch Firmen, die ihre Produkte mit hohem Qualitätsanspruch und langer Haltbarkeit entwickeln. Nicht immer, aber häufig ist dies natürlich eine Frage des Preises. 

Einige  Beispiele für die letzteren habe ich im eigenen Haushalt. Meine Musikwiedergabeanlage besteht u.a. aus einem Vorvertärker eines kleinen deutschen Herstellers. Dieses Gerät betreibe ich seit ca. 20 Jahren fas täglich. Seit 2 Wochen hat es kleine Störungen. Der Hersteller bietet an, es für 330,00 € auf  Vordermann zu bringen und es im Detail sogar zu verbessern. Bei denen weiß ich, dass es dann sicher weitere 20 Jahre benutzt werden kann. Der dazugehörige Plattenspieler (Platine Verdier) ist so konstruiert, dass er bei gelegentlicher Lagerölung mehrere Generationen überleben wird.

Unsere Brotschneidemaschine (Fabrikat G....) arbeitet seit über 20 Jahren perfekt.

Der Werbeslogan von Manufaktum "es gibt sie noch, die guten Dinge" hat durchaus seine Berechtigung. Man muss sich bei der Anschaffung mancher Geräte eben die Mühe machen, sich um die Qualitäten der betr. Produkte zu informieren. 

Rupert Rauch 23.03.2013 | 19:23

Ich habe auch schon Zeug vom Wertstoffhof mitgehen lassen. Zum heulen, dass man da eigentlich nichts mitnehmen darf. Genauso unsinnig, wie viele Supermärkte Containern unterbinden, indem sie die Mülltonnen verschliessen oder verstecken.

Will man Obsoleszenz wirksam unterbinden, bietet sich eine Kombination aus verlängerter Garantie und mehr Qualitätstransparenz (ala Stiftung Warentest) an.

 

Helmut Eckert 24.03.2013 | 10:23

Meine Miele Waschmaschine läuft seit 22 Jahren ohne eine Beanstandung. Das Modell war die erste Maschine mit elektronischer Steuerung. Top Qualität!

Im Oktober endete die Garantie meines Flachbildfernsehers Marke Phillips! 81er Durchmesser. Von allen Fachzeitungen damals als sehr gut bewertet. Jetzt im März begann das Gerät stark nach verbranntem Gummi zu stinken. Ich musste den Fernseher abschalten. Er bringt Bild und Ton weiterhin. Nur eben nach 30 Minuten Laufzeit, stinkt er.

Mein elektronischer Heizungsregle ( Preis: 14,95 Euro), gab nach 4 Wochen den Geist auf. Der Reglerstift klemmt.  Leider lässt sich das Gerät nicht öffnen. Die verwendeten Schrauben wurden maschinell eingebaut und sind so fest, dass ich sie nicht entfernen kann. Das Gerät würde wahrscheinlich sehr schnell wieder funktionieren. Pech gehabt- Schrottherstellung. Anruf beim Hersteller- kein Kommentar!

Die Kaffeemaschine Marke Rowenta lief gut 2 Jahre. Dann löste sich der Schalter in seine Bestandteile auf. Gleichzeitig brannte das Innenleben kurz auf. Das war der Tod für das Gerät. Reparatur nicht rentabel.

Der Flachbildschirm von Samsun ging nach 2 Jahren in die Insolvenz. Er streikte und verweigerte die Mitarbeit. Reparatur nicht angebracht, zu teuer.

Die Angelrolle für 39,50 Euro aus China hielt nur einen Sommer. Reparatur nicht möglich. Exporteur nicht mehr im Geschäft. Der Verkäufer gab mir einen Gutschein.